Eigentlich sprechen die Schilder in der ehemaligen Fußgängerzone in der Schlossstraße Bensberg eine klare Sprache. Das runde Verkehrsschild mit der roten Umrandung auf weißem Grund ist nach der Straßenverkehrsordnung das Zeichen Nr. 250 und bedeutet “Verbot für Fahrzeuge alle Art”.

Gelegentlich gibt es bei diesem Zeichen kleine Zusatzschilder, die zu dem generell gültigen Durchfahrtsverbot Ausnahmen hinzufügen (z.B.: Anlieger frei). Am Anfang der ehemaligen Fußgängerzone gibt es die Regel, dass dieses Verbot täglich von 20-6 Uhr an Donnerstagen bis 15 Uhr und ganztägig an Sonn- und Feiertagen gilt.

Also eigentlich ziemlich deutlich, auch wenn an der Stelle eine Menge Schilder hängen. So auch ein Schild für eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 10 Stundenkilometer.

Weiter unten in der ehemaligen Fußgängerzone finden sich an den ausgewiesenen Parkplätzen sehr deutlich und nicht übersehbar das Zeichen Nr. 283, roter Kreis und Kreuz auf blauen Grund, welches eindeutig ein Halte- und damit auch Parkverbot in der ehemaligen Fußgängerzone für den gleichen Zeitraum wie das Durchfahrtsverbot ausspricht.

Eigentlich sollte man meinen, dass Autofahrer diese einfachen und sehr bekannten Schilder auch kennen und sicher tun sie das auch.

Wir alle sind keine Heiligen, aber am Sonntag war ich dann doch sehr überrascht, was ich in 10 Minuten kurz vor 18 Uhr dort erleben musste. Ich hatte davon gehört, dass man es mit den neuen Verkehrsregeln in der Schlossstraße nicht so genau nimmt und wollte dies bei einem schönen abendlichen Espresso und einen Fruchtbecher im benachbarten Eiscafé überprüfen und abwarten, was dort zu sehen ist.

Zu dem Espresso und dem Eis bin ich nicht gekommen, denn man musste nicht warten. Tatsächlich fuhren Aut0s im Minutentakt durch die ehemalige Fußgängerzone – und fast alle fuhren auch schneller als 10 Km/h. Einige parkten sogar direkt unter den Halteverbotsschildern.

Gegen 18 Uhr kam dann die Polizei, man wähnte auf Abhilfe und erwartete ein hartes Durchgreifen. Doch selbst die Polizei hat diesem Treiben kein Einhalt geboten und fuhr ohne Blaulicht einfach durch die ehemalige Fußgängerzone durch ohne sich an die Höchstgeschwindigkeit zu halten. Dem Polizeifahrzeug folgte direkt ein PKW und auch dieser wurde nicht von der Polizei gestoppt. Die parkenden Fahrzeuge haben die Polizisten dabei auch übersehen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, nur ich sehe die Verkehrsschilder.

Die Serie aus zehn Fotos entstand am Sonntag (21.10.2012 kurz vor 18 Uhr) innerhalb von 10 Minuten und belegt, wie haarsträubend die Vorstellungen der Stadtverwaltung und der Interessengemeinschaft Bensberger Handel+Gewerbe e.V sind, die ehemalige Fußgängerzone tagsüber zu öffnen und für den Autoverkehr freizugeben.

Hat man einmal eine Durchgangsstraße und Parkplätze eingerichtet, dann hat man die Fußgängerzone auch nachts und für Sonn- und Feiertage zerstört. Das Konzept einer “Fünftel”-Fußgängerzone geht so nicht auf und mit diesem Versuch hat die Ratsmehrheit und Bürgermeister wieder mehrere zehntausend Euro Steuergelder in den Sand gesetzt und verschwendet.

Natürlich könnte man dort einfache oder automatisch versenkbare Poller einsetzen, die dann die Straße zum richtigen Zeitpunkt sperren und entsperren, dieses kosten aber inkl. Einbau und Zeitsteuerung sicher mehr als 10.000 €.

Wenn die Stadt “sparen” will, und das tut sie ja sonst nur bie Kindern, Jugend, Schulen, Soziales, Kunst, Sport und Kultur, dann kann die Interessengemeinschaft Bensberger Handel+Gewerbe ja einen ehrenamtlichen Nachtwächterdienst einrichten, der einfache und herausnehmbare Absperrpfosten täglich auf und abbaut. Diese Pfosten gibt es schon für wenige hundert Euro.

Tomás M. Santillán

Tomás M. Santillán lebt seit seinem ersten Lebensjahr in Bergisch Gladbach Refrath. Bekannt wurde Tomás M. Santillán als Antragsteller des Bürgerentscheid gegen des Cross-Border-Leasing 2003 und seine Kandidaturen als Bürgermeister und Landrat. Heute engagiert er sich in unabhängigen Initiativen...

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2 Kommentare

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  1. Jede Bevölkerung bekommt die Innenstadt, die sie verdient. So könnte man in Abwandlung eines Zitats von Le Corbusier für Bensberg sagen. Wer Durchfahrtstraßen Fußgängerzonen nennt, alles und nichts und das Gegenteil gleichzeitig will, muss sich nicht wundern, wenn die Menschen es mit Schildern und Regeln nicht mehr genau nehmen. Die Stadtvertretung hat ja vorgemacht, dass Worte und Begriffe – daraus besteht nun mal anderswo die Welt der Regeln, der Ordnung und der Vernunft – in Bergisch Gladbach nichts mehr gelten.

  2. Ich begrüsse grundsätzlich die partielle Öffnung der Fußgängerzone – auch ich sehe mir das Geschehen schon mal an ! Zu den regulären Öffnungszeiten hält sich sowohl das Verkehrsaufkommen, als auch die gefahrene Geschwindigkeit ( mit Ausnahmen in allen Alters- und Geschlechtsgruppen) in gut erträglicher Anzahl!
    Das aber viele Bürgen die von Herrn Santilan angesprochenen Hinweisschilder ignorieren, finde ich genausowenig gut und hier müßte Ordnungsamt und Polizei gründlich durchgreifen und nicht nur an der Saalermühle permant blitzen und Knöllchen verteilen, wenn man einen Meter zu weit im Nichtparkfeld steht!!