Frank Stein, künftiger Kämmerer in Bergisch Gladbach, bislang Leverkusen

Frank Stein, künftiger Kämmerer in Bergisch Gladbach, bislang Leverkusen

Was macht man, wenn man in einer kleinen Großstadt das Amt des Stadtkämmerers übernehmen soll? Man googelt den Namen der Stadt. Genau das hat Frank Stein gemacht – und erfahren, „dass es in Bergisch Gladbach bestimmt nicht langweilig werden wir”.

Noch ist Stein Finanzdezernent in der deutlich größeren Nachbarstadt Leverkusen, zum 1. Oktober tritt er die Nachfolge von Jürgen Mumdey an. Vor seiner Wahl am Dienstag hat der SPD-Mann aber nicht nur gegoogelt und Vorlagen gelesen, sondern auch mit einigen Personen gesprochen. Sein Respekt vor der neuen Aufgabe ist dadurch nicht geschrumpft.

Hintergrund: Ab- und Neuwahl des Kämmerers
Der Stadtkämmerer ist ein Wahlbeamter, daher gelten für seine Bestallung besondere Regeln. Amtsinhaber Jürgen Mumdey hatte aus Gesundheitsgründen gebeten, das Amt vorzeitig abgeben zu können. Dieser Bitte war der Stadtrat einstimmig gefolgt.

Das Vorschlagsrecht für die Nachfolge innerhalb der großen Kooperation von CDU und SPD im Stadtrat hatten die Sozialdemokraten. Daher bemängelten die Grünen sowie die fraktionsfreien Ratsmitglieder Tomas Santillan und Fabian Schütz das Verfahren als nicht offen genug. Auch sie konzidieren, dass Frank Stein unter den Bewerbern eindeutig der beste Kandidat war. Aus Protest gegen das Verfahren verweigerten sie im Rat dann zwar ihre Stimme, sprachen aber ausdrücklich von einer „konstruktiven Enthaltung”.

Bei diesem Verfahren gelten Enthaltungen als ungültige Stimmen, daher wurde Stein formal einstimmig gewählt. Eine Ergebnis, so der künftige Kämmerer, über das er sich sehr freue, das aber auch ein Auftrag sei.

Allzu konkret kann Stein bei diesem Pressegespräch noch nicht werden, aber drei große Aufgabenblöcke skizziert er schon jetzt:

  • die Auflagen des Haushaltsicherungskonzeptes zu erfüllen und den Etatausgleich bis 2021 sicher stellen. Eine Aufgabe, die angesichts vieler unkalkulierbarer Risiken schwierig, aber dennoch machbar sei;
  • die städtischen Beteiligungen neu zu organisieren, damit sie gut zu steuern sind und einen Beitrag zur Stärkung der städtischen Einnahmen abliefern; dabei habe er Sympathien für eine Holdingstruktur;
  • für eine Finanzierung des Ausbaus von Kindergärten und Offenen Ganztagsschulen zu sorgen.

Mehrfach fällt im Gespräch der Begriff „Stadtentwicklung”. Ein Thema, dem man beim Googeln von Bergisch Gladbach nicht entgehen kann, das aber nicht unbedingt zu den Kernaufgaben eines Kämmerers gehört.

Als Finanzchef und Controller, so Stein, müsse man bei diesen vielen großen Projekten immer ein Auge darauf haben, dass sie nicht aus dem Ruder laufen oder zu hohe Folgekosten nach sich ziehen. Als „Bremser” will es sich in diesem Zusammenhang aber auf keinen Fall verstanden wissen: „Für Leute, die sich am liebsten dreimal Vollkasko-versichern wollen ist das der falsche Job.”

Denn erstens, das betont er mit Blick aus dem Fenster auf das Stadthaus am Markt, wolle er auf gar keinem Fall in so einem maroden Sanierungsobjekt bis zur Rente arbeiten. Und zweitens sehe er viele gute Argumente, in Bergisch Gladbach eine offensive Stadtentwicklung zu betreiben. Vor allem dann, wenn es sich – wie beim geplanten Stadthaus, bei der Entwicklung der Zanders-Grundstücke oder der Modernisierung der Straßenbeleuchtung – um Projekte handelt, die sich rasch auszahlen.

Mit großen Projekten dieser Art hat er Erfahrung, in Leverkusen sind in den vergangenen Jahren 120 Millionen Euro in die „Neue Bahnstadt Opladen” geflossen. Sein Job war – und werde es in GL sein – dafür „die Voraussetzungen zu schaffen bzw. zu erhalten”.

Zur Person: Frank Stein
… kam im Vinzenz-Pallotti-Hospital in Bensberg zur Welt, seine Familie stammt aber aus Engelskirchen, wo er auch aufwuchs, 1986 in die SPD eintrat und bis 2000 für sie im Stadtrat saß. Zum Schluss war er dort auch Fraktionsvorsitzender.

Er hatte Jura in Köln studiert, war Referendar am Oberlandesgericht Köln, hat ein Jahr als Anwalt für den TÜV Rheinland gearbeitet und war dann für sieben Jahre als Finanzreferent zum Deutschen Städte- und Gemeindebund rheinaufwärts nach Düsseldorf gewechselt.

2000 wurde Stein in Leverkusen zum Beigeordneter und Dezernenten für die Bereiche „Bürger, Umwelt, Soziales” gewählt, womit er für 700 Mitarbeiter verantwortlich wurde. In dieses Amt war er nach acht Jahren mit großer Mehrheit bestätigt worden, 2013 aber in das Amt des Stadtkämmerers gewechselt.

Die Amtszeit in Leverkusen dauert eigentlich bis 2021, daher sei er eigentlich nicht auf eine neue Aufgabe angewiesen gewesen, betonte Stein. Aber nach 17 Jahren als Wahlbeamter in ein und derselben Kommune sei „das Maß des Bekannten von Jahr zu Jahr größer geworden”. Ein „beruflicher Tapetenwechsel” sei daher attraktiver geworden.

Zum 1. Oktober übernimmt er das Amt des Stadtkämmerers in Bergisch Gladbach und kann dann gleich den Etat 2018 einbringen, den Vorgänger Mumdey derzeit noch ausarbeitet.

Dabei präsentiert sich der Mann mit dem SPD-Parteibuch alles andere als Ausgaben-freudig. So plädiert er für einen harten Schuldendeckel, der jede Neuverschuldung verhindert – es sei denn, es geht um Investitionsprojekte, die sich wirtschaftlich auszahlen. Wie eben die sparsamen und wartungsarmen Straßenlaternen.

Die Frage, wie hoch Bergisch Gladbachs Schulden sind, kann Stein nicht auswendig beantworten. Die Höhe der Kassenkredite („knapp 100 Millionen Euro) hat er jedoch im Kopf.

Stein versteht sich als kämpferischer Teamplayer. Als erfahrener Handballer wisse er, dass man schon fast verloren hat, wenn man eine Aufgabe nicht ernst nimmt. Als SPD-Mann unter einem CDU-Bürgermeister werde er intern im Verwaltungsvorstand Kontroversen nicht aus dem Weg gehen, aber nach außen „loyal und kollegial” die Verwaltungsposition vertreten.

Bleibt zum Schluss die finanzpolitische Gretchenfrage, nach den Steuer. Wie will er den städtischen Haushalt in vier Jahren ausgleichen, etwa durch eine Erhöhung der Grundsteuer B? In dieser Hinsicht sei Bergisch Gladbach hervorragend aufgestellt, mit einem Hebesatz von „nur” 545 Prozent. Was aber nicht heißen soll, dass er hier Potenzial nach oben sieht. Sein Ziel sei es, den Haushaltsausgleich mit anderen Mitteln (die er bislang nicht benennt) herzustellen, eine moderate Steuererhöhung sei da allenfalls die „ultima ratio”.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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