Vier Institutionen aus Bergisch Gladbach haben die Ausschreibung für das Modellprojekt „MIA – Mehr Inklusion für Alle“ des Deutschen Behindertensportverbands gewonnen. Damit wollen sie die Inklusion in den Sportvereinen voran bringen. 

Für die Bewerbung hatten der Kreissportbund (als offizieller Antragsteller), der Verein „Die Kette”, das Amt für Inklusion und Integration des Rheinisch-Bergischen Kreises und der DJK SSV Ommerborn Sand e.V. gemeinsam ein Konzept entwickelt. Nach einem intensiven Auswahlverfahren haben sie jetzt den Zuschlag erhalten, als eine von 10 Modellregionen in ganz Deutschland und als einzige Region in NRW überhaupt.

Für alle zehn MIA-Projekte stehen bis Anfang 2020 insgesamt 600.000 Euro zur Verfügung, die von der Aktion Mensch Stiftung kommt. 
 
Welche Ziele verfolgt MIA?
  • Auf- und Ausbau von zehn inklusiv-wirkenden Netzwerken und Kooperationen zwischen örtlichen Strukturen, damit inklusive Sportlandschaften entstehen.
  • Förderung eines Erfahrungsaustausches sowie einer Aufklärung und Sensibilisierung zur Bedeutung von inklusiven Kulturen, Strukturen und Praktiken im Sport auf Grundlage des „Index für Inklusion im und durch Sport“, damit die Teilhabemöglichkeiten für Menschen mit Behinderung im Sport verbessert werden.
  • Bereitstellung einer sozialraumorientierten Beratungsleistung für örtliche Strukturen (den Modellregionen), die nachhaltige Entwicklungsprozesse schaffen.
  • Ermittlung von Teilhabemöglichkeiten und auch Barrieren für Menschen mit Behinderung, damit diese den Sozialraum aktiv mitgestalten und ihr Wunsch- und Wahlrecht z.B. bei Sportangeboten ausleben können.
  • Beantwortung von auftretenden Fragen zur Umsetzung von Inklusion im und durch Sport mittels eines online-basierten Forums, das bundesweit genutzt werden kann.

Freizeit in Gesellschaft.

Carsten Werheit koordiniert bei der Kette seit einem Jahr das Inklusionsprojekt „Freizeit in Gesellschaft – Erholung, Sport, und Kultur inklusiv“. Das ist eine Kooperation mit dem SV Blau Weiß Hand e.V. und dem Rheinisch Bergischen Chorverband. Ein Ziel dieses Projektes ist es, Netzwerke zwischen Menschen mit Behinderung und den (Sport-)Vereinen aufzubauen.

Allerdings stellte sich im Laufe des Jahres heraus, dass die Erwartungen und Herangehensweisen der Vereine einerseits und die der Behinderten andererseits oft nicht gut zueinander passen, erläutert Werheit. 

Beim Stadtfest hatten Carsten Werheit und Kartharina Kaul (InBeCo) ihre Arbeit in einem Videointerview vorgestellt.

Bei den Sportvereinen gebe es ein grundsätzliches Interesse am Thema Inklusion – aber keine konkreten Vorstellungen, wie das aussehen könnte. Häufig hörte Werheit Sätze wie: „Wenn ein Mensch mit Behinderung kommt, dann gucken wir was wir machen können.“

Im Gegenteil dazu hätten Menschen mit Behinderung häufig eine konkrete Fragestellung. Zum Beispiel: „Was bietet ihr mir denn an?“

Zwar gebe es manchmal bei den Behinderten doch Einzelinteressen, die sich mitunter auch verwirklichen lassen und ein guter erster Schritt und Erfolg sind, berichtet Werheit. Zum Beispiel wenn eine Kette-Klientin zum Sporttanzen bei Blau Weiß Hand geht. Das seien aber nur einzelne kleine Schritte – und keine Vernetzung, die vielen Personen zugute kommt.

Darüber hinaus haben die Angehörigen oder die betreuenden Einrichtungen immer wieder spezielle Fragen: Zum Beispiel: „Wer bringt unsere Kinder/BewohnerInnen hin und zurück ?”, „Wie verhält es sich mit den Mitgliedsbeiträgen ?“, etc.

Die Vereine wiederum haben Bedenken mit Blick auf Versicherungsfälle und wissen nicht, ob die jeweiligen Übungsleiterscheine überhaupt dazu berechtigen, Menschen mit Behinderung zu trainieren.

MIA soll inklusive Sportlandschaft anschieben.

An dieser Stelle kommt das Projekt MIA ins Spiel. Nach Einschätzung von Werheit kann MIA genau dort weiterhelfen, wo das eigene Programm stecken geblieben ist.

Zunächst soll es für den ganzen Rheinisch-BergischenKreis eine erprobte und wissenschaftliche Bedarfsanalyse bzw. Situationsanalyse geben. Sie soll die offenen Fragen sammeln und bei der Auswertung und Umsetzung eine fachliche Begleitung leisten.

Werheit, aber gleichzeitig auch Janik Pfeiffer (seit diesem Jahr Integrationsfachkraft beim Kreissportbund) hatten das MIA-Projekt Dirk Jäckel empfohlen, dem Amtsleiter des Amts für Inklusion und Integration des RBK. Jäckel brachte dann die Initiatoren und Jürgen Münsterteicher zusammen. Münsterteicher beschäftigt sich im DJK SSV Ommerborn Sand e.V. schon seit langem mit Inklusion. Zudem ist der Verein Deutschen Behindertensportverband.

Was das MIA-Projekt in Rheinberg konkret leisten soll, hatte Janik Pfeiffer in der Bewerbung aufgeschrieben:

  • Die Bereitschaft zur Umsetzung von inklusiven Maßnahmen soll durch Gelingensfaktoren wie z.B. durch direkte Ansprechpersonen, einen geringen bürokratischen Aufwand und neue Angebote zur Weiterbildung und Qualifizierung gefördert werden.
  • Es sollen bedarfsgerechte Maßnahmen und treffsichere Angebote für die Sportvereine und die sportinteressierten Menschen im Kreis erarbeitet werden. 
  • Eine Informationskampagne soll in den ehrenamtlich betriebenen Sportvereinen klar machen, warum sich der Aufwand für eine inklusive Sportlandschaft lohnt. Dazu ist u.a. eine Broschüre in einfacher Sprache geplant. 
  • Durch gezielte Informationsveranstaltungen, Qualifikationen und Schulungen sollen Vorurteile und Unsicherheiten im Umgang mit dem Thema und mit den betroffenen Menschen abgebaut werden.
  • Die bereits bestehenden Netzwerke und ein neuer „Runde Tisch MIA“ sollen durch die Situations- und Bedarfsanalyse unterstützt werden.
  • Grundsätzlich fehlen aber auch inklusive Sportstätten. Daher soll auch versucht werden, den Sportvereinen verbesserte Rahmenbedingungen für inklusiven Sport zu bieten.

Am Ende, so das Ziel, soll das Projekt einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Inklusion in der Gesellschaft selbstverständlich wird.

Immerhin leben in RheinBerg laut offizieller Statistik 25.000 Menschen mit einer anerkannter Schwerbehinderung. Das sind fast neun Prozent der Bevölkerung. Gleichzeitig ist mit 65.000 Menschen fast ein Viertel der Bevölkerung in den rund 230 Sportvereinen organisiert.  

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Mehr Informationen: 

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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