In Thielenbruch durchquert die S-Bahn sensible Bereiche. Alle Fotos: sbahn.koeln.de/Sreenshots

Im Rahmen der Bürgerbeteiligung für den S-Bahn-Ausbau hat der Nahverkehr Rheinland (NVR) den Online-Dialog eröffnet. Dort wird der aktuelle Planungsstand skizziert und zur Diskussion gestellt.  Dabei ergeben sich Neuigkeiten und Fragen.

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Der zweigleisige Ausbau der S 11 zwischen Dellbrück und Bergisch Gladbach für den 10-Minuten-Takt, der Ausbau der Stationen in Duckterath, Gladbach, Köln Hbf und Messe/Deutz sind die zentralen Punkte im ersten Abschnitt zum umfassenden Ausbau des S-Bahn-Knoten Köln. Dafür sind die ersten Vorplanungsentwürfe zu besichtigen, die NVR und DB Netze bei zwei Info-Messen in Mülheim und Gladbach den Betroffenen vorgelegt werden.

Alle Infos zu den Infomessen (bitte anklicken)
Es finden zwei Veranstaltungen mit identischem Inhalt statt. Dabei gibt es keine Frontalvorträge, sondern viele Thementische, an denen sich die Bürger informieren und austauschen können:

  • Infomesse Köln: 9. April 2018, 15:30–20 Uhr,
    Stadthalle Köln Mülheim, Jan-Wellem-Straße 2
  • Infomesse Bergisch Gladbach: 14. Mai 2018, 15:30–20 Uhr,
    Bergischer Löwe, Konrad-Adenauer-Platz

Vorgeschaltet ist ein Online-Dialog, der jetzt auf der Projekt-Website eröffnet wurde. Hier zeigt sich gleich zum Start, dass sich das Interesse der Öffentlichkeit vor allem auf den Ausbau in Thielenbruch interessiert. Und es gibt ein paar interessante Neuigkeiten mit Blick auf Bergisch Gladbach.

Ein Gleis oder zwei Gleise in Thielenbruch?

Im Infotext zu diesem Bauabschnitt heißt es, dass der zweigleisige Ausbau zwischen Dellbrück und Bergisch Gladbach notwendig sei, um den Takt von 20 auf 10 Minuten verdichten zu können. Immerhin  sei die Strecke früher schon einmal zweigleisig gewesen. Das war bis in die 1940er Jahre der Fall; nach dem 2. Weltkrieg wurde sie nur eingleisig erneuert.

Im Herbst 2017 hatten Fachleute jedoch die Frage aufgeworfen, ob es wirklich nötig sein, diesen kompletten Streckenabschnitt mit einem zweiten Gleis zu versehen – oder ob der Ausbau zwischen Duckterath Gladbach ausreiche.

Diese Frage lässt der NVR gerade von einem Schweizer Ingenieurbüro fahrplantechnisch klären. Im späteren Planfeststellungsverfahren wird das Eisenbahn-Bundesamt diese Begründung noch einmal prüfen, erläutert der NVR.

Der NVR ist jedoch grundsätzlich der Ansicht, dass ein zweigleisiger Ausbau „zwingend notwendig ist”: zum Verspätungsabbau, zur Sicherung der Busanschlüsse in Gladbach und „letztendlich für eine zukunftsfähige S-Bahn rund um Köln”, erklärt er auf Nachfrage. Ein vorzeitiges Wenden von Zügen in Dellbrück aufgrund von Infrastrukturengpässen müsse der Vergangenheit angehören.

Hier tritt einer der möglichen Konfliktpunkte zu Tage, in Form konkurrierender Interesse der Bahnfahrer und der Naturschützer bzw. Anwohner.

So oder so, heißt es auf der Online-Plattform, müsse beim Ausbau der Trasse „der Eingriff in das angrenzende Naturschutzgebiet Thielenbruch möglichst gering gehalten werden. Insbesondere das Kalkflachmoor nördlich des Bahndamms gilt als schützenswert”.

Daher planten die Ingenieure das zweite südlich des heutigen Gleises. Zudem müsse der Bahndamm etwas erhöht und verbreitert werden. Dabei versuchten die Planer, einen Eingriff in den Wasserhaushalt des Naturschutzgebiets zu vermeiden. In dieser Frage finde eine Abstimmung mit örtlichen Naturschutzbehörden und Naturschutzverbänden statt.

In den Kommentaren zum Beitrag erkundigen sich bereits Anwohner, wie nah das neue Gleis an die Wohnbebauung heranrücken werde.

In Duckterath führt die Strecke durch eng bebaute Gebiete

S-Bahn-Halt in Duckterath

In Duckterath soll ein 150 Meter langer zusätzlicher Bahnsteig gebaut werden, der einen barrierefreien Einstieg Richtung Köln ermöglicht. Zudem sind ein 35 Meter langes Bahnsteigdach sowie Wetterschutzhäuser vorgesehen.

Zwischen der Franz-Hitze-Straße und der Damaschkestraße soll es eine neue Fußgängerrampe für den barrierefreien Zugang vom P+R-Parkplatz zum Bahnsteig geben. Dafür werden unterschiedliche Varianten  geprüft. Beim Ausbau müssen auch die Brücken über die Franz-Hitze-Straße, die Damaschkestraße und die Buchholzstraße erneuert werden.

Um einen höheren Durchfluss für den Straßenverkehr zu ermöglichen soll der Engpass der Buchholzstraße beseitigt werden. Auch das ist ein konfliktträchtiges Thema, wie erste Debatten im Stadtrat gezeigt hatten. Für das gesamte Umfeld stellt die Stadt bereits umfangreiche Überlegungen an.

Ein Bahnhof mit drei Bahnsteigen – Variante 1 für den Ausbau in Gladbach. Hellblau ist das geplante Stadthaus eingezeichnet

Drei Varianten für den Bahnhof Gladbach

Auch im Endbahnhof werden neue Gleise verlegt und neue Bahnsteige gebaut werden. Damit werde der Bahnhof Gladbach „nicht nur deutlich leistungsfähiger, sondern städtebaulich aufgewertet”.

Auch hier stimmen sich die S-Bahn-Planer eng mit der Stadtverwaltung ab, die auf dem Kopfgrundstück und entlang der Gleise ein großes Stadthaus bauen will. Dafür bereitet die Stadt einen städtebaulichen Wettbewerb für den Bahnhofsbereich (im Plan transparten hellblau) und einen Planungswettbewerb für das Stadthaus (hellblau) vor. Bahnhof und Stadthaus sollen später eine Einheit bilden.

Beim Bahnhof berücksichtigen die Planer, dass die S 11 in Zukunft abwechselnd von Bergisch Gladbach über Köln Hbf nach Düsseldorf bzw. als Verstärkerlinie nur bis Köln-Worringen fahren wird. Daher gibt es im Moment drei verschiedene Varianten. Jede sieht vor, dass die Bahnsteige über einen Querbahnsteig vor Kopf erreichbar sind. Der gerade modernisierte Bahnsteig am Gleis 1 muss nicht umgebaut werden.

Die Variante 1 (siehe Foto oben) enthält jeweils zwei Bahnsteige für die Abfahrt und Ankunft der S-Bahnen nach Köln-Worringen und nach Düsseldorf vor. Damit werde „eine klare Zuordnung der Bahnsteige sowie eine städtebauliche Verknüpfung des Bahnhofs mit dem Stadthaus möglich”. Die Gleise für den Güterverkehr sollen auf die Südseite verlegt werden. Diese Variante benötigt mehr Fläche und wird teurer.

Variante 2 erfordert nur einen zusätzlichen Bahnsteig

Bei den Varianten 2  und 3 ist nur ein zusätzlicher Bahnsteig für S-Bahnen in Richtung Worringen und  Düsseldorf vorgesehen. Der Güterverkehr wird bei Variante 2 nördlich der Bahnsteige abgewickelt.

Bei Variante 3 hingegen soll der Güterverkehr zwischen den Bahnsteigen einlaufen; damit würden zwei neue Bahnsteige notwendig.

Bei Variante 3 wären wieder zwei neue Bahnsteige erforderlich

Was wird aus dem Übergang Tannenbergstraße?

Mit dem 10-Minuten-Takt wird der Bahnübergang an der Tannenbergstraße häufiger geschlossen sein. Daher muss hier eine neue Verkehrslösung gefunden werden. Jahrzehntelang hatte die Bahn hier eine monströse Unterführung geplant, die ist inzwischen vom Tisch.   Im Online-Dialog taucht zwar noch eine zweispurige Unterführung auf, „um den Durchfluss für den Pkw-Verkehr zu erhöhen” – aber auch das ist schon wieder überholt.

Zunächst soll der alte Bahnübergang erhalten werden, der Autoverkehr aber über die begradigte Buchholzstraße geleitet werden. Später könnte es eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer geben. Die Details sind aber noch offen und werden in Bergisch Gladbach entschieden.

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2. Gleis – wo bleibst du?

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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2 Kommentare

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  1. Ich möchte Lothar Eschbach zu hundert Prozent zustimmen. Auch ich halte es – unter dem Aspekt der Gewinnung neuer Fahrgäste – für weitaus effektiver, die Thielenbrucher Straßenbahn nach Bergisch Gladbach und dann über den alten Bahndamm nach Bensberg und möglichst weit ins Bergische hinein zu verlängern. Auch wenn sich Kommunalpolitiker und Verkehrsplaner an dem möglichen 10-Minuten-Takt der S-Bahn geradezu berauschen: Wer bei einem 20-Minuten-Takt nicht in die S-Bahn einsteigt, wird dies auch bei einem zehnminütigen nicht tun.

    Es ist für mich fast schon empörend, wie die Straßenbahn nach Thielenbruch von den Gladbacher Kommunalpolitikern ignoriert wird. Man bedenke: Der Fahrplan der Linien 3 und 18 ist noch nicht einmal in dem Gladbacher Fahrplan-Heft aufgeführt!!! Wer kann es der KVB verdenken, dass sie hier untätig bleibt, wenn die Gladbacher selbst sich als echte Penntüten erweisen…

  2. Bei aller Freude, ja fast schon Euphorie über den Ausbau der S 11 und damit dem verbesserten Anschluss nach Köln und vor allem an das Netz der Deutschen Bundesbahn, man darf dabei nicht vergessen, hier wird ein „Sackbahnhof“ bedient, Bergisch Gladbach ist End- und Startpunkt mit der S 11.
    Das wäre bei Ausbau der Straßenbahnlinien als Nahverkehrsverbindung von Thielenbruch (Linien 3 und 18) nach Gladbach-Mitte und dem Ausbau der Straßenbahnlinie vom Gladbacher Bahnhof über den Bahndamm bis nach Moitzfeld und alternativ mit der Linie 1 nach Köln oder über Gladbach zurück innerstädtisch (Bergisch Gladbach) sehr viel anders. Wahrscheinlich wäre mit der verkehrstechnischen Wirkung auf den modalen Shift und den Individualverkehr eine völlig andere Größenordnung erreichbar.
    Schließlich sind in Moitzfeld mit dem Technologiepark, mit Miltenyi Biotec und dem neuen Industriegebiet bald über 5000 Arbeitsplätze, abgesehen von dem möglichen „Umsteigeverkehr“ durch den Anschluss an die A 4 in Moitzfeld. Das die KVB ein solches Projekt, ein solcher Ausbau des schienengebundenen Nahverkehrs eher weniger interessiert, das ist bedauerlich, aber fast nachvollziehbar, Kölner Verkehrs Betriebe, da gibt es noch viel zu tun.
    Das eine zu tun, ohne das andere zu lassen, das wäre mal ein wegweisender Ansatz, auch für die Nutzung des Bahndamms. Schließlich war der schon immer Bahndamm, was absolut Konsens ist.