Kunstmuseum Villa Zanders, Bergisch Gladbach

Der eine wartet,
dass die Zeit sich wandelt,
der andere packt sie kräftig
an und handelt.“

Dante, 1265-1321, Zitat aus der Standortbroschüre der Stadt Bergisch Gladbach

Nun ist es wieder soweit: In die öffentliche Diskussion wird ein neuer Versuchsballon zur Schließung der Villa Zanders, einer über Bergisch Gladbach hinaus beachteten Kultureinrichtung, losgelassen. Nur heiße Luft? Nein. Die Meister des Rotstifts denken konsequent: Was es nicht mehr gibt, kann auch nichts mehr kosten.

Von der Verschiebung des „Waatsacks“ hat sich die Politik zum Glück verabschiedet. Die andere große Lebenslüge vom Autobahnzubringer über den Bahndamm wartet noch auf ihre Beerdigung. Hat jemals ein Verantwortlicher die Idee gehabt, auf einem Plan die Verlängerung der Bahntrasse bis zur A4 und eine entsprechende Autobahnauffahrt einzuzeichnen?

Leuchtturm Villa Zanders retten

Da wurde vor einiger Zeit die Investition von zehn Millionen Euro für neue Straßenlaternen ins Spiel gebracht. Was wie eine präzise Zahl aussieht, ist natürlich nur eine grob gegriffene Größe. Im Zweifel wird man sich sowieso verrechnet haben. Aber könnte man, um sein Licht leuchten zu lassen, die Planung nicht auch strecken, um einen Leuchtturm wie die Villa Zanders zu retten?

Ist der immer wieder eingeworfene Standardsatz „Wir haben kein Geld“ vielleicht doch nur die hilflose Umschreibung für das Eingeständnis „Wir haben keine Ideen, schon gar keine Konzepte“?

Ganzheitliche Pläne, keine Ad-hoc-Entscheidungen

Besonders in diesen für die Stadt prekären Zeiten braucht es aber Ideen, Weitblick, braucht es Konzepte für die Zukunft Bergisch Gladbachs. Konzepte für eine Zukunft, die weit über die Planung neuer Parkplätze und über eine kaugummifreie Fußgängerzone hinausgehen. Wir brauchen eine ganzheitliche Betrachtung, nicht mehr diese konzeptlosen Ad-hoc-Entscheidungen.

Was ist mit einer intensiven Zusammenarbeit mit der Bergisch Gladbacher Fachhochschule der Wirtschaft, der Fachhochschule Köln, der Kölner Uni und der Förderung von Start-Up-Unternehmen, um ein wenig Zukunft in dieser Stadt zu etablieren?

Was ist mit einem zeitgemäßen Auftritt im Internet für die Wirtschaftsförderung? Die angebotene Standortbroschüre stammt übrigens aus dem Jahre 2007 – mit allerlei Fehlern, mit Unternehmen, die hier nicht mehr ansässig sind und euphemistischen (also unehrlichen) Beschreibungen der Situation. Leute: die Broschüre ist sieben Jahre alt!

Was ist mit einem neuartigen, nachhaltigen, europaweit einzigartigen zukunftsorientierten Verteilsystem für das produzierende Gewerbe, um den hausgemachten Schwerlastverkehr in der Stadt zu minimieren?

Was ist mit einem starken Engagement für ein zweites S-Bahn-Gleis zur Erhöhung der Taktzahl?

Was ist mit einem Verkehrskonzept für alle Verkehrsteilnehmer, um endlich von der Autofixiertheit wegzukommen?

Was ist mit den vielen klugen, von Bürgerinnen und Bürgern erarbeiteten Gedanken für eine liebenswerte Stadt? Die Konzepte liegen in den Schubladen bereit.

Eine ausgedörrte Kleinstadt östlich von Dellbrück?

Gut, alles keine Maßnahmen, die sofort wirken. Sie brauchen ihre Zeit. Doch sie müssten endlich koordiniert und begonnen werden. Maßnahmen, die das Licht am Ende des Tunnels mit einem hoffnungsvollen Ausgang in die Zukunft sein könnten. Und nicht das Licht einer im Tunnel entgegenkommenden Lokomotive namens „Crash“.

Was wird aus Bergisch Gladbach, wenn es die Villa Zanders – und später dann wahrscheinlich auch andere freiwillige Kulturleistungen, andere Museen, das Theas, die Musikschule – nicht mehr gibt?

Eine auch innerlich verarmte und ausgedörrte kleine Stadt östlich von Dellbrück? Ein „Einkaufsparadies“ am Rande der „Naturarena“ mit vielen Parkplätzen und neuen Autobahnzubringern, über die man die Stadt nach allen Richtungen hin verlassen kann? Wenn sich doch die Meister des Rotstifts selbst einsparen könnten!

Privater Reichtum, öffentliche Armut

In dieser Stadt gibt es viel privates Vermögen. Und große öffentliche Armut. Warum gelingt es der Stadtführung nicht, mehr Bergisch Gladbacher Bürgerinnen und Bürger als Sponsoren und Stifter zu gewinnen? Könnten wir die Villa Zanders retten?

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Vielleicht, lieber Leser, sollten wir eine neue alte Idee verfolgen: Bergisch Gladbach wird der östlichste Stadtteil von Köln, unser Rathaus ein Bezirksamt mit allen personellen Konsequenzen, die Verwaltung unter Nutzung aller Synergieeffekte heruntergefahren (einen Baudezernenten gibt es in Köln bereits). Spart eine Menge Kosten!

Wir sind Kölner! Nie mehr Provinz.

Und wir könnten überall erklären: Wir sind Kölner! (Klüngel haben wir ja auch hier). Metropole. Medien- und Kulturstadt. Wir haben einen Dom, ganz viele tolle Museen. Menschen aus aller Welt besuchen uns, sie wären – auch, wenn sie sich nicht in den neuen östlichsten Stadtteil verlaufen – automatisch unsere Besucher. Wir wären nie mehr Provinz. Und schon gar nicht provinziell! Und das Problem mit einer Karnevalsprinzessin hätte sich elegant erledigt.

Ich behaupte: Würde heute jemand eine Schnellstraße zum Gourmettempel Schlosshotel Lerbach fordern, er hätte große Chancen, erhört zu werden.

Klaus Hansen

ist Fotograf, Designer und Kommunikationsberater.

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