Bahnenschwimmen

Die denkt an ein Grillfest in Polen,

drum kann sie jetzt nicht überholen.

Den Blick in die Ferne gerichtet,

die Lehrerin Hefte aufschichtet.

.

Der muss den Gartenzaun streichen,

kann deshalb dem andern kaum weichen.

Der macht sich ums Enkelkind Sorgen,

schwimmt mehr als im Heute im Morgen.

.

Begegnung, die findet nicht statt,

weil jeder Gedanken nur hat

für die eigenen Weltenbahnen,

und vom anderen kann man nur ahnen,

.

was ihn denn nun wirklich bewegt,

und Wert wird auf das nur gelegt,

was einem selber ist wichtig,

das sonst Drumherum das ist nichtig.

.

Die Verachtung der Welt ist so groß,

dass manche sich mit einem Stoß

ins untere Wasser begeben,

sie wolln mit der Umwelt nicht leben.

.

Alle könnten den anderen spüren,

die Haut sogar manchmal berühren,

könnten sehen des andern Gesicht,

doch schaun sie in Wirklichkeit nicht.

.

Das Begegnen scheint wie ein Tabu,

und es deckt sie ein Nichtkennen zu

wie ein großes und schamhaftes Tuch.

Ein geheimer, unendlicher Fluch?

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.