In blau das künftige Stadthaus, in orange die geplanten Gleise. 

Rund um den Bahnhof stehen gewaltige öffentliche Bauprojekte an. Der Stadtplanungsausschuss hat jetzt weitere wichtige Weichen gestellt.

Der Bahnhof selbst wird erweitert und bekommt mit dem zweiten Gleis bis zu drei neue Bahnsteige, direkt nebenan baut die Verwaltung ein neues Stadthaus für (bislang) maximal 47 Millionen Euro. Zwei Projekte, das wurde in der Sitzung des Stadtplanungs- und Entwicklungsausschusses am Dienstag deutlich, die sehr eng miteinander verbunden sind. 

Die Planung für den Ausbau des Bahnhofs liegt bei der Bahngesellschaft DB Netz und beim NVR, erläuterte Willi Schmitz, Geschäftsführer der Stadtverkehrsgesellschaft – und befinde sich (wie ausführlich berichtet) in der frühen Bürgerbeteiligung. Nach einer Veranstaltung in Mülheim findet am 14. Mai eine zweite Infomesse im Bergischen Löwen statt

Offene Fragen gebe es u.a. bei der Platzierung des eigentlich überflüssigen, aber dennoch weiter zu planenden Gütergleises und beim Abstand zwischen Gleisende und dem angrenzenden künftigen Stadthaus. Hinter dem Prellbock des gerade erst ausgebauten Gleis 1 müsste eine Sicherheitsabstand von 18 Metern bleiben – womit beim Baugrundstück des Stadthauses drei Meter fehlen würden. 

Die neuen Gleise sollen statt bislang 150 rund 170 Meter lang werden, damit in Zukunft auch Dreier-Züge Platz haben. Die Bahn habe klar gemacht, dass für sie die Erschließung aller neuen Gleise mit dem Kopfgleis auskomme; sollte Bergisch Gladbach eine weitere Querverbindung etwa in Form einer Unterführung wollen, müsse die Stadt dafür selbst zahlen. 

Diesen Punkt griffen Vertreter von SPD, FDP und Grünen auf, die mit unterschiedlichen Argumenten (Erreichbarkeit des Busbahnhofs, Fluchtweg, Ersatz für Übergang Tannenbergstraße) für einen solchen Tunnel warben – und darauf drängten, die Bahn dafür mit in die Pflicht zu nehmen. 

Die Stadt ist in der Planung für den S-Bahn-Ausbau einer von vielen Trägern öffentlicher Belange. In etwa zwei Jahren, so Schmitz, werde der Stadtrat über eine Stellungnahme zu den Bahn-Plänen abstimmen, die dann von der Bahn abgewogen werden müsse. Die endgültige Entscheidung treffe das Eisenbahnbundesamt. 

Nach Einschätzung von Baurat Flügge wandele sich die Einstellung der Bahn allmählich. Zunächst habe sie nur die Voraussetzungen für den Zehn-Minuten-Takt im Auge gehabt, inzwischen spreche aber auch die DB Netze von der Schaffung einer „gemeinsamen Ankommenssituation”.

Stadthaus und Bahnhof gemeinsam betrachten

Ein Ball, den der Stadtplaner Simon Hubacher beim nächsten Thema sogleich aufgriff. Er organisiert für die Stadt den Architektenwettbewerb für das Stadthaus. Mit beiden Projekten, mit Bahnhof und Stadthaus, so Hubacher, biete sich Bergisch Gladbach die Jahrhundert-Chance, das Bahnhofsumfeld als „modernen multimodalen Mobilitätsknoten” völlig neu zu gestalten. Vor diesem Hintergrund wäre es fahrlässig, eine Unterführung von der Jakobstraße zur Stationsstraße nicht zu prüfen. 

Der Stadtplanungsausschuss befasste sich noch einmal mit dem Stadthaus-Wettbewerb, weil die Vorüberlegungen inzwischen mit vielen weiteren Funktionen (Bücherei, Café, Polizeistation, etc) aufgeladen wurden.

Eine Kita mit Außengelände sei im Rahmen dieses Projektes jedoch nur mit einen unangemessen hohen Aufwand zu realisieren gewesen und wurde gestrichen. Ebenso fehlt nun eine Kantine – weil in der ebenfalls vor einer Umgestaltung stehenden RheinBerg-Passage der Ableger einer großen Gastronomiekette einziehen werde. 

Im Gebäude selbst sollen nur 90 Parkplätze geschaffen werden; weitere 50 bis 70 sollen an der Jakobstaße eingerichtet werden. Dennoch werde die Stadt für ein Zahl von Parkplätzen Ablösegebühren zahlen müssen. Auch die SPD plädierte dafür, an dieser Stelle mit dem Thema Parken sehr restriktiv umzugehen, um nicht noch mehr Verkehr in die Innenstadt zu ziehen. 

Für das Gesamtprojekt stehen inzwischen Gesamtkosten von maximal 47 Millionen Euro auf dem Papier. Am Anfang war die Stadt einmal von 22 Millionen Euro ausgegangen.

Inzwischen wurde zwar der tatsächliche Bedarf der Stadtverwaltung genauer ermittelt und die anderen Nutzungsmöglichkeiten umrissen. Allerdings seien sehr viele Fragen noch offen, kritisierte die FDP. Niemand wisse, welche Überraschungen der Baugrund biete oder ob es Altlasten gebe; die Baupreise stiegen weiter an und nicht einmal die Kosten für die Büroausstattungen seien budgetiert worden, so die Kritik.

Die Kosten, so Hubacher, seien von zwei verschiedenen Büros mit zwei unterschiedlichen Methoden berechnet werden, auch Preissteigerungen und ein kleiner Puffer seien berücksichtigt worden. 

Am Ende der Debatte machte der Ausschuss den Weg für einen zweistufigen Architekturwettbewerb frei. Nur die Vertreter von Mitte-rechts und der Linken enthielten sich.

Eine Frage aus der CDU, welche Ideen es für die Neugestaltung der Fläche in der Innenstadt gebe, die mit der Aufgabe der alten Stadthäuser frei wird, wurde vom Ausschussvorsitzenden Lennart Höring abgeblockt: Das sei ein Thema für sich, dazu müsse man Bürgermeister Lutz Urbach befragen. 

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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5 Kommentare

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  1. Anstatt euphorischer Aussagen ist eher Realismus gefragt. Bei Beurteilungen mit Superlativ, ….am Bahnhof bietet sich Jahrhundert Chance für Gladbach….oder wie auch firmiert wird „Bahnhofsplanung mit Stadthaus“, da ist immer Vorsicht geboten und eine eher nüchterne Betrachtung empfohlen, sonst wird das nicht billig.
    Bei aller Freude die auch ich empfinde, dass nach langen Jahren des Stillstandes nun Bewegung in den Streckenausbau und vor allem in die verbesserte Anbindung an das Netz der Deutschen Bahn gekommen ist, es ist eine Maßnahme von vielen erforderlichen Maßnahmen. Mit der Erweiterung der S 11, zweites Gleis und erhöhter Taktfrequenz, wird hier ein „Sackbahnhof“ geplant und nicht alle Bürger und Bediensteten dieser Stadt werden demnächst mit der S 11 in Gladbach ankommen, auch nicht per Bus oder Rad.
    Die Attraktivität eines Verwaltungsneubaus an dieser Stelle im Vergleich zu einem Arbeitsplatz in innovativ hergerichteten Zanders-Denkmalhäusern, das wäre zumindest noch eine Überlegung wert gewesen, auch jetzt noch. Hergerichtet und in Stand gehalten werden müssen diese Häuser sowieso und wenn man die Trasse der Straßenbahn von Thielenbruch aus weiterführt auf der ehemaligen Strecke, dann gäbe es zusätzlich zu dem nahegelegenen Anschluss an das Netz der Deutschen Bundesbahn auch noch einen Straßenbahn Anschluss nach Köln, vielleicht sogar über den Bahndamm verbunden mit Moitzfeld.
    Übrigens, der größte Teil der erfolgreichen Start up‘s der Republik arbeitet in kreativ hergerichteten Industriebauten, die Factories der Zukunft und für die Zukunft. Die jungen Menschen sind begeistert und füllen die „Hallen“ mit neuem Spirit, Digitalisierung einschließlich.
    Ob das auch ein Konzept für die Stadtverwaltung der (nahen) Zukunft wäre?

  2. Ich würde eine potentielle Unterführung zwischen Jakobstraße und Stationsstraße eher kritisch sehen. Wenn ich an andere Unterführungen bei Bahnhöfen denke (z.B. Dellbrück) sind das alles keine Orte an denen man Abends gerne alleine ist. Um der Entstehung eines neuen Schandflecks vorzubeugen sollte vielleicht eher über eine Brückenquerung nachgedacht werden.

  3. Ja, 47 Millionen für ein Stadthaus ist wirklich viel Geld, insbesondere wo Geld doch an allen Ecken fehlt…

    Mindestens vor dem Hintergrund, dass Projekte der öffentlichen Hand in der Regel sehr viel teurer werden als geplant, hätte ich erwartet, dass die Politik innerhalb des Stadtplanungsausschusses kritisch nachfragt, warum und wofür die Ausgaben von 23 Millionen auf nun 47 Millionen steigen sollen und wie weitere finanzielle Risiken verhindert bzw. abgedeckt werden sollen. Außer der FDP hat sich hierzu jedoch nach meiner Erinnerung niemand zu Wort gemeldet, allerdings ohne befriedigende Antwort. Auch die Frage des Bundes der Steuerzahler in seinem Schreiben v. 27.03.2018 nach dem
    ” tatsächlichen Raumbedarf der Verwaltung für den geplanten Neubau” und nach einer “transparenteren Darstellung des Planungsbudgets” ist offen.
    Darüber hinaus müsste vor dem Hintergrund der mindestens verdoppelten Ausgaben die Frage, ob eine Sanierung der derzeitigen Gebäude nicht doch eine sinnvolle Alternative darstellt, m.E. noch einmal diskutiert werden.

    Es ist zu hoffen, dass solche Fragen im Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Infrastruktur und Verkehr (AUKIV) am 24.04. sehr viel kritischer angesprochen werden, nicht um eine “Jahrhundert-Chance” zunichte zu machen, sondern um vernünftig und nachvollziehbar zu haushalten.
    Wenn die Stadtverwaltung gute Antworten auf die Fragen hat, umso besser!!

  4. Na toll, ein neuer Bürokratenpalast soll gebaut werden, ehemals für 22 Millionen, mittlerweile für 47 Millionen, bei Fertigstellung wahrscheinlich eher für das Doppelte dessen. Und das auf einem Stück Bergisch Gladbach, das mit anderer Bebauung – Wohnhäuser, Hotel, wie schon mein Vorschreiber anregt, Vielzweckhalle, an der es der Stadt mangelt – zu einem Filet werden könnte. Das bisherige Stadthaus wurde zum alten Eisen erklärt, nicht mehr up to date, nicht zu sanieren, für die dort arbeitenden Menschen unzumutbar. Ob das so stimmt, kann ich nicht beurteilen, abwegig scheint das nicht. Aber muss es ein Gebäude zu den erwähnten Konditionen sein, an dieser Stelle, die keinen fassbaren Mehrwert einer Stadt bringt, die kein Geld hat? Man ist ja von vielen Versicherungen, Banken, IHKs und sonstigen von fremden Geldern abhängigen Institutionen gewohnt, mit überbordenden Gebäuden und deren Einrichtungen überrascht zu werden, um sich dann über steigende Prämien , Gebühren oder Zinsen sich nicht mehr zu wundern. Was wird sich unsere Stadt ausdenken, um trotz der schon erwähnten finanziellen Zusagen aus Kreis und Land den Restbetrag (?) stemmen zu können?

    Der Bahnhof und sein Umfeld könnten zu einem weiteren Mittelpunkt Bergisch Gladbachs werden. Ob zusammen mit einem neuen Stadthaus, das, auch mangels nötiger Finanzen, wohl erst in ein paar Jahren gebaut werden wird – und dabei habe ich die bekannte Trägheit des Bauamtes noch nicht berücksichtigt – muss infrage gestellt werden.

  5. Mit anfangs 22 Mio. € wurde das Stadthaus-Projekt versucht dem Bürger – mit Argumenten anfallender Sanierungskosten für die ISt-Situation etc. – „schmackhaft“ gemacht. Jetzt ist man bei 47 Mio. € (!) Planungs-Investition. Ich mutmaße mal das – im Falle der Realisierung – Minimum 65 Mio. € auf das marode Stadtsäckel zukommen. Das bisherige Stadthaus bleibt als „Ruine“ zurück, oder erlöst nicht die dem Bürger vorgegaukelten Summen. Benötigt man in Zeiten anstehender vermehrter Digitalisierung/E-Goverment eine solche „Luxusherberge“ in 1a-Lage mit mehr qm für einzelne Büros ? Wäre es nicht sinnvoll wenn private Investoren ein Hotelprojekt „vor den Toren der Kölner Messe/Köln“ mit pfiffigen anderen Möglichkeiten errichten ? Die Bergisch Gladbacher Hotel-Angebote sind im Hinblick auf seine Lage eher bescheiden.
    Bei dann (100%ig) zu erwartenden höheren Baukosten kann man ja die Grundsteuer weiter erhöhen, die ohnehin immer maroder werdenden innerstädtischen Straßen weiter verwahrlosen lassen, Argumente hätte man ja dafür…. Zwar wäre dann das „Denkmal des Bürgermeisters“ realisiert, aber ist das angesichts leerer Kassen sinnvoll ? Wenn „Otto-Normalverbraucher“ kein Geld hat sich ein (immer teurer werdendes) Eigenheim leisten zu können dann muß er in der zu kleinen Mietwohnung wohnen bleiben…..
    Zanders, Stadthaus, neben den nur zögerlich anlaufenden Schulsanierungen bei fehlenden KITA-Plätzen erscheint mir im Lichte der finanziellen Möglichkeiten der Stadt bedenklich….