Mehr als 400 Bürger waren in die Otto-Hahn-Schulen gekommen. Fotos: M. Linnenbrink

Mit dem Containerdorf neben der KGS Frankenforst an der Taubenstraße richtet die Stadt Bergisch Gladbach zum ersten Mal eine größere Flüchtlingsunterkunft direkt neben einer Schule ein. Das bringt einige Sorgen mit sich, allerdings auch ein sehr großes Potential für die Integration. Das wurde am Dienstagabend bei der dritten Bürgerversammlung zum Thema Flüchtlinge, dieses Mal in den Otto-Hahn-Schulen, deutlich.

Bürgermeister Lutz Urbach informierte die mehr als 400 Frankenforster im Detail über die Planung der Stadt. Derzeit werden auf der Grünfläche hinter der Schule Fundamente gegossen, auf denen dann sechs gebrauchte Schulcontainer errichtet werden, in denen 50 bis 55 Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Das ist etwas weniger als zunächst angekündigt, weil ein Container für Sozialräume und Küche benötigt wird.

Bürgermeister Lutz Urbach hört genau hin

Auf eine direkt Frage hin konnte Urbach nicht völlig ausschließen, dass der Standort später einmal ausgebaut werden müsse („Wer kann im Moment schon irgendetwas mit völliger Sicherheit sagen?”). Er denke jedoch nicht, dass es in Frankenforst dazu kommen werden.

Bezug wohl erst im Oktober

Denn unter dem Druck der hohen Zahlen neuer Flüchtlinge müsse die Stadt immer neue Standorte ausweisen, aber in anderen Stadtteilen. Und auch die Frage, wie lange die Container gebraucht würde, könne derzeit niemand beantworten.

Die Anlage wird frühestens in zwei Wochen, wahrscheinlich erst Anfang Oktober bezugsfertig sein. Denn noch fehlt der Sanitätscontainer. Sollte es dafür keine rasche Lösung geben, kündigte Urbach an, würden zunächst Dixi-Toiletten aufgestellt. Duschen würden die Flüchtlinge dann „innerhalb bestimmter Zeitfenster” in der Turnhalle.

Welche Nationalitäten in Frankenforst untergebracht werden, ob es sich um Familien oder vorwiegend alleinstehende Männer handelt, kann Urbach ebenfalls nicht sagen – denn das hängt von den sehr kurzfristigen Zuweisungen der Bezirksregierung ab.

Enge Nachbarschaft zur Grundschule

Auf eine vernünftige Mischung zu achten, räumte der Bürgermeister ein, könne sich die Stadt bei ihrer derzeitigen akuten Überlastung nicht leisten. Aber die bisherigen Erfahrungen, auch aus der sehr engen Notunterkunft in Sand, hätten gezeigt, dass auch eine Mischung von Nationalitäten und Religionen problemlos zu meistern sei.

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Angesichts der engen Nachbarschaft zur Grundschule sind aus dem Publikum auch besorgte Töne zu hören. Ein Vater berichtet, dass sich die Kinder in den Pausen und nachmittags sehr frei auf dem Schulgelände und auch auf den Freiflächen drum herum bewegen. Ob es Überlegungen gebe, wie das in Zukunft geregelt werden und wie es da mit der Aufsichtspflicht aussehe?

Hans-Georg Jaspers, Rektor der KGS Frankenforst

Darauf hat Rektor Hans-Georg Jaspers eine klare Antwort: „Das Tor bleibt auf! Wir gehen davon aus, dass unsere Kinder gemeinsam mit den Flüchtlingskindern spielen und sich miteinander verbinden. Wir wollen ja integrieren und nicht separieren.”

Jaspers und Vertreterinnen der Offenen Ganztagsschule berichten, dass sie sich bereits auf die Flüchtling und vor allem deren Kinder eingestellt haben. So machen zwei Lehrerinnen eine Fortbildung für Deutsch als Fremdsprache, die OGS entwickelt Angebot und auch das gemeinsame Familienfrühstück am Montag soll für die Neuankömmlinge geöffnet werden.

Wieviele Kinder kommen gehört zu den Fragen, die Urbach nicht beantworten kann. Aber man könne davon ausgehen, dass etwas ein Drittel der Flüchtlinge Kinder sind – und damit in den Kitas und in den Schulen untergebracht werden sollen.

Aufmerksame Zuhörer bei der Bürgerversammlung

Grundsätzliche Kritik am Standort mitten im reichen Frankenforst wird bei der Bürgerversammlung nicht laut. Detailfragen bezogen sich darauf, ob die Zufahrt zur Containeranlage groß genug ist (ja, das prüft die Feuerwehr sehr genau) und warum die Stadt direkt gegenüber zehn Parkplätze einziehen will – was Urbach nicht weiß und in die Verwaltung weiter gibt.

Nachts wird ein Sicherheitsdienst eingesetzt

Um die Sicherheit der Flüchtlinge zu gewährleisten und vielleicht auch mal Konflikte zu schlichten wird es nachts einen Sicherheitsdienst geben, kündigte Urbach an. Tagsüber seien Betreuer vor Ort.

Bei der Versorgung mit einem Wlan-Zugang ins Internet macht die Stadt gerade eine Kehrtwende; nachdem sie diesem Ansinnen bislang skeptisch gegenüber stand will sie sich nun darum kümmern. Aber auch die private Einrichtung eines Freifunk-Netzes im Umfeld sei möglich. Zudem bekommen die Flüchtlinge über eine Satellitenschüssel Zugang zu ausländischen Fernsehsendern.

Bürgermeister Lutz Urbach und Moderator/Protokollant Georg Watzlawek

„Was kann ich tun”

Der zweite Teil des Abends steht im Zeichen der Frage, was die Bürger sowie die Gemeinden und Vereine vor Ort bei der Betreuung der Flüchtlinge leisten können. Zuvor muss allerdings die Frage geklärt werden, ob sich das überhaupt lohnt, enge Bindungen aufzubauen – oder ob die Flüchtlinge womöglich bald schon wieder weg sind.

Bei seiner Antwort bezieht sich Urbach auf die allgemeinen Anerkennungsquoten der Asylbewerber, die zwar je nach Nationalität sehr unterschiedlich sind, aber im Schnitt dazu führen, dass zwei Drittel der Flüchtlinge länger bleiben. „Und wenn ich mir die Nachrichten anschauen, dann womöglich auch sehr lange”, sagt der Bürgermeister.

Auf bestehende Strukturen aufbauen

Es gibt im Saal auch skeptische Gesichter

Rasch stellt sich in der Diskussion heraus, dass es in der Stadt und auch in der Stadt bereits viele Strukturen gibt, auf die man jetzt zurückgreifen, die man ausbauen und dezentralisieren kann. Ganz stark im Vordergrund steht dabei das Sprachangebot – denn ohne die deutsche Sprache sei die Integration weder in der Schule noch im Alltag und schon gar nicht in der Arbeitswelt möglich.

Ansprechpartner ist dafür unter anderem die  Initiative „Herwi“ (Herzlich Willkommen) von Klaus Farber, die wie in Herkenrath nun auch in Frankenforst ehrenamtliche Sprachkurse organisieren will (Details siehe Kontaktliste).

Flüchtlinge zunächst ankommen lassen

Urbach appellierte an die Frankenforster aber auch, die neuen Mitbewohner nach ihrem langen Weg erste einmal „ankommen zu lassen”. So wichtig die Anteilnahme sei, so wichtig auch die Rücksicht auf die Privatsphäre der Menschen.

Daher sei es immer besser, zum Beispiel Kleiderspenden bei den entsprechenden Stellen von DRK, Kinderschutzbund und anderen Organisationen abzugeben. Alle Flüchtlinge bekommen dort kostenlos eine Erstausstattung; nur für weitere Kleidungsstücke müssen sie einen sehr geringen Eigenbetrag zahlen – was die Wertschätzung erhöhe. Und es gebe auch Dinge wie die „Eichenschrankwand von Tante Else”, die einfach nicht gebraucht würden.

Viel wichtiger seien „Kümmerer” vor Ort. Also Freiwillige, die Patenschaften übernehmen, die Flüchtlinge bei Behördengängen begleiten oder sie einfach mal mit zum Sport oder ins Theater nehmen. Oder in die Kleiderkammer – denn wie eine Mitarbeiterin der Kleiderkammer berichtet, quellen die Lager über, nur finden die Flüchtlinge alleine den Weg dorthin nicht.

Vereine bereiten Angebote vor, Runder Tisch entsteht

Auch Vertreter der lokalen Vereine wie der SV Refrath – Frankenforst meldeten sich zu Wort und berichteten von Plänen, sich vor allem um die Kinder und jungen Erwachsenen zu kümmern.

Ökumene in Aktion: Birgit Dwornicki und Karin Sahler organisieren einen Runden Tisch

Um die lokalen Strukturen zu vernetzen schlug Birgit Dwornicki, Pfarrerin der evangelischen Kirche, gemeinsam mit Karin Sahler von der Pfarrcaritas einen „Runden Tisch” für Frankenforst vor – und stellte sich selbst als Ansprechpartnerin zur Verfügung (siehe Kontaktliste). Ein „ideales Angebot”, sagt Urbach, weil die Kirchen über Räume verfügen und die bestehenden und sich neu bildenden Angebote vernetzen kann.

Übrigens Kirchenräume: Auf die Frage, warum denn die nahe gelegene leerstehende Kirche nicht genutzt würde, konnte der Bürgermeister berichten, das darüber bereits geredet werde.

„Wer hilft, wenn nicht wir?”

Kurz vor Schluss kam noch die Frage auf, wie die Stadt das alles nur finanzieren wolle. Und ob das Geld, das man jetzt – aus gutem Grund – für die Unterbringung der Flüchtlinge aufbringe, nicht auf viele Jahr bei der Reparatur der Schlaglöcher fehlen würde.

Ein Thema, zu dem Urbach mit Blick auf die unzureichende Kostenerstattung durch Land und Bund sehr viel sagen könnte. Er beließ es aber bei dem Appell, hier nicht Menschen gegen Schlaglöcher aufzurechnen.

Er persönlich habe in seinen 30 Berufsjahren keine Situation erlebt, die ihn so beansprucht und so belastet habe. Aber „ob wir es wollen oder nicht, wir haben eine Verantwortung für diese Menschen. Und wer soll ihnen helfen, wenn nicht wir in unserer privilegierten Lage.” Ein Schlusssatz, der viel Applaus erhält.

Kontakte in Frankenforst und Refrath

Evangelische Kirche
Pfarrer Birgit und Robert Dwornicki (Ansprechpartner „Runder Tisch”)
Tel.: 02204 63398
Mail: birgit.dwornicki@kirche-bensberg.de; robert.dwornicki@kirche-bensberg.de

Pfarr-Caritas St. Johann Baptist
Karin Sahler (Ansprechpartner „Runder Tisch”)
Mail: karin.sahler@gmail.com

KGS Frankenforst
Hans-Georg Jaspers
Tel.: 02204 651 93, Mail: 114601@schule.nrw.de

SV Refrath und Frankenforst
Robert Kraus

India Inernational Club
Stammtisch in der Frankenklause, offen für alle Nationen
Rajendra Pathak
Mail: pathak@netcologne

„Flüchtlinge in Refrath und Frankenforst“
Willkommensinitiative und Informationsplattform engagierter BürgerInnen auf Facebook

Diese Projekte in der Stadt wurden angesprochen:

„Herwi“ (Herzlich Willkommen) 
organisiert ehrenamtliche Sprachkurse,
Klaus Farber, 02204 652 66

Ehrenamtliche Patenschaften – Mentorenprojekt Bergisch Gladbach
Szymon Bartoszewicz, Claudia Kruse. Alle Infos

Freiwilligenbörse Rhein-Berg
Website: www.fwb-direkt.de
Telefon: 02202 18 82 717

Neue Heimat Bergisch Gladbach
Vermittlung ehrenamtlichen Engagements
Hildegard Knoch-Will, hildegard@knoch-will.de
Klaus Kahle, klauka2406@aol.com
www.facebook.com/NeueHeimatBergischGladbach

Hier finden Sie eine Liste aller Ansprechpartner in der Flüchtlingshilfe.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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