Die Bahndammtrasse; Verkehrsplaner sehen hier viel ungenutzten Raum

Die beschlossene Machbarkeitsstudie für eine Straße auf dem Bahndamm ist noch immer nicht in Auftrag gegeben. Jetzt nennt Stadtbaurat Harald Flügge einen Zeitrahmen – und erläutert den Kontext.

Vor 18 Monaten hatte Flügge angekündigt, kurzfristig eine Machbarkeitsstudie erstellen zu lassen, um eine bessere Entscheidungsgrundlage für die zukünftige Nutzung der Bahndammtrasse zu bekommen. Seit Jahrzehnten wird darum gerungen, ob hier, auf dem stillgelegten und zum Teil zugewachsenen Gleis von der Innenstadt bis Bensberg, ein Autobahnzubringer gebaut wird.

Geschehen ist allerdings noch nichts. Die Stadtverwaltung spreche im Moment mit einer Reihe von potenziellen Partnern, im ersten Quartal 2019 sollte die weitere Vorgehensweise endlich klar werden, sagte Stadtbaurat Harald Flügge dem Bürgerportal.

Der Grund für die Verzögerung: Die starke Belastung der Stadtplaner mit dem Flächennutzungsplan. Aber der ist ja jetzt unter Dach und Fach. Zudem gibt es 2019 weitere Mitarbeiter in der Stadtplanung.

Die geplante Machbarkeitsstudie soll nun vor allem klären, ob eine Straße auf dieser Strecke eine spürbare Entlastung der desolaten Verkehrssituation in Bergisch Gladbach bringen kann, sagt Flügge.

Zur Fragestellung gehöre auch, ob der Bahndamm wirtschaftlich abgetragen werden kann. Und außerdem. ob die Verlängerung der Schnellstraße zur Brüderstrasse, wie im Flächennutzungsplan dargestellt, machbar und effektiv ist.

Erst wenn das „ob” klar sei, könne man im nächsten Schritt über das „wie” diskutieren.

Klar ist laut Flügge aber, dass sich die Machbarkeitsstudie auf die Option einer Straße konzentrieren soll. Sollte der Bahndammkörper abgetragen werden, könnte neben der Straße dann noch Platz für eine weitere Nutzung wie einen Radschnellweg sein.

Alternative Verkehrsmittel wie etwas eine Straßenbahnlinie sollen jedoch nicht geprüft werden. Das war zwar erwogen worden, die KVB hatte abgewunken, weil sie keine ausreichende Nachfrage sieht.

Kennen Sie den Bahndamm? Bergisch Schön hat die gesamte Strecke dokumentiert:

Wichtig ist für Flügge, den Bahndamm im Kontext zu sehen – und dabei die Möglichkeiten zu beachten, die sich in den letzten Jahren ergeben haben.

Da wäre zum einen die Möglichkeit, den Autobahnzubringer über die Kölner Straße hinweg tatsächlich bis zur Autobahn (bzw. der Brüderstraße) zu führen. Diese Option findet sich im neuen Flächennutzungsplan.

An der Kölner Straße endet der sichtbare Teil der Trasse. Sie verläuft geradelinig weiter bis in den Königsforst hinein, ist hier aber zum Teil überbaut worden.

Große Bewegungen hat es auch am Start der Bahndammtrasse gegeben, zwischen Kalkstraße und Buchholzstraße. Da auf den Ausbau des Bahnübergangs Tannenbergstraße verzichtet und der Übergang Buchholzstraße beim Ausbau der S11-Strecke neu gestaltet wird, sind hier neue Verbindungen möglich: über das sogenannten Gleisdreieck und das erste Teilstück des Bahndamms könnte die Stationsstraße / Kalkstraße direkt an den Refrather Weg angebunden werden.

Dieses Projekt, so Flügge, könnte man zwar auch isoliert, ohne den Autobahnzubringer bis nach Bensberg, umsetzen. Aber bevor man darüber konkrete nachdenken könne müsse erst einmal geklärt werden, was aus der inzwischen völlig brach liegenden Bahndammtrasse wird.

„Alle Themen kommunizieren miteinander, das muss man in der Gesamtschau betrachten”, sagt der Stadtbaurat.

Weitere Beiträge zum Thema:

Neue Pläne für zwei neue Straßen zum Bahndamm

Den Bahndamm ganz neu denken

Neuer Anfang, neues Ende für den Bahndamm

Grüne wollen Radweg und Straßenbahn prüfen lassen

GL 2.0 braucht andere Lösungen als den Bahndamm

Neue Ideen für den Autobahnzubringer

.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

8 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Warum lässt man sich hier von der KVB sagen, dass kein Bedarf besteht? Das kann die Bergisch Gladbacher Politik wohl deutlich besser beurteilen als die KVB, wo Bedarf glaube ich eher gleichzusetzen ist mit „linksrheinische Verbindung ins Kölner Zentrum“…

  2. Ich wundere mich immer wieder darüber, dass jemand glaubt, mehr Straßen würden zu weniger Verkehr führen. Die Statistik zeigt das Gegenteil. Wenn dann alternativ vorgeschlagen wird, die Transporteinheiten für Güter zu vergrößern, müssen (vorher) seitens der Genehmigungsbehörden die Bauvorschriften für die Straßen entsprechend angepasst worden sein (die Behauptung der Lobby, dass die Belastung der Straßen durch größere LKW wegen der besseren Lastverteilung gar sinke, hat sich jedenfalls weder bei der Mülheimer noch bei der Leverkusener Brücke bewahrheitet). Es wird sicher noch sehr viele Jahre dauern, bis alle Genehmigungsvoraussetzungen für den Bau und den Betrieb eines “Zubringers” über die Bahntrasse erfüllt sein werden. Ich bin leider zu alt, um das Ende des größer werdenden Finanzlochs und der permanenten Bauverzögerungen aufgrund mangelhafter Planungen noch erleben zu können.
    Vielleicht sollte darüber nachgedacht werden, den Bahndamm dazu zu verwenden, eine schnelle schienengebundene Verbindung zwischen Bergisch Gladbach Mitte und Bensberg zu errichten, auf der vollautomatisch Menschen und Güter transportiert werden können.
    Das wäre eine gute Bescherung.
    Frohe Weihnachten
    Lothar Sütterlin

  3. Beide Studien werden, wenn auch nur zu einem Teil, aus öffentlichen Mitteln finanziert. Ob die Finanzierung bei der Kommune oder dem Land liegt, ändert nichts an der Traglast, die liegt immer beim Steuerzahler.

    Dass es sehr unwahrscheinlich ist, beide Projekte durchzuführen, liegt doch auf der Hand. Das CargoCap-System müsste möglichst viele Nutzer gewinnen, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Wenn parallel dazu eine Straße gebaut würde, ist doch klar, dass es eine direkte Konkurrenz für das System wäre.

    Für mich ist das ein weiteres Feigenblatt derer, die die Straße durchboxen möchten. Ähnliches wurde doch schon vor über zehn Jahren mit Tunnelvariante und Trogbauweise vorgetragen und mehr als eine Dekade später ist unklar, ob man den Bahndamm abtragen kann? Alle diese Vorschläge sollen der Besänftigung dienen und zum Schluss soll es dann doch die günstigste oberirdische Variante auf dem Damm werden, die noch mehr Lärm und Abgasbelastung für tausende Anwohner bedeutet.

  4. Die eine Studie wird weitgehend vom Land NRW finanziert, die andere zum größten Teil von den CargoCap-Partnern. Zudem widerwprechen sie sich nicht: CargoCap würde unterirdisch gebaut werden, eine andere Nutzung der Trasse schließt das nicht aus.

  5. Sehe ich es richtig, dass die Stadt (mit unseren Steuern) parallel zwei Studien durchführt, die sich von der Zielsetzung her widersprechen?! Warum führt man die Studie zum CargoCap nicht zuerst durch und setzt das Vorhaben bei einem positiven Ergebnis um? Sollte es so kommen, benötigt man die Straße für die ansässigen Gewerbetreibenden nicht (bzw. noch weniger als ohnehin) und die zweite Studie könnte man sich sparen.

    Was soll das?

  6. Am 10.6.2017 war der Bahndammspaziergang. Auf Einladung von Stadtbaurat Flügge wurde mit einer größeren Anzahl von Personen aus Politik, Wirtschaft und Verbänden die Zukunft des Bahndammes diskutiert.

  7. Am 10.6.2017 sprach Herr Flügge davon, dass in den nächsten 10 Jahren kein Bagger am Bahndamm knabbern würde und er sprach sich für eine Zwischenlösung aus, dort einen Radschnellweg zu bauen. Wichtig ist für mich, den Bahndamm im Kontext zu sehen. Für 2019 sind die Radschnellverbindung von Bergisch Gladbach nach Köln vorgesehen. Dies würde ein hervorragender Anschluss für die Radler aus Bensberg sein. Auch die Verbindung zum Zentrum der Stadt könnte dann real werden. Man sollte mehr auf die wirklich innovativen Ideen unseres Stadtbaurates hören, er ist da voll flexibel.

  8. Einfach mal den gesunden Menschenverstand einschalten, Herr Flügge. Dann braucht keiner mehr eine Machbarkeitsstudie. Auch Sie werden den Bahndamm mit Verlängerung zur Autobahn nicht bebauen. Im Übrigen, was soll das erneute Geldausgeben für eine Studie nach 30 Jahren vergeblicher Versuche? Hat keiner neue Ideen auf der Pfanne, immer nur neue Straßen für zusätzlichen Verkehr? Kapiert denn niemand, dass die Autos von der Straße müssen statt ihnen neue Wege dorthin zu bauen? Dies alles ist so furchtbar rückständig und rückwärts gerichtet, dass einem das Grausen kommt.