Einige Tage nach der offiziellen Teil-Eröffnung der Fußgängerzone für Radfahrer werden die ersten Schilder montiert. Noch ist einiges unklar. Aber nach einem Gespräch mit der Polizei können wir schon mal 19 Regeln nennen, die Sie als Radfahrer beachten sollten. 

Für eilige Leser: Wenn Sie mit dem Rad durch die Fußgängerzone wollen, müssen Sie von 10 bis 17 Uhr zwischen Markt und RheinBerg-Galerie absteigen; alles weitere finden Sie im Kleingedruckten.  

Am Samstag war die Fußgängerzone in einem symbolischen Festakt in Teilbereichen frei gegeben worden. Jetzt sind zwei städtische Mitarbeiter unterwegs, um die Beschilderung anzupassen. Am diesem Mittwoch war die Innenstadt gut gefüllt, Fußgänger, Radfahrer, PKW- und Lastwagenfahrer nutzen die Flaniermeile nach eigenem Gusto. Von Hinweisen auf die neuen Regeln weit und breit jedoch keine Spur. 

Dieser Übergangszustand dauert noch ein Weilchen, denn die Freigabe-Hinweise bleiben zugeklebt, bis alle Zugänge zur Fußgängerzone korrekt beschildert sind. Auf die Frage, wann das soweit sein soll, lieferte die Stadt bislang keine Antwort.

Daraus ergibt sich die erste Regel, 18 weitere folgen:

Regel 1: Im Verkehr gilt nur, was klar geregelt ist. In diesem Fall durch Schilder. Solange die neuen Schilder mit der Freigabe für Radler nicht hängen oder noch zugeklebt sind, gilt die alte Regelung: In der gesamten Fußgängerzone muss man sein Rad schieben.

Regel 2: Für den fließenden Verkehr – auch in der Fußgängerzone – ist das Ordnungsamt der Stadt nicht zuständig, sondern nur die Polizei. Der Bezirksdienst Innenstadt wird in den kommenden Wochen mit Fuß- und auch Radstreifen unterwegs sein, um die neuen Regeln zu erklären und durchzusetzen. „Die Kontrolle des Radverkehrs in der Fußgängerzone gehört aber nicht zu den zentralen Aufgaben der Kreispolizei”, stellt Sprecher Richard Barz im Gespräch klar.

Regel 3: Für Lieferfahrzeuge, die sich häufig auch nach 11 Uhr in der Fußgängerzone befinden, sind (wenn sie stehen) die Ordnungsbehörde und (wenn sie fahren) die Polizei zuständig. 

Regel 4: Wer verbotenerweise auf dem Rad fährt, wo er eigentlich schieben sollte, muss mit einer Ordnungsstrafe von 15 Euro rechnen. Die Polizei werde aber, so Barz, mit Augenmaß vorgehen. Sollte jemand besonders schnell oder rücksichtslos unterwegs sein, kann die Polizei das als „Rowdytum” einstufen, dann kann die Bußgeldstelle des Kreises auch eine Mehrfaches des Regelsatzes verhängen.

Regel 5: Wo man fahren darf ist offiziell nur „Schrittgeschwindigkeit” erlaubt, also vier bis etwa sechs Kilometer. Die Polizei wird jedoch keine Blitzanlagen aufstellen, sondern auch hier das Augenmaß anlegen. (Bitte beachten Sie dazu auch den Kommentar von Mike Gürgens.)

Regel 6: Rücksichtsvolles Verhalten ist angesagt; konkret sollen die Radfahrer nach Vorgabe der Stadt immer bremsbereit sein, einen Mindestabstand von einem Meter zu Fußgängern einhalten, bei Kindern, Senioren und Behinderten besonders vorsichtig sein und im Zweifel auch mal absteigen.

Regel 7: Der Blindenleitweg muss unbedingt freigehalten werden; auch von Lieferfahrzeugen oder den Stühlen der Straßencafés. Dabei handelt es sich übrigens um die weiße Regenrinne in der Mitte der Straße. Darauf weisen jetzt wieder Schilder hin, die zwischenzeitlich verschwunden waren. 

Regel 8: Der Kernbereich der Fußgängerzone, die Hauptstraße zwischen Markt und RheinBerg-Galerie, ist nur von 17 bis 10 Uhr für Radfahrer frei gegeben. An Tagen mit Veranstaltungen (verkaufsoffener Sonntag, Stadtfest, etc.) ist dieser Bereich komplett tabu.

Regel 9: Im Laurentiusviertel, von der Stadtbücherei bis zum Marktplatz, ist die Hauptstraße frei.

Regel 10: Die Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße ist zwischen Bahnhof und Hauptstraße frei. An der H&M-Ecke muss man zwischen 10 und 17 Uhr aber absteigen.

Regel 11: Die Poststraße zwischen Stationsstraße und dem Haupteingang der RheinBerg-Galerie ist immer frei, nur beim Stadtfest gibt es hier eine „bedingte Freigabe”, dafür wird eine „fliegende Beschilderung” eingerichtet.

Regel 12: Der Seitenarm der Hauptstraße von der Gohrsmühle Richtung Löwencenter ist immer frei, aber nur bis zum Eingang der Bergischen Krankenkasse.

Regel 13: Das Ende der Fußgängerzone entlang der RheinBerg-Galerie bis zum Driescher Kreisel ist immer frei. Es sei denn, es gibt eine Veranstaltung. Beim Stadtfest gibt es auch hier eine „bedingte Freigabe” mit „fliegender Beschilderung”. 

Regel 14: Die Busspur entlang des Konrad-Adenauer-Platzes vom Rathaus bis zum Turbokreistel ist für Radler offen – aber nur an Tagen ohne Veranstaltung.  

Regel 15: Der Marktplatz ist auch tagsüber frei gegeben, aber nicht an den Markttagen (mittwochs und samstags) und nicht an Veranstaltungstagen.  

Regel 16: Die schmale Gasse „Am Alten Pastorat” ist von der Freigabe komplett ausgenommen.

Regel 17: Für Pedelecs gelten die gleichen Regeln wie für konventionelle Fahrräder, die schnellen E-Bikes mit Versicherungsschild sind Mofas gleichgestellt und dürfen nicht in die Fußgängerzone.

Regel 18: Lastenräder mit zwei Rädern in einer Spur gelten als Fahrräder. Haben sie drei Räder, werden sie als als Lieferfahrzeuge eingestuft – und dürfen damit bis 11 Uhr in die ganze Fußgängerzone. 

Regel 19: Geübte Radfahrer, die schnell auf der Ost-West-Achse in der Innenstadt voran kommen wollen, sollten ohnehin auf die Schnabelsmühle und Gohrsmühle zwischen Forum und Driescher Kreisel fahren. Hier wird nach Pfingsten eine sogenannte Umweltspur eingerichtet, auf der nur Busse, Taxen und Radfahrer unterwegs sein dürfen (siehe Karte oben, blau eingezeichnet).

Die Spuren sind weitgehend fertig, an der Südseite der Schnabelsmühle fehlt aber noch die neue Asphaltdecke. Vor dem Zandersgelände ist die zweite Spur seit Monaten gesperrt, weil dort noch die Markierung fehlt. 

Probezeit: ein Jahr

Grundsätzlich gilt diese komplizierte Regelung, die auf Intervention der CDU gemeinsam mit der SPD im Stadtrat durchgesetzt worden war, zunächst für ein Jahr. Nach sechs und zwölf Monaten soll die Verwaltung dem Stadtrat mitteilen, wie das Experiment läuft. 

Die Kreispolizei ist zuversichtlich, dass nach diesem Probelauf die Fußgängerzone ganz geöffnet werden kann. Im gesamten Jahr 2017 habe es einen einzigen Unfall mit einer Verletzung gegeben, an der ein Radfahrer beteiligt war. Auch in anderen Städten sind die Fußgängerzonen bereits geöffnet worden, erste Studie sehen positive Ergebnisse. 

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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8 Kommentare

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  1. Es ist eine Fußgängerzone. Fahrradfahrer sollten dort schieben. Sonst müsste es Fuß und Fahrradweg heißen. Wir brauchen mehr Radwege.

  2. Berg.Gladbach und seine zum radeln freigegebene Fußgängerzone sind so etwas von Be-
    scheuert,daß ich nur hoffen kann das es keine Steigerung mehr gibt.Gestern sind meine
    Frau und ich mit dem Rad mal wieder nach Köln geradelt,unter anderm über die Hohenzoller-
    brücke,die Domplatte und weiter über die stark mit Fußgängern bestückten Straßen zum
    Kaufhof.Es waren hunderte von Menschen zugegen,es gab zu keiner Zeit auch nur annähernd eine brenzlige Situation in der es hätte gefährlich werden können für Fußgänger
    oder Radfahrer.Gerade auf der Hohenz.-Brücke ist es verdammt eng,aber es funktioniert.Nur
    in Gladbach scheint es vorab schon nicht zu klappen,weil man es vielleicht ja garnicht will,
    sondern alles kaputt redet und probt.Seit 1957 lebe ich in Bg. Gl.aber so eine Irrsinnige Re-
    gelung übertrifft bis dato alles durch den Rat je zu Stande gekommene Regelung.

  3. ich hätte da einen Vorschlag zu machen………. Die Stadt Bergisch Gladbach sollte für die besagte Fußgängerzone Gebrauchsanweisungen drucken, damit jeder der nicht aus Berg.Gl. kommt, der sogenannte „Ausländer“ bei Bedarf immer nachsehen kann wie er sich zu verhalten hat. Der Turbokreisel sollte gleich mit einbezogen werden. Dies kann dann für einige Cents verkauft werden, dann kommt gleichzeitig noch etwas ins Stadtsäckel.
    Der oder die diesen Schildbürgerstreich ausgedacht haben sind honoriert worden…………?

  4. Ja sind wir denn in Schilda?

    Diese neue Regelung bzw. die 18 formulierten Regeln erinnern an eine Anleitung für Bundeswehrsoldaten zur Ausübung ihres Dienstes, in der u.a. steht: Wenn beim Klettern in einem Baum die Spitze desselben erreicht ist, hat der Soldat unverzüglich die Kletterbewegungen zu beenden. Oder: Sinkt der Soldat bei einem Sprung ins Wasser auf 50 cm unter die Wasseroberfläche, hat er unverzüglich mit Schwimmbewegungen zu beginnen.

    Mich würde interessieren, wie lange man in der Verwaltung dieses Konstrukt hin- und hergeschoben hat, bis man zu diesem Ergebnis kam und was die GroKo dazu veranlasste, die Fußgängerzone zwischen 10 und 17 Uhr für Radfahrer zu sperren. Der Bevölkerung werden immer nur Beschlüsse mitgeteilt. Wie sie entstanden, geht den Bürger wohl nichts an. Würde man wie in anderen Städten Bürgerinnen und Bürger gerade bei Beschlüssen, die Bewohner so stark tangieren wie das hier behandelte, bei den Beratungen hinzuziehen, läge man mit Entscheidungen viel weniger daneben.

  5. Gab es nicht mal die Überlegung den Schilderwald in Deutschland zu reduzieren?Wenn ich mir die Fotos ansehe scheint das hier in der Fußgängerzone und dem angrenzenden Kirmeskreisel nicht zu funktionieren.
    Schade. So ein Schild kostet ja auch ein paar Euro. Wer profitiert eigentlich durch diese neue Öffnung? Das habe ich noch nicht so recht verstanden!

  6. Übrigens schreibt der Bußgeldkatalog 2018 bei ganz groben Fehlverhaltens folgendes vor:

    “Kinder, Hilfsbedürftige und Ältere gefährdet durch zu hohes Tempo, mangelnde Bremsbereitschaft oder ungenügenden Seitenabstand” 80€ sowie 1 Punkt in Flensburg.

    Das würde ich z.B. bei den rücksichtslosen Radfahrern gerade in der FGZ anwenden, damit eine Erziehung stattfindet.
    https://www.bussgeldkatalog.org/schrittgeschwindigkeit/

  7. Also das mit der Schrittgeschwindigkeit von 4-6 km/h ist nirgends festgeschrieben, auch wenn das Wort “Schritt” dieses in etwa vermuten lässt. Die StvO schreibt keine eindeutige Geschwindigkeit vor.
    Je nach Gericht wird anders entschieden. Es schwankt zwischen 5-7 km/h so beispielsweise die Oberlandesgerichte Brandenburg und Karlsruhe in den Jahren 2005/2004.
    Das Oberlandesgericht Hamm definiert die Schrittgeschwindigkeit zum Beispiel mit 10 km/h

    Das Amtsgericht Leipzig im Februar diesen Jahres einen Vorstoß gewagt, der bemerkenswert ist:
    Es definiert auch eine Geschwindigkeit von 15 km/h noch als Schrittgeschwindigkeit und kommt hier Radfahren entgegen, bei denen angenommen wird, dass ungeübte Radfahrende bei einem Tempo von 7 km/h gar nicht in der Lage seien, stabil vorwärts zu kommen, sondern die Gefahr bestünde, umzukippen.
    Wenn man jetzt in unsere Busspur, die ebenfalls Fußgängerzone ist, die Busse beachtet fragt man sich schon wie schnell Schrittgeschwindigkeit eigentlich sein soll.

    Bei Kraftfahrzeugen sieht man schnell drüber hinweg, wenn diese um die 15 -20 km/h fahren, da sich ja sonst die Tachonadel kaum bis garnicht bewegt. Bei Radfahrern gilt das dann schon sehr schnell als gefühltes Rasen.
    Ohne eine eindeutige Messung, wenn man nicht gerade Menschen bedrängt und unnötig gefährdet bzw. in Gefahr bringt ( ich meine angemessene Geschwindigkeiten zwischen 7-12km/h), würde ich mich persönlich auf kein Bußgeld einlassen. Dann wäre nämlich so gut wie jeder Busfahrer dran, die durchaus weit mehr in der Fußgängerzone fahren.