Die Zentralwerkstatt bildet das Zentrum der „Altstadt“ des Zanders-Areals. Foto: Thomas Merkenich

Das Jugendzentrum Q1 wird auf dem Zanders-Areal nicht in der bekannten Form fortgeführt, sondern lediglich einzelne Angebote leisten – in der Zentralwerkstatt und im Gleispark. Eine exklusive Nutzung von Teilen der Zentralwerkstatt passe nicht zum Konzept des sozio-kulturellen Zentrums und könne die Förderung durch das Land gefährden, erklärt die Stadt auf Nachfrage.

Das Angebot der Stadt an die Jugend war nicht üppig, schien aber klar: Wenn das alte Q1-Gebäude am Quirlsberg aufgegeben wird, ziehen Pfadfinder und Kindergarten-Museum in ein neues, kleines Jugendquartier ein Stück die Hauptstraße hoch – und das Jugendzentrum Q1 der evangelischen Kirche kommt (ebenfalls auf kleinerer Fläche) in der Alten Zentralwerkstatt auf Zanders unter.

Im Prinzip stimmt das, aber nicht so ganz, stellt die Stadt jetzt auf eine erneute Nachfrage klar.

„Es geht nicht um eine Fortführung des Q1 an einem anderen Standort, sondern um die Entwicklung eines neuen offenen Angebotes für junge Menschen, das sozialräumlich und agil ausgerichtet sein wird“, heißt es in einer gemeinsamen Antwort der Stadtverwaltung und der Zanders Entwicklungsgesellschaft (ZEG). Diese Nutzung müsse sich in das „hochwertige“ Umfeld einpassen.

Für die Jugendarbeit des Q1, das hatte die Stadt im März mitgeteilt, können in der Zentralwerkstatt ein ebenerdigen Raum von gut 106 qm sowie ein weiterer im Obergeschoss mit 95 qm genutzt werden – die aber mit anderen Nutzern geteilt werden müssen. Weitere Angebote sollen unter freiem Himmel, im neuen Gleispark, ihren Platz finden.

Der Gleispark bietet vielseitige Sport- und Freizeitmöglichkeiten, hier sind die Jugendzentren bereits jetzt abwechselnd vertreten. Foto: Thomas Merkenich

„Keinerlei verwaltungsinterne oder politische Beschlüsse“

Eine „alleinige Nutzung von Räumlichkeiten“ durch das Q1 sei nicht geplant. Ob und wie der „Offene Treff“, der das Herzstück eines Jugendzentrums bildet, in der Zentralwerkstatt erhalten bleiben kann, ist unklar. Das konkrete Konzept, so die Stadt, werde mit dem Träger, der evangelischen Kirchengemeinde, noch entwickelt. Die Kirche sei mit den Plänen soweit einverstanden; sie selbst reagierte auf eine Nachfrage zunächst nicht.

Stadt und ZEG betonen, dass bislang nichts in Stein gemeißelt sei: „Bis heute gibt es keinerlei verwaltungsinterne oder politische Beschlüsse zur Unterbringung der Jugendeinrichtung Q1 (Träger evang. Kirche) – in welchem Ausmaß und in welche Art auch immer – auf dem Zanders-Gelände.“

Frank Stein auf dem Weg zum Interview vor der Alten Zentralwerkstatt. Foto: Thomas Merkenich

Der damalige Bürgermeister Frank Stein hatte die Richtung im Juni 2025 vorgegeben: „Perspektivisch soll die Jugendarbeit in der Zentralwerkstatt auf Zanders stattfinden“, hatte er dem Bürgerportal gesagt. Er hatte also nicht von „dem Jugendzentrum“ gesprochen; doch weder er noch sein Nachfolger Marcel Kreutz oder andere Vertreter der Stadt hatten den öffentlichen Eindruck korrigiert, „das Q1“ ziehe um.

Zentrale Lage erfordert Rücksichten

Das Jugendzentrum muss sich in das Gesamtkonzept für das Zanders-Areals einfügen, in mehrfacher Hinsicht. Zum einen wird das soziokulturelle Zentrum in erheblichem Umfang vom Land NRW gefördert. Weicht die Stadt vom vereinbarten Nutzungskonzept ab, könnten diese Mittel in Gefahr geraten, deutet die Verwaltung an.

Zwar sei eine „Mitbenutzung des Q1“ aus der städtebaulichen und fördertechnischen Sicht „denkbar bzw. verträglich“. Aber nur, „soweit sie dem Anspruch und Planungs-/ Förderziel der gemeinschaftlichen Nutzung/ Bespielung der Fläche und des Gebäudes für alle Altersgruppen im Rahmen der Quartiersentwicklung zu Gute kommt“.

Zum anderen liege die Zentralwerkstatt nicht auf der grünen Wiese oder in einer Randlage, bemerkt die Stadt. Sondern im Zentrum des Areals, mitten in der sogenannten Altstadt mit den großen, denkmalgeschützten Gebäuden (Kalandersaal, Sortiersaal, Lagerhochhaus), die zu hohen Preisen an Investoren vermarktet werden sollen. Nutzungskonflikte sollten daher vermieden werden.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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