Oliver Schillings will für die CDU zur Landtagswahl antreten

Oliver Schillings ist vom Parteiausschuss der CDU Bergisch Gladbach für die Kandidatur zur Landtagswahl 2017 nominiert worden. Der PR-Unternehmer will im Wahlkreis 21 (Bergisch Gladbach und Rösrath) und Holger Müller beerben. Die endgültige Entscheidung fällt bei der CDU-Mitgliederversammlung am 2. Juli in der Refrather Steinbreche.

Im Interview mit dem Bürgerportal räumt Schillings ein, dass Bekanntheit „nicht gerade meine Stärke” ist. Was seine Stärken sind, wo er herkommt, was er anders machen und wo her hin will, das erläutert er in seinem Büro am Ende der Schlossstraße. Er argumentiert für Unternehmertum in der Politik und gegen Seilschaften. Für ein wenig weniger Wohlfühlpolitik und gegen starres Status-Quo-Denken. Also los.

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Herr Schillings, was zieht einen jungen Unternehmer in die Politik?

Oliver Schillings: Ich bin gefragt worden.

Wer hat gefragt?
Das kam aus dem Vorstand des Stadtverbands.

Und dann?
Dann habe ich mich beraten, mit Familie und Freunden. Überlegt, ob das passt, ob das meins ist, ob ich dafür die Stärken und Qualifikationen mitbringe, ob es sich mit meinen weiteren Plänen vereinbaren lässt. Und dann bin ich zu einem Ja gekommen.

Was befähigt Sie, in einem Satz, für das Amt des Landtagsabgeordneten?
In meinem ganzen Berufs- und auch Privatleben habe ich gelernt, aus Themen Positionen zu entwickeln und diese mit Partnern, Kunden und Stakeholdern zu Lösungen zu bringen.

Das lässt sich aus der Unternehmensberatung in die Landespolitik übertragen?
Meinen Sie nicht, dass ein bisschen unternehmerisches Denken der Politik gut tut? Unternehmer sein heißt, etwas zu unternehmen. Gerade in der Politik sind ein paar Unternehmungen im weitesten Sinn sinnvoll.

Aber noch sind Sie nicht gewählt, nicht einmal der Kandidat. Wie wollen Sie die Basis für sich gewinnen – in der Gegrummel über Ihre Nominierung durch den Parteiausschuss herrscht?
Das Feedback in den letzten Tagen war sehr, sehr positiv. Ich nehme erst einmal ein großes Interesse wahr an meiner Person. Grundsätzlich muss Politik die Menschen wieder mehr mitnehmen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, das sind alte Seilschaften, die machen, was sie wollen. Das kann ich nur, indem ich mit Leuten spreche.

Ist nicht gerade durch ihre Nominierung im Parteiausschuss der Eindruck einer Seilschaft in der CDU entstanden? 
Wie kommen Sie denn da drauf? Der Parteiausschuss ist doch das größte Gremium …

… abgesehen von der Mitgliederversammlung.
Die haben wir ja noch am 2. Juli. Also, von den Gremien ist der Parteiausschuss dasjenige, in dem die meisten Stimmen vertreten sind, der Stadtverband, alle Ortsverbände und den Arbeitsgemeinschaften. Wir haben seit Ostern sehr intensiv darüber debattiert. Da waren zum Schluss bestimmt 30 oder 40 Leute beteiligt – und nichts ist nach draußen gedrungen. Was auch gut ist, dafür verdient die Partei ein großes Lob. Bei Personalentscheidungen soll niemand beschädigt werden.

Hintergrund: Wer ist, was macht der Parteiausschuss der CDU?
Der Stadtausschuss umfasst den Vorstand des Stadtverbandes, dem auch der Fraktionsvorsitzende, der Ehrenvorsitzende, der Bürgermeister, und der stellvertrende Bürgermeister angehört. Hinzu kommen die Vorsitzenden der sieben Ortsvereine, der Vereinigungen und Arbeitskreise. Und dann noch der Bundestags- sowie der Landtagsabgeordnete sowie der Vorsitzende der Kreistagsfraktion.

Laut Geschäftsordnung gehört zu seinen Aufgaben die Unterrichtung über wichtige Angelegenheiten, die Vorbereitung der Jahreshauptversammlung des Stadtverbandes, Koordinierung der Arbeit der Ortsverbände und Vereinigungen.

„Eine seltsame Erfahrung – dass Leute mich als Person bewerten.”

Wie fühlt sich das an, mitten in dieser Debatte zu stehen?
Bei diesem Übergang von Sachargumenten zu Persönlichkeitsbildern kann es auch anfangen weh zu tun. Das ist eine sehr seltsame Erfahrung. Dass Leute mich als Person bewerten.

Sind Sie gewappnet?
Ich schaue morgens mit einem ganz guten Gefühl in den Spiegel.

Das Gesicht ist vielen Bergisch Gladbachern, auch in der CDU, noch nicht bekannt. Wie wollen Sie das ändern. 
Die Bekanntheit ist ganz klar nicht meine Stärke, ich habe nicht die typische Parteikarriere von JU, Ratsmitgliedschaft usw. mitgemacht, ich bin ein Seiteneinsteiger.

Ist das ein Nachteil? 
Auf keinen Fall. An dem Punkt ändert sich gerade auch Politik – siehe die Oberbürgermeister-Wahl in Köln. Ich halte es für notwendig, dass auch Seiteneinsteiger in der Politik sind. Andere Perspektiven tun immer gut.

Oliver Schillings zu seiner Biographie
„Mein Vater war Soldat, ich hatte von daher eine etwas unruhige Kindheit. Geboren 1969 in Koblenz, dann nach Stolberg, in die USA, nach Luxemburg und danach ins Münsterland.

In Münster habe ich Abitur gemacht und das Studium (Geschichte, Philosophie und Publizistik) begonnen. Nach einem Praktikum bei der Europäischen Kommission in Bonn bin ich nach Köln gewechselt, für die Promotion mit einem geschichtsphilosophischen Thema.

Schon in der Schulzeit habe ich für die Westfälischen Nachrichten gearbeitet und wollte in den Journalismus. Im Pressereferat der Europäischen Kommission habe ich gemerkt, dass ich neben dem Schreiben auch ein Talent für das Organisieren habe. Und von dort war es dann nur noch ein kleiner Schritt in die PR.

Vor 16 Jahren bin ich nach Bergisch Gladbach gezogen und in Herkenrath heimisch geworden. Ich war PR-Manager bei einer Metrotochter, habe dann Ende 2003 die PR-Agentur Alpha & Omega in Bergisch Gladbach gegründet.

CDU-Mitglied bin ich seit 2011, im Vorstand auch seit 2011, seit 2015 stellvertretender Vorsitzender. Ich bin verheiratet, habe drei Kinder.” Mehr Details auf der CDU-Seite

Der Landtag wäre tatsächlich Ihr erstes politisches Amt?
Nein, ich bin 2011 in ein parteiinternes Amt, den Vorstand der CDU, gewählt worden. Allerdings von den CDU-Mitgliedern.

Für den Landtag haben Sie die Wirtschaftspolitik als ihren Schwerpunkt definiert. Was sind  Kernthemen, die Sie anpacken möchten?
Da reicht eine Zahl: Null Prozent. Das ist das Wirtschaftswachstum, das Nordrhein-Westfalen im Moment erreicht. Das finde ich erschreckend. Und das ist für mich ein ganz wichtiger Hebel, um die Zukunft zu gestalten, in der wir alle leben und unser Auskommen haben können.

Wie kommen wir dahin, zu mehr Wachstum?
Ein wichtiger Punkt ist Bildung, da werden die Weichen gestellt. Ich sehe momentan zu viele ideologische Ziele in der Bildungspolitik, zu viel hin und her und wenige tragfähige Konzepte für die Zukunft. Dieses Unentschlossene tut Schulen und Kindern nicht gut.

Unentschlossenheit, wo sehen Sie die?
Zum Beispiel bei der Frage G8 oder G9 beim Abitur. Oder die Zahl der Abiturienten: Wir steuern jetzt 60 Prozent an. Dabei liegt der Bedarf an Akademikern nur bei gut 30 Prozent. Was machen wir mit den Leuten? Wir qualifizieren sie für irgend etwas, das gar nicht nachgefragt wird.

Und über Bildung hinaus?
Wir müssen die Unternehmen selbst zukunftsfähig machen. Das Schlagwort Industrie 4.0 spielt da eine Rolle. Vieles hängt mit Infrastruktur zusammen. Die ist gerade in NRW ein Desaster, Stichwort Autobahnbrücken, der Breitbandausbau beginnt nur allmählich. Und es geht darum, wie man Menschen animieren kann, Unternehmen zu gründen. Seit zehn Jahren ist die Zahl der Neugründungen rückläufig. Da tut sich trotz vieler Programme nicht genug, weil offenbar die Bürokratie zu stark ist.

Lesen Sie (noch) mehr, diskutieren Sie mit:
Die Debatte in der Facebook-Gruppe „Politik in GL”
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Das heißt, im Landtag würden Sie nicht in den Sportausschuss streben?
Nein, seit meiner Knie-OP kann ich nicht mehr Basketball spielen. Als Unternehmer könnte ich da andere Themen besser besetzen. Dafür fühle ich mich aber auch durch die Vorstandsarbeit hier in Bergisch Gladbach gut gerüstet. Zum Beispiel bei den Themen Flächennutzungsplan, Zusammenarbeit mit Köln, regionale Kooperation. Das sind Themen, da bin ich drin und kann die Interessen unserer Region gut vertreten.

Welche Interessen der Region sind das?
Infrastruktur ist gerade für Bergisch Gladbach und für Rösrath ein Thema, über die Autobahnanbindung muss ich nicht viel sagen. Der Pendelverkehr nach Köln wird zunehmen. Das müssen wir geregelt bekommen, ohne hier unsere Wohn- und Lebensqualität zu beeinträchtigen.

„Stecken Sie mich nicht zu schnell in eine Schublade.”

Als Sprecher der „Initiative Arbeit und Leben” hatten Sie für den Bahndamm und für große Gewerbeflächen argumentiert. Ändert sich Ihr Fokus, wenn Sie für die CDU sprechen?
Das können wir nicht 1:1 übertragen, auf dem einen Blatt steht ILA, auf dem anderen CDU. Stecken Sie mich nicht zu schnell in eine Schublade. Wir brauchen eine Lösung für das Verkehrsproblem. Durch Rainer Deppe haben wir jetzt ja erfahren, dass die SPD den zweiten Abschnitt des Autobahnzubringers komplett aus der Planung gestrichen hat. Das verändert natürlich die Vorrausetzungen. Nun müssen wir überlegen, wie wir das gemeinsam lösen können.

Ohne zweiten Abschnitt keinen Autobahnzubringer?
Es wird auf jeden Fall kniffliger. Das sind Szenarie, die man jetzt durchspielen muss. Kann man die Kölner Straße ertüchtigen? Geht das wirklich? Oder gibt es gemeinsam mit den Kölnern doch eine Alternative? Das Problem ist aber: wir verlieren immer mehr Zeit.

Das zweite große Thema in GL ist der Flächennutzungsplan. Da zeigt sich, dass die von der ILA erhofften 70 Hektar utopisch sind. Sie sagen jetzt, man müsse aufpassen, dass die Region lebenswert bleibt. Wie kann diese Balance aussehen, zwischen Grün bleiben und Raum für Arbeit schaffen?
Wenn Sie das wissen, ich wäre sehr dankbar. Da wird es keine einfache Lösung geben. Ich habe volles Verständnis für die Bürgerinitiativen, die hinter ihrem Garten keine Gewerbegebiete möchten. Aber das ist ja immer die Aufgabe, wie man Eigennutz und Gemeinnutz auf den Nenner bringt, der für alle die meisten Vorteile bringt.

Wo würden Sie ansetzen?
Wir sollten uns ein Stück weit vom Statusdenken verabschieden. Auch die Häuser in Neuenhaus sind irgendwann gebaut werden – vorher war dort Natur. Die Dinge verändern sich. Und wenn wir uns nicht verändern, dann werden wir bewegt. Als Politiker muss man die Punkte finden, wo man lenkend eingreifen kann.

Diese Punkte oder Gebiete sind auf dem Bergisch Gladbacher Stadtplan aber sehr eingeschränkt …
Es gibt schon Gebiete direkt an der A4, die sich für Gewerbegebiete eignen würden. Aber da steht dann ein Flora-Fauna-Habitat-Stempel drauf. Also muss man überlegen, ob man so etwas angehen kann. Ist der Status dieses FFH-Naturraums wirklich sinnvoll? Wie sind Städte denn gewachsen? Bestimmt nicht, indem man drum herum FFH-Stempel verteilt hat.

„Wir können nicht immer nur eine Wohlfühlpolitik fahren.”

Das heißt, Sie wollen mehr Sachen, die als gegeben erscheinen, in Frage stellen?
Ja, wir müssen noch mal ein paar Dinge gegen den Strich bürsten.

Was heißt das für die Politik?
Dinge neu zu betrachten ist hier lokal wie in der Landespolitik notwendig: wen ich mich nicht traue, bestimmte Probleme anzufassen, dann wird vieles sehr sehr schwierig werden. In NRW müssen wir mehr unangenehme Entscheidungen treffen, wenn man sich zum Beispiel die Industriestruktur anschaut. Wir müssen diese Entscheidungen natürlich mehr begründen, den Prozess  transparent machen. Aber wir können nicht immer nur eine Wohlfühlpolitik fahren.

In ihrer ersten Mitteilung nach der Nominierung hatten Sie den Begriff Dialogfähigkeit in den Vordergrund gestellt. Geht es darum?
Ja, die Politik muss die Menschen wieder mehr mitnehmen. Schauen Sie sich die CDU-Mitgliederversammlungen an, mit Professor di Fabio oder dem Büro Speer zum Flächennutzungsplan: Das sind für Beispiele, wo man einen inhaltlichen Impuls setzt, eine Diskussion anstößt und dann Szenarien durchspielt, woraus Lösungen entstehen, die von der Mehrheit mitgetragen werden.

Bei der städtischen Bürgerbeteiligung, sei es zum Mobilitätskonzept oder zum Integrierten Handlungskonzept, ist bei einigen der Eindruck von Schauveranstaltungen entstanden …
Wenn sich die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses nicht in den tatsächlichen Ergebnissen wiederfinden, dann ist etwas falsch gelaufen. Man darf aber natürlich auch nicht erwarten, dass sich alle eigenen Vorschläge im Abschlusskonzept wiederfinden.

„Stimmt, da ist noch ein Zwischenschritt.”

Wenn Sie jetzt nach vorne schauen, was steht für Sie als nächstes an?
Zunächst einmal, wenn ich diese Aufgaben Revue passieren lassen, dann wird mir immer klarer, dass das gemeinsame Anstrengungen erfordert. Das ist Mannschaftssport, was wir hier machen. Gerade Landtagsabgeordnete wirken oft etwas losgelöst. Sehr einzeln. Dafür kann man organisatorische Lösungen entwickeln, das Amt besser mit der Partei vor Ort verschränken. Das sorgt dafür, dass es einen Informationsfluss gibt, der von unten kommt und zu einer Position führt.

Dennoch, was sind diese großen drei nächsten Aufgaben?
Erstens, das große Interesse an meiner Person zufrieden stellen. Dann am 2. Juli den Kreisparteitag davon überzeugen, dass ich der richtige Mann bin. Und der dritte Schritt wäre, diese Aufgaben in einer smarten Weise anzugehen.

Haben Sie nicht einen Schritt vergessen?
Stimmt, da ist noch ein Zwischenschritt – die Wahl gewinnen. Ein Selbstläufer ist das alles nicht. Aber unser Ziel ist ganz klar: Das Direktmandat wieder zu gewinnen.

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Hintergrund: Der Wahlkreis 21
umfasst die Städte Bergisch Gladbach und Rösrath. Seit 2005 wird er von Holger Müller aus Rösrath vertreten. Bei der vergangene Wahl hatte Müller allerdings das Direktmandat gegen Helene Hammelrath (SPD) verloren und war nur über Platz 39 der Reserveliste noch einmal in den Landtag gezogen.

Die SPD hat noch nicht entschieden, wen sie in das Landtagsrennen schickt; Hammelrath hat jedoch bereits angekündigt, nicht noch einmal zur Verfügung zu stehen.

Die FDP hat die Ortsvereinsvorsitzende Anita Rick-Blunck bereits aufgestellt.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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