Das Mobilitätskonzept wurde im Rahmen einer Bürgerbeteiligung vorgestellt

Um die Verkehrssituation in Bergisch Gladbach zu verbessern, leistet die Stadt einiges. Ein Eckpfeiler ist das Mobilitätskonzept mit seiner umfassenden Bürgerbeteiligung in den letzten Wochen. Termine in den Stadtteilen boten die Möglichkeit, aktiv mitzuwirken, Kritik und eigene Lösungsvorschläge einzubringen. Der Verkehrsclub VCD bringt eine Stadtbahnlinie vom Zentrum bis nach Bensberg als Alternative zum Autobahnzubringer in die Diskussion ein und lässt sie erneut aufflammen.

Zeit- und Kostenvergleiche fehlen allerdings.

Die bisherige Argumentationsgrundlage beim Mobilitätskonzept birgt ebenso einige Fragezeichen. Die Stadtverwaltung möchte den Kfz-Verkehr bis 2030 um acht Prozent senken. Dieser Anteil soll auf die anderen Fortbewegungsmittel umgelegt werden.

Dies ist ein ehrgeiziges und ökologisch sicherlich sinnvolles Vorhaben – obwohl es im Widerspruch zu vielen anderen Prognosen wie zum Beispiel vom Bundesverkehrsministerium steht. Welche wirtschaftlichen Konsequenzen die Umsetzung solcher Zielvorgaben für die Stadt hat, bleibt allerdings unklar.

Deshalb hat ILA-GL eine Modellrechnung dazu durchgeführt.

Umsteigen vom PKW auf Bus und Bahn – zu welchem Preis?

Mit den genannten acht Prozent sind 4.436 PKW-Fahrer und/oder Mitfahrer betroffen. Für die Modellrechnungen nutzen wir als Basis eine Fahrtstrecke von 14,8 km, die dem Verwaltungsgutachten zugrunde liegt. Entsprechend der Vorgabe im Mobilitätskonzept nutzen diese Personen dann den ÖPNV mit einer langsameren Fahrtgeschwindigkeit (ebenfalls aus den Verwaltungsangaben entnommen), woraus sich eine durchschnittliche Bus-Fahrzeit von 56 Minuten ergibt gegenüber 32 Minuten mit dem PKW. Das bedeutet einen Zeitverlust von 24 Minuten, der sich in Arbeits- und Freizeit bemerkbar macht.

Für die Musterrechnung haben wir äußerst konservativ die Verluste der Betroffenen berücksichtigt. Wenn man die Kosten einer Stunde Arbeit mit 20 Euro veranschlagt, beträgt der Schaden rund 35.488 Euro. Bei 220 Arbeitstagen sind es bereits 7.807.360 Euro Verlust, wenn es nach der Zielsetzung des Mobilitätskonzepts geht.

Zu den verschiedenen Tageszeiten (Rush-Hour) variiert der Zeitverlust zusätzlich. Berücksichtigt man den ökonomischen Real-Verlust, d.h. die Multiplikation mit bestimmten Faktoren wie Sozialbeiträge, Lohnnebenkosten, Mehrwertsteuer etc. zur Berechnung des Brutto-Wertes, wird der Schaden noch einmal deutlich höher.

Weiterhin erhöhen sich die ökonomischen Verluste, wenn man z.B. die konkreten ÖPNV-Zeitverluste von Bergisch Gladbach zum Kölner Neumarkt ermittelt. Hier muss mit einem mehrfachen Zeitverlust von Faktor 2 bis 5 – verglichen mit dem Individualverkehr – gerechnet werden.

Solch gravierende Nachteile für den ÖPNV weichen erstaunlich weit von den Verwaltungsangaben ab. Dadurch würde das Mobilitätskonzept Kosten mit einer Spanne von 15.614.720 bis 39.036.800 Euro verursachen.

Die Konsequenzen spürt das Stadtsäckel auch in indirekter Weise: Denn bei einem mittleren Gesamt-Steuersatz von 30 Prozent ergibt sich unter dem Strich einen Steuereinnahmeverlust von 4.684.416 bis zu 11.711.040 Euro. Hinzu kommt noch die verschenkte Lebenszeit und eingeschränkte Lebensqualität, die sich nicht monetär berechnen lässt.

Investitionen statt dauerhafte Verluste

Das Mobilitätskonzept zeigt richtigerweise auf, dass für eine aktive Gestaltung des zukünftigen Verkehrsmix an verschiedenen Stellschrauben gedreht werden muss. Es ist allerdings nachlässig, dabei die Wirtschaftlichkeit der Vorschläge nicht zu prüfen. Angesichts der Modellrechnung müssen Investitionen in eine bessere Infrastruktur eher in Betracht gezogen werden, statt die Einwohner von Bergisch Gladbach zum Umsteigen zu bringen – das hätte einen positiven Einfluss auf Wirtschaft und Lebensgestaltung.

Fazit: Ohne Wirtschaftlichkeitsberechnung gibt es einen blinden Fleck beim Mobilitätskonzept. Wirtschaftliche Auswirkungen außer Acht zu lassen ist fahrlässig!

Die Initiative „Leben und Arbeiten in Bergisch Gladbach“ ist ein Zusammenschluss von Unternehmern, Selbstständigen, Freiberuflern und wirtschaftlich Tätigen, die die Stimme der Wirtschaft in der Standortpolitik stärken und sich in den Dialog mit einbringen möchten.

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4 Kommentare

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  1. Ein Kommentar von Klaus Hansen

    Wenn Kostenrechnung, dann bitte seriös:

    Kosten eines Autos errechnen sich aus den Anschaffungskosten / Lebensdauer, Jahresleistung Kilometern, Steuer und Versicherung, Unterhaltungskosten Wartung, Verschleiss, Reparaturen, Verbrauch etc. Eventuell auch noch Parkplatzgebühren am Zielort. Beim VW Variant sind das bei 15.000 Kilometern im Jahr über 0,57 € pro Kilometer. Also für die angenommene Strecke von 14, 8 km sind das rund 7,40 €, in der Woche mit 5x Hin- und Rückfahrt also 74,00 € (in der Woche!).
    Dafür gibt es schon ein Monatsticket beim ÖPNV.

    Zeitaufwand/Zeitverlust: Der Vergleich hinkt nicht nur, er humpelt. Beim Autofahren ist das lesen, chatten, dösen oder schlafen kaum möglich, höchstens im Stau. Außerdem: Der normale Arbeitnehmer arbeitet 160 Stunden im Monat (x 11, der Rest ist Urlaub).

    Stressfaktor: Hier unterscheiden sich ÖPNV und Autofahren natürlich in der Stressart. Im Bus oder
    S-Bahn können die anderen Fahrgäste nerven (Überfüllung, Lautstärke etc.), dafür sind auf den Straßen immer so viele schlechte Autofahrer (alle außer mir natürlich!) unterwegs. Und diese anderen stressen mich.

    Die Kosten für Straßenbau, Landschaftsverbrauch, Lärm- und Feinstaubemissionen, Unfälle und Folge-
    kosten etc. fehlen ohnehin in der famosen Aufstellung.

    Nein, im Ernst, der Beitrag der Initiative ist nur albern.

    Klaus Hansen
    Fussgänger, Radfahrer, ÖPNV-Nutzer und Autofahrer

  2. Diejenigen, die die Berechnung über Zeitverlust/-ersparnis bzgl.- Bahn/PKW angestellt haben, sind offenbar bar jeder Kenntnis von systemanalytischen Analysen. Ich möchte sie nicht in die Ecke von Populisten, Volksverdummern stellen, sie scheinen aber eine Strategie zu verfolgen, von der sie anscheinend vermuten, damit durchzukommen.
    Achtung: Diese Leute halten Sie für dumm und „verschaukelbar“. Trauen Sie denen nicht über den Weg. Diese Milchmädchenrechnung ist einfach unseriös

  3. Die Studie der Universität Dresden aus dem Jahre 2012, wonach jedes KFZ
    in Deutschland mit ca. 2000Euro/Jahr subventioniert wird, scheint dem
    Milchmädchen auch unbekannt zu sein.

    http://m.taz.de/!5076874;m/

    Die Flächen, welche für obige Forderung versiegelt werden müssten, gibt es ebenso wie
    die Unterhaltung der selbigen offenkundig auch gratis.

  4. Welch Milchmädchenrechnung! Schon die Annahme, das Wegekosten sozialversicherungspflichtige Auswirkungen hätten ist Schmarn. Diese hypothetischen Kosten tragen sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer nur durch Belastung ihres Freizeitbudgets. Sorry, aber die dargestellte Rechnung ist einfach nur … plump!