Im Bahnhof Bergisch Gladbach ist die S 11  inzwischen ohne Stufe zugänglich. Aber selbst am neuen Bahnsteig gibt es Nachbesserungsbedarf.

Beim zweigleisigen Ausbau der S 11 werden auch viele Bahnhöfe und Haltepunkte umgebaut. Damit auch Menschen mit Behinderung den Nahverkehr ohne Einschränkungen nutzen können ist bei der Planung auf Barrierefreiheit zu achten.

Unser Autor hat sich den Ist-Zustand und entlang der S11-Strecke zwischen Bergisch Gladbach und Köln und die Umbau-Pläne genau angeschaut.

Eine Bestandsaufnahme:

S-Bahnhof Bergisch Gladbach

Beim gerade im letzten Jahr „barrierefrei“ ausgebauten S-Bahnsteig fehlt beim Blindenleitweg an der Bahnsteigkante ein Abzweig zur Dynamischen Fahrgastinformation (DFI) für den Busbahnhof und den dort vorhandenen Sprachtaster.

Der geplante Zugang der zusätzlichen S-Bahnsteige (beim einem Ausbau auf bis zu drei Bahnsteigen) nur über den Querbahnsteig wird als nicht ausreichend angesehen. Bei den neuen rund 170 m langen Bahnsteigen ist (nicht nur) für den Übergang zum benachbarten Busbahnhof am anderen Ende der Bahnsteige eine gut ausgebaute, angstfreie Unterführung mit Aufzügen unerlässlich.

S-Bahnhof Bergisch Gladbach-Duckterath

Es fehlt bisher ein Blindenleitweg auf dem vorhandenen S-Bahnsteig.

Eine geplante Fußgängerrampe für den barrierefreien Zugang vom P+R-Parkplatz zum neuen Bahnsteig stellt bei der Höhe des Bahndamms und der dadurch erforderliche Länge der Rampe keine angemessene Lösung dar. Auch zu diesem Bahnsteig sollte ein Aufzug die Barrierefreiheit herstellen.

S-Bahnhof Köln-Dellbrück

Der Bahnsteig 1 muss für den ebenerdigen Einstieg in die Fahrzeuge auf 96 cm angehoben werden.

Beim Bahnsteig 2/3 muss die vorhandene Anhebung in der Nähe des Aufzugs auf den gesamten Bahnsteig ausgebaut werden.

Es fehlt das Blindenleitsystem auf den Zugängen und Bahnsteigen.

Auf dem kombinierten Bahnsteig 1 / Bussteig fehlt eine DFI mit Sprachtaster für die Anschlusssicherung zwischen S-Bahn und den Buslinien 154 (Kölner Verkehrs-Betriebe – KVB) und 435 / 436 (Kraftverkehr Wupper-Sieg – Wupsi).

S-Bahnhof Köln-Holweide

Die Bahnsteige müssen für den ebenerdigen Einstieg in die Fahrzeuge auf 96 cm angehoben werden.

Es fehlt das Blindenleitsystem auf den Zugängen und Bahnsteigen.

Der im Zuge der Buschfeldstraße auf der Westseite die S-Bahn unterquerende öffentliche Weg ist durch Reduzieren der Neigungen und Einrichten von Ruhezonen barrierefrei auszubauen.

Nur 96 cm hohe Bahnsteige erlauben auch mobilitätsbehinderten Reisenden einen schnellen Einstieg in die S-Bahn – ohne zeitaufwändiges Auslegen von mobilen Rampen. Vor dem Hintergrund des anspruchsvollen Fahrplans der S-Bahnen ist auch die Bahnsteig-Infrastruktur so zu gestalten, dass für den pünktlichen Zulauf auf die Stammstrecke in Köln kürzestmögliche Haltezeiten erreicht werden. Damit stehen die Bahnsteigerhöhungen in Dellbrück und Holweide in unmittelbarem Zusammenhang mit der Ertüchtigung der Strecke der S 11 für den 10-Minuten-Takt.

S-Bahnhof Köln-Mülheim

Beim Bahnhof Köln-Mülheim ist im Rahmen des landesweiten Ausbauprogramms ein barrierefreier Ausbau vorgesehen. Auf den Regionalverkehrsbahnsteigen sind Aufzüge einzubauen. Es ist ein gesamthaftes Blindenleitsystem auf Zuwegungen und Bahnsteigen herzustellen.

S-Bahnhof Köln-Buchforst

Es fehlt das Blindenleitsystem auf den Zugängen und dem Bahnsteig.

S-Bahnhof Köln-Kalk West

Die geplante Rampe von der Straße des 17. Juni zur Personenunterführung sowie der Aufzug zum Bahnsteig erscheinen als angemessene Lösung.

S-Bahnhof Köln Messe/Deutz

Die geplante Herstellung der Barrierefreiheit nur durch Aufzüge am östlichen Ende der Bahnsteige im städtischen Personentunnel, der zur U-Bahn führt, ist völlig unzureichend. Gerade für mobilitätsbehinderte Umsteiger vom Fernverkehr auf den Gleisen 11/12 würde dies im Extremfall bedeuten, dass sie vom nördlichen Ende die gesamte Länge der Bahnsteige 11/12 mehrere hundert Meter, dann durch den Tunnel und auf die S-Bahnsteige laufen oder fahren müssten.

Dem entgegen steht die „Verordnung (EU) Nr. 1300/2014 der Kommission vom 18. November 2014 über die technischen Spezifikationen für die Interoperabilität bezüglich der Zugänglichkeit des Eisenbahnsystems der Union für Menschen mit Behinderungen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität“ (TSI PRM), die in Kapitel 4.2.1.2 „Hindernisfreie Wege“ unter Absatz 2: „Die Länge der hindernisfreien Wege muss der kürzesten praktisch umsetzbaren Entfernung entsprechen.“ fordert.

Dies erfordert, dass der vorhandene S-Bahnsteig 9/10 um 1,60 m verbreitert werden muss, um neben der Treppe zum Personentunnel/Bahnhofsgebäude einen Aufzug einzubauen. So würde auch das Problem gelöst, dass der heutige Bahnsteig in Spitzenzeiten die Personen-Kapazitäten nicht aufnehmen kann.

Entsprechend müssten auch die hinzukommenden S-Bahn-Gleise so trassiert werden, dass neben dem neu zu bauenden Treppenzugang zu den Gleisen 11 und 12 ein Aufzug zum Personentunnel/Bahnhofsgebäude vorgesehen werden kann.

Für einen barrierefreien nördlichen Zugang der Fernbahn-Gleise 11/12 muss an der vorhandenen Unterführung der Gleise am Auenweg auf Gleis 11 ein Aufzug eingebaut werden für Gleis, Straße und Tunnel. Der Tunnel kann dann durch eine Rampe angeschlossen werden an den Weg, der heute von Gleis 12 zum städtischen Personentunnel / Haupteingang der Messe ebenerdig führt.

Da in Köln Messe/Deutz neben den Umsteigern zum Fern- und Regionalverkehr sowie zur Stadtbahn künftig auch die „Über-Eck-Umsteiger“ innerhalb des S-Bahn-Systems den Bahnsteig wechseln müssen, werden die Aufzüge erheblich stärker belastet als heute. Hierbei sind vor allem auch die Reisenden von und zum Flughafen zu berücksichtigen, die teilweise viel und/oder großes Gepäck mit sich führen.
Köln Hbf.

Auf dem vorhandenen S-Bahnsteig 10/11 fehlt das Blindenleitsystem.

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Friedhelm Bihn

ist Regionalbeauftragter des VCD-Regionalverbandes Köln für Bergisch Gladbach und RheinBerg, Vorsitzender des Inklusionsbeirates Bergisch Gladbach und des Beirats für die Belange von Menschen mit Behinderungen des Rheinisch-Bergischen Kreises

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