Unsere Autorin erfährt, dass ihr Kind hochsensibel ist – und sie selbst auch. Obwohl es weit verbreitet ist, weiß kaum jemand über das Thema Bescheid. Dabei kann es, unerkannt, zu großen Problemen führen. Was ist Hochsensibilität? Wie erkennen Eltern, ob ihr Kind betroffen ist? Und wie gehen sie damit um? Viele Fragen, viele Antworten im großen Überblick.
Mein Kind war 14 Monate alt, wir waren zur U6 beim Kinderarzt. Der Arzt beobachtete den Kleinen, der seine Augen überall hatte, auf jedes Geräusch, jeden Reiz reagierte. „Das scheint mir in Richtung Hochsensibilität zu gehen“, sagte er.
Da hatte ich ihm noch gar nicht erzählt, dass mein Sohn jeden Tag, nachdem wir ihn aus der Kindertagespflege abholten, erstmal eine halbe Stunde schrie. Dass er furchtbar schlecht schlief und in lauten Umgebungen komplett überdrehte.
Seit den 1990er-Jahren bekannt
Zurück zu Hause fing ich an zu lesen. Stieß auf einen Test, mit dem Eltern herausfinden können, ob ihr Kind vielleicht hochsensibel ist (hier geht es zum Test). Die Antwort war eindeutig. Mehr zum Spaß machte ich anschließend auch den Test für Erwachsene – und fiel aus allen Wolken: Ich hatte fast alle Fragen mit „Ja“ markiert.
Wieso hatte ich noch nie von dem Thema gehört? Bereits in den 1990er-Jahren prägte die US-amerikanische Psychologin Elaine Aron das Konzept der Hochsensibilität als Temperamentsmerkmal mit unterschiedlicher Ausprägung in der Bevölkerung. Auf ihre Forschung gehen die oben genannten Fragebögen zurück.
Und es ist kein kleines Randphänomen: „15 bis 20 Prozent der Bevölkerung sind hochsensibel“, sagt Beate Gräf, Internistin und Hausärztin in Schildgen sowie ganzheitliche Coachin für Hochsensibilität.
Was ist Hochsensibilität?
Gräf beschreibt Hochsensibilität als „nicht pathologische Neurodivergenz“. Neurodivergenz bedeutet, dass das Gehirn Informationen anders verarbeitet als der Durchschnitt. Das Thema ist derzeit viel in der Öffentlichkeit, allerdings vor allem in Form von Diagnosen wie ADHS oder Autismus-Spektrum-Störungen.
Diese betreffen je nach Studie jeweils nur einen kleineren Teil der Bevölkerung: ADHS etwa 2,5 bis 5 Prozent, Autismus rund 1 Prozent.
Wenn man sich nicht vor der Überreizung schützt, öffnet sich ein Tor zur Psychosomatik.Beate Gräf
Auch Hochsensibilität gilt als Abweichung von der durchschnittlichen neurologischen Verarbeitung, aber nicht als Krankheit. Fun Fact am Rande: Auch im Tierreich existiert wohl Hochsensibilität, in der gleichen Verteilung und mit ganz ähnlichen „Symptomen“.
Hochsensible nehmen sämtliche Reize viel intensiver wahr – Geräusche, Gerüche, aber auch Stimmungen im Raum und Emotionen, eigene wie die anderer. Womöglich weil ihre Gehirne weniger stark ausgeprägte Filter haben als die anderer Menschen.
Die Reizsensibilität führt dazu, dass das Nervensystem schnell überlastet wird. Wenn man sich nicht vor der Überreizung schützt – weil man vielleicht überhaupt nichts davon weiß –, „öffnet sich ein Tor zur Psychosomatik“, sagt Beate Gräf: Magen-Darm-Erkrankungen, Herzprobleme, Verspannungen, Kopfschmerzen, Migräne, sogar Depressionen und Autoimmunerkrankungen können sich entwickeln, wenn das Nervensystem dauerhaft überreizt ist.
Wenn das nicht Grund genug ist, mehr über das Thema zu sprechen. Insbesondere mit Blick auf die Kinder, damit es bei ihnen erst gar nicht zu psychosomatischen Erkrankungen und anderen Problemen kommt.
Hinweis: In der Psychologie wird das Konzept von Hochsensibilität als eigenständigem Persönlichkeitsmerkmal kontrovers diskutiert. Objektivierbare körperliche Unterschiede, zum Beispiel im Gehirn oder an den Nerven, sind bislang nur unzureichend durch Studien belegt. Als gesichert gilt, dass manche Menschen subjektiv Geräusche, Gerüche oder Emotionen stärker wahrnehmen als andere. Da die Forschung zunimmt, lässt sich demnächst vielleicht mehr zu den Hintergründen erfahren.
Wer andere Neurodivergenzen wie ADHS oder Autismus-Spektrum-Störung ausschließen beziehungsweise abklären möchte, wendet sich am besten an den Haus-/Kinderarzt, eine Familienberatungsstelle oder an eine (kinder-)psychiatrische Facharztpraxis.
Problematisch ist vor allem, dass Hochsensibilität so wenig bekannt ist und Betroffene versuchen, sich an den Gesellschaftsdurchschnitt anzupassen – was mit ihrem ausgeprägten Nervensystem aber oft nicht gut funktioniert.
„Hochsensibilität birgt auch ein enormes Potenzial“, sagt Beate Gräf. Und dieses Potenzial lässt sich schon bei Kindern beobachten: ein hohes Maß an Empathie und Kreativität, großer Wissensdurst, ausgeprägte Intuition, tiefe Emotionen und Gedanken.
Hochsensible Menschen haben meist einen hohen Gerechtigkeitssinn, werden von Musik stark bewegt.
Woran erkennen Eltern hochsensible Kinder?
„Hochsensible Kinder sind meistens sehr wortgewandt, klug, machen sich viele Gedanken und stellen Fragen, wo man manchmal denkt: Du bist fünf, wo kommt das gerade her?“ Susanne Hillar lacht. Die Kölnerin ist Coachin für Hochsensibilität und transgenerationales Trauma, sie arbeitet mit hochsensiblen Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und ganzen Familien.
Woran Eltern sonst noch erkennen, dass ihr Kind vielleicht hochsensibel ist? „Ich habe oft Eltern in der Begleitung, die sagen: Eigentlich war das schon ganz früh klar, weil das Kind oder sogar schon das Baby sehr reizempfindlich war. Ich hatte nur noch keinen Begriff dafür,“ erläutert Hillar.
Bei Kindern führt die Überreizung häufig zu „Meltdowns“. Kurzfristige Planänderungen, aber auch größere Übergänge und Änderungen – Kita-Eingewöhnung, Einschulung, Klassenfahrt – sind herausfordernd. Weil sich hochsensible Kinder viele Gedanken machen, sind sie in der Regel eher vorsichtig, trauen sich nicht an neue Dinge heran, entwickeln Ängste.
Ganz viel läuft nicht so, wie man es geplant hat, weil da ein hochsensibles Nervensystem ist, das nicht funktionieren möchte.Susanne Hillar
Hillar betont, dass nicht alle Eigenschaften auf alle Hochsensiblen zutreffen. Es gebe auch hochsensible „Rampensäue“ – „wenn man davon ausgeht, dass jeder fünfte Mensch hochsensibel ist, kann man sich ja vorstellen, wie unterschiedlich die alle sind.“
Mein Kind zum Beispiel, inzwischen fast sechs Jahre alt, ist sehr extrovertiert, spricht mit jedem, hat Wutanfälle, zu denen mir alles einfällt außer das Wort „sensibel“, und würde von anderen vermutlich als eher lautes Kind beschrieben. Zu verstehen, dass das seine Reaktion auf Überreizung ist, hat gedauert.
Gleichzeitig treffen viele andere typische Merkmale auf ihn zu, er ist vorsichtig, empathisch, unheimlich wortgewandt, sprüht vor Kreativität, macht sich für sein Alter unglaubliche Gedanken, tut sich schwer mit Veränderungen. Dass er im Sommer eingeschult wird, merken wir als Familie (und auch seine Kita) seit Monaten.
Herausforderungen und Chancen für Eltern
Der Alltag mit einem hochsensiblen Kind ist herausfordernd. „Ganz viel läuft da eben nicht so, wie man es geplant hat, weil da ein hochsensibles Nervensystem ist, das nicht funktionieren möchte“, sagt Susanne Hillar. Eltern müssen viele Gefühle begleiten, schauen, wie das kindliche Nervensystem zwischendurch entlastet werden kann, um nicht zu überreizen.
Sie versteht es aber auch als Chance: „Ich nenne Hochsensible gerne das Alarmsystem unserer Gesellschaft, weil wir sehr früh sehr viel wahrnehmen, und das gilt natürlich auch im Familiensystem.“
Es kann vorkommen, dass ein hochsensibles Kind zum Beispiel Bauchschmerzen bekommt, weil der Vater eigentlich trauern müsste, aber seine Gefühle unterdrückt. Eltern eines sensiblen Kindes zu sein, zwingt sie also fast ein bisschen dazu, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, was ja nun wirklich niemandem schaden kann.
Hillar findet: „Es kann eine große Chance für die Familie sein, mehr miteinander in Verbindung zu kommen.“
Ich habe verstanden, dass ich nicht „zu empfindlich“ bin, sondern tatsächlich ein empfindsameres Nervensystem habe als andere Menschen.Laura geyer
Für mich bedeutete der Hinweis auf die Hochsensibilität meines Kindes auch zu erkennen, dass ich selbst hochsensibel bin. Das ist kein Zufall – Hochsensibilität ist vermutlich zumindest teilweise vererbbar, die Forschung dazu ist noch jung.
Diese Erkenntnis wiederum war für mich unglaublich hilfreich und heilsam. Ich habe verstanden, dass ich nicht „zu empfindlich“ bin, sondern tatsächlich ein empfindsameres Nervensystem habe als andere Menschen. Dass ich auf dieses Nervensystem besser aufpassen und mir Strategien suchen muss, damit es mir gut geht.
Ich habe gelernt, dass das nicht bedeutet, dass mit mir etwas nicht stimmt. Und dass genau das das Wichtigste ist, was ich meinem Kind mitgeben muss.
Folgen unerkannter Hochsensibilität
Denn das Schlimmste daran, dass Hochsensibilität so wenig bekannt und gesellschaftlich akzeptiert ist, ist, dass Betroffene schon als Kinder lernen: Ich bin nicht gut so, wie ich bin. Ich bin zu empfindlich, zu feinfühlig, zu ängstlich. Ich muss mich anpassen, damit es niemand merkt.
Wir versuchen alles so perfekt wie möglich zu machen, damit niemandem auffällt, dass mit uns eigentlich was nicht stimmt.Susanne Hillar
„Wir wollen zur Mehrheit dazugehören“, sagt Beate Gräf, „das ist evolutionär bedingt: Früher wäre der Ausschluss aus der Gruppe unser Tod gewesen. Also werden wir zu Chamäleons, die sich überanpassen und die Gefühle anderer besser spüren als ihre eigenen.“
Susanne Hillar ergänzt: „Wir versuchen alles so perfekt wie möglich zu machen, damit niemandem auffällt, dass mit uns eigentlich was nicht stimmt.“
Hochsensible Kinder werden also häufig sehr perfektionistisch, machen sich viel Druck in der Schule, was enorm viel Energie raubt und zu psychosomatischen Erkrankungen führen kann.
Gleichzeitig, sagt Beate Gräf, können sie sich aber oft schlecht konzentrieren, weil sie so viel um sich herum wahrnehmen, und werden dann mit ADHS fehldiagnostiziert. Bekommen Medikamente, die sie eigentlich nicht brauchen. Obwohl sie eigentlich nur ein überreiztes Nervensystem haben.
Und was hilft?
Der erste und wichtigste Schritt ist, wie so oft, die Erkenntnis. Und zwar der Eltern, aber auch der Kinder selbst. Susanne Hillar sagt: „Man kann ganz viel tun, wenn die Kinder wissen, was mit ihnen los ist, und lernen, wie sie besser auf sich aufpassen können.“
Beate Gräf spricht davon, einen eigenen „Selbst-Wert“ zu entwickeln: Ja, man ist anders als andere, aber das ist okay – und in vielerlei Hinsicht auch ganz positiv. All das kann man Kindern schon früh mitgeben. Und dann kann man „von der Verurteilung in die Entwicklung“ kommen.

Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.
Was das einzelne Kind braucht, um sein Nervensystem zu entlasten und sich selbst zu regulieren, ist individuell sehr unterschiedlich. Gräf empfiehlt, hier mit den Kindern zusammenzuarbeiten, die oft viele Ideen in sich tragen würden.
Ein paar Impulse von den beiden Expertinnen:
- Atemübungen (immer und überall möglich)
- Yoga
- in die Natur gehen
- lieber weniger Aktivitäten neben Kita/Schule
- Kreativität ausleben
- die Klopftechnik „Emotional Freedom Technique“
- bei akuter Reizüberflutung aus der Situation rausgehen, in der Schule zum Beispiel auf die Toilette
Mehr dazu im Interview mit Susanne Hillar.
Wenn ein hochsensibles Kind lernt, sich selbst zu akzeptieren, zu spüren, wann es ihm zu viel wird, und weiß, welche Strategien ihm dann helfen, kann es „super durchs Leben kommen“, sagt Susanne Hillar – „ohne sich permanent anzupassen“.
Sie empfiehlt Eltern, sich frühzeitig Hilfe zu suchen – wenn sie selbst hochsensibel sind, vielleicht sogar schon vor der Familiengründung. Oder dann, wenn sie einfach mit jemandem sprechen und überlegen möchten, was in ihrer individuellen Situation helfen könnte. „Ich sehe das als Abkürzung: Natürlich kann man sich auch selbst in das Thema einarbeiten, aber warum nicht jemanden aufsuchen, der sich schon lange damit beschäftigt?“
Angebote für Hochsensible in GL und Umgebung:
Gruppe für erwachsene Betroffene und Interessierte in GL: Die Treffen finden jeweils am zweiten Donnerstag im Monat um 19 Uhr in der Selbsthilfe-Kontaktstelle statt. Mehr Infos und Anmeldung: Webseite
Elterntreff in Burscheid: Der Elterntreff findet in kleinen Gruppen, je nach Bedarf mit oder ohne Kinder, im Haus des Kinderschutzbundes statt. Mehr Infos, Termine und Anmeldung: Webseite
Dr. Beate Gräf bietet in ihrer Praxis in Schildgen ganzheitliches Coaching für Hochsensible. Außerdem Elternabende, digitale Inhalte und Workshops für Eltern sowie Fortbildungen zu Hochsensibilität für Bildungseinrichtungen. Mehr Infos: Webseite
Susanne Hillar bietet Coaching für hochsensible Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Familien in Köln-Nippes oder online. Außerdem einmal monatlich einen kostenlosen „Elternabend“ per Zoom und einen Videokurs für Eltern. Mehr Infos: Webseite
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Zustimmung an Peter Tschorny und Yvette Breideneichen. So wichtig es ist, Menschen als unterschiedlich und damit mit verschiedenen Bedürfnissen ausgestattet anzuerkennen, sollte man sehr aufpassen, nicht an die Falschen zu geraten. Es ist immerhin ein gutes Geschäft für einige. Und es ist auch nicht verwunderlich, dass dort esoterischer Schwurbel auch direkt vor der Tür steht, hier in Form des Hinweises auf die Emotional Freedom Technique als “Impuls”.
Ich freue mich, dass die Autorin mit ihrem offenen und persönlichen Artikel dazu beiträgt, dass das Thema Hochsensibilität öffentlich mehr wahrgenommen wird – einerseits.
Andererseits frage ich mich bei solchen Anlässen immer wieder, warum unsere Gesellschaft immer erst ein Label braucht, für eine Persönlichkeitsausprägung oder eine Diagnose, um Menschen, die anders erscheinen, mit sozialen Werten und Kompetenzen wie Akzeptanz und Empathie zu begegnen.
(Diese Frage hatte ich mir schon gestellt, als mehrere Prominente sich zu ihrem Burnout oder ihren Depressionen outeten.)
Warum können wir nicht einfach jedem Menschen mit einer einfühlsamen und annehmenden Grundeinstellung begegnen? “Jeder Jeck ist anders!” Aber wir haben alle gemeinsam, dass wir so angenommen werden wollen, wie wir sind.
In Zeiten von Inklusion, oder in denen man zumindest über Inklusion redet, dürfte es doch kein neuer Gedanke sein, Menschen unabhängig von Zugehörigkeiten und Zuschreibungen, welcher Art auch immer, zu inkludieren.
In einer inklusiven Gesellschaft wäre doch gerade Vielfalt der Normalzustand.
Scheinbar ist unsere Gesellschaft, die bestimmte Normen für Bedürfnisse und Verhalten, besonders bezüglich Leistung, materiellem Erfolg, Lebensstil usw. propagiert, nicht für Inklusion gemacht.
Schade, dass Menschen es nötig haben, sich mit einem Label wie einer Diagnose, einem Temperamentsmerkmal oder einer Persönlichkeitsausprägung wappnen (zu) müssen (glauben), um in ihrer Einzigartigkeit akzeptiert zu werden, und sich selbst dadurch erst annehmen können, wie sie sind.
Ich hoffe, dass der Artikel von Frau Geyer viele dazu anregt, sich selbst mit ihren einzigartigen Eigenheiten anzunehmen, gut auf die eigenen Grenzen und Bedürfnisse zu achten, und mit dieser Haltung auch anderen zu begegnen, wie anders als die gewohnte Norm diese auch erscheinen mögen.
Ja!
ganz viel Ja & Zustimmung
jeder Jeck un su..
..is oft
Makulatur
weil eben ‘doch alle / die meisten
funktionieren sollen’
insofern: ja, total wünschenswert (endlich) alle mitzunehmen MIT der Rücksichtnahme auf Bedürfnisse, Bedürftigkeit und eben Anders Sein .. solange ich, du, er, sie, es keinem schadet dürfte Akzeptanz und Würde selbstverständlich gegeben sein.
Im Miteinander!!
Liebe Redaktion, bitte nehmen Sie diesen Artikel wieder offline und bearbeiten Sie ihn nach wissenschaftlichen Standards. Das Meiste, was ich hier lese, ist entweder überholt oder nie belegt worden. Es ist gefährlich, diese Halbwahrheiten so in die Welt zu setzen und sicher nicht in Ihrem Sinne. Ein guter Anfang für das Thema ist die aktuelle Folge de Quarks Science Cops, die sich zufällig genau damit beschäftigt. Mir ist bewusst, dass es im Bereich der Hochsensibilität sehr viel irreführende Literatur, Social Media Accounts und auch Mediziner gibt, die das Thema für sich nutzen. Bitte fallen Sie nicht darauf herein und differenzieren Sie, so wie Sie es Ihnen sonst auch immer gut gelingt.
Liebe Kollegin, good job!
Hallo Jörg Zbick, was meinen Sie, können Sie Ihren Kommentar konkreter ausführen?
Mir gefällt an dem recherchierten Artikel sehr gut, dass grundsätzlich auf das Thema aufmerksam gemacht wird. Ich denke nicht, dass Frau Geyer einen umfassenden fachmedizinischen Artikel verfassen woltte, dafür ist das hier auch nicht die richtige Plattform.
Danke, Frau Geyer, für das Aufgreifen eines hochsensiblen Themas, das vielleicht die einen oder anderen Eltern und Erwachsenen anspornt, sich intensiver damit zu beschäftigen.
Interessant in diesem Artikel ist die wenige Differenzierung zu ADHS, Autismus, PDA. Coaches die hier zu Wort kommen dürfen eine solche Testung und damit Differenzierung gar nicht durchführen.
Ich kann aus eigener Erfahrung berichten dass man entsprechendes Fachpersonal (Psychiater, Psychotherapeuten) aufsuchen sollte. Am Besten Spezialisten, die die gesamte Palette testen und erkennen kann.
Stigmatisierung von ADHS und Medikation und alles auf „hochsensibel“ zu schieben finde ich gefährlich.
Ein Satz wohin sich Betroffene wenden können sich testen zu lassen gehört hier in diesen Text. Außerdem gibt es manchmal keinen anderen Weg als Medikation.
Wie wahr! Nicht zuletzt im Interesse der Betroffenen sollte man das nicht dem offenen Psychomarkt überlassen – für sie wäre nichts schädlicher, als dass sich das zur neuen Modediagnose entwickelt (oder zur Universalausrede für elterliche Tatenlosigkeit). Die Vorstellung, anhand eines Fragebogens im Internet sich selbst oder die eigenen Kinder zu diagnostizieren, ist ziemlich gruselig.
Danke für eure Gedanken. Hochsensibilität ist keine Erkrankung, also auch keine Diagnose, auf die man sich beim Psychiater testen lassen kann. Sinnvoll ist es aber möglicherweise, bei Unsicherheit Diagnosen wie ADHS, Autismus etc. ausschließen zu lassen.
Eine differenziertere Abgrenzung dazu fehlt übrigens deshalb im Text, weil dieser nun einmal Hochsensibilität zum Thema hat und nicht Neurodivergenz im Allgemeinen. Ich werde aber einen Hinweis einfügen, wohin man sich zum Ausschluss anderer Neurodivergenzen, die dann in der Tat Medikation bedürfen können, wenden kann.
Psychiater oder Pychotherapeuten sind auch in nichtpathologischen Aspekten der Psyche qualifiziert. Und sie sind fundiert ausgebildet, was bei jemanden mit einer nicht geschützten Berufsbezeichnung wie „Coach“ oder „Coachin“ für Dritte nicht erkennbar ist. Warum es besser sein soll, einen Test unbekannter Validität und Reliabilität im Internet zu machen, statt Expertenwissen zu Rate zu ziehen, bleibt ohnehin unklar.
Übrigens, etwas ganz anderes: Ein Einzelfoto einer Person von Plattformen wie Pexels (oder pixabay, Unsplash etc.) als Aufmacher zu verwenden, ist nicht ohne Risiko. Dort gibt es in der Regel kein Model-Release, die abgebildete Person kann also eines Tages vor der Tür stehen und eine Verletzung ihres Persönlichkeitsrechts samt Schadenersatzforderung geltend machen. Pexels spricht das in Abschnitt 5 seiner Nutzungsbedingungen ausdrücklich an.
Hallo Frau Geyer, Autismus ist auch keine Krankheit. Und man kann sich beim Psychiater darauf testen lassen. Inwieweit das nun bei „Hochsensibilität“ anders gelagert ist, erschließt sich mir nicht.
Beim Lesen des Textes könnte man allerdings schon den Eindruck gewinnen, dass es sich bei „Hochsensibilität“ um eine behandlungsbedürftige Krankheit handeln könnte. Man solle sich „Hilfe holen“, das Kind hätte „Bauchschmerzen“ und es werden bei den Ausführungen mit dem „Tor zur Psychosomatik“ weitere handfeste Krankheiten genannten.
Was mir bei dem Artikel etwas zu kurz kommt, ist die Einbeziehung kritischer Perspektiven. Das Konzept der „Hochsensibilität“ ist ja offenkundig auch in der Fachwelt mit Kontroversen versehen.