Man sah den blanken Augen der Kinder an, wie sehr sie von ihrer Sache überzeugt sind, einer Sache, die uns alle angeht. Am Freitag trafen sich knapp 40 Kinder mit ihren Eltern vor dem Edeka-Markt in Moitzfeld, um für die Umwelt auf die Straße zu gehen.

Angeregt durch FFF, Fridays For Future, wollen sie nun wie diese jeden Freitag die Öffentlichkeit auf das dringendste Problem unserer Zeit aufmerksam machen, die Umweltkatastrophe, die sich durch Klimaveränderungen, Artensterben, das Ansteigen des Meeresspiegel und das Ertrinken ganzer Inselstaaten ankündigt.

Die Kinder von Moitzfeld sind damit in unserer Stadt die Vorreiter einer Bewegung, die am Samstag, dem 13.7. in Refrath ihre Fortsetzung findet. Das entscheidende Argument für die Bewegung Fridays For Future findet sich auf dem Plakat dieses Jungen:

Die Herkenrather Kinder gehen allerdings nicht während der Unterrichtszeit auf die Straße. Und die Initiative kam bei ihnen, da es sich um Grundschulkinder oder sogar Kindergartenkinder handelt, natürlich nicht von ihnen selber, sondern von engagierten Eltern.

Hinweis der Redaktion: Wir haben mit den Organisatorinnen der Aktion gesprochen, wie es jetzt in Moitzfeld weiter geht. Dazu ist ein weiterer Beitrag in Vorbereitung.

Insofern kann man ihnen nicht einmal das Argument entgegenhalten, was ein älterer Mann äußerte, als ich mit ihm ins Gespräch kam. „Die sollen erst einmal richtig lernen. Vor allem Rechtschreibung.“ Er spielte damit vielleicht auf dieses Plakat an:

Dabei hatte er den Hintersinn des Wortspiels „mehr-Meer“ nicht einmal verstanden. Die witzigen und engagierten Slogans der Kinder waren nicht in der Lage, die Barriere seiner Vorurteile zu durchbrechen. Erst als ich ihn auf seinen ostelbischen Akzent ansprach, begann er aufzutauen. So ist es wohl öfter, dass rationale Argumente manche Menschen erst erreichen, wenn sie emotional und auf dem Hintergrund ihrer eigenen Biografie angesprochen werden.

Es ist wohl auch kein Zufall, dass ausgerechnet der Vater des Jungen mit dem ernsten Argument ein vordergründig witziges, humorvolles Plakat mit sich führte:

Außer dem grantigen Kommentar des älteren Mannes, der noch eine Reihe von Problemen anführte, die vor dem Umweltproblem gelöst werden müssten, zeigten sich allerdings keine negativen Reaktionen bei den Passanten.

Im Gegenteil: Die Autofahrer, die an dem Zebrastreifen zwischen Kirche und Ladenlokalen langsam und vorsichtig fahren mussten, reagierten alle gelassen und winkten teilweise sogar freundlich oder begeistert. Auch sie schienen also die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Wie unsere Bevölkerung ja offensichtlich in ihrer Mehrheit.

Leider ist das bei vielen Politikern, die wir gewählt haben, nicht unbedingt der Fall. Warum auch immer. Sie reagieren ja oft mit Ausreden, Verzögerungstaktik und manchmal mit „Ersticken durch Umarmen“, wenn nicht sogar mit hilfloser Empörung.

Dabei hätte spätestens zu dem Zeitpunkt, an dem Wissenschaftler die alarmierende Nachricht verbreiteten, dass 80 Prozent der Insekten in wenigen Jahrzehnten verschwunden sind, alle Alarmglocken schrillen müssen. Nicht durch neue Untersuchungen, sondern durch Ursachenforschung und Gegenmaßnahmen.

Denn die Ergebnisse der Wissenschaftler werden nirgendwo angezweifelt. 80 Prozent der Insekten nicht nur, was die Arten, sondern auch was die Masse angeht! Die Natur ist der Ast, auf dem die Menschen sitzen. Wie kann man es zulassen, dass dieser Ast abgesägt wird?!

Dieser Junge bringt es auf den Punkt:

Vielleicht manchen Erwachsenen in zu naiver Form. Trotzdem hat er Recht. Und auch dieses Schild hat Recht:

Deshalb muss man den Moitzfelder Kindern gratulieren. Weil sie die Zeichen der Zeit erkannt haben, und weil sie die Dringlichkeit ihres Anliegens erkannt haben.

Das ist überhaupt das Verdienst von Fridays For Future. Sie betonen die Dringlichkeit. Und sie wollen nicht mehr länger vertröstet werden. Und sie haben schon einiges erreicht. Die Politik hat schon ein wenig angefangen sich zu bewegen.

Man sollte den Moitzfelder Kindern und der ganzen Bewegung wünschen, dass sie weitermacht, mit Ausdauer, ernsthafter Auseinandersetzung mit der Sache, mit Mut und auch Humor bzw. Optimismus.

Weitere Beiträge zum Thema:

„Fridays for Future” in Moitzfeld, Refrath und Gladbach

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Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

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8 Kommentare

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  1. Erbärmlich erscheint mir allenfalls das Wissen des Vaters um die Sicherstellung von rund 45 Gigawatt notwendiger Grundlast Strom. Das ist die Menge an Strom, die zur Verfügung stehen muss in den nachfrageschwächsten Tageszeiten. Der Bedarf verdoppelt sich in den Lastspitzen, wenn morgens die Industrie ihre Maschinen hoch laufen lässt oder dieser Vater abends (?) von der Arbeit heim kommt. Ich bin dafür, alle Kohlekraftwerke sofort abzustellen – damit solche Leute einfach mal merken, wo der Strom NICHT herkommt. Vielleicht realisiert er bei Kerzenschein dann, dass zu jedem Windrad ein konventionelles Kraftwerk als back-up notwendig ist.

  2. “”Moitzfelder Kinder für die Zukunft”” so lautet die Überschrift.

    Ein Gipfel der Heuchelei, ist es, einem Jungen auf dem Foto die Worte von Erwachsenen in den Mund zu legen. “Dieser Junge bringt es auf den Punkt”. Ganz oben sieht man 3-jährige mit Schildern der grünen Mama (besser Eltern 1). In der DDR bekam man noch Fähnchen dazu, wenn man FÜR die Regierung werben sollte – was hier eindeutig passiert.

    Erwachsenen reden den Kindern etwas ein, was sie größtenteils selbst nicht verstehen.
    Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Wenn es um CO2-Steuern geht, und nur um das Geld geht es, dann muss man die Frage stellen warum die größten Verursacher China sogar noch jahreland den Ausstoß erhöhen darf. Gleices gilt für die Nr.3 Indien. Und die Nr. 2 USA und die Nr.4 Russland haben wohl andere Experten und sehen keinen Sinn C2 einzusparen. Sie haben offensichlich “andere” Experten.

    Klar irgendjemand muss anfangen. Dann sollen diese Eltern und ihre Kinder ab sofort kalt duschen – Einer muss anfangen. Viel Spaß dabei.

  3. Die Monokulturen sind tatsächlich ein großes, wichtiges Umwelt- und Naturschutzthema. Sie sind aber nur eine mutmaßliche Ursache des Insektensterbens. Die Hauptursache für das Sterben von Insekten wie Schmetterlingen und Bienen ist die industrielle Landwirtschaft mit ihren Giften (Neonicotinoide…), Herbiziden (Glyphosat…), Überdüngung… Dieses Thema mit dem Begriff „Klima-Aktivismus“ und „EEG“ zu vermengen ist in gewohnter AfD-Manier irreführend. Für mich ein weiterer Beweis, dass man „Wahrheitsverkündern“ der AfD grundsätzlich misstrauen sollte. Insbesondere, da das Grundsatzprogramm der AfD fast keine Aussage enthält, die mit dem Stand der Forschung zu Klima und Klimawandel vereinbar ist.

  4. Ein Großteil des Flurschadens inkl. horrendem Schwund bei Insekten und anderem fliegende Volk kommt doch schon vom galoppierenden „Klima“-Aktivismus: Monokulturen für Biosprit, ungeeignete „EEG“-Stromversorgung etc. pp. Es grüßt die Lobby…

    Und PS: Wir müssen vor allem und in der Tat vielleicht eher über generelle Konsummäßigung („Decroissance“) reden statt über weitere Wahnsinns-„Investitionen“…

  5. Als Großmutter bin ich stolz auf diese Enkelgeneration, die das anpackt, was die meisten Politiker verschlafen haben. Die Kinder sind hellwach, verstehen zu argumentieren, auch die Älteren zu begeistern. Und es geht tatsächlich voran mit dem Umdenken bei den Parteien und in unserer Gesellschaft. Wenn auch die Enkel meiner ehemaligen Schüler aktiv dabei wären, würde ich mich freuen.
    Wir haben doch alle den Spruch im Hinterkopf: nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir. Das zeigen uns die Schulkinder auf beeindruckende Weise.
    Diese Hundstage beweisen es gerade: die Zeit läuft. Und insofern sind die Aktionen keine Panikmache, sondern realistische Einschätzung der Zukunft, in die wir hoffentlich nicht stolpern. Auch wir sollten die Augen weit aufmachen!

  6. Wenn er Recht hätte, hätte er Recht, aber nicht recht, liebe B.Sessen oder lieber B.Sessen. Als gebildeter Erwachsener sollte man ab und an schon mal einen Blick in den Duden werfen, wenn man über zu wenig gebildete Kinder redet.

  7. Arme instrumentalisierte Kinder! Und arme instrumentalisierte Eltern. Das Waldsterben in den Achtzigern wurde auf ähnliche Weise angekündigt und dramatisiert, ist aber ausgefallen. Panik war noch nie ein guter Ratgeber, und speziell die Deutschen waren auch noch nie gut beraten, sich an die Spitze von Zeitgeistbewegungen zu setzen.
    Und tatsächlich, der “alte grantige Mann” hat recht, auch die Rechtschreibung auf Bild 2 (nicht Bild 3) lässt wahrlich zu wünschen übrig, das hat der Autor in seinem ungebremsten Wohlwollen wohl übersehen? Ein bisschen mehr Bildung und Besonnenheit täte allen gut.