Fotos: Stadt GL

Wenn vor dem Rathaus vier Landesflaggen hängen und Marcel Kreutz mit der Bürgermeisterkette vor dem Haus steht, dann kann es sich nur um einen historischen Moment handeln. Tatsächlich kamen bereits vor 70 Jahren Vertreter aus Bergisch Gladbach, Luton, Velsen und Bourgoin-Jallieu zusammen, um eine außergewöhnliche städtepartnerschaftliche Verbindung ins Leben zu rufen.

Wir veröffentlichen einen Beitrag der Stadt Bergisch Gladbach

Genau dieses Jubiläum brachte nun im Rahmen des Stadtfestes erneut Vertreterinnen und Vertreter der Partnerstädte in Bergisch Gladbach zusammen. Gemeinsam feierten sie sieben Jahrzehnte europäischer Freundschaft und richteten zugleich den Blick auf die Zukunft der Ringpartnerschaft.

Der Festakt begann mit der Begrüßung durch Bürgermeister Marcel Kreutz und einer Gedenkminute für die Gründer und Wegbereiter der Ringpartnerschaft. Anschließend wurde die Feier im Ratssaal mit Festrede, Grußworten und musikalischen Beiträgen des Horntrios der Max-Bruch-Musikschule fortgesetzt.

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Internationale Gäste setzen Zeichen der Verbundenheit

Im Mittelpunkt standen auch die Gäste aus den Partnerstädten. Eine besondere Geste kam dabei aus Frankreich: Mireille Gourribon aus Bourgoin-Jallieu hielt ihre Ansprache auf Deutsch. Gemeinsam mit Klaus Wohlt von der Arbeitsgruppe Deutsch-Französische Freundschaft vertrat sie die französische Partnerschaft.

Für Velsen nahmen Bürgermeister Frank Dales und Ulrich Bonnet von der Arbeitsgruppe Velsen teil. Luton wurde durch Mark Turner sowie Angela Behrend vom Partnerschaftsverein Luton & Runnymede – Bergisch Gladbach e.V. vertreten.

Auch die Landesregierung Nordrhein-Westfalen würdigte das Jubiläum. Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, hatte ein Grußwort geschickt.

Junge Generation macht Geschichte hörbar

Wie die Geschichte der Ringpartnerschaft an die nächste Generation weitergegeben werden kann, zeigten Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Herkenrath. Gemeinsam mit ihrem Lehrer Fabian Neuhoff hatten sie sich im Rahmen einer Geschichtswerkstatt intensiv mit der Städtepartnerschaft beschäftigt.

Aus ihrer Beschäftigung mit der gemeinsamen Geschichte entstand auch ein Podcast-Projekt. Beim Festakt stellten die Schülerinnen und Schüler ihre Arbeit und Ergebnisse vor. Damit wurde die Geschichte der Ringpartnerschaft nicht nur aus der Perspektive der Vergangenheit betrachtet, sondern von jungen Menschen aufgegriffen und in ein zeitgemäßes Format übertragen.

Gerade dieser Beitrag machte deutlich, wofür die Städtepartnerschaften auch nach 70 Jahren stehen: Geschichte weiterzugeben, Begegnungen zwischen Generationen zu ermöglichen und junge Menschen dafür zu gewinnen, sich mit Europa und internationaler Verständigung auseinanderzusetzen.

Zeitzeugen erinnern an die Anfänge

Eine besondere Verbindung zu den Anfängen der Partnerschaft stellten die anwesenden Zeitzeugen her. Unter den Gästen begrüßte Bürgermeister Marcel Kreutz insbesondere die Eheleute Broich und Adolf Zirden. Ihre Anwesenheit verlieh dem Rückblick auf sieben Jahrzehnte Ringpartnerschaft eine persönliche Dimension.

In seiner Festrede erinnerte Kreutz daran, unter welchen Bedingungen die Partnerschaft entstand. Als sie 1956 gegründet wurde, lag das Ende des Zweiten Weltkriegs gerade einmal elf Jahre zurück. Europa war von den Folgen des Krieges geprägt, Vertrauen musste neu aufgebaut werden. Städtepartnerschaften sollten dazu beitragen, Menschen über Grenzen hinweg zusammenzubringen und Verständigung im Alltag zu ermöglichen.

Ein mutiges europäisches ZukunftsprojektMarcel Kreutz

Erste Kontakte zwischen Bergisch Gladbach und Luton bestanden bereits seit 1952. Aus ihnen entwickelte sich schließlich gemeinsam mit Bourgoin-Jallieu in Frankreich und Velsen in den Niederlanden die Idee eines europäischen Rings aus vier Städten. Für die damalige Zeit war dieses Modell außergewöhnlich.

„Unsere Ringpartnerschaft war mehr als ein freundschaftlicher Vertrag zwischen vier Städten. Sie war ein mutiges europäisches Zukunftsprojekt“, betonte Bürgermeister Marcel Kreutz.

Ehemalige Kriegsgegner entschieden sich bewusst dafür, aufeinander zuzugehen und Brücken zu bauen. Ziel war es, Vertrauen aufzubauen, Vorurteile abzubauen, Jugendbegegnungen und kulturellen Austausch zu fördern und damit langfristig einen Beitrag zum Frieden in Europa zu leisten.

Aus dieser Idee ist in sieben Jahrzehnten ein lebendiges Netzwerk entstanden. Schüleraustausche, Begegnungen zwischen Vereinen, Gastfamilien und zahlreiche persönliche Freundschaften haben die Beziehungen zwischen den Städten geprägt.

Bürgermeister Kreutz dankte deshalb insbesondere den Ehrenamtlichen, Partnerschaftsvereinen und Arbeitsgruppen, Lehrerinnen und Lehrern, Gastfamilien sowie den Mitarbeitenden der Verwaltung, die diese Verbindungen über Jahrzehnte mit Leben gefüllt haben.

Auftrag für die kommenden Generationen

Der Festakt richtete den Blick aber nicht nur zurück. Gerade angesichts von Krieg, zunehmendem Nationalismus und gesellschaftlichen Spannungen in Europa sei die Idee, die 1956 zur Gründung der Ringpartnerschaft führte, weiterhin aktuell.

Europa wächst, wo Menschen einander begegnen. Wo Vorurteile verschwinden. Wo Vertrauen entsteht.Marcel Kreutz

Für Bürgermeister Kreutz liegt eine zentrale Aufgabe darin, insbesondere junge Menschen auch künftig für den europäischen Austausch zu begeistern. Neue und digitale Formen der Begegnung könnten dabei helfen, ohne die persönliche Begegnung zu ersetzen.

„Europa wächst überall dort, wo Menschen einander begegnen. Wo Vorurteile verschwinden. Wo Vertrauen entsteht. Wo aus einem Besuch eine Freundschaft wird“, so Kreutz.

Mit dem Eintrag der Gäste ins Goldene Buch der Stadt und einem gemeinsamen Empfang endete der offizielle Festakt. Die Verbindung von Zeitzeugen und junger Generation machte dabei deutlich, worum es auch in Zukunft gehen soll: Die Erfahrungen aus 70 Jahren Ringpartnerschaft weiterzugeben und die Freundschaft zwischen Bergisch Gladbach, Luton, Bourgoin-Jallieu und Velsen mit neuen Begegnungen fortzuschreiben.

Hier werden offizielle Pressemitteilungen der Stadtverwaltung veröffentlicht. Sie geben nicht die Meinung des unabhängigen Bürgerportals iGL wieder.

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