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Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de. Twitter: @gwatzlawek

2 Kommentare zu “Stadtwerke: Kämmerer hält an rascher Tilgung fest”

  1. Nicht “Wer”, sondern “Was” war das, Herr Wagner

    – and the winner is: Es waren, ist doch klar: “alternativlose Sachzwänge”!
    Leider sind die unbekannt verzogen und nicht mehr haftbar zu machen.

    Das treibende Motiv damals war schlicht:
    “Money, money money … (is the rich towns world)”!

    Es herrschte noch die Lust freien Versilberns von allem, was sich nicht wehrte,
    der letzte Akt wäre dann das legendäre Cross Border-Leasing gewesen,
    wenn sich nicht fachsachlich selbstredend überforderte Bürger dem entgegengestellt hätten.

    Genau hier bleiben auch meine Vorbehalte gegen die Belkaw-Variante,
    denn sie scheint aus dem gleichen und eher eingleisigen Geist geboren:
    Man verspricht sich sicheren und reichlichen Gewinn vor dem Hintergrund einer sehr bedrängten Haushaltslage.

    Hier finde ich Ihr Argument interessant und griffig:
    “In Erwartung einer zunehmenden Inflation kann eine solche kommunale Investition genauso sinnvoll sein wie ein privater Immobilienkauf.”
    Wenn dem so wäre, immerhin.

    Nur, dass einem diese Immobilie am Ende (also nach gelungener Rückzahlung / Tilgung) nicht allein gehört, und der Partner (mit vor allem wiederum seinen Partnern) künftig in durchaus bewegtem Fahrwasser manövrieren muss.

    Aber davon abgesehen – und wie an anderer Stelle schon angemerkt –
    ginge es bei der “zukünftigen Gestaltung der Versorgung in GL”,
    gerade im Falle einer wieder aktiven Rolle der Stadt,
    aber genau um eben dieses “Gestalten”:

    Und das heißt zum Beispiel:
    Wie soll diese Versorgung gestaltet werden? Welche Kriterien sind dafür maßgeblich? Mit welcher langfristig tragfähigen und zukunftsfähigen Strategie wird operiert? Welche Rolle spielen etwa intelligente, dezentrale Versorgungskonzepte? Wird der sich abzeichnende technische und wirtschaftliche Strukturwandel im gesamten Versorgungsmarkt dabei berücksichtigt?

    Das einzige Kriterium, das hier maßgeblich schien,
    war bzw. ist die zumindest propagierte Aussicht auf ein “Goldesel-Projekt”:
    Neben der leichthändigen Rückzahlung eines 80 Millionen-EURO-Kredits
    auch sprudelnde Zuflüsse für die städtischen Finanzen.
    Wer braucht da noch irgendeine Energie- oder überhaupt eine Strategie?

    Die Sache mit dem “Goldesel-Projekt” hat sich inzwischen erledigt.
    Da strahlte der Glanz im Lichte von Wünschen und Erwartungen
    wohl weitaus heller als das Material, aus dem der “Goldesel” gemacht ist.

    Desto interessanter werden jetzt wieder Fragen
    nach der konzeptionellen Substanz des Projekts,
    ganz gleich, wie es und mit wem es dann realisiert werden soll.

    Das sind Fragen, die eine fundierte politische Auseinandersetzung verlangen
    und schon entsprechende Diskussionen wert sind.
    Fragen, die Ideen verlangen, Perspektiven, eine in sich schlüssige Vision
    zum Thema “Zukunft der Versorgung in GL”.

    Leider ist viel Zeit vertan worden, bevor das Thema jetzt auf den Tisch einer breiten Diskussion kam, die bereits einige interessante Ansätze und Anregungen gebracht hat.

    Und leider hat die Art und Weise, wie das Thema vorher (und teils auch jetzt noch) politisch behandelt wurde nicht dazu beigetragen, ein, sagen wir, “vorurteilsfreies Klima” zu schaffen.

    HGU

  2. Kommentar zu Kaufpreis und Risiko :
    Als angemessener Kaufpreis wird i.d.R. das 7-10 fache des nachhaltigen Ergebnisses eines Unternehmens angesehen. Ich kenne nur das in der Bilanz der Rheinenergie ausgewiesene Belkaw-Ergebnis 2011 von 12,8 Mio. Danach läge ein angemessener Kaufpreis für das halbe Unternehmen also bei etwa 64 Mio , beim Kaufpreis von 78 Mio wären also 14 Mio als Einstiegsprämie zu sehen. Der Wert der evtl. mit gekauften Netze ist abhängig vom Investitionsbedarf und der Abschreibung. Ein regulatorisch abgeschriebenes Netz, selbst in „1a-Pflegezustand“ und voll funktionsfähig, erzielt eine regulatorische Verzinsung von exakt 0,00 EUR und im Veräußerungsfall einen ebensolchen Verkaufserlös (Ertragswert des Netzanlagevermögens = 0 EUR) …(regulatorische Verzinsung = die von der Netzagentur anerkannte, gedeckelt auf 4%). Wenn das Ergebnis der Belkaw gehalten werden kann, bedeutet das aber immerhin eine sehr attraktive Verzinsung von 8,2% bzw. 6,4Mio/a von denen die Belkaw 5,3% bzw. 4,1 Mio/a für 20 Jahre garantieren will (alles vor Steuer ! ). Nach den Angaben zur Finanzierung (39Miozu 1,84%,10a fest +8Mio zu 1,1%,5a fest + 31 Mio zu 2,89%,20a fest) ergibt sich eine anfängliche Zinslast von 1,7 Mio/a. Es würde also ein Betrag von wahrscheinlich 4,7 Mio/a bzw. garantiert 2,4 Mio/a nach Zinsen vor Steuer für Tilgung oder andere Verwendung zur Verfügung stehen.
    Wenn die kürzerlaufenden Kredite nach 5 bzw 10a dramatisch höher, zB mit 4%, verzinst werden müssten, käme man auf eine Zinsbelastung von 2,8 Mio/a und einen Ertrag vor Steuern von 3,6 bzw 1,3 Mio garantiert. Wird also schon enger !
    Mit der Garantiedividende von 5,3% bietet die Belkaw quasi einen Puffer für das Marktrisiko an, der einem Ertragsrückgang von 35% gegen 2011 entspricht, ein auf 20 Jahre gesehen keineswegs unwahrscheinliches Szenario in diesem kompetitiven Geschäft. Wieso dies Bürgermeister und Berater für nahezu ausgeschlossen halten verstehe ich nicht. Von einem Gewinnwachstum sollte man in der Branche für absehbare Zeit lieber gar nicht erst ausgehen, da die gesamte Energieversorgung zur Zeit im Begriff ist, gegen die Wand gefahren zu werden. Die Stadt sollte darauf achten, ob auch im Falle einer Nichterwirtschaftbarkeit der Garantiedividende durch die Belkaw eine Dividende von 5,3% zu Lasten der Rheinenergie gezahlt wird. Mitentscheidend für die Ertragsituation der Belkaw/Stadt-Konstruktion sind auch die variablen Einnahmen aus der Verpachtung der Netze und die variablen Kosten für die Dienstleistungsverträge mit der Rheinenergie .Hier liegt ein Risiko im Gestaltungsspielraum der Rheinenergie.
    Mein Fazit:
    Es sieht nach einem Geschäft mit vertretbarem Risiko aus. Aber ob es ein richtig gutes Geschäft werden kann hängt entscheidend davon ab, ob sich die Verrechnung mit den Bäderverlusten durchsetzen lässt bzw. sich die Versteuerung wie gewünscht optimieren lässt. In Erwartung einer zunehmenden Inflation kann eine solche kommunale Investition genauso sinnvoll sein wie ein privater Immobilienkauf. In jedem Fall liegen meiner Einschätzung nach in der Belkaw-Beteiligung die geringeren Risiken gegenüber einer vollständigen Neugründung eines EVU ohne Kunden , ohne Netz und mit einem ortsfernen Partner. Meine Wahl wäre also nur zwischen Belkaw-Beteiligung und status quo. Es darf in diesem Zusammenhang noch einmal der Schnee von gestern erwähnt werden: Ein Kardinalfehler war der Verkauf der Belkaw-Anteile vor einem Jahrzehnt . Man hat eine Verzinsung von 8% gegen eine von 3,6% getauscht. Wer war das eigentlich?
    Klaus Wagner

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