Eine Simulation zeigt den Bahnhof Gladbach in der Variante 1 mit vier Bahnsteigkanten. Die weiße Fläche oben-links soll das neue Stadthaus aufnehmen. Unten rechts das Gütergleis

Beim S-Bahn-Ausbau konzentriert sich das Interesse der Bergisch Gladbacher auf den eigenen Bahnhof. Das zeigt sich beim Online-Dialog, aber auch bei der gut besuchten Infomesse im Löwen. Dabei gibt es einen breiten Konsens, ein paar Streitthemen und ganz neue Wünsche.

Für die Projektbeteiligten bei der Deutschen Bahn und dem NVR sowie ihren Partnern war die Infomesse zum Ausbau des S-Bahnknoten Köln im Bergischen Löwen zwar eine Wiederholung, aber auch Höhepunkt der frühen Beteiligung. Deutlich mehr Bürger als bei der ersten Veranstaltung in Mülheim kamen ins Bürgerhaus, informierten sich über den Stand der Vorplanung, gaben Kommentare ab und klebten bunte Punkte auf. 

Vertreter von Stadt, NVR, Bahn, Kreis und Land bei der Infomesse im Bergischen Löwen

„Es gibt nur wenige Städte in der Größenordnung von 115.000 Einwohnern ohne ICE-Anschluss – und Bergisch Gladbach hat noch nicht einmal ein zweites Gleis”, sagte NVR-Geschäftsführer Norbert Reinkober: „Die Straßen und Bahnen sind brechend voll, das ist doch kein Zustand!” Niemand widersprach.

Beim Votum mit roten und grünen Punkten bestätigte sich ein Stimmungsbild, das bereits beim parallel laufenden Online-Dialog zu beobachten war: es gibt eine überwältigende Zustimmung für die Verdichtung des S-Bahn-Taktes; das Interesse konzentriert sich auf die konkrete Umsetzung der Maßnahmen vor allem beim Gladbacher Bahnhof und auf die Streckenführung in Thielenbruch. 

Meinungen zur Planung des Bahnhofs in Gladbach. 

Kommentare aus dem Online-Dialog wurden ausgedruckt, mit grün signalisierten Besucher Zustimmung, mit rot Kritik.

35 Kommentare gibt es derzeit im Onlinedialog (der übrigens bis Ende Mai verlängert wurde) zum Ausbau des Kölner Hauptbahnhofs. 42 Kommentare befassen sich mit dem Gladbacher Bahnhof, 52 sind es zum zweigleisigen Ausbau in Thielenbruch, der von Umweltschützern als heikel eingestuft wird.

Immerhin 22 Kommentare beschäftigen sich mit der Haltestelle Duckterath, bei der es auch um die künftige Führung der Buchholzstraße gehen wird – und die ein Kommentator gerne in „Bergisch Gladbach-Hand” umbenennen möchte. 

Auch am Infostand zum Gladbacher Bahnhof poppte eine populäre Forderung auf: ein Schnellzug, der einmal pro Stunde zum Hauptbahnhof durchfährt. Viele weitere Stellungnahmen beschäftigten sich mit der noch lange nicht gelösten Frage, ob Gladbach zwei, drei oder gar vier Bahnsteigkanten benötigt.

Und auch die Verkehrslage in der Innenstadt, die mit dem Neubau des Stadthauses einen weiteren Impuls erhält, ist ein beliebter Kritikpunkt.

Am Kopf der Gleise wird das neue Stadthaus gebaut; daraus ergeben sich viele Punkte, die Bürgermeister Lutz Urbach und Projektleiter Frank Wilhelm mit der Bahn klären müssen

Auf Unverständnis stößt die Notwendigkeit, nach wie vor ein Gütergleis für Zanders einzuplanen, obwohl schon lange klar ist, dass die Papierfabrik keine Güterzüge mehr zu Gesicht bekommen wird. 

Viele Bürger kamen zur Infomesse in den Bergischen Löwen

Weitere Beiträge zum Ausbau der S-Bahn:

Am Bahnhof bietet sich „Jahrhundert-Chance” für Gladbach

CDU: S11-Projekt ist wichtiger Beitrag zum Umweltschutz

„10-Minuten-Takt der S 11 mit einem Gleis möglich”

Thielenbruch und Gladbach: Neue Details zum 2. Gleis

Bürgerbeteiligung zum S11-Ausbau startet

So wird die S 11 ausgebaut, so reden Sie mit

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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5 Kommentare

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  1. Eine sehr interessante und informative Veranstaltungin Bergisch Gladbach!
    Leider habe ich auf dieser Veranstaltung die eigentlich “betroffene” Zielgruppe vermisst. Die Jugend! Was möchte die Jugend, die heutigen 16-20 jährigen, die die eigentlichen Nutznießer dieser Planung sein werden. Ich habe ein interessiertes junges Mädchen mit ihrem Vater gesehen.
    Wir haben diskutiert…gesprochen…Ideen eingebracht. ..grüne und rote Punkte geklebt …aber sind es auch die Gedanken der wirklichen Zielgruppe?

    Ich rege an, vielleicht die Veranstaltung an Schulen (vielleicht in kleinerem Format) an den Projekttagen der Schulen durchzuführen. ..um dort Meinungen und Gedanken zu hören und einzufangen ..nämlich von den Mitbürgern, für die wir alle dort waren…

  2. Bei aller Freude über diesen Ausbau der S 11 und damit dem verbesserten Anschluss nach Köln und vor allem an das Netz der Deutschen Bahn, aber auch die geplante Verbesserung der Taktfrequenz, man sollte dabei nicht vergessen, hier wird ein „Sackbahnhof“ bedient, Bergisch Gladbach ist End- und Startpunkt mit der S 11.
    Das wäre bei Ausbau der Straßenbahnlinien als Nahverkehrsverbindung von Thielenbruch (Linien 3 und 18) nach Gladbach-Mitte und dem Ausbau der Straßenbahnlinie vom Gladbacher Bahnhof über den Bahndamm bis nach Moitzfeld und alternativ mit der Linie 1 nach Köln oder über Gladbach zurück innerstädtisch (Bergisch Gladbach) sehr viel anders. Wahrscheinlich wäre mit der verkehrstechnischen Wirkung auf den modalen Shift und den Individualverkehr eine völlig andere Größenordnung erreichbar.
    Schließlich sind in Moitzfeld mit dem Technologiepark, mit Miltenyi Biotec und dem neuen Industriegebiet bald über 5000 Arbeitsplätze, abgesehen von dem möglichen „Umsteigeverkehr“ durch den Anschluss an die A 4 in Moitzfeld.

    Das die KVB, das Köln ein solches Projekt, ein solcher Ausbau des schienengebundenen Nahverkehrs eher weniger interessiert, das ist bedauerlich, aber fast nachvollziehbar, Kölner Verkehrs Betriebe eben, da gibt es noch viel zu tun.
    Das eine zu tun, ohne das andere zu lassen, das wäre mal ein wegweisender und strategischer Ansatz bei den bekannten Planungs- und Umsetzungszeiträumen, auch für die Nutzung des Bahndamms. Schließlich war der schon immer Bahndamm, da käme es fast einer Wiederinbetriebnahme gleich.

  3. Anstatt einer Verkürzung des S-Bahn Taktes könnte man auch eine Straßenbahnlinie vom Bhf über den Bahndamm an die Linie 1 anschließen.

    Diese fährt dann auch alle 20 Min wodurch man den 10 Min Takt nach Köln gewährleisten kann.

    Da morgens bereits alle 4/6 Minuten eine Bahn ab Refrath fährt, könnte man diese evtl. bis GL verlängern, wodurch Bensberg (alle 10 Min und später bis Herkenrath) nicht benachteiligt würde.

  4. Die Bilder zeigen es, die Intuition sagt es uns, eine Zweigleisigkeit ist wohl Voraussetzung dafür, dass man sich den 10-Minutentakt funktionsfähig vorstellen kann. Das muss unter bestmöglicher Wahrung naturschützender Belange geschehen, darf aber in keinem Fall den Ausbau behindern.
    Der Transportsektor hat bisher noch keinen Beitrag zur Lösung der Klimaproblematik geleistetet und auch das Elektroauto braucht Ressourcen und wird an dem unterträglichen Flächenbedarf nichts ändern (s.a. https://wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/4268/). Daher ist es so wichtig, dass der S-Bahn Ausbau schnellstmöglich kommt und vielleicht sind wir eines Tages sogar froh, wenn wir in der Rush-Hour noch öfter als alle 10 Minuten eine S-Bahn fahren lassen können, weil kaum jemand mehr mit dem Auto nach Köln kann oder will….
    Die Voraussetzungen werden jetzt geschaffen und sind dann für Jahrzehnte quasi festgeschrieben. Lasst uns diese Chance nutzen !!!

  5. Es ist schön, dass endlich Bewegung in das 20Minutentakt-Problem kommt. Die Stadt hat viel zu lange vergeblich auf Möglichkeiten geschielt, den Straßenverkehr zu optimieren (u.a. mit einer Straße über den alten Bahndamm) und damit der Bevölkerung Sand in die Augen gestreut. Nachdem sich alle Bürgerinitiativen mit den beteiligten Bürgerinnen und Bürgern gegen den FNP-E. über die lebensgefährdenden Belastungen durch den Straßenverkehr seit Jahren in Stellung gebracht haben, scheinen sich nun auch die Entscheider in den Machtzentren zu rühren. Wenn man den ganzen runden Tischen, Regionalgesprächen, Planvorstellungen und Ankündigungen der BB glauben darf, wird in BG etwas geschehen. Über zeitliche Rahmen lässt man sich natürlich nicht aus, ist man ja durch die Marktgalerie in Bensberg ziemlich gebranntes Kind. Hoffen wir das Beste, lieber Leser.

    Was nun völlig fremdartig erscheint ist die Aufnahme eines Gütergleises im Gladbacher Bahnhof, und das auch noch mit der Begründung “Zanders”! Von der Firma hört man sehr unterschiedliche Zukunftsaussichten und Prognosen. Sie selbst verzichtet schon lange auf den Güterzuganschluss auf eigenem Gelände, weil die produzierten Mengen das nicht mehr lohnen. Außerdem weiß scheinbar niemand, was mit dem Unternehmen geschieht, wie heute der KSTA berichtet. Solche Zeichen lassen kaum noch hoffen für die hiesigen Arbeitsplätze, wenngleich die, wenn irgend möglich, erhalten bleiben sollten.
    Trotzdem scheint es unsinnig, ein Gütergleis in den neuen Bahnhof zu legen, das möglicherweise nie genutzt wird.