Ist Wählen schwer?

Nein. Ingo Appelt bringt es auf den Punkt:

Auch wenn das Wählen selbst einfach ist, das Wahlsystem ist es nicht. Daher noch ein paar Bemerkungen dazu.

Darf ich überhaupt wählen?

Wenn Sie mindestens 18 Jahre als und deutscher Staatsangehöriger, dann ja. Und dann sollten Sie längst eine Wahlbenachrichtigung bekommen haben. Falls nicht, melden Sie sich schleunigst beim Wahlbüro im Stadthaus An der Gohrsmühle, Kontaktdaten etwas weiter unten.

Ist die Wahl schon gelaufen?

Für viele ja: Mitte der Woche hatte fast jeder vierte der 83.626 Wahlberechtigten in Bergisch Gladbach seine Stimme per Briefwahl oder im Direktwahlbüro abgegeben. Das ist deutlich über dem Bundesdurchschnitt (21,4 Prozent) und mehr als jemals zuvor: 2009 waren es insgesamt 17.516 Briefwähler gewesen.

Wie lange läuft die Brief- und Direktwahl noch?

Die Direktwahlbüros sind noch bis Freitag, 18 Uhr geöffnet:

  • Direktwahlbüro Stadtmitte:
    Kreissparkasse Köln, Hauptstraße 208-210
  • Direktwahlbüro Bensberg:
    Bensberger Bank, Schlossstraße 82

Was passiert, wenn ich krank werde?

Das Wahlbüro am Stadthaus ist auch Samstag und Sonntag geöffnet. Hier kann einen Antrag in Ausnahmefällen noch bis Sonntag 15 Uhr stellen. Wer für einen Anderen Wahlschein und Briefwahlunterlagen beantragt, muss eine schriftliche Vollmacht vorlegen.

Wahlbüro Bergisch Gladbach
Stadthaus An der Gohrsmühle
An der Gohrsmühle 18, 51465 Bergisch Gladbach
Tel.: 02202 14-2888 Fax.: 02202 14-2898
E-Mail: wahlbuero@stadt-gl.de
Freitag, 20.09.2013 von 7:00 Uhr bis 20:00 Uhr
Samstag, 21.09.2013 von 8:00 Uhr bis 12:00 Uhr
Sonntag, 22.09.2013 von 7:00 Uhr bis zum Ende der Wahl

Wo muss ich am Sonntag wählen gehen?

Das Wahlgebiet der Stadt Bergisch Gladbach ist in 99 Stimmbezirke aufgeteilt. Es gibt 73 Wahllokale und 26 Briefwahlbezirke. Wo Sie wählen müssen, steht auf ihrem Wahlbenachrichtigungsschein. Eine vollständige Liste aller Wahlbezirke und Wahllokale gibt es aber auch hier.

Die CDU und die SPD  bieten einen Fahrdienst zu den Wahllokalen. Melden Sie sich bei der

  • CDU: 02202 9369556 oder per Mail: wahltaxi@cdurbk.de
  • SPD: 02202 932952 für den ganzen Kreis, 0163 86 88 747 nur für Bergisch Gladbach

Wen soll ich wählen?

Sie wissen gar nicht, wen Sie wählen sollen? Vorgesagt wird nicht – aber vielleicht helfen diese Informationen und Werkzeuge weiter:

2 x anklicken, dann können Sie alles lesen

Wie soll ich wählen?

Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Dort sitzen meist ehrenamtliche Wahlhelfern. Sie kontrollieren Wahlbenachrichtigungskarte, eventuell den Personalausweis und haken den Namen im Wählerverzeichnis ab, damit jeder nur einmal abstimmen kann.

Mit dem Stimmzettel geht man in die Wahlkabine, denn die Wahl ist ja geheim. Dort kreuzt man mit der Erststimme seinen Kandidaten, mit der Zweitstimme die Partei seiner Präferenz an. Dabei kann man die Stimme durchaus aufteilen – also für den Kandidaten einer Partei, dann aber für eine andere Partei stimmen. Der Stimmzettel wird gefaltet und in den Schlitz der Wahlurne geworfen?

Wann ist eine Stimme ungültig?

Ungültig ist eine Stimme, wenn der Wille des Wählers nicht eindeutig zu erkennen ist. Wenn zum Beispiel mehr als zwei Kreuze gemacht werden. Aber auch, wenn man Anmerkungen und Zusätze auf den Wahlzettel kritzelt. Also: zwei Kreuze, nicht mehr, nicht weniger.

Nur eine einzige, vom Wahlleiter genehmigte Ausnahme gibt es, aber nicht bei uns: Im Wahlkreis Ulm-Alb-Donau dürfen die Wähler den Doktortitel von Ex-Ministerin Annette Schavan durchstreichen (faz.net).

Ungültige Stimmen werden einfach nicht gezählt, beeinflussen das Wahlergebnis also nicht.

Das war’s. Noch Fragen?

Was ist eine Erststimme, was eine Zweitstimme?

Mit der Erststimme wählt man den Kandidaten aus dem Wahlkreis 100 (Rheinisch Bergischer Kreis). Hier haben sich acht Kandidaten beworben, die wir in diesem Beitrag kurz vorstellen, zudem gibt es hier viele Verweise auf weiterführende Informationen zu den Kandidaten.

Der Kandidat mit den meisten Stimmen bekommt ein Direktmandat zieht in den Bundestag ein. Die anderen Stimmen fallen unter den Tisch. Da es 299 Wahlkreis gibt, kommen so 299 Abgeordnete ins Parlament. Damit wird sicher gestellt, dass jede Region im Bundestag vertreten ist.

Die Zweitstimme ist trotz ihres Namens wichtiger als die Erststimme: Sie entscheidet über die tatsächlichen Mehrheits- und Machtverhältnisse im Bundestag. Denn insgesamt gibt es (mindestens) 598 Sitze im Bundestag. Der Anteil der Zweitstimmen einer Partei bestimmt, wie groß der Anteil dieser Partei an allen Abgeordnetensitzen ist. Gewinnt eine Partei 40 Prozent der Zweitstimmen, bekommt sie insgesamt mindestens 40 Prozent der Sitze im Bundestag.

Mit der Zweitstimme entscheiden sich die Wähler nicht für eine Person, sondern für die Landesliste einer Partei. Auf dieser Liste stehen die Kandidaten, die eine Partei für das Bundesland nach Berlin schicken möchte.  Je weiter oben ein Politiker auf der Liste steht, desto größer sind seine Chancen. Daher auch die Bezeichnung “Spitzenkandidat” – der steht auf Platz 1 der Landesliste. Die ersten Listenplätze sind auf dem Stimmzettel mit Namen genannt.

Was ist die Fünf-Prozent-Hürde?

Allerdings: Zweitstimmen zählen nur, wenn Parteien mindestens fünf Prozent aller Zweitstimmen oder drei Wahlkreise gewonnen haben. Wenn nicht, verfallen die Zweitstimmen. In diesem Jahr wird es besonders spannend, ob die FDP über fünf Prozent bleibt – und ob die neue AfD über die Hürde springt.

Aber wer als Direktkandidat in seinem Wahlkreis die Mehrheit der gültigen Erststimmen bekommt, erhält auf jeden Fall ein Mandat, auch wenn seine Partei an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert.

Überhang- und Ausgleichsmandate – was ist denn das?

Jedes Bundesland erhält nach den dort abgegebenen Zweitstimmen eine bestimmte Zahl an Sitzen im Bundestag. Die werden dann nach den Landeslisten der Parteien verteilt. Hat aber eine Partei innerhalb eines Landes mehr Direktmandate, als ihr nach Zweitstimmen Mandate des Landeskontingents eigentlich zusteht, bekommt sie die trotzdem – und es entstehen Überhangmandate.

Genau das hat das Bundesverfassungsgericht aber schon 2008 verboten, weil damit nicht alle Stimmen gleich behandelt werden. Anstatt das Wahlrecht draufhin zu reformieren (gar zu vereinfachen) hat der Bundestag Ausgleichsmandate erfunden: Bekommt eine Partei ein Überhangmandat, erhalten alle anderen im Bundestag vertretenen Parteien auch ein zusätzliches „Ausgleichsmandat”.

Damit bleibt das Größenverhältnis der Fraktionen zueinander konstant – aber die Anzahl der Abgeordneten im nächsten Bundestag wird deutlich größer ausfallen als 599. Im Extremfall können es sogar 800 Parlamentarier werden.

Warum ist die Wahlbeteiligung wichtig?

Wie hoch war die Wahlbeteiligung zuletzt im RBK?

  • 2005: 82,9 Prozent
  • 2009: 77,3 Prozent

Kann man das alles nicht einfacher erklären?

Kann man. Und die Jugendorganisation des Sozialverbandes Deutschland hat es auch gemacht, sie erklärt den ganzen Wahlvorgang in einfacher Sprache (pdf). Dort wird auch sehr genau geschildert, was in der Wahlkabine zu tun ist – und warum man den Wahlzettel nicht unterschreiben sollte.

Wer gewinnt denn jetzt die Wahl?

Das wissen wir auch nicht. Die letzten Wahlprognosen sehen so aus:

Alle Grafiken kann man anklicken – dann werden die Zahlen deutlicher.
Quelle: wahlrecht.de

Die Umfragen zum bundesweiten Ergebnis (Zweitstimmen) zeigen, dass es für beide Lage schwer wird, eine Regierung zu bilden, denn dafür benötigt ein Zusammenschluss von Parteien (Koalition)  mehr als 50 Prozent der Stimmen. Laut Umfragen wird das für CDU/CSU und FDP kaum möglich. Aber auch SPD und Grüne werden das nicht schaffen. Daher könnte es auf eine große Koalition von CDU/CSU und SPD hinauslaufen.

Aber: es gibt noch viele unentschlossene Wähler – und offen ist, ob Parteien wie die FDP und die AfD über die Fünf-Prozent Klausel kommen. Schaffen Sie es nicht, werden mehr Mandate auf die anderen Parteien verteilt.

Bei den Erststimmen im Rheinisch-Bergischen Kreis sieht es anders aus: hier hat Amtsinhaber Wolfgang Bosbach gute Chancen, zum sechsten Mal in Folge gewählt zu werden. Nach einer Erhebung von election.de kann er sogar mit 54 Prozent rechnen. Dennoch stecken die anderen Kandidaten nicht auf – ein anständiges Ergebnis ist für jeden von ihnen persönlich wichtig.

Wie werden die Stimmen gezählt – und wer passt auf?

Ab 18 Uhr beginnen die Wahlvorstände in den Wahllokalen mit der Auszählung und schicken ihre Ergebnisse an die Stadtverwaltung. Dort werden alle Ergebnisse getrennt nach Erst- und Zweitstimmen zusammengefasst und an den Kreiswahlleiter geschickt. Der büündelt die Ergebnisse aller Kommunen und erhält so den gewählten Direktkandidaten. Über die Landeswahlleiterin geht das Ergebnis dann an den Bundeswahlleiter. Dieser ermittelt, wie viele Sitze aus den Landeslisten den Parteien zufallen.

Der Kreiswahlleiter und sein Stellvertreter werden von der Bezirksregierung ernannt. Kreiswahlleiter für die Bundestagswahl ist Landrat Hermann-Josef Tebroke, sein Stellvertreter ist Kreisdirektor Erik Werdel.

Wann erfahren wir die Ergebnisse – und wo?

Wenn um 18 Uhr die Wahllokale schließen, veröffentlichen die Fernsehsender die ersten Wählernachbefragungen. Diese sogenannten Exitpolls sind noch nicht ganz zuverlässig, erst die ersten Hochrechnungen basieren auf ausgezählte Stimmen.

Die Auszählung der Ergebnisse in Bergisch Gladbach kann man auf dieser Seite bis in die Wahlbezirke hinab detailliert verfolgen.

Für den gesamten Rheinisch-Bergischen Kreis (Wahlkreis 100) gibt es hier die Ergebnisse.

Wie hoch hat Wolfgang Bosbach zuvor gewonnen?

  • 1994: 48,7 Prozent der Erststimmen
  • 1998: 45,2
  • 2002: 44,8
  • 2005: 49,3
  • 2009: 50,0

Hat jemals ein Nicht-CDU-Mitglied das Direktmandat gewonnen?

Ja, Bertram Blank 1972 mit 48,4 Prozent für die SPD.

Welche Ergebnisse gab es bei früheren Bundestagswahlen?

Kann ich das auch etwas größer haben? Ja, einfach anklicken.
Quelle: Rheinisch-Bergischer Kreis

Und wie sah es in den Jahren davor bei der Bundestagswahl in Bergisch Gladbach bei den Zweistimmen aus?

Die Wahlergebnisse im ganzen Rheinisch-Bergischen Kreis

Quelle: Rheinisch-Bergischer Kreis

Und wie sah es bei den anderen Wahlen im Kreis (Landrat, Landtag, Kommunal, …) aus?

Quelle: Wikipedia

Wann darf ich wieder wählen?

Nach der Wahl ist vor der Wahl: die Kommunalwahl, unter anderem für den Stadtrat von Bergisch Gladbach, findet am 25. Mai 2014 statt.

Haben Sie noch noch Fragen?

Dann nutzen Sie bitte das Kommentarfeld oder schreiben Sie uns eine Mail: info@in-gl.de

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Quellen: Bundeszentrale für politische Bildung, wahlrecht.de, election.de, Stadt Bergisch Gladbach, Rheinisch-Bergischer Kreis

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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