Die Gleise im Hauptbahnhof, in Deutz sowie zwischen Dellbrück und Gladbach sind die Engpässe

Der Ausbau der S 11 mit einem zweiten Gleis und einem 10-Minuten-Takt wird konkreter – doch bevor es zu konkret wird, sollen die Bürger und andere Beteiligte einbezogen werden. Bei einer „Akteurskonferenz” stellten Bahn, Land und NVR jetzt den Planungsstand und Eckpunkte für eine Bürgerbeteiligung vor. 

Der S-Bahn-Ausbau im Knoten Köln ist nicht nur ein Modellprojekt im „Bündnis für Mobilität NRW”, er soll auch neue Formen der Öffentlichkeitsbeteiligung erproben. Den Auftakt bildete am Donnerstag eine sogenannte Akteurskonferenz in Deutz. Dabei hoben alle Beteiligten die Bedeutung einer frühen Bürgerbeteiligung hervor – um Probleme im Vorfeld zu erkennen, auszuräumen und so Klagen zu verhindern. 

Dabei befinden sich die Planer in der ungewöhnlichen Lage, dass der Ausbau der S 11 von buchstäblich allen Akteuren der Region für dringend notwendig erachtet wird und auch von den Naturschutzverbänden stark unterstützt wird. Die Bedeutung und die Überlastung des S-Bahnnetzes ist allen bewusst; allein 2016 wuchs das Fahrgastaufkommen um 7,6 Prozent. 

Die S 11 nach Bergisch Gladbach hat bei den Ausbauplänen eine besondere Rolle

„15 Maßnahmen gegen den Kollaps”

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst, Norbert Reinkober, Geschäftsführer des Nahverkehr Rheinland (NVR), und der NRW-Konzernbevollmächtige der Deutschen Bahn, Werner Lübberink, stellten die Bedeutung des Projektes heraus.

Langfristiges Ziel der „15 Maßnahmen gegen den Kollaps” ist es, den Großraum Köln bis 2030 mit einem leistungsfähigen S-Bahn-System nach dem Vorbild von München oder Berlin auszustatten, sagte Wüst. Dazu gehört auch der Rhein-Ruhr-Express (RRX) und die Umwandlung der Regionalbahn RB 38 (Erftbahn) in eine S-Bahn.

Jetzt geht es aber zunächst um die Ertüchtigung des Netzes in Köln und nach Bergisch Gladbach. Insgesamt sollen aus jetzt sechs zehn S-Bahnlinien werden, auf der Stammtstrecke zwischen Hansaring und Messen sollen 24 statt 18 Züge pro Stunde fahren. Und zwischen Köln und Dellbrück nicht  mehr drei, sondern sechs pro Stunde.

Wichtiger Baustein: Ausbau der Strecke nach Bergisch Gladbach

Die erste Maßnahme überhaupt ist der zweigleisige Ausbau der S 11 zwischen Dellbrück und Bergisch Gladbach für einen 10-Minuten-Takt. In diesem Zuge sollen auch die Bahnhöfen Messe/Deutz, Hauptbahnhof, Duckterath und Bergisch Gladbach um je ein Gleis erweitert werden.

Kalk West erhält einen neuen Haltepunkt zur Erschließung des Stadtquartiers auf dem ehemaligen Gelände der „Chemischen Fabrik Kalk”.

In Bergisch Gladbach wird auch die Überführung der Buchholzstraße ausgebaut. Der Bau einer gigantischen Unterführung an der Tannenbergstraße ist inzwischen vom Tisch.

Der Kopfbahnhof in Bergisch Gladbach ist frisch renoviert, hat aber nur ein Gleis und einen 20-Minuten-Takt.

Thielenbruch: Ist ein 2. Gleis überhaupt überall notwendig?

In den Plänen steht auch die Erweiterung der gesamten Strecke zwischen Dellbrück und Bergisch Gladbach um ein zweites Gleis. Das ist nach Einschätzung der Beteiligten eines der konfliktträchtigsten Teilprojekte, weil davon das Naturschutzgebiet „Thielenbruch und Thurner Wald“ betroffen ist, das mit Kalkflachmoor, Pfeifengraswiesen sowie Feucht- und Auenwäldern einen wichtigen Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere bietet. 

Allerdings wird seit einiger Zeit unter Experten diskutiert, ob es für den 10-Minuten-Takt wirklich notwendig ist, die komplette Strecke mit einem zweiten Gleis zu versehen – oder ob der Ausbau zwischen Duckterath und dem S-Bahnhof in Gladbach nicht ausreichen könnte. Diese Perspektive soll jetzt konkret geprüft werden, sagte Bernd Köppel, der bei der DB Netz den Bereich Großprojekte West leitet. 

Die Eingleisigkeit zwischen Dellbrück und Gladbach sorgt immer wieder für Verspätungen

Der Zeitplan bleibt vage – aber Ende 2023 soll rund um Köln alles fertig sein

Schwer tun sich die Planer nach wie vor mit der Nennung fester Termine und Fristen. Mehrfach fiel bei der Akteurskonferenz jedoch das Datum Dezember 2023 – dann soll die Erweiterung der S-Bahn rund um Köln abgeschlossen sein. Die frühe Bürgerbeteiligung beginnt Anfang 2018.

Im September hatten NRW-Verkehrsministerium, Zweckverband Nahverkehr Rheinland, DB Netze AG und DB Station&Service AG eine Planungsvereinbarung zum Ausbau der S 11 und der S-Bahn-Stammstrecke unterzeichnet.  Jetzt läuft die Vorplanung, dabei werden Entwürfe für die Streckenführung und die Gestaltung der Bahnhöfe erstellt. 

Ganz allgemein heißt es, dass Ministerium und NVR jetzt „die planerischen Grundlagen ermittelt und Planungsvarianten” prüfen. Ein Schaubild bei der Akteurskonferenz verriet jedoch, dass in der ersten Hälfte 2018 eine Vorzugsvariante identifiziert und in der zweiten Jahreshälfte konkretisiert werden soll. 

Die einzelnen Schritten der frühen Bürgerbeteiligung

Parallel dazu – und damit weit vor dem formalen Planfeststellungsverfahren – sollen die Bürger und die Vertreter unterschiedlichster Interessengruppen informiert und beteiligt werden. 

Dabei sind folgende Schritte geplant:

  • Die Ergebnisse der Vorplanung werden im Frühjahr 2018 der Öffentlichkeit vorgestellt.
  • Fachliche Eckpunkte werden mit den beteiligten Akteuren in regionalen Arbeitskreisen und Akteurswerkstätten diskutiert.
  • Für die Bürger finden streckenbezogen Info-Messen statt. Dort können sich alle Interessierten über die Planungen informieren und mit Fachleuten bestehende Fragen klären und Bedenken, Kritik oder Unterstützung äußern.
  • Wo Probleme auftauchen können ad-hoc-Arbeitsgruppen einberufen und zusätzliche Gutachten beauftragt werden. 
  • Die Anregungen der Bürger und die Hinweise der regionalen Interessenvertreter sollen „in den Planungsprozess einfließen”.
  • Zur allgemeinen Information gibt es eine eigene Website

Alle diese Maßnahmen laufen vor der gesetzlich vorgeschriebenen Bürgerbeteiligung im Rahmen des Planfeststellungsverfahren, sollen aber damit verzahnt werden. 

„Wir wollen ihre Expertise nutzen, mögliche Konflikte erkennen und lösen und so den Planungsprozess qualifizieren“, betonte Minister Wüst. Ein Anspruch, den er schon oft gehört habe, sagte Josef Tumbrink, Vorsitzender des Naturschutzbundes NRW. Aber beim S-Bahnausbau erlebe er zum ersten Mal, das er auch tatsächlich umgesetzt werde. 

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Gut, dass sich endlich etwas bewegt – der 10-Minuten-Takt nach Gladbach ist überfällig! Wie das rund um den Kölner Hauptbahnhof funktionieren soll, ist mir allerdings noch nicht ganz klar.

    Beim zweigleisigen Ausbau der S-Bahn-Strecke dürfen Radfahrende nicht vergessen werden: Zwar wird ein Radschnellweg nach Köln geplant, aber dieser würde höchstwahrscheinlich erst am Refrather Weg (Finanzamt) beginnen. Allein die Strecke aus der Innenstadt bis dorthin ist aber zur Hauptverkehrszeit ein einziger Albtraum, und daran würde sich nichts ändern!

    Wenn ohnehin an der S-Bahn-Strecke gebaut wird – warum nicht gleichzeitig einen Radweg daneben bauen, zumindest vom S-Bahnhof bis zur Stadtgrenze? Das würde Radfahrenden in Richtung Köln sehr viel Zeit und Nerven sparen, und es würde helfen, Konflikte und damit Unfälle zwischen Autos und Fahrrädern zu reduzieren!