Bernd Zimmermann stellt seine Ideen vor. Fotos: Helga Niekammer

Was anstelle der alten Stadthäuser in der Gladbacher Innenstadt entstehen soll, das war beim Stammtisch des Bürgerportals im Wirtshaus Bock eine Frage der Generationen. Das größte Reizthema: ein Wegfall der Bushaltestelle „Markt“. Doch ein Vorschlag aus dem Publikum könnte dieses Problem lösen.

„Haben Sie sich schon einmal auf Google Maps den Konrad-Adenauer-Platz von oben angeguckt? Kaum eine Stadt hat so einen schönen, runden Marktplatz!“, sagte Bernd Zimmermann begeistert zu den TeilnehmerInnen des Bürgerportal-Stammtischs. Und fügte an: „Wenn wir ihn nicht bald beleben, verdorrt er.“

Bernd Zimmermann ist der Architekt, der die Idee eines Kinos für Bergisch Gladbach entwickelt hat. Im Wirtshaus am Bock stellte er den gut 40 Gästen seine Pläne vor und beteiligte sich zusammen mit Bürgermeister Lutz Urbach und Burkhard Greßler von der städtischen Verkehrsplanung an der anschließenden, regen Diskussion.

Zur Erinnerung: Ausgangspunkt der Kino-Idee ist der bevorstehende Abriss der alten Stadthäuser, die Bediensteten der Stadt soll ja in ein neues Gebäude am Bahnhof ziehen. Zimmermanns Plan beinhaltet verschiedene Aspekte (hier noch einmal zum ausführlichen Nachlesen):

  • ein Kino für insgesamt 900 Besucher (im Plan unten links hellblau unterlegt)
  • ein angeschlossenes Parkhaus mit 200 (oder mehr) Stellplätzen
  • Wegfall der Busspur am Konrad-Adenauer-Platz und der Haltestelle „Markt“, dafür zwei neue Haltestellen am Turbokreisel
  • ein Marktcafé am Rande des Zanders-Parks sowie die Ausweitung der Außengastronomie von Bock, Kamps u.a.

Scharf diskutiert: die Umleitung der Busse

Der Wegfall der Bushaltestelle „Markt“ scheint für alte und behinderte Menschen ein echtes Problem darzustellen. Empörung, vielleicht auch Verzweiflung ließen sich aus den Redebeiträgen mancher älterer Zuschauer heraushören. Die Angst: Wie kommen wir zum Markt?

Andere, ebenfalls ältere Zuschauer argumentierten mit dem Mobilitätskonzept. Die Verlegung der Haltestelle bestrafe die Bus-Nutzer und widerspreche dem Plan, den ÖPNV zu stärken.

Bernd Zimmermann winkte ab. Er sei selber Verfechter der Bushaltestelle am Markt gewesen, aber: „Die Stationsstraße ist schon heute ein Albtraum, und wenn die Busse in ein paar Jahren im 10-Minuten-Takt fahren, dann wird der Markt zum zweiten Busbahnhof. Das geht nicht.“

Einige Zuschauer jüngeren bis mittleren Alters taten sich schwer, das Problem der Älteren zu verstehen. Die geplante neue Bushaltestelle am Turbokreisel sei nur 70, vielleicht 100 Meter entfernt; so viel laufe man doch auch vom Marktplatz zur Rhein-Berg-Galerie.

Hier zeigte sich ein klarer Interessenskonflikt zwischen den Generationen: Die einen denken an ihren Fußweg zum Markt, die anderen vielleicht schon ans Feierabend-Bier auf dem neuen Marktplatz.

Neue Idee: ein (E-)Shuttle für Senioren

Doch warum müssen sich die beiden Visionen ausschließen? Eine Zuschauerin mittleren Alters erinnerte daran, dass sich die Mobilität in den paar Jahren bis zur Umsetzung der Idee stark geändert haben wird, vom Elektromobil bis zum autonomen Fahren. „Wie wäre ein lautlos dahingleitender E-Shuttle für ältere und Gehbehinderte vom Busbahnhof zum Marktplatz?“

Ob nun als futuristischer Elektro-Express oder einfacher Shuttle: Die Idee eines Zubringerbusses fand Bürgermeister Lutz Urbach gut. Mit dem Stadthüpfer in Bensberg gebe es ein solches Konzept bereits. Tatsächlich verebbten damit auch die Klagen auf Seiten der älteren Gäste.

Für die Jüngeren: Aufwertung des Marktplatzes

„Ich werde selber in fünf Jahren 80“, sagte Zimmermann, „aber wir müssen auch an das mittlere Alter und die Jugend denken. Sonst fahren die bald im 10-Minuten-Takt mit der S-Bahn nach Köln und wir Alten sitzen hier.“

Tatsächlich waren es eher die jüngeren Zuschauerinnen und Zuschauer, die sich von Zimmermanns Vision des Marktplatzes begeistert zeigten: der Platz als Einheit, ohne Busse, mit einer gepflasterten Straße vor dem Rathaus – die allerdings für den Verkehr frei bleibt – und vier, fünf gastronomischen Außenangeboten, vom Bock über die Bäckerei Kamps bis hin zu einem neuen, verglasten Marktcafé mit Blick auf dem Platz sowie die Villa Zanders.

„Wir müssen die Jungen in die Stadt holen, die bringen schließlich auch das Geld“, sagte ein Mann, und eine junge Frau ergänzte: „Es ist dringend notwendig, dass wir hier wieder zusammenkommen.“

Aber: Braucht es dafür ein Kino?

Mehrere ZuschauerInnen (überwiegend mittleren Alters) betonten, dass sie der Marktplatz als Gesamtkonzept überzeuge, nicht aber das Kino. „Ihre Visualisierung ist ein Blendwerk“, sagte eine Frau zu Zimmermann, „in der Dämmerung, schön beleuchtet, sieht das Kino vielleicht idyllisch aus, aber tagsüber ist es viel zu hoch und verschließt die Fußgängerzone.“ Einige Gäste applaudierten.

„Scheußlich, dieser Glasbau“, sagte eine ältere Zuschauerin in den Raum.

Zimmermann nahm die Einwände mit einem Schulterzucken hin: „So macht man Kinos heute; die Idee ist, dass man tags wie nachts von drinnen nach draußen und von draußen nach drinnen gucken kann.“

Er nahm aber eine Anregung seiner Kritikerin auf: Wenn der Boden auf dem Grundstück der alten Stadthäuser gut sei, könne man das Parkhaus unter die Erde legen anstatt als zusätzliches Geschoss auf das Kino. Dann wäre das Gebäude die – für Kinos üblichen – 10,50 Meter hoch und könne auch noch zehn Meter weiter nach Westen gesetzt werden.

Der Abstand zur Villa Zanders würde dann gut 35 Meter statt der heutigen 18 betragen und mit der geplanten Piazza einen offenen Eintritt in die Fußgängerzone schaffen.

Statt Kino: Kulturzentrum, Altenwohnungen, Entertainment?

Eine Zuschauerin schlug vor, anstelle des Kinos ein offenes Kulturzentrum zu errichten, das das eher anspruchsvolle Angebot der Villa Zanders ergänzt.

Auch Kino sei Kultur, wandte eine andere Zuschauerin ein, gerade für die Jüngeren. „Das Kino ist für mich der Kernpunkt von Herrn Zimmermanns Plan, denn das bringt erst die Menschen in die Stadt“, glaubt sie. Ohne diesen Zulauf werde auch die Gastronomie auf dem Marktplatz nicht funktionieren.

Und: Ein multifunktionales Kino, wie es Zimmermann beschrieben habe – mit Bistros auf mehreren Ebenen, Public-Viewing-Events, Opern-Übertragungen und Konzerten – sei erst recht ein Kulturzentrum: „Da wird die große Welt nach Gladbach geholt!“

Die Idee des multifunktionalen Kino- und Kulturzentrums griffen noch weitere Zuschauer auf. Eine junge Frau schlug vor, das Kino um andere Einrichtungen zu ergänzen, sodass man sich in dem Komplex zwischen verschiedenen Angeboten bewegen könne. Ein konkreter Vorschlag folgte sofort: eine Bowling-Bahn.

Ganz andere Ideen, wie sie in Facebook diskutiert wurden – darunter ein Park mit Cafés und ein Allwetter-Spielplatz mit Gastronomie – kamen während des Stammtischs nicht auf.

Dem eingangs geäußerten Interesse der Senioren an altengerechten Wohnungen im Zentrum kam Zimmermann mit zwei alternativen Standorten entgegen: westlich des Kinos, auf dem Grundstück des heutigen „Haus des Handwerks“ in Richtung Driescher Kreisel, oder in der Verlängerung des Gasthauses Paas.

Da schaltete sich eine ältere Zuschauerin ein und fügte hinzu: „Aber schöner wäre es doch gemischt, nicht nur für Alte.“

Und wie geht’s weiter?

Einen konkreten Zeitplan gebe es bislang nur für den Neubau des Stadthauses, sagte Lutz Urbach: Hier ist der Umzug für 2022/23 geplant. Parallel könne man weiter über den alten Standort der Stadthäuser nachdenken und, falls es beim Kino bleiben sollte, schon einmal den Bebauungsplan ändern. Der erlaubt nämlich im Moment keinen Kinobau.

Urbach schloss die Diskussion mit dem Hinweis: „Wir müssen immer die unterschiedlichen Interessen abwägen. Jetzt sagen alle, dass die Innenstadt tot sei. Ein Kino ist eine gute Möglichkeit der Belebung – das hat sich in Bensberg bewiesen.“

Fotos: Helga Niekammer / Bensberg im Blick

Laura Geyer

Journalistin. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg, ein Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro. Jetzt glücklich zurück in Schildgen.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

4 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Genau die Frau hat Durchblick was vielen Anderen fehlt hier für GL.

  2. @Sigrid Neumann: Derzeit fahren aber halt auch Busse ueber den Markt welche eigentlich in eine ganz andere Richtung muessen, bspw. Refrath.

  3. Baulich kann ich wenig beitragen. Aber ein Kino würde ich 2018 nicht mehr bauen. Die Zeit des Kinos neigt sich stark dem Ende zu und das wird sich eher beschleunigen.

    Eine Möglichkeit für Live-Musik wäre da zeitgemäßer. Allerdings liegt der “Bergische Löwe” gleich gegenüber.

    F.W.

  4. Leben ist da, wo Menschen wohnen. Eine Wohnbebauung in der Innenstadt, verbunden mit gastronomischen Angeboten, würde den wirklich hübschen Marktplatz in Bergisch Gladbach in der Tat beleben.
    Schauen wir uns doch mal an, wie die Franzosen es machen: Bäume, ungepflasterte Flächen, Spielmöglichkeiten für Kinder, Bänke, Bänke, Bänke und kleine Cafes, vor allen Dingen keine Protzbauten.
    Das Gegenteil in Bergisch Gladbach. Zupflastern ist die Devise (Forumpark).
    Ein Kino wird in der Regel abends frequentiert, tagsüber wird es jedenfalls nicht wesentlich dazu beitragen, den Marktplatz zu beleben. Die Frage ist auch, ob Kinos in dieser Größenordnung Zukunft haben. Das Streaming per Großbildschirm zu Hause nimmt immer mehr zu. Aber das ist ja das Problem des Investors.
    Die Herausnahme der Busse aus der Innenstadt wird diese als Anziehungspunkt weiter schwächen. Nicht zu vergessen: 25 Prozent der hier lebenden Menschen sind über 65 Jahre.
    Es wird argumentiert, dass sich bei Verdichtung des S-Bahn-Taktes die Busse an der jetzigen Haltestelle Markt stauen würden. Deshalb müsse sie in die Nähe des Kreisels verlegt werden. Stauen sie sich da nicht? Es dürfte sicherlich auch keinen Spaß machen, inmitten des flutenden Verkehres auf den Bus warten zu müssen.