Das Gesamtergebnis ist glänzend: Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist im Kölner Raum nicht nur stark überdurchschnittlich vertreten, sie wächst auch dynamisch: Allein in den drei Jahren von 2009 bis 2012 ist der Umsatz der Branche um elf Prozent auf 9,2 Milliarden Euro gewachsen, die Zahl der Beschäftigten immerhin noch um 6,4 Prozent auf 54.500. Das geht aus einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos AG für die IHK Köln hervor (die gesamte Studie finden Sie unten). [Tweet “Köln saugt Medien- und Kreativunternehmen ab. Wird Bergisch Gladbach Schlafstadt? #gl1 #studie #ihk”]

Allerdings fällt die Bilanz sehr unterschiedlich aus: die Stadt Köln prosperiert – aber das nicht zuletzt auf Kosten des Umlands. Davon betroffen sind vor allem die Städte, die verkehrsgünstig zur Metropole liegen, wie zum Beispiel Bergisch Gladbach.

Das Fallbeispiel: Bastei Lübbe

Der Trend ist deutlich: Im Umland wächst die Beschäftigung in der Kultur- und Kreativwirschaft kaum noch, der Umsatz geht sogar drastisch zurück. Ein einschlägiges Beispiel ist der Fall Bastei Lübbe. Das Bergisch Gladbacher Traditionsunternehmen war Anfang 2010 mit Mann und Maus nach Köln-Mülheim gezogen.

Diese Zahlen sprechen eine klare Sprache (KKW = Kultur- und Kreativwirtschaft)

Kreativwirtschaft Umsatz Beschäftigung

Man sieht, dass die Kreativwirtschaft im ganzen Kammerbezirk und besonders in Köln (links) sehr viel rascher zulegt als in NRW und in ganz Deutschland (rechts). Das gibt vor allem beim Umsatz, der in Köln um 13,2 Prozent gewachsen ist.

In der Mitte der Grafik stehen die Zahlen für das Kölner Umland, also Leverkusen, Rheinisch-Bergischen Kreis, Oberberg und Rhein-Erft. Die Beschäftigung legte zwar noch ein wenig zu, aber der Umsatz ging um 7,3 Prozent zurück. Daraus lässt sich der Schluss ableiten, dass vor allem die produktiven, ertragstarken Unternehmen in die Metropole abwandern.

Noch ein Stück drastischer ist das Bild, wenn man innerhalb der Branche nur die Medienwirtschaft betrachtet. Hier hat das Umland 15,4 Prozent an Umsatz eingebüßt.

Medienwirtschaft

Immerhin arbeiten im Kölner Umland noch 9.400 Menschen in der Kreativ- und Kulturwirtschaft. Allerdings wird ein großer Teil seinen Arbeitsplatz längst (oder schon immer) in Köln haben. Ein Phänomen, das unter dem Begriff „Schlafstadt im Grünen“ bereits breit diskutiert wird.

Damit liefert die Studie der  Zukunftswerkstatt, dem Kulturnetzwerk Stadtmitte, dem geplanten Gestaltungsbeirat und den demnächst anlaufenden Debatten über einen neuen Flächennutzungsplan einigen Sprengstoff.

Lesen Sie mehr: Alle Beiträge zur Stadtentwicklung

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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