Tomas M. Santillan

Tomas M. Santillan ist am Sonntag gegen 22 Uhr nach eigenen Angaben von einem NPD-Sympathisanten mit einem Messer angegriffen worden. Der Lokalpolitiker habe gerade versucht, abgerissene Wahlplakate der Linken in Refrath an der Dolmanstraße neu zu befestigen, als er von einem Mann attackiert worden sei, berichtet der Fraktionschef und Bürgermeisterkandidat der Linken in Bergisch Gladbach. Die Kölner Kriminalpolizei bestätigt den Vorfall grundsätzlich. Ob es eine politische Dimension gebe, müsse ebenso wie der genaue Ablauf jedoch zunächst geprüft werden.

Santillan berichtet, der Mann habe ihm zwei Wahlplakate aus der Hand gerissen und in ein Blumenbeet an der Ecke Siebenmorgen/Dolmanstraße geworfen. Als Santillan protestierte habe der Mann ihn beschimpft, ein „gefährliches Klappmesser“ gezogen, den Lokalpolitiker zunächst bedroht und dann auch angegriffen. Dem hab er nur ausweichen könne, indem er auf die Straße gesprungen sei. Bei einer weiteren Attacke habe ihn der höchst aggressive Mann mit der Faust am Ohr getroffen.

Zudem habe sich der Täter damit gebrüstet, die Plakate abgerissen zu haben. Das mache er nicht alleine und es gäbe viele andere, die das „hier“ täten, zitiert Santillan den Angreifer. Schließlich habe der Mann ein Plakat der NPD hochgehoben und mit dem Satz „Dies ist die richtige Partei“ gelobt.

Die Polizei, die von Santillan selbst alarmiert worden war, traf neben dem Lokalpolitiker und dem Angreifer einen Zeugen an. Nach den bisherigen Ermittlungen handelt es sich bei dem Beschuldigten um einen 27-jährigen Bergisch Gladbacher, der betrunken war, berichtet die Kölner Polizei. Dieser habe den Tathergang jedoch völlig anders geschildert. Ein Messer sei sicher gestellt worden. Der Mann sei der Polizei bekannt, aber nicht wegen politischer Delikte.

Dennoch wurde der Fall sofort an den Kölner Staatsschutz übergeben, der nun ermittelt. Zudem wurde Anzeige wegen Raub erstattet – denn der Täter hatte Santillan auch ein Paket Kabelbinder entrissen. Ob es einen politischen Hintergrund gebe, lasse sich derzeit noch nicht sagen, sagte ein Polizeisprecher.

Für Santillan ist dagegen klar, dass der Angreifer aus der rechten Ecke stammt. „Wir müssen in Bergisch Gladbach noch viel tun, damit wir eine tolerante und offene Stadt bleiben, in der Faschisten und Rassisten keinen Platz haben,“ erklärte der Linke. Er werde dennoch versuchen „mit dem Mann in einen Dialog einzutreten, um herauszubekommen, warum er so einen rechten Hass in sich trägt“.

Vertreter kleinerer Parteien reagierten auf Santillans Bericht mit Entsetzen.

Am Wochenende waren entlang der Waldstrecke zwischen Gronau und Refrath Plakate der SPD und der Bürgerpartei GL mit Kreidespray verunziert worden, einzelne Plakate waren zerstört worden.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Ich bin schokiert über diese Nachricht. Gott sei dank hat Herr Santillan alles gut überstanden und ist gesund. Unabhänig von unserer politischen Überzeugung, hier müssen alle demokratischen Patreien zusammen stehen. Denn diese Sche… kann jeden von uns treffen.
    Olaf K. Marx
    Wahlkampf Pressesprecher, von Michael Schubek

  2. P.S. Habe mich wohl “verklickt” -> geschrieben wurde obiger Text nicht von “Anonymous”, sondern von Thomas Sussenburger, Pressesprecher SPD GL und Ratskandidat für Paffrath-Süd

  3. Ich bin schokiert über diese Nachricht. Gott sei dank trägt Herr Santillan wohl keine bleibenden Schäden davon.
    Es zeigt sich wieder einmal, dass auch Bergisch Gladbach Probleme mit Rechten und rechtem Gedankengut hat.
    Ein NPD-Verbot ist unlängst hinfällig; vor dem Hintergrund der Zustimmung und des Erfolges rechtsradikaler, rechter und rechtspopulistischer Themen und Parteien sollten wir als Gesellschaft uns fragen, wie wir das Leben aller toleranter, weltoffener und empathischer machen können. Beginnen kann es vielleicht bei dieser Europa- und Kommunalwahl: Keine Stimme den Rechten.