Fotos: Benedikt Kraus

Morgens spielen sich an den Otto-Hahn-Schulen für Fahrradfahrer heikle Situationen ab. Lehrer und Schüler sprechen von „abenteuerlichen Szenen“ oder „Kamikaze“. Zwar wurden die Stellplätze mit viel Geld aufgewertet, aber für die Wege zur Schule gibt es keine gute, sichere Verkehrsführung. Hier zeigt sich, dass die Elterntaxis auch an den weiterführenden Schulen ein großes Problem sind.

Fußgänger laufen über die Straße, Autos stehen in zweiter Reihe oder im absoluten Halteverbot, E-Scooter rasen vorbei und direkt vor einem geht plötzlich eine Autotür auf. Das ist der Parcours, der Schüler:innen erwartet, wenn sie morgens mit dem Fahrrad zu den Otto-Hahn-Schulen (OHS) an der Saaler Mühle fahren.

Jeder Zweite fährt Fahrrad

Quelle: Umfrage der Nachhaltigkeits-AG des OHG

Dieses Problem ist kein kleines. Die Schüler:innen der Nachhaltigkeits-AG des Gymnasiums haben in einer Umfrage im Jahr 2024 herausgefunden, dass im Jahresmittel ca. 450 der Gymnasialschüler:innen (ca. 950) mit dem Fahrrad zur Schule kommen. Zwischen März und November sind es mehr als die Hälfte. Die Zahlen dürften heute ähnlich hoch oder sogar höher sein, beobachten die Schüler:innen.

Damit ist das Fahrrad mit Abstand das am meisten genutzte Verkehrsmittel unter den Schüler:innen des OHG. Für die Otto-Hahn-Realschule geht die AG von einer ähnlichen Verteilung aus. Angesichts dieser Umstände könnte man davon ausgehen, dass es vor Ort eine sehr gute Fahrradinfrastruktur geben muss.

Abstellanlagen werden gut angenommen

Erst Anfang 2025 wurden die modernen, neuen Fahrradabstellanlagen an den OHS eröffnet. Mit einem großen, eingezäunten Abstellplatz im Süden und zwei weiteren Anlagen im Norden ist das Schulzentrum sehr gut ausgestattet. Seit der Erneuerung sind die Diebstähle deutlich zurückgegangen. Das ist wahrscheinlich ein Grund dafür, dass die Anlagen mit den sichereren Bügeln bei den Schüler:innen so gut ankommen.

Dennoch gibt es leichte Kritik: Die aufwendig gebaute Fahrradbox wird kaum genutzt. In der Tendenz parken dort nur die E-Scooter, allerdings auch nicht wirklich viele.

Aber vor allem der „Fahrradkäfig“ im Süden wird von den Schüler:innen kritisiert. Um Versickerung zuzulassen, sind auf dem Boden Rasengittersteine verlegt. Diese stellen aber auch ein gewisses Problem dar. „Der Boden ist im Winter sehr schnell sehr glatt“, berichtet ein Schüler.

„Fahrradkäfig“ im Süden

Auch die Verschattungselemente werden humorvoll aufgenommen: „Die Schirme sehen zwar ganz nett aus, bringen aber nicht so viel“, sagt ein Schüler. Tatsächlich hat der Neubau der drei Anlagen 1,3 Millionen Euro gekostet. Wie viel davon auf die Verschattungen entfiel, ist Schüler:innen und Schulleitung nicht bekannt.

Der Weg ist das Problem

Obwohl die neuen Anlagen überwiegend positiv bewertet werden, ist die Schulgemeinschaft noch nicht zufrieden mit der gesamten Fahrradsituation: Sowohl Schüler:innen als auch Lehrkräfte klagen oft über gefährliche Situationen auf ihren Schulwegen. Vor allem die Hol- und Bringzone am Mediterana stellt sich als Bereich mit hohem Gefahrenpotenzial heraus.

Für die Eltern, die ihre Kinder morgens mit dem Auto zur Schule fahren, ist eine Haltebucht eingerichtet, die als Hol- und Bringzone beschildert ist. Dort können Eltern kurz halten, ihre Kinder rauslassen und nach der Schule wieder einsammeln. Im Bereich dahinter ist ein absolutes Halteverbot.

Zum Wenden gibt es keine gute Möglichkeit. Die Straße ist zu schmal, um in einem Zug zu drehen, allerdings sind auf der gegenüberliegenden Seite Parklücken, die oft dazu genutzt werden. Außerdem nutzen Autofahrer:innen den Parkplatz des Mediteranas, um darüber wieder herauszufahren.

Gefährliches Chaos am Morgen

Eine Lehrerin spricht von „abenteuerlichen Szenen“, ein Schüler sagt: „Das ist jeden Morgen Kamikaze.“ Die Situation ist sehr unübersichtlich und die Verkehrsführung für Fahrräder unklar. „Wir auf dem Fahrrad haben auf direktem Weg keine andere Möglichkeit, als uns zwischen den Autos durchzuschlängeln“, erklärt eine Schülerin.

„Ich weiß gar nicht, wo ich langfahren soll. Auf der Straße sind überall Autos und auf dem Fußweg ist auch kein Platz wegen der Fußgänger“, fügt die Schülerin hinzu. „Meistens fahre ich dann einfach quer über den Parkplatz, aber da sind auch so viele Autos.“

Die Schüler:innen machen sich Sorgen um ihre jüngsten Mitschüler:innen: „Man muss sich mal überlegen, dass da auch Fünftklässler langfahren. Das ist unverantwortlich“, sagt einer.

Für manche ist die Situation nur mit Humor auszuhalten. Auf die Frage, wie sicher sich die Schüler:innen auf ihrem Weg fühlen, antwortet Bentje aus der zehnten Klasse ironisch: „Man wird alle drei Tage fast überfahren, aber ansonsten ist alles gut.“

Die Schulleitungen beider Schulen berichten von einem Treffen mit der Stadt, bei dem die Verkehrslage an der Hol- und Bringzone beobachtet wurde. „In zehn Minuten haben wir vier Beinaheunfälle beobachten können“, so Karl-Josef Sulski, Schulleiter des Otto-Hahn-Gymnasiums.

Felix Bertenrath, Schulleiter der Otto-Hahn-Realschule, bestätigt das Bild. Er hält generell die Sicherheit auf dem Fahrrad im Stadtgebiet für stark ausbaufähig. Nirgends gebe es vernünftige Radwege. Die meisten seien zu schmal oder es stünden Mülltonnen auf dem Weg. „Manchmal gibt es rote Streifen auf dem Boden, aber richtige Radwege sind das nicht“, erklärt Bertenrath weiter.

Klare Ideen und Forderungen

Dabei mangelt es nicht an Ideen. Bertenrath schlägt vor, das Stück zur Fahrradstraße zu machen und Autos nur noch mit Schrittgeschwindigkeit fahren zu lassen. Dies könnte die Situation aus seiner Sicht entschärfen.

Außerdem fordert er, auch kurzfristig zu handeln. Denn das Halteverbot hinter der Hol- und Bringzone werde oft ignoriert. Bei dem Termin mit der Stadt seien sich alle Beteiligten einig gewesen, dass mehr Schilder nötig seien, um das Halteverbot zu verdeutlichen. Auch die Feuerwehrzufahrt werde häufig nicht freigehalten, was ein großes Sicherheitsrisiko darstellt.

Von Schülerseite formuliert vor allem die Nachhaltigkeits-AG des Gymnasiums klare Forderungen. „Ich wüsste gerne, wo wir Fahrradfahrer langfahren sollen“, so ein Schüler der AG. Ein anderer Schüler äußert sein Unverständnis: „Das kann ja nicht sein, dass nirgendwo Platz für Fahrradfahrer ist.“

Außerdem fordern die Schüler:innen, dass Radwege generell besser instand gehalten werden: „Oft sind sie von Gräsern und Sträuchern überwuchert. Dann wird es sehr eng.“

Engagierte Schulgemeinschaft

Schüler:innen und Lehrkräfte äußern, obwohl sie verstehen, dass Dinge bei der Stadt meist nur langsam vorankommen, Kritik am Stillstand. Dennoch betonen sie, dass die OHS offen für Lösungen sind und sich aktiv dafür einsetzen.

Bertenrath drückt sein Unverständnis über die Prioritätensetzung der Stadt gegenüber der Schüler:innen aus: „Bei den Turnhallen war es allen total wichtig, dass diese schnell wieder geöffnet sind, aber wenn es um eure Sicherheit geht, läuft alles nur ganz langsam.“

Er ist Vertreter der weiterführenden Schulen im Ausschuss für Schule und Gebäudewirtschaft. „Ich habe das Thema in den letzten drei Sitzungen jedes Mal angesprochen. Doch getan hat sich bislang nichts“, berichtet er.

Die Schülerinnen und Schüler erzählen von einem Gesprächstermin mit der Stadt: „Wir haben uns alles zusammen angeguckt und Probleme sowie Forderungen erklärt, aber es hat sich mal wieder nichts geändert.“ Die Frustration klingt deutlich durch – die Schüler:innen fühlen sich nicht ernst genommen.

Dennoch möchte die Schulgemeinschaft nicht aufhören, sich zu engagieren, um die Situation gemeinsam mit der Stadt zu lösen. Dazu bestehen auch kreative Ideen. Ein Schüler scherzt: „Ansonsten nehmen wir uns Farbe und pinseln da einen Radweg hin.“

ist Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums und Praktikant des Bürgerportals.

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