Eigentlich nur ein Betriebshof, tatsächlich aber ein Leuchtturmprojekt für die Klima- und Verkehrswende in NRW: Der Grüne Mobilhof an der Autobahn in Moitzfeld wird die neue Heimat und die Energiequelle der modernen Busflotte des RVK. Wasserstoff und ein Teil der Solarenergie werden vor Ort produziert, schon im Dezember sollen die ersten Wasserstoff-Busse hier betankt werden.

Als „wichtigen Schritt für die Verkehrswende und den Klimaschutz in ganz NRW“ hat Oliver Krischer, Landesminister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr, am Montag den neuen Grünen Mobilhof in Bergisch Gladbach gewürdigt – und einen Förderbescheid des Landes über 20,9 Millionen Euro überreicht: „Um das Null-Emissionsziel bis 2030 zu erreichen, müssen wir klotzen, nicht kleckern. Genau das geschieht hier.“

Unisono lobten auch Vertreter des Regionalverkehrs Köln (RVK) und des Rheinisch-Bergischen Kreises das Vorhaben als „Leuchtturmprojekt“. Das ist der Grüne Mobilhof in der Tat: Denn der Wasserstoff wird hier vor Ort erzeugt, mit dem ein Teil der insgesamt 160 emissionsfreien Busse des RVK direkt betankt werden.

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Zudem sei das gesamte Projekt klimafreundlich optimiert, erläuterte RVK-Geschäftsführer Marcel Frank. So werde die Abwärme aus der Wasserstoffproduktion nicht nur für die Beheizung der Gebäude genutzt. Sondern auch dafür, die steile Ausfahrt und die Buswaschanlage im Winter frostfrei zu halten. Die Waschstraße hat einen geschlossenen Wasserkreislauf. Regenwasser wird aufgefangen, auf dem Gelände zur Bewässerung eingesetzt oder in den Königsforst abgegeben.

„Weniger Emissionen, weniger Verkehr“

Hinzu kommt, dass die verkehrsgünstige Lage des Betriebshofs viele Leer- und Betriebsfahrten der Busse überflüssig macht. Rund 200.000 km weniger müssen sie künftig pro Jahr zurücklegen. Der Nutzen für die Menschen in der Region liege auf der Hand, brachte es der stellvertretende Landrat Peter Lautz auf den Punkt: „Weniger Emissionen und weniger Verkehr auf den Straßen“.

Für den Bau des Mobilhofs waren im Vorfeld gewaltige Vorarbeiten notwendig. Der Hang zwischen der Overather Straße und dem Technologiepark Moitzfeld wurde auf der einen Seite um 18 Meter aufgeschüttet und befestigt, auf der anderen Seite abgetragen – um so eine Betriebsfläche von gut 10.000 Quadratmeter in dem Areal zwischen Autobahn, Friedrich-Ebert-Straße und Technologiepark zu schaffen.

Das Video zeigt die Baustelle und das Umfeld des Grünen Mobilhofs

Bis Mitte 2027 soll alles fertig sein

Dort wachsen jetzt die riesigen Hallen für die Busse, Werkstätten, Tankstelle und Büros des RVK rasch heran. Schon in den nächsten Wochen wird der Elektrolyseur zur Produktion von Wasserstoff installiert, noch im Dezember sollen die ersten Busse mit Moitzfelder Wasserstoff betankt werden. Anschließend werden auch die Solaranlagen und die Solartankstelle eingebaut, bis zum Sommer 2027 soll das gesamte Projekt fertiggestellt sein, erläuterte Projektleiter Jörg Koppelow den straffen Zeitplan.

Der fertige Grüne Mobilhof wird eine Inspektionshalle, ein Parkdeck, ein Verwaltungsgebäude, eine Fahrzeugwaschanlage und einen Buscarport umfassen. Mehr als 40 Busse finden dort Platz. 32 Busstellplätze werden mit E-Ladesäulen versehen.

36 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde

Das technische Herzstück des Mobilhofs ist jedoch die Wasserstoffanlage mit einer Wasserstofftankstelle und einem Elektrolyseur zur Produktion von Wasserstoff. Der Elektrolyseur kann 36 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde produzieren. 

Ein Wasserstoffbus besitzt in der Regel einen Tank mit einem Fassungsvermögen von 16 Kilogramm Wasserstoff. Die RVK wird in Zukunft am GMH pro Stunde also etwas mehr als zwei Tankfüllungen für Wasserstoffbusse produzieren.

Strom muss der RVK dennoch zukaufen. Die Solarzellen auf den begrünten Dächern decken nur den Eigenbedarf an Strom ab, und einen Teil der zum Laden der E-Busse benötigten Energie.

Für die energieintensive Produktion von Wasserstoff reiche die eigene Solarenergie aber nicht aus. Sie wird von anderen Anbietern geliefert, darf aber nur aus Sonnen- oder Windkraftanlagen stammen. Nur so kann der höchste ökologische Standard für den sogenannten grünen Wasserstoff erreicht werden.

Insgesamt investiert der RVK in den Grünen Mobilhof 60 Millionen Euro; der Kostenplan soll nach aktuellem Stand eingehalten werden. Das Land beteiligt sich (im Rahmen der Regionale 2025) mit 20,9 Millionen Euro, der Aufgabenträger go.Rheinland mit weiteren 8,6 Mio. Euro, die für den Erwerb des Grundstücks, die Herrichtung des Geländes sowie die Herstellung der Flächen geflossen sind.  

Vertreter:innen von Land und Landtag, Kreis und Stadt, RVK und go.Rheinland bei der Übergabe der Förderbescheide.

Dokumentation: Weitere Stimmen

RVK-Geschäftsführer Marcel Frank: „Mit dem Grünen Mobilhof und dem in der Planung befindlichen Aus- und Weiterbildungszentrum für klimaneutrale und digitale Mobilität in Mechernich realisiert die RVK zwei Großprojekte, mit denen wir die Weichen in Richtung einer modernen und zukunftsfähigen Mobilität stellen. Damit tragen wir zum Erreichen der Klimaziele bei, wie sie von der Bundesregierung und der Europäischen Union gesetzt werden. Der Grüne Mobilhof ist auf diesem Weg ein herausragender Meilenstein.“ 

Holger Fritsch, Bereichsleiter ÖPNV-Investitionsförderung bei go.Rheinland: „Busse mit Wasserstoff im Tank werden dort gebraucht, wo der rein elektrische Betrieb an Grenzen stößt. Hier wird demonstriert, wie eine optimale, lokale Wertschöpfungskette aussieht. Daher fördern wird den Grünen Mobilhof im Sinne eines Fortschritts bei der Umstellung auf einen umweltfreundlichen Busverkehr sehr gerne.“ 

Marcel Kreutz, Bürgermeister von Bergisch Gladbach: „Mit dem heutigen Termin setzen wir ein sichtbares Zeichen für die Mobilität von morgen. Der Grüne Mobilhof steht für Klimaschutz, Innovation, Wasserstofferzeugung durch erneuerbare Energien vor Ort sowie einen leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr und damit für eine lebenswerte Zukunft in Bergisch Gladbach.“ 

Arne von Boetticher, Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises gab zu Protokoll: „Mit dem Grünen Mobilhof setzen wir ein starkes Zeichen für klimafreundliche Mobilität und technische Innovation im Rheinisch-Bergischen Kreis. Die jetzt zugesagten Fördermittel und die sichtbaren Fortschritte auf der Baustelle zeigen, dass wir gemeinsam mit der RVK einen wichtigen Schritt für einen leistungsfähigen, modernen und nachhaltigen öffentlichen Nahverkehr gehen.“ 

Svenja Udelhoven, Aufsichtsratsvorsitzender der Regionalverkehr Köln GmbH: „Klimaschutz kostet Geld, ebenso wissen wir, dass die finanzielle Situation der kommunalen Kassen extrem angespannt ist. Umso dankbarer sind wir dafür, dass wir für dieses 60 Millionen Euro Projekt Fördermittel von insgesamt 29,5 Millionen Euro von go.Rheinland erhalten haben.“ 

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Ein interessantes Modellprojekt. Mittelfristig sollte dabei aber auch überprüft werden, wie sich die Wirtschaftlichkeit von H2-Bussen gegenüber reinen E-Bussen entwickelt. Elektrobasierte Doppelstrategien sind nur bedingt sinnvoll.

  2. Noch mehr Einwohner in Herkenrath, was sehr schön ist, aber man sollte langsam auch mal ein Augenmerk auf einen neuen Supermarkt haben, denn mehr Einwohner macht die Sache auch nicht besser.

  3. Der Leuchtturm wird nicht lange hell bleiben. Für Busse im Depot Betrieb ist die Wasserstofftechnik zu teuer, drei bis viermal teurer als vollelektrische Busse. Ohne Frage ist die Wasserstofftechnik bei der Dekarbonisierung eine wichtige Säule. Aber wann immer voll elektrische Lösungen möglich sind, ist H2 nicht sinnvoll.
    ->NOW GmbH Begleitforschung Bus

  4. Klingt nach einer tollen Idee und hoffentlich nach einer lang anhaltenden Lösung für die Zukunft.
    Gut wäre, falls noch nicht vorhanden, eine Ausfahrt in die Overather Str. Es kann sein, dass, wenn die Ein-/Ausfahrt nur nach oben hin besteht, es zu ständigen Verkehrsbehinderungen im “Normalbetrieb” kommt. Die Anlage wurde halt schon noch mitten hinein “gequetscht”, das schöne Waldstück weggeholzt (noch weniger Wald/Bäume!), und die Mauer welche nun darum errichtet wird kann meine Generation an die Besuche bei Verwandten in Ost-Berlin erinnern..

  5. So begrüßenswert es auch ist, dass Emissionen zukünftig vermieden werden, macht Wasserstoff hier für mich trotzdem keinen Sinn. Hier wird viel Geld für eine Technologie ohne Zukunft in die Hand genommen, ein Hoch auf die Technologieoffenheit! Zumindest gibt es ja auch E-Ladesäulen.

    Mit der genannten Tankfüllung von 16 kg Wasserstoff kommt ein Bus etwa 150-180 Kilometer weit, ein aktueller Elektrobus schafft 200-300 Kilometer. Der Wasserstoff-Bus verbraucht dabei 2-3 Mal so viel Strom aufgrund der Umwandlungsverluste. Wasserstoff wird nur “zentral” verfügbar sein, einen Stromanschluss gibt es “überall”. Daher wundert es nicht, dass weltweit jährlich derzeit ca. 100x mehr Elektrobusse als Wasserstoffbusse verkauft werden, 90% davon in China.

    Ein schönes Beispiel für dezentrales Nachladen kann man in Köln an der Ecke Innere Kanalstraße / Merheimer Straße sehen: über eine sogenannte Pantograph-Schnellladung werden Elektrobusse direkt beim Zwischenhalt geladen, das sieht so ähnlich aus wie die Stromabnehmer für Oberleitungen bei Zügen oder Straßenbahnen.

  6. Es ist schon sehr beeindruckend, wenn man den Fortschritt der Bauarbeiten an dem neuen Grünen Mobilhof täglich betrachtet.

    Was dabei etwas untergeht, aber in dem kurzen Rundflug/ Filmbeitrag gut zu sehen ist, ist die gewaltige Erweiterung von Miltenyi Biotec.

    Ich finde, man kann bei allen negativen Schlagzeilen der letzten Zeit trotzdem auch mal etwas stolz auf seine Heimat sein, wenn man die Realisierung solcher zukunftsweisender Projekte täglich vor Augen hat.

    Wollen wir hoffen, dass solche Investitionen in die Zukunft weiterhin grossen Erfolg haben und uns nicht von ewiggestrigen Zeitgenossen , die zurück in die 90iger oder besser noch 30iger Jahre wollen, verhindert werden.

    Schade ist ebenfalls in meinen Augen nur, dass dort am Betriebshof keine Wasserstoffangetriebene PKW tanken können. Hatte ich eigentlich, als ich seinerzeit die Pläne des Betriebshofes sah, mit gerechnet.

    Trotzdem, es ist schon großartig wenn man so die positive Entwicklung in Moitzfeld sieht.

    Vielleicht mal mehr davon auch in der Presse. Das hebt die Stimmung und führt vielleicht zu positiveren Gedanken, wenn man an seine Heimat denkt.

  7. Guten Morgen Herr Watzlawek,
    die Entwicklung in Moitzfeld ist ausgesprochen erfreulich aber leider nur auf den ÖPNV konzentriert.
    Es wäre noch zukunftsweisender, wenn auch PKW-Fahrer wie ich, als Fahrer eines E-Fahrzeugs mit Wasserstoffenergiespeicher, ebenfalls dort tanken könnte.
    Dies wurde leider nicht berücksichtigt und ist auf Grund des unterschiedlichen Gasdrucks beim Betanken nicht so einfach möglich.
    Schade :-(
    Mit freundlichen Grüßen
    Dirk Kierdorf