v. links: Heinz-D. Haun, Ahmed Naqschbendi, Ulrike Oeter, Ahmad Shehab und Thomas Werner

Das Kulturprogramm im Zuge der Städtepartnerschaft Beit Jala-Bergisch Gladbach schreitet rasch voran. Ein Rückblick und Ausblick.  

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Die deutsch-palästinensischen Kulturtage laufen seit fast zwei Wochen und wir können nicht anders, als den bisherigen Verlauf als „vollen Erfolg“ zu verbuchen.

Zur Eröffnungsveranstaltung am 8. 9. war das Forum der IGP voll besetzt. Kein Wunder, denn neben der Eröffnung durch Bürgermeister Lutz Urbach und den Grußworten der palästinensischen Botschafterin, Dr. Kouloud Daibes, der stellvertretenden Bürgermeisterin aus Beit Jala, Louba Zeidan und des Partnerschaftsvereins-Vorsitzendenden, Axel Becker, lockte ein attraktives Programm:

Bisherige Veranstaltungen:

Die Kinder des Kiwo-Chors Bensberg sangen ihren Friedens-Hit, den sie zwei Jahre zuvor auf dem Peace-Festival in Beit Jala gesungen hatten.

Der Dokumentarfilm „Ein Tag in Beit Jala“ der Berliner Filmemacherinnen Cordula Garrido und Claudia Kock feierte Premiere. Er zeigt den Alltag der Menschen in der Partnerstadt, den ganz normalen Alltag bei aller Besonderheit ihrer Lebenssituation.

Es sang der arabische Chor „Yalil Aman“ Lieder, die „unter die Haut gingen“, und nicht zuletzt sorgte das mediterran-arabische Büffet für ein gutes Gefühl in der Magengegend.

Die Künstlerin Faten Nastas Mitwasi aus Beit Jala, der Künstler Bashir Qonqar (ebenfalls aus Beit Jala), beide der jüngeren Generation von Künstlern angehörend, die nicht nur in ihrer Heimat Rang und Namen haben, sowie der Grandseigneur der palästinensischen Kunstszene, Sliman Mansour aus Ost-Jerusalem, waren gekommen, um ihre Werke bei der Vernissage am 9. 9. im Kulturhaus Zanders vorzustellen.

Die Arbeiten der Künstler sind sehr unterschiedlich: Sliman Mansour thematisiert stark den Verlust der Heimat (nach Krieg und Vertreibung 1948), das Leben unter Bedingungen von Besatzung und die Suche nach einer (neu zu bestimmenden) palästinensischen Identität.

Faten Nastas hatte in Beit Jala mit Stacheldraht Kalligraphien an Zäunen angebracht, die in arabischen Schriftzeichen sagen: Gott ist barmherzig!

Ein Satz, der für alle monotheistischen Religionen zentral und gleichermaßen gilt. Von diesen Installationen hat sie großformatige Fotographien in die Ausstellung gegeben und auch im Kulturhaus aus Stacheldraht den Schriftzug in die Fenstergitter eingeflochten.

Bashir Qonqar schließlich setzt sich mit der palästinensischen Gesellschaft auseinander und malt großformatig und in leuchtenden Farben bissige, freche Kommentare zu ihrer Verfasstheit, wie er sie wahrnimmt.

Der Kurator Georg Becker stellte die Künstler vor, der Kanun-Spieler Anmar Barakat „untermalte“ die Bilder musikalisch.

Auch eine Fotodokumentation zur Vereinsgeschichte durfte im Kulturhaus nicht fehlen. Die Ausstellung ist noch bis 30. 9. jeweils dienstags und freitags von 16.00 – 18.00 geöffnet.

Der Autor selbst hatte zu einer „Reise des Ohrs nach Beit Jala“ in die Villa Zanders eingeladen: Unterschiedlichste Klänge vom Glockengeläut der Evangelischen Kirche bis zum Straßenpalaver, von Gurren der Tauben und Zwitschern der Spatzen bis zu den Rufen des Muezzins, von Autolärm bis zum quäkenden Orchester der Dudelsackpfeifer, vom sonntäglichen Kirchgesang bis zur zeitgenössischen Dabke-Disko ertönten an drei Nachmittagen zeitversetzt aus sieben versteckten Lautsprechern.

Besucher der Sounddusche, die schon einmal in Beit Jala gewesen waren, bestätigten, dass sie nur die Augen schließen mussten, um die Stadt wieder vor sich zu sehen.

Am 12. 9. erwarteten wir einen weiteren Gast aus (der Nähe von) Beit Jala: Der Landwirt und Aktivist des „Tent of Nations“, Daoud Nasser, war zu einem Vortrag in den vollbesetzten Pfarrsaal von St. Laurentius gekommen und berichtete von seinen Bemühungen eine gewaltfreie Lösung der mit der israelischen Besatzung einhergehenden Probleme zu finden. Eindrucksvoll und glaubhaft verkündete er: „Wir weigern uns, Feinde zu sein!“

Am Wochenende gab es täglich eine Veranstaltung:

Die Rösrather Künstlerin (und Vereinsmitglied) Ulrike Oeter hatte am Freitag zu einer Modenschau der besonderen Art in die Gnadenkirche gebeten: Unter dem geheimnisvollen Titel „Aus Wimpern ein Tuch“ (die Formulierung entstammt einem Gedicht des „palästinensischen Nationaldichters“ Mahmoud Darwisch) zeigte sie aus Papier gestaltete, den Originalen nachempfundene Annäherungen an traditionelle palästinensische Kleider – „skulpturale Skizzen“, wie sie sagt. Sie erläuterte, welche Botschaften sich in den Designs und Mustern der Kleider verstecken. Die Gewänder sind, so Oeter, Bestandteile der Alltagskultur und „im kulturellen Gedächtnis des Volkes eingelagert“.

Zudem sang Ahmed Naqschbendi einigen Zuhörern Tränen der Rührung in die Augen, und Ahmad Shehab und Heinz-D. Haun rezitierten jenen Text von Mahmoud Darwisch auf arabisch und deutsch.

Am Samstag war Faten El-Dabbas, die Autorin und Spoken Word-Künstlerin im Rahmen des ReimBerg-Slam als „Special Guest“ im Q1 zu Gast, Tochter und Enkelin palästinensischer Flüchtlinge, heute wohnhaft in Berlin, die zwar in Deutschland geboren wurde, aber sich mit ihren palästinensischen Wurzeln immer noch stark verbunden fühlt. Sie war der „Star des Abends“, trug ihre Texte mit hoher Präsenz und Eindringlichkeit vor, kongenial begleitet von Anmar Barakat auf seinem Kanun (obwohl diese Kooperation nur fünf Minuten vor Beginn konzipiert worden war).

Am Sonntag folgte ein weiteres „absolutes Highlight“: Der arabische Chor „Yalil Aman“, bestehend aus Sängerinnen und Sängern aus dem Irak, aus Syrien und Palästina, der bereits bei der Eröffnungsveranstaltung gesungen hatte, verband sich nun unter der gedoppelten Leitung von Saad Thamir und Dietmar Bonnen mit Mitgliedern des Kölner Kammerchores „Les Saxosythes“ zum deutsch-arabischen Chor „Eichenoase“.

Bei ihrem Konzert in der gut besuchten Kirche zum Frieden Gottes in Heidkamp beeindruckten sie das Publikum mit ihren kunstvoll ineinander verschlungenen Volksliedern aus Deutschland und dem Morgenland.

Mit dem Film „Ein Lied für Nour“ in der Kultkino-Reihe im Bergischen Löwen und starken kulinarischen Akzenten und neuen „absoluten Highlights“ ging es in dieser Woche weiter.

Bisheriges Fazit der Tage: Alle Veranstaltungen waren sowohl im Hinblick auf die Besucherzahlen als auch auf die vielen rundherum positiven Rückmeldungen ein toller Erfolg!

Um die Veranstaltungen herum ergaben sich viele gute und interessante Gespräche mit Besuchern. Wir hatten vielerlei Gelegenheit, auf unsere Arbeit im Partnerschaftsverein hinzuweisen – allein nach dem ersten Wochenende dieser Tage erhielten wir sieben Anmeldungen für die nächstjährige Reise nach Beit Jala.

Danke und shukran an Sie. Und: Wie schön, wenn Sie mit dabei waren und sein werden! Wir erachten Ihre zahlreiche Teilnahme als schöne Bestätigung für die Arbeit des Partnerschaftsvereins.

Hinweis: Leider ist uns im Programmheft ein Fehler unterlaufen: Die Finissage plus Konzert im Kulturhaus Zanders am 30. 9. findet nur um 11.00 statt (nicht auch noch um 16.00).

Heinz D. Haun

ist Theatermacher und Theaterpädagoge.

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