Der Pachtvertrag für das Zanders-Areal läuft am Ende dieser Woche aus, eine Einigung mit der Zanders Paper GmbH über einen neuen Vertrag ist bislang nicht absehbar. Dennoch arbeitet die Papierfabrik auch über den Stichtag hinaus weiter.

Seit fast zwei Monaten tagt ein Runder Tisch unter Leitung des früheren NRW-Innenministers Ingo Wolf. Dabei soll das Verhältnis zwischen

  • der Stadt (als Vermieter des Geländes),
  • dem Insolvenzverwalter (als Eigentümer der Maschinen und Anlagen) und
  • der Zanders Paper GmbH (als Mieter)

auf eine tragfähige Grundlage gestellt werden. Bislang erfolglos.

Der Pachtvertrag, der zwischen der Stadt und dem Insolvenzverwalter geschlossen worden war, läuft am 30. Juni aus. Eigentlich sollte die neue Zanders Paper GmbH in diesen Vertrag einsteigen, das ist aber noch nicht geschehen.

Der Investor Terje Haglund verlangt offenbar eine längere Laufzeit und günstigere Konditionen. Die Stadt fordert belastbare Konzepte – und argumentiert, dass eine günstigere Pacht gegen das Subventionsrecht verstößt.

Trotz dieses Dissens und ohne einen neuen Pachtvertrag werde die Papierfabrik auch über den Stichtag 30.6. hinweg weiter arbeiten, versichern alle Beteiligten. Im Mai hatte der Kölner Stadt-Anzeiger von einem abrupten Ende der Produktion gesprochen, sollte es bis dahin keinen Vertrag geben. Das ist offenbar nicht der Fall.

Die Gespräche fänden in einer konstruktiven Atmosphäre statt, die Sicherung des Standorts und der Arbeitsplätze habe nach wie vor höchste Priorität, heißt es jetzt offiziell nahezu gleichlautend.

Voraussetzungen für Pachtvertrag nicht gegeben

Bürgermeister Lutz Urbach macht aber keinen Hehl daraus, dass eine Einigung noch immer nicht in Sicht ist. „Die Voraussetzungen zum Abschluss eines langfristigen Pachtvertrags mit der Zanders Paper GmbH liegen derzeit noch nicht vor”, erklärte er auf eine Anfrage des Bürgerportals.

Zu diesen Voraussetzungen zählt die Stadtverwaltung ein Standortsicherungskonzept zur Arbeitsplatzsicherung, ein mittel- bis langfristiges Investitionskonzept und den „Nachweis der auskömmlichen Liquidität des Unternehmens”.  Darüber, so Urbach, spreche die Stadt „vor allem mit dem Insolvenzverwalter der Zanders Abwicklungs GmbH in konkreten Gesprächen”.

Ähnlich klingt es beim Moderator Wolf: Das Sanierungsverfahren laufe weiter, der Runde Tisch tage noch, belastbare Ergebnisse seien nicht zu verkünden, teilte der dem Bürgerportal mit.

Insolvenzverwalter Marc d’Avoine bestätigt, das alle Verträge zwischen der Stadt und dem Insolvenzverwalter am 30.6. enden. Die neue Zanders Paper wolle die Anlagen aber auch ab dem 1.7.  weiter nutzen. Eine Zahlung der Pacht habe das Unternehmen zugesagt, die Gespräche seien noch am Dienstag konstruktiv fortgesetzt worden.

Zanders-Sprecher Tobias Müller betont, dass die Restrukturierung unter Federführung des norwegischen Investors voran komme. Die Produktion sei von den Vertragsverhandlungen nicht tangiert.

Der Betriebsrat reagiert auf Anfragen des Bürgerportals nicht.

Es wird aber deutlich, dass die Unzufriedenheit über Haglunds Geschäftspraxis wächst. Offenbar will der Norweger Zanders alleine aus den Einnahmen heraus sanieren und kein eigenes Geld investieren. Der Belegschaft von derzeit noch 300 Mitarbeitern werde einiges abverlangt, heißt es im Umfeld. Projekte wie die vollständige Umstellung von Kohle auf Gas wurden ausgesetzt.

Neue Konzepte für das Zanders-Areal

Gleichzeitig setzt die Stadtverwaltung ihre Bemühungen fort, für die Teile des Areals, die nicht mehr für die Papierproduktion benötigt werden, neue Konzepte vorzubereiten. Die Entwicklung des Zanders-Geländes ist auch als Projekt in die Regionale 2025 eingebracht worden.

Allerdings ist es nicht einfach, um eine riesige, wenig ausgelastete Papierfabrik mit einem eigenen Kraftwerk und Kläranlagen herum zu planen. Früher oder später müsste ohnehin das gesamte Gelände mit seinem riesigen Potenzial völlig neu genutzt werden, Stückwerk macht da wenig Sinn. Das Motto für die Zwischenzeit lautet daher, für Teilbereiche zu planen, aber das Ganze immer im Blick zu haben.

Die eigens für das Zanders-Gelände gegründete „Zukunft Stadt Profil GmbH & Co. KG” ist zwar aus rechtlichen Gründen nach wie vor nicht aktiv, sie habe „sporadisch beratende Aufgaben”, erläutert die Stadt.

Für die planerischen Überlegungen hat die Stadt vier Mitarbeiter unter Leitung von Udo Krause als Taskforce abgestellt. Die hat Büros im ehemaligen Zander-Verwaltungsgebäude bezogen hat, und die die Pläne vorantreiben sollen. Erst einmal sind diese Leute aber damit beschäftigt, sich einen Überblick zu verschaffen. Und sich für jeden weiteren Verlauf der Dinge vorzubereiten.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Mit den runden Tischen hat Bürgermeister Urbach scheinbar kein Glück. Da sind schon einige eingeschlafen oder zusammengebrochen wie der für bessere Mobilität oder der für eine bessere Ausstattung mit Radwegen.

    Nun tagt der für eine Fortführung der Produktion bei Zanders schon fast 2 Monate – ohne Fortschritte. Man weiß ja nicht, ob die nur an den Wochenenden oder nur an Markttagen oder nur dienstagsabends tagen, aber gar kein Weiterkommen lässt schon aufhorchen.

    Natürlich sollte die Produktion – ich denke, im Wesentlichen von CHROMOLUX – weitergehen. Im Sinne der letzten Arbeitnehmer dort, im Sinne der Stadt, weil BGL eben als Papierproduktionsstadt an der Strunde diese Tradition erhalten sollte, und im Sinne des Verlangens der Bürgerinitiativen, Arbeitsplätze möglichst nah am Wohnort zu erhalten oder zu schaffen. Dies alles ist auf dem ZANDERS – Gelände möglich und dazu natürlich noch etliches mehr.

    Dagegen steht eine norwegische Heuschrecke, die nur, wirklich nur Dollarzeichen in den Augen zu haben scheint. Statt dem Unternehmen, wie das seriöse Sanierer tun, mit Investitionen unter die Arme zu greifen, dadurch die momentane, weltweit einzigartige CHROMOLUX – Produktion zu erhalten und drum herum neue Schaffensfelder aufzubauen, will dieser norwegische Heringsfänger das tun, was auch dem Meer immer schlimmer widerfährt: Ausbeuten! Dabei CHROMOLUX übernehmen, die Fa. ZANDERS endgültig in den Ruin schicken, abkassieren und “nach mir die Sündflut”!

    Das muss verhindert werden, was aber kaum mit weiteren Monaten Stillstand gelingen wird. Hört auf zu pokern, Leute, es stehen Familien-Schicksale, Standort-Probleme und Das Renommee der halben Stadt auf dem Spiel!