Der RVK betreibt bereits mehrere Dutzend Wasserstoff-Busse im Kreisgebiet.

Ein Vorzeigeprojekt für emmissionsfreien Verkehr will der Regionalverkehr Köln mit dem „grünen Mobilhof“ in Bergisch Gladbach bauen. Dass es dabei um sehr viel mehr geht als nur einen Parkplatz und Tankstelle für Wasserstoffbusse wurde jetzt im Kreistag deutlich: Mit Sonnenenergie soll der Wasserstoff für die eigenen Busse vor Ort hergestellt werden.

Seit zehn Jahren strebt der Rheinisch-Bergische Kreis danach, den Busverkehr ökologisch sauber zu machen, mit einem starken Schwerpunkt beim Thema Wasserstoff. Mehr als 30 wasserstoff-betriebene Busse fahren bereits für das kommunale Verkehrsunternehmen RVK, bis Jahresende sollen es 52 sein.

Für diese Flotte plant der RVK in Moitzfeld auf einem 1,3 Hektar großen Waldstück nördlich der Autobahn A 4, zwischen Technologiepark, Friedrich-Ebert-Straße und Overather Straße, einen „umweltverträglichen Busbetriebshof“ mit einer Wasserstofftankstelle. Ein Projekt, das u.a. im Rahmen der Regionale 2025 gefördert wird.

Im grünen Dreieck in der Bildmitte oberhalb der Autobahn soll der Mobilhof entstehen. Rechts daneben der Technologiepark, weiter rechts beginnt das Gewerbegebiet Obereschbach.

Im Kreisausschuss für Verkehr und Bauen stellte RVK-Geschäftsführer Marcel Frank die Pläne jetzt detaillierter vor, und wartete dabei mit einer Überraschung auf:

Dank einer Gesetzesänderung sei ein wirtschaftlicher Betrieb von Elektrolyseuren am grünen Mobilhof möglich, teilte der RVK mit – und plant nun den Bau einer 1,5 Megawatt starken Anlage zur eigenen Produktion von Wasserstoff mit ein. Elektrolyseure zerlegen Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff, stellen also den Brennstoff für die Busse her.

Den dafür notwendigen Strom soll in Moitzfeld eine 4.000 Quadratmeter große Solar-Anlage auf den Dächern des Betriebshofs liefern. Wenn die Sonnenkraft dafür nicht ausreicht soll grüner Strom auf dem Spotmarkt zugekauft werden.

Reaktionen: Die CDU-Abgeordneten Rainer Deppe (Landtag) und Hermann-Josef Tebroke (Bundestag) begrüßen die Nachricht. „Schon in meiner Zeit als Landrat wurde das Thema „Wasserstoff“ im Kreis diskutiert und ist für uns alle von großer Bedeutung. Unbeirrt sind wir den Weg gegangen“, erklärt Tebroke. „Das Beispiel RVK und RBK zeigt, dass wir schon mittendrin sind in der Weiterentwicklung der Energieversorgung zur Klimaneutralität. Um das zu erreichen, braucht es nicht nur Fördermittel von Bund und Land, sondern vor allem Ideen und Mut,“ sagt Deppe.

Nach derzeitigem Stand sollen in Moitzfeld maximal 50 Busse stationiert werden, ausschließlich emissionsfreie Fahrzeuge: 30 bis 35 der Busse sollen mit Wasserstoff betrieben werden, die anderen 15 bis 20 sollen von Batterien angetrieben werden.

Dafür sind eine Reihe von Einrichtungen geplant: neben den Abstellflächen, der Wasch- und Pflegehalle sowie der Wasserstoff- und Strom-Tankstelle sind das u.a. Büroräume, Sozialräume, PKW-Stellplätzen für die Mitarbeitenden, Fahrradabstellplätze und eine öffentliche e- Bike-Station.

Angedacht, aber noch nicht entschieden ist eine (separate) Wasserstoff-Tankstelle für Nutzfahrzeuge von Kooperationspartner (wie etwa der Stadt Bergisch Gladbach). Auch die Möglichkeit einer Wasserstoff-Tankstelle für PKW sei denkbar, heißt es in der Vorlage.

Maschinerie der Gutachter ist angelaufen

Das ist jedoch alles noch Zukunftsmusik, zunächst müssen die baurechtlichen Voraussetzungen geschaffen und Fördermöglichkeiten geklärt werden.

Eine FFH-Verträglichkeitsvorprüfung, ein Bodengutachten und eine Artenschutzprüfung der Stufe 1 seien durchgeführt worden und hätten bislang keine Aspekte ergeben, die dem Vorhaben entgegenstehen könnten. Machbarkeitsstudien, eine Verkehrsuntersuchung und ein Entwässerungskonzept werden vorbereitet. Auch hier spielen ökologische Kriterien eine Rolle, das Regenwasser soll möglichst auf dem Grundstück aufgefangen werden.

Die Bauten auf dem abschüssigen Gelände sollen kreuzförmig angelegt werden, mit je einer Zufahrt im oberen und im unteren Bereich.

Für das private Grundstück soll ein Erbbaurechtsvertrag mit dem Eigentümer geschlossen werden, weitere Flächen von der Stadt Bergisch Gladbach und dem Landesbetrieb Straßen angekauft werden.

Hintergrund: Das Grundstück war auch immer mal wieder als Standort für die Feuerwache Süd im Gespräch, war dann zunächst aufgrund der starken Hanglage aussortiert worden. Zuletzt hatte der Bergische Naturschutzverein vorgeschlagen, Mobilhof und Feuerwache gemeinsam (übereinander) auf dem Gelände zu realisieren. Die Feuerwehr hatte darüber mit dem RVK verhandelt; das Grundstück sei dafür aber nicht groß genug gewesen.

Die Stadt Bergisch Gladbach erwarte eine anspruchsvolle Architektur, was auch der RVK bei diesem Vorzeigeprojekt für sinnvoll hallte. Der innovative Charakter solle durch eine zeitgemäße Architektur und Bauweise dokumentiert werden.

Hohe Investitionen, hoher Förderanteil

Insgesamt sollen im Mobilhof rund 41 Millionen Euro investiert werden. Dabei geht der RVK davon aus, dass rund 50 Prozent aus diversen Fördertöpfen kommen. Für den RVK und damit letztlich für den Preis ergebe sich eine jährliche Belastung von rund 700.000 Euro.

Das sind – aufgrund der gestiegenen Baukosten und des Elektrolyseur-Projektes – 200.000 Euro mehr als zunächst veranschlagt worden waren. Da durch die eigene Wasserstoff-Produktion pro Jahr 200.000 bis 250.000 Euro eingespart werden könnte bleibe die Belastung unter dem Strich jedoch unverändert.

Zudem würden mit dem neuen Mobilhof die Betriebsfahrten (derzeit zum Betriebshof an der Hermann-Löns-Straße) deutlich verkürzt; auch das hat einen ökologischen Effekt und erspare pro Jahr rund 220.000 Euro an Ausgaben.

Nach Einschätzung des RVK kann das notwendige Baurecht, durch eine Änderung des Flächennutzungsplans mit der entsprechenden Öffentlichkeitsbeteiligung, innerhalb von zwei Jahren geschaffen werden. Daher hofft das Unternehmen auf einen Baubeginn Anfang 2024.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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10 Kommentare

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  1. @Drucker: Dass es „immer die Separierung sein muss“, ist nun wirklich nicht meine Position. Es geht mir ganz konkret um diesen Abschnitt der Overather Straße: Bergab von Bensberg kommend teilen sich die Autos in zwei Fahrspuren auf, etwa die Hälfte biegt rechts ab auf die Autobahn. Sich da im dichten Berufsverkehr (mit nicht wenigen LKW) als Radfahrer einzufädeln, ist wirklich nicht angenehm – selbst bei Tempo 30 (was hier verm. nicht möglich ist, da außerorts).
    Die Lösung ist eigentlich einfach: Ein Zweirichtungsradweg auf der Nordseite von der Thomas-Morus-Akademie bis zur Friedrich-Ebert-Straße (und ev. weiter bis ex-Knauber). Alle relevanten Anschlusspunkte liegen ohnehin auf der Nordseite, und es würde Radfahrende von der gefährlichen Rechtsabbiegerspur fernhalten.

  2. @U. Kleinert: Na ja, ob es immer die Separierung sein muss, ist fraglich. Zudem kostet eine separate Radverkehrsanlage (wenn sie wirklich sicher zu befahren sein soll) einiges an Geld und nimmt einen spürbaren Anteil am Straßenraum ein. Wenn ein Radweg nur nach dem Motto „Rad weg!“ eingerichtet wird, wie so oft, dann ist er unsicher und wird nicht angenommen.

    Da es dann sowieso Gemecker von der Autofahrerfraktion gibt, könnte man da ebenso gut das Tempolimit auf 30 km/h senken und Mischverkehr betreiben. Auf der abschüssigen Strecke stadtauswärts könnten Fahrradpendler problemlos mitschwimmen.

    Und ehe jetzt allseits empört Luft geholt wird: Dass Tempo 30 auf einem stark befahrenen Straßenzug funktioniert, ohne den Kfz-Berufsverkehr merklich zu bremsen, sieht man auf der Bergisch Gladbacher Straße im rechtsrheinischen Köln. Da ist inzwischen fast überall Tempo 30 aus Lärmschutzgründen vorgeschrieben, und der Verkehr läuft genauso flüssig oder weniger flüssig wie in all den Jahren zuvor.

  3. @Drucker: sichere Abstellplätze, Duschen, Umkleideräume – alles richtig & wichtig.
    Aber am wichtigsten ist die Infrastruktur, also sichere Radwege bzw. -fahrstreifen. Der anvisierte Standort ist von Bensberg aus extrem schlecht zu erreichen, da an der Overather Straße (V-Palotti- bis Friedrich-Ebert-Straße) ein Radweg fehlt. Im Berufsverkehr oder im Dunkeln ein absoluter Horror, da helfen auch (etwas) mehr Radfahrende nicht.

  4. @U. Kleinert: „Fahrradabstellplätze auf dem Gelände… Ich fürchte, solange die Overather Straße derart gefährlich für Radfahrende ist, wird das kaum ein:e Mitarbeiter:in nutzen…“

    Da beißt sich die Katze tatsächlich in den Schwanz. Für Radfahrer wird es nach allen Erfahrungen umso sicherer, je mehr davon sichtbar sind. „Safety in numbers“ heißt da das Stichwort. Das Problem ist immer, genug Leute auf als gefährlich empfundenen Strecken zu motivieren, den Radverkehr über die Wahrnehmungsschwelle zu heben und die Strecke damit sicherer zu machen.

    Abstellplätze für Fahrräder sind da schon eins der geeigneten Mittel, um die erfahrenen Alltagsradler ins Boot zu holen.

  5. Klingt interessant. Mich würde interessieren, wieviele Busse mit einer 1,5-MW-Anlage mit Wasserstoff versorgt werden können – nach meinem Überschlag etwa 20 (bzw. 30 wenn die Anlage 24h läuft), kann jemensch Genaueres sagen?

    Solarzellen auf dem Dach sind natürlich naheliegend, allerdings bringen 4000 m² nur eine Nennleistung von etwa 800 kW und damit eine reale Durchschnittsleistung von 120-150 kW.

    Fahrradabstellplätze auf dem Gelände… Ich fürchte, solange die Overather Straße derart gefährlich für Radfahrende ist, wird das kaum ein:e Mitarbeiter:in nutzen…:-(

    [„Für den RVK und damit letztlich für den Preis“ – gemeint ist wohl „Kreis“.]

  6. @Mehmet Schreiner: Natürlich wird die Anlage ganz normal ans Netz angeschlossen, wie soll der Strom sonst transportiert werden? Und unnormal kann man nicht angeschlossen werden.

    Am Spotmarkt wird Strom nach Bedarf zugekauft, so wie das etliche Großverbraucher seit Jahr und Tag tun. Dafür kann man Broker beauftragen, die das mit geübter Routine erledigen. Und sie kaufen dann eben nur von Ökostrom-Produzenten, wenn das gewünscht wird. Wann abgerechnet wird, ist dafür ziemlich egal.

    Mit Sicherheit gibt es Berechnungen zur Anlage. Ohne entsprechende Kalkulation plant man so etwas nicht und gibt erst Recht keine Auskünfte zur Wirtschaftlichkeit. Und ob die Anlage „sicherlich“ auch nachts oder abends läuft, hat mit Kohlestrom nichts zu tun. Auch nachts wird (der dann bei Bedarf zugekaufte) Ökostrom erzeugt, denn Windräder drehen sich auch bei Dunkelheit, Biogasreaktoren brauchen kein Tageslicht und Wasserturbinen ebenso wenig.

    @Christian Lesnik: Kann sein, dass andere Wasserstoff günstiger herstellen können, aber es gibt aktuell kein flächendeckendes Wasserstoff-Verteilnetz (da wird zwar derzeit recht erfolgreich an Einspeiseverbindungen und Ausleitungsfiltern geforscht, mit denen Wasserstoff „huckepack“ im Erdgasnetz transportiert werden kann, aber für die praktische Anwendung ist das noch Zukunftsmusik).

    Und die Vorstellung, dass ständig Tanklaster-Karawanen bei der RVK Wassserstoff anliefern sollen, wäre schon ein wenig schräg. Wenn durch die Eigenproduktion jährlich 200.000 bis 250.000 Euro eingespart werden können, scheint sich die Sache ja durchaus zu lohnen.

  7. Ich bin ein wenig skeptisch, ob die RVK selbst Wasserstoff herstellen sollte, dies können andere vermutlich günstiger. Eine Wasserstofftankstelle, auch für PKW’s fände ich eine großartige Sache, derzeit müsste ein Wasserstoffautobesitzer zum Köln Bonn Flughafen oder nach Leverkusen.

  8. Der Ökostrom wird am Spot-Markt gekauft?
    Gibt es dann einen eigenen Händler, der das Wetter beobachtet und entsprechend kauft?
    Oder wird der Mobilhof eher ganz einfach an das Netz angeschlossen, bezieht den Strom und rechnet am Ende des Jahres ab?

    Gibt es Zahlen/Berechnungen zur Leistung der Anlage? die 1,5 MW (maximale?) Leistung werden an dem Standort ja nur zu einem geringen Teil andauernd erzeugt. Um ausreichende Mengen Wasserstoff zu produzieren, läuft er sicherlich auch abends/nachts, also mit hohem Anteil Kohlestrom.

    Nicht falsch verstehen, eine super Initiative, aber dennoch sollte man ehrlich sein, dass dieser Wasserstoff aktuell noch nicht komplett grün ist. Das wäre erst mit einer Kombination aus Kernenergie und EE möglich.

  9. Ein wirkliches Leuchtturmprojekt, welches viel Mut zur Zukunft erkennen lässt. Herzlichen Glückwunsch an alle Beteiligte für diesen erfolgreichen Entscheidungsprozess und viel Erfolg für die Umsetzung des Vorhabens.

    Es ist diesmal nicht der Bau von Atomreaktoren und schnellen Brütern als technologische Herausforderung an dieser Stelle, diesmal ist es die Energiewende die sich mit Wasserstofftechnologien am Standort Moitzfeld ihre Zukunft bahnt.

    Eigentlich ein Heimspiel bei dem sich bietenden Ambiente. High Tech rundherum, Gründer Gen und Wachstumssprünge. Es scheint der Standort zu sein, am Rande der rheinischen Tiefebene, mit Forsthaus Steinhaus, dem Tor zur Heideterrasse, der immer wieder auf ein neues High Tech anzieht. Er bietet den Anreiz und die Möglichkeit zur Kompensation. Da kann man sich nur für das Engagement aller bedanken, wenn auch am Ende ein „on demand“ Mobilitätsservice das Angebot grundlegend verändern sollte, der Wasserstofftechnologie tut das keinen Abbruch und dem Standort erst recht nicht.

    Besteht doch gerade in dieser frühen Phase der Anwendung der Wasserstofftechnologie die Möglichkeit einen Know How Schwerpunkt zu prägen als einen Netzwerkknoten in der Region für diese neue Technologie. Viel Erfolg und schnellen Fortschritt, die Zeit drängt.

  10. Wünsche diesem Projekt viel Erfolg und empfehle den Verantwortlichen eine Kontaktaufnahme zu dem lokalen Motorenbauer Deutz. Der angekündigte Baubeginn 2024 für den Mobilhof fällt idealerweise zusammen mit der geplanten Markteinführung der neuen Wasserstoffmotoren von Deutz (Anfang 2024) die derzeit als Prototypen schon praktisch erfolgreich erprobt wurden. Wenn diese für Busse adaptiert werden ergeben sich noch Vorteile gegenüber der Brennstoffzellentechnik.