Die Papiermaschine P4 im Herzen der Zanders-Produktionsanlage. Nur noch 300 Menschen arbeiten in der  weitläufigen Fabrik

Vier Monate nach der Übernahme der Papierfabrik durch skandinavische Investoren wirft ein Zeitungsbericht neue Fragen zur Zukunft von Zanders auf. Die Stadt dementiert, sie wolle einen kürzeren Mietvertrag. Nun soll ein „Runder Tisch” für Klarheit sorgen.

Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, dass die neuen Eigentümer der Zanders Paper GmbH nichts investierten, es könnten noch nicht einmal Rohstoffe für die Produktion gekauft werden. Die Quelle dafür: „Gerüchte”. Der Betriebsrat nehme zwar zur wirtschaftlichen Lage nicht Stellung. Er habe aber den „Runden Tisch” vorgeschlagen und begründe dass damit, dass die Sanierung noch nicht abgeschlossen werden konnte. Die restlichen 300 Arbeitsplätze, so der Stadt-Anzeiger, seien in Gefahr.

Hintergrund sei eine Auseinandersetzung zwischen der Stadt (als Eigentümerin des gesamten Areals) und der neuen Zanders Paper GmbH über den Mietvertrag. Das Unternehmen wolle einen längeren Mietvertrag mit günstigeren Konditionen, die Stadt wolle eine kürzere Laufzeit und stelle Forderungen.

Zanders äußert sich auch auf Nachfrage nicht, Bürgermeister Lutz Urbach widerspricht.

Der gültige Pachtvertrag, so Urbach, habe eine Laufzeit von fünf Jahren. Konkrete Überlegungen des Unternehmens seien bei der Stadt noch nicht eingegangen.

Bürgermeister Lutz Urbach widerspricht

Bereits zuvor hatte die Stadt mit einer Erklärung auf den Artikel des Stadt-Anzeigers reagiert. Sie kämpfe „seit vielen Jahren – gemeinsam mit dem Betriebsrat – für einen Fortbestand der traditionsreichen Papierherstellung in Bergisch Gladbach”. Nur durch den Ankauf des Areals sei ein Fortbestand von Zanders nach der Insolvenz möglich gewesen.

Die Stadt „strebt keinesfalls eine kurze Laufzeit für einen Pachtvertrag an, sondern befürwortet in Gegenteil eine längere Laufzeit, um eine zumindest mittelfristige Sicherheit für den Standort zu erreichen.”

Der gültige Pachtvertrag sei noch mit dem Insolvenzverwalter geschlossen worden. Aber auch dem Investor Terje Haglund seien die Konditionen vor Abschluss des Kaufvertrages bekannt gewesen.

Im Dezember hatten sich Investor Terje Haglund (l.) und Manager Andreas Willeke vorgestellt

Für einen Pachtvertrag, der über die Laufzeit von fünf Jahren hinausgeht, verlange die Stadt „Sicherheiten für eine dauerhafte Fortführung des Unternehmens” und das Investitionskonzept des neuen Eigentümers. Auch darüber sei Haglund informiert gewesen. Eine konkrete Forderung, die Restarbeiten zur Umstellung von Kohle und Gas abzuschließen, habe die Stadt nicht aufgestellt, sagt der Bürgermeister.

Klar sei allen Beteiligten auch, betont Urbach, dass die Stadt ein Interesse daran habe, die derzeit weit verstreuten Produktionsanlagen auf dem Kernareal zu konzentrieren. Das ist eine Voraussetzung dafür, dass die Stadt ein Konzept für die zu großen Teilen brach liegenden Flächen entwickeln kann, hatte der Bürgermeister gerade in einem Interview mit dem Bürgerportal erläutert.

Ein weiterer offener Punkt ist die Werksfeuerwehr. Laut Stadtverwaltung hatte Zanders schon vor dem Ankauf des Areals durch die Stadt bei der Bezirksregierung Köln einen Antrag auf Aberkennung der Werksfeuerwehr gestellt. Daher sei dies Sache der Bezirksregierung. Aber auch für die Stadt sei ein „tragfähiges Brandschutzkonzept unverzichtbar”. Die Umsetzung der neuen Brandschutzmaßnahmen könne nicht zu Lasten des Steuerzahlers gehen, sondern sei Sache des Unternehmens.

Nun soll der „Runde Tisch” für eine Klärung der Situation sorgen. Er wird, berichtet der Stadt-Anzeiger, am 29. April unter der Leitung von Ex-NRW-Innenminister Ingo Wolf (FDP) tagen. Für den folgenden Tag sei eine Sitzung des Gläubigerausschusses angesetzt.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Es ist ein Drama ohne Ende. Die einst stolze Firma ZANDERS ist Spielball von Heuschrecken geworden. Nun bangen auch die letzten 300 Mitarbeiter um Ihre Arbeitsplätze. Hat man schon mal davon gehört, dass ein Investor ein Unternehmen übernimmt, um dann trotz voller Auftragsbücher die Investition für Materialien verweigert? Der Mann will die Stadt zwingen, einen neuen Vertrag mit ihm abzuschließen, längerfristig und mit besseren Konditionen, die Stadt will die bekannten Konditionen nicht verändern und verlangt eine Weiterführungsgarantie für das Unternehmen über die 5 Jahre Vertragszeit hinaus.

    Wenn das denn mal alles so stimmt.

    Seltsam verhält sich der Betriebsrat, auf dessen Verlautbarung, es könne kein Material gekauft werden, kein Widerspruch erfolgt, was ebenso eigenartig scheint. Die Stadt behauptet, Terje Haglund kenne alle Einzelheiten des Vertrages, den schon der Insolvenzverwalter ausgehandelt hat. On der Norweger diesen Vertrag unterzeichnete, ist nicht bekannt. Mit den letzten Mitarbeitern wird ein böses Spiel gespielt, und das wahrscheinlich nur, damit Haglung an die Rezeptur für CHROMOLUX kommt, ein sehr Feinpapier, das nur ZANDERS mit Weltpatent produziert.

    Man kann nur hoffen, dass die Stadt nicht einknickt und sich vom Norweger die großen Möglichkeiten des Geländes verbauen lässt.