Lutz Urbach vor der Bürgerversammlung im Bürgerzentrum Schildgen

Der Andrang zur Bürgerversammlung im Bürgerzentrum Schildgen am Dienstagabend ist riesengroß. Rasch ist der Saal mit 500 Personen überfüllt, die vorbereiteten Blätter mit Kontaktadressen sind schnell vergriffen. Dennoch harren die Teilnehmer geduldig aus, bis auch die letzte Frage beantwortet und alle Vorschläge gesammelt sind.

Dabei zeigt sich, das der Ortsteil auf viele Einrichtungen zurückgreifen kann, wenn es jetzt darum geht, weitere 50 Flüchtlinge aufzunehmen, zu betreuen und zu beschäftigen.

Es geht um 50 Menschen – nicht 200 oder 300

Lutz Urbach beantwortet alle Fragen, Georg Watzlawek moderiert

Zunächst räumt Bürgermeister Lutz Urbach einige Befürchtungen aus. Ja, man werde das frühere Hotel „Haus Pohl” mit 50 Personen so stark wie möglich belegen und zudem prüfen, ob auf dem Grundstücken womöglich noch Container aufgestellt werden können. Aber: Eine Größenordnung von 100, 200 oder gar 300 Menschen werde es dort nicht geben. (Details zur Unterbringung im Haus Pohle und zur Flüchtlingssituation in Bergisch Gladbach finden Sie hier.)

Eine erhöhte Kriminalität erwarte die Stadtverwaltung nicht; Berichte über Vorfälle in der Notunterkunft Sand seien reine Gerüchte; die Polizei zeige nur deshalb erhöhte Präsenz, um für Anwohner und Flüchtlinge ansprechbar zu sein.

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Welche Flüchtlinge nach Schildgen kommen, kann Urbach noch nicht sagen, das hänge von den jeweiligen Tageszuweisungen ab – und die sind unkalkulierbar. Auf jeden Fall werde die Stadt das Haus nicht vorwiegend mit alleinstehenden Männern belegen, sondern möglichst mit Familien. Und zwar aus verschiedenen Herkunftsländern, weil das die Integration fördere.

„Was kann ich tun?” 

Sehr schnell kommt dann die Frage aus dem Publikum, die weite Teile des Abends prägt: „Was kann ich tun? Und an wen muss ich mich wenden, wenn ich helfen will?”

Aus vielen Wortbeiträgen wird deutlich, dass die Schildgener sich geradezu auf die Aufgabe freuen, die neuen Nachbarn zu empfangen und zu betreuen. Und dass es in den Kirchen und Vereinen gute Strukturen gibt, die für diese Aufgabe bereitstehen.

Szymon Bartoszewicz: „Spenden Sie Vertrauen.”

Denn gebraucht werden keine Spenden, weder Schrankwände noch Kleidung, sondern Engagement und Freundlichkeit. „Was können Sie tun? Das ist ganz einfach, spenden Sie Vertrauen. Gehen Sie auf die Menschen zu, lächeln Sie sie an,” appelliert Szymon Bartoszewicz, Flüchtlingsbeauftragter der Gnadenkirche, an die Zuhörer.

Alle Kontakte in Schildgen und auf Stadtebene finden Sie unten

Bettina Groth vom Caritas-Aktionskreis Herz Jesu erinnert daran, dass diese Situation für Schildgen nicht neu sei; in den 90er Jahren hatte der Ortsteil viele Flüchtlinge aufgenommen, das habe „unglaublich gut geklappt”.

Groth weiter: „Das bekommen wir auch jetzt wieder mit. Wenn viele Leute mitmachen!”

Pfarrer Hermann Kotthaus

Genau das laufe bereits  im kleineren Rahmen, ergänzt Hermann Kotthaus, Pfarrer der Andreaskirche. Seit Karfreitag lebe eine elfköpfige Familie in Afghanistan im Pfarrhaus – und er sei immer noch „überwältigt von den hervorragenden Erfahrungen, die wir dabei mit der Verwaltung und den Nachbarn machen.”

Der starke Applaus zeigt, dass es tatsächlich viel Unterstützung gibt. Sabine Gresser-Ritter, Ehrenamtskoordinatorin der Andreaskirche, berichtet, dass sie es immer wieder schaffe, genügend Bürger für ein ehrenamtliches Engagement zu finden, wenn man sie richtig anspreche.

Koordinatoren und ein Runder Tisch

Viele Angebote benötigen eine gute Koordination

Antje Rinecker von Himmel un Ääd drängt allerdings darauf, ein bis drei Koordinatoren für den ganzen Stadtteil zu benennen, um die vielen Hilfsangebote zu kanalisieren. Auch ein Runder Tisch Flüchtlingshilfe konkret für Schildgen könne ein guter Ansatz sein.

Als Ansprechpartner stellen sich Pfarrer Kotthaus und Wilhelm Darscheid, Pfarrer und Flüchtlingsbeauftragter der katholischen Herz-Jesu-Gemeinde mit ihren jeweiligen Pfarrbüros zu Verfügung. Daneben gibt es auch noch das ökumenische Beratungsbüro von Diakonie und Caritas sowie das ökumenische Begegnungscafé Himmel un Ääd.

Exkurs: Pfarrer Darscheid berichtet, dass das alte Pfarrhaus von Herz-Jesu zwar immer noch leer stehe, aber nicht für die Flüchtlinge genutzt werden können. Denn nach langen Verhandlungen mit dem Generalvikariat sei es nun endlich gelungen, den lange gehegten Plan umzusetzen, das Haus an den ASB zur vermieten, der dort Jugendliche in Wohngruppen unterbringt.

Die Kirchen wollen sich auch, gemeinsam mit der Concordia-Schule und den Familienzentren, um den Sprachunterricht kümmern, nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene.

Auch diese Schülerinnen wollen mithelfen.

Die Kinder, in der Regel rund ein Sechstel der Flüchtlinge, sollen in den umliegenden Kindertagesstätten und Schulen untergebracht werden.

Vereine wollen für Beschäftigung sorgen

Auch die Vereine wollen ihren Teil leisten und sich vor allem um die Beschäftigung der Jugendlichen kümmern. Dafür kommen vor allem die St. Sebastianus-Schützen, die bei der Veranstaltung am Dienstag im Bürgerzentrum auch Gastgeber waren, und der TuS Schildgen in Frage.

„Wir haben darüber schon beraten”, berichtet Martin Büchel, Jugendwart beim TuS Schildgen. „Für uns ist nicht die Frage, ob wir die Flüchtlinge integrieren, sondern wie.” Sehr schnell werde der Verein entsprechende Angebote entwickeln.

Viele engagierte Fragen und Beiträge kommen aus dem Publikum

Natürlich kommt auch die Frage nach einem Willkommensfest auf. Doch da tritt Bürgermeister Urbach etwas auf die Bremse. „Die Menschen müssen erst einmal ankommen, zur Ruhe kommen. Ein Grillfest ist da am Anfang nicht angebracht – aber auch ein Schild mit der Aufschrift ‘Refugees welcome’ ist doch auch schon etwas.” Danach könne man die Menschen einfach mal einladen: Ins Bürgerzentrum, ins Begegnungscafé, in den Sporverein, nach Hause.

Da hat Schildgen einiges zu bieten. Und ist offenbar bereit, es zu teilen.

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Drucken Sie die Kontaktliste aus, leiten Sie sie weiter. Wenn Sie Ergänzungen, Hinweise oder Anmerkungen haben, bitte im Kommentarfeld unten oder per Mail: info@in-gl.de

Ansprechpartner in Schildgen

Katholische Gemeinde Herz-Jesu
Pfarrer Wilhelm Darscheid, Flüchtlingsbeauftragter
Mail: pfarramt@herz-jesu-schildgen.de
Tel.: 02202 81230

Evangelische Andreaskirche
Pfarrer Hermann Kotthaus, Tel.: 02202 8 28 20
E-Mail: buero@andreaskirche-schildgen.de, Tel.: 02202 831 24
Diakonin Sabine Gresser-Ritter, Ehrenamtskoordinatorin und Jugendleiterin
E-Mail: jugend@andreaskirche-schildgen.de,  Tel: 02202 9899 004

Ökumenisches Beratungsbüro
Bettina Groth, Caritas-Aktionskreis Herz Jesu, Tel. 02202 98 15 84
Annegret Akkerman, Diakoniekreis Andreasgemeinde, Tel: 02202 821 84
Altenberger-Dom-Straße 138

Himmel un Ääd e.v. – ökumenisches Begegnungscafé
Achim Rieks, 02202 83850, ab.rieks@googlemail.com
Antje Rinecker, 02202 82344, rinecker@andreaskirche-schildgen.de
kontakt@himmel-un-aeaed.de
Altenberger-Dom-Str. 125

TuS Schildgen
Jugendwart Martin Büchel, martin.b@tus-schildgen.de, Tel. 02202 280 6 222
Geschäftsstelle: 02202 258 573

St. Sebastianus-Schützen – Betreiber des Bürgerzentrums
Vorsitzender: Peter Koch
Tel.: 02202 85243
E-Mail: kontakt@schuetzenverein-schildgen.de

Concordia Grundschule
Rektor: Manuel Blum
Tel: 02202/8888
E-Mail: blum-concordia-schule@t-online.de

Kinder- und Jugendzentrum FreSch
Christoph Schwiedergall
Tel.: 02202 85 665

Wenn Sie Ergänzungen, Hinweise oder Anmerkungen haben, bitte im Kommentarfeld unten oder per Mail: info@in-gl.de

Zentrale Ansprechpartner

Stadt Bergisch Gladbach
Koordination in Sachen Wohnraum, Patenschaften, Betreuung, Dozenten und Räume für Sprachkurse
Erstansprechpartnerin: Friederike Hennig, 02202 142868, F.Hennig@stadt-gl.de
Bürgermeister Lutz Urbach, l.urbach@stadt-gl.de

Netzwerk-Arbeit
Koordinator Uwe Tillmann, 02202 14 2321, U.Tillmann@stadt-gl.de

Koordinatorin für pfarrgemeindliche Flüchtlingsarbeit RheinBerg /Erzbistum Köln
u.a. Ansprechpartnerin für das Mentorenprojekt:
Claudia Kruse, Kreisdekanat Rheinisch-Bergischer Kreis, mehr Info
Telefon  02202/2515774, E-Mail  claudia.kruse@laurentius-gl.de

Flüchtlingsbeauftragter der Evangelischen Kirchengemeinde
u.a. Ansprechpartner für das Bauwagenprojekt und das Mentorenprojekt
Szymon Bartoszewicz: 02202 9 31 01 36

Jobcenter
Vermittlung von Stellen, Ausbildung, Qualifizierung, Integrationskurse

Ausländerbehörde beim Rheinisch-Bergischen Kreis
Prüfung der Aufenthaltsrechte, Aufenthaltsgestattungen, Hilfe bei freiwilliger Rückkehr

Koordination der Koordinatoren

Arbeitskreis Flüchtlingshilfe
Vernetzt die Arbeit der professionellen Träger der Migrationsarbeit
Szymon Bartoszewicz: 02202 9 31 01 36
Jens Dettmann: Tel.: 02202 14 2345, j.dettmann@stadt-gl.de

Runder Tisch Ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit

Arbeitskreis Flüchtlinge in der Stadtverwaltung
Bürgermeister, Beigeordnete und Fachbereichsleiter tagen wöchentlich

Integrationsrat
Gewähltes Gremium mit dem Recht auf Mitsprache in kommunalpolitischen Fragen

Kleider- und Sachspenden:

Sachspenden sollten bei den zentralen Organisationen abgegeben werden, nicht direkt in den Flüchtlingsunterkünften. Nur so kann eine vernünftige Verteilung gewährleistet werden.

  • Deutscher Kinderschutzbund: 02202 3 99 24
  • Deutsche Rote Kreuz 02202 936 41 0
    Hauptstraße 260, gegenüber der Gnadenkirche
  • Gronauer Fenster 02202 445 12
  • Kleiderstube 02204 587 70
  • Kleiderschrank 02202 3 80 37

Spenden von Möbeln und Haushaltsgegenständen

  • Skarabäus Novo e.V.  02202 70 86 08
  • Sozialkaufhaus Emmaus 0152 28 54 03 06

Lebensmittelspenden
Die Tafel e.V, 02202 95 72 20 40

Wohlfahrtsverbände

Deutsches Rotes Kreuz
Geschäftsstelle: 02202  936410, Hauptstraße 260
Ingeborg Schmidt (u.a. Leiterin der Unterkunft in Sand): 0173 5483756
Spendenkonto: Kreissparkasse Köln, Konto: 311 001 659, BLZ: 370 502 99
Stichwort: Spende Flüchtlingshilfe
Website zur Flüchtlingshilfe
Alle Beiträge über das DRK

Caritas-Fachdienst für Integration und Migration
Raphaela Hänsch, 02202 1008-601, Website

Fachdienst der Diakonie

Kommunales Integrationszentrum beim Rheinisch-Bergischen Kreis
Unterstützung für Familien v.a. beim Schulbesuch, interkulturelle Sensibilisierung, Qualifizierung von Fachkräften

Deutscher Kinderschutzbund
Härtefallfonds, Kleiderkammer, Sammlung von Spielmaterial
Telefon: 02202 3 99 24

Initiativen, Vereine, Akteure

Neue Heimat Bergisch Gladbach,
Betreut vor allem die Unterkunft im Lübbe-Gebäude,
Kontakt: Hildegard Knoch-Will (Facebook), Klaus Kahle (Facebook)
Facebook-Gruppe

Die Tafel
Versorgung mit Lebensmitteln
Telefon: 02202 95 72 20 40

Initiative für das Bleiberecht der Flüchtlinge in der Erstaufnahme
Facebook, Website, Petition, Hintergrund
A
lle Beiträge über die Initiative

Mikibu: Migrantenkinder bekommen Unterstützung
Dirk Cromme, 02204  665 32, info@mikibu.de

Freiwilligenbörse Rhein-Berg
Website,  02202 1882717

DJK SSV Ommerborn Sand,
Betreuung der Flüchtlinge in der Turnhalle Sand
Website, Facebook, Helga Rappenhöner, 02202 -2809526

Einzelne Projekte

Mentorenprojekt
Hier werden Freiwillige ausgebildet und betreut, die für ein halbes Jahr eine Mentorenschaft für neu nach Bergisch Gladbach zugewiesene Flüchtlingsfamilien übernehmen. Getragen von der Evangelischen Kirchengemeinde, der Katholischen Kirchengemeinde, dem Caritasverband und der Stadt Bergisch Gladbac. Mehr Infos
Ansprechpartner:
Szymon Bartoszewicz: 02202 9 31 01 36
Adriatik Sabani,  0173  910 2114, adrijatik2000@yahoo.de
Claudia Kruse, 02202  2515774, Claudia.kruse@laurentius-gl.de

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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