Behindertenparkplätze sollen Menschen mit Handicap das Leben erleichtern. In Bergisch Gladbach werden die Plätze jedoch auffallend oft zweckenfremdet. Ein Zeichen, dass Anstand und Respekt auf dem Rückzug sind? Teil 3 der Serie „Unangenehm anders”.

Täuschung und Betrug wird es schon in der Steinzeit gegeben haben. Zum Beispiel in der Liebe. Oder wenn es gegenüber einem fremden Stamm um Vorteile bei der Suche nach knappen Überlebensmitteln ging. Verständlich.

Täuschung, Betrug und Vorteilsnahme scheinen heute auch im großen Stil gesellschaftsfähig zu werden: So wie beim Dieselbetrug der Autokonzerne, bei Libor-Manipulationen einer ehrenwerten deutschen Bank, bei Steuerhinterziehungen, eingefädelt von Beratern großer Kanzleien.

Allerdings geht bei den Mitmenschen Vertrauen verloren, Misstrauen wächst. Hat der Satz „Das macht man nicht“ seine Akzeptanz verloren? Überlagert der eigene Vorteil zunehmend Anstand und Respekt vor dem Anderen?

Behindertenparkplätze sind eingerichtet, um Menschen mit einem Handicap das Leben zu erleichtern. Das ist selbstverständlich in einer Gesellschaft, die empathisch, solidarisch und rücksichtsvoll denkt und handelt.

Meine weitgereisten Gäste stellen fest, dass hier auffällig oft Autofahrer Behinderten-Parkplätze nicht respektieren, Halteverbote ignorieren, wild auf Radwegen und Bürgersteigen parken. Und stellen fest, dass diese für eine menschliche Gesellschaft notwendigen Regeln hier häufig missachtet werden. Unangenehm anders. Liegt es auch an fehlenden Kontrollen?

Beispiel Stationsstraße

Wenn man viel in Gladbachs Innenstadt unterwegs ist, fällt auf, dass an der Stationsstraße die Behinderten-Parkplätze – obwohl klar gekennzeichnet – häufig von nicht behinderten Autofahrern blockiert werden: Beim Aussteigenlassen, beim Warten auf Fahrgäste aus der S-Bahn oder Bussen sogar längerfristig. Eine Kontrolle habe ich noch nie erlebt. Die Polizei fährt vorbei. Sie ist nicht für den ruhenden Verkehr zuständig.

Übrigens: Nach wie vor ist die falsche Anlage dieser Behinderten-Parkplätze nicht korrigiert worden. Obwohl sie seit vielen Jahren bekannt ist. Menschen mit Handicap haben zum Busbahnhof, zur S-Bahn und zum Zebrastreifen erheblich längere Wege (im schlimmsten Fall bis zu 45 m) als Menschen ohne Behinderung (siehe Foto).

Eine kapitale Fehlplanung. Warum handelt die Verwaltung nicht? Es wäre so einfach. Und auch anständig. Allerdings müsste eine große Fehlleistung eingestanden werden.

Beispiel Supermarkt-Parkplatz

Ein Geldtransporter mit drei Mann bewaffneter Besatzung blockiert vor einem großen Gronauer Supermarkt einen von nur zwei Behinderten-Parkplätzen. Trotz der vielen freien Parkplätze. Der durchtrainierte Fahrer und seine zwei Begleiter machen gerade Pause.

In anderen Ländern rund um den Globus sind Behinderten-Parkplätze deutlicher gekennzeichnet und werden respektiert.

Surfen Sie einmal bei Google Earth und schauen Sie sich zum Beispiel amerikanische Supermärkte aus dem Weltall an. Sie finden die gut gekennzeichneten Behinderten-Parkplätze schnell – sogar aus 400 km Entfernung. Auf Streetview sieht es dann so aus.

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Hinweis der Redaktion:
  Die Ungepflegtheit unserer Stadt scheint manche Menschen zu verführen, ebenfalls nicht pfleglich mit ihrer Umgebung und anderen umzugehen. Wachsen Egoismus, Rücksichtslosigkeit und Respektlosigkeit? Nehmen Verstöße gegen die Regeln, die eine Stadtgesellschaft zum Zusammenleben braucht, zu?

Wir wollen über einzelne Themen kritisch berichten und gute Beispiele anderer Gemeinden zeigen, an denen man sich orientieren könnte.

Dabei ist diese Serie offen für andere Autoren: Was fällt Ihnen in dieser Stadt als „anders” auf – angenehm oder unangenehm? Nutzen Sie das Kommentarfeld unten, schreiben Sie und per Mail, verfassen Sie eigene Beiträge.

Und damit es nicht dabei bleibt, wollen wir die Themen konstruktiv aufgreifen. Was wäre zu tun, um Bergisch Gladbach angenehm anders zu machen? Ein gutes Thema für einen Stammtisch, für anschließende Arbeitskreise, für …. Lassen Sie sich überraschen, überraschen Sie uns!

Weitere Beiträge der Serie:

Unangenehm anders

Unangenehm anders: Mülleimer

Unangenehm anders: Der Hund ist nicht das Schwein

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Klaus Hansen

ist Fotograf, Designer und Kommunikationsberater.

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4 Kommentare

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  1. Menschen mit Behinderten-Parkausweis dürfen auch auf „Normalen“ Parkplätzen bis zu 3 Stunden parken, sie müssen dann ihren Ausweis sowie die Parkscheibe in ihr Fahrzeug legen. Weiß ich von einem Kumpel, dem das bei Zustellung des Behinderten-Parkausweises mitgeteilt wurde.
    Ich habe dazu auch mal einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes befragt, der auf einem solchen „normalen“ Parkplatz gerade eine Kontrolle machte. Und das ist so.

  2. Die Situation für Menschen mit Behinderung, die sich noch mit dem Auto bewegen können, gestaltet sich zunehmend schlimmer. Da hilft sicher, die dafür vorgesehenen Plätze nach amerikanischem Vorbild deutlicher zu machen etc. Aber das Übel beginnt im Kopf der anderen Autofahrer.

    Viele nehmen heute keine Rücksicht mehr im Straßenverkehr, und das sind nicht nur Autofahrer. Auch

    – Fußgänger – meinen auch noch bei Rot über die Straße zu kommen.
    – Radfahrer – kennen gar keine rote Ampeln und „fahren“ über Zebrastreifen.
    – Motorradfahrer – leben ihren Geschwindigkeitswahn voll aus
    – Busfahrer – interessieren sich nicht beim Losfahren, ob da noch wer kommt.
    – Taxifahrer – machen ihr Verkehrsverhalten von ihren Geschäften abhängig.

    Natürlich bei allen Beispielen nur eine Minderheit, aber 6 Minderheiten zusammen auf der Straße ist eine große Masse, die sich untereinander beharkt und die große Mehrheit gefährdet. Aber wie kommen Weisheiten wie „Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu“ in die Köpfe?

  3. Mir fällt auch ein Beispiel ein, leider kein positives: Ich bin oft mit dem Rad unterwegs. Dankenswerterweise hat die Stadt die Benutzung der meisten Radwege auf freiwillige Basis gestellt.

    Das scheinen aber viele Kraftfahrer nicht zu wissen oder bewusst nicht zu akzeptieren.

    Bei jeder, aber wirklich jeder Fahrt erlebe ich Übergriffe von Autofahrern. Meist nur harmlose wie das Halten oder Parken auf Rad-oder Fußwegen. Oft aber leider auch solche, bei denen Fahrer ihr tonnenschweres Fahrzeug als Waffe oder Mittel zur Gewalt einsetzen: gefährlich enges und schnelles Überholen, dichtes Auffahren, Ausbremsen, Schneiden, Vorfahrt nehmen usw. usf. Und das wirklich täglich. Die ständigen Maßregelungen übersehe ich geflissentlich.

    Ich bin mit 57 Jahren kein Fahrradrowdy. Und ich fahre selber oft Auto, kenne also beide Sichtweisen gut. Die Ursache ist leicht auszumachen: zu viele Verkehrsteilnehmer auf den zur Verfügung stehenden Flächen. Das „Recht des Stärkeren“ ist unangenehm – und m. E. kein respektvolles Miteinander. In Köln beispielsweise ist es leider auch nicht anders.

    Positive Beispiele – wer kennt sie nicht – sind hier die Niederlande und Dänemark.

  4. Ja, das fehlende Augenmerk wird leider auch teils von der Stadt nicht vorgelebt. Gibt es keinen kundigen Beauftragten bei der Stadt, der bei Planungen nochmal drüberschaut?

    Wenn man als Rollstuhlfahrer von der Einmündung Kürtener Straße/Dombach-Sander-Straße in Richtung Stadtmitte den linken Gehweg nutzen möchte, wird man kurz vor der Einfacht zu Pütz-Roth von einer Baustellenabsperrung aufgehalten. Es gibt keine Möglichkeit vom hohen Bürgersteig runter zu kommen. Es bleibt nichts anderes übrig die 500m wieder zurück zu rollern. Eine frühzeitige Absperrung oder eine Rampe an der Absperrung wäre sicher hilfreich.

    Beim Verkehrsausschuss (AUKIV) vom 19.09.2018 gab es den Punkt „Erneuerung der Hauptstraße zwischen FGZ und Forum“. Dort wurden Parkplätze unmittelbar an den Blindenleitweg geplant, obwohl dieser zu beiden Seiten jeweisl mind. 60cm freigehalten werden muss. Bei nicht 100% Parken in der 2m breiten Parkfläche wird der Weg blockiert. Eigentlich müssen die parkplätze noch weiter als 60cm weiter weg markiert werden, weil sich die Autotüren in den Weg plötzlich öffnen können. Scheinbar gibt es auch keine Verbindung des Blindenleitwegs zwischen Fußgängerzone und dem geplanten Blindenleitweg am Forum. Aus der Niederschrift kann man entnehmen, dass zumindest einige andere Kritikpunkte des dortigen Blindenleitwegs verbessert werden sollen.

    Ö15: https://mandatsinfo.bergischgladbach.de/bi/si0057.asp?__ksinr=1873
    (Anlage_2: Lageplan_1_Hauptstr)