Das Zanders-Gelände an der Gohrsmühle in Bergisch Gladbach. Foto: Bergisch Schön

Das Zanders-Gelände an der Gohrsmühle. Foto: Bergisch Schön

Die insolvente Papierfabrik Zanders ist an eine Gruppe von Investoren unter Führung des Norwegers Terje Haglund verkauft worden; am Samstag wird aus der Zanders GmbH mit zuletzt 500 Mitarbeitern die „Zanders-Paper GmbH” mit rund 300 Beschäftigten.

Insolvenzverwalter Marc d’Avoine gab den Verkauf am Donnerstagabend bekannt und zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden: „Wir freuen uns, dass die Übernahme durch Papier-Profis erfolgen wird, die bereits äußerst erfolgreich in der Branche tätig sind.” Damit sei die Fortführung der Produktion hochwertiger Spezialpapiere und -kartons gesichert. „Alle Know‐how‐Träger bleiben an Bord,“ betonte d’Avoine.

Allerdings verlieren weitere Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz, nach einer ersten Entlassungsrunde nach Eröffnung der Insolvenz wurden jetzt weitere 150 Entlassungen ausgesprochen, heißt es in der offiziellen Erklärung. Gegenüber dem WDR sprach d’Avoiné sogar von 180 weiteren Entlasungen.

Insolvenzverwalter Marc d’Avoine

Auf jeden Fall wird Zanders-Paper mit rund 300 Beschäftigten an den Start gehen, zum Zeitpunkt der Insolvenz-Anmeldung durch den bisherigen Eigentümer Mutares waren es rund 500. In den besten Zeiten hatte Zanders 3000 Mitarbeiter – entsprechend groß ist das gesamte Gelände.

Möglich wurde die Rettung des Unternehmens erst durch den Verkauf des kompletten 30 Hektar großen Grundstücks in zwei Tranchen an die Stadt Bergisch Gladbach. Die Kommune zahlte dafür eine (nicht genau bezifferte) zweistellige Millionensumme. Mit der zweiten Tranche konnte Zanders in den vergangenen Wochen über Wasser gehalten werden, die Stadt wird jetzt Vermieter der neuen Zanders-Paper GmbH.

Außerdem mussten die Gläubiger des Unternehmens beim Abschluss des Insolvenzverfahrens auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten. Die Höhe der Quote wurde ebenso wie andere finanzielle Details der Übernahme nicht bekannt, darüber sei Stillschweigen vereinbar worden. D’Avoine sagte dem Stadt-Anzeiger, die Gläubiger und die Käufer seinen „hohe Verpflichtungen” eingegangen.

Der neue starke Mann bei Zanders, Terje Haglund, hatte im Sommer eine Traditionspapierfabrik in Belgien übernommen; im Video erläutert er knapp seine Strategie:

Der neue Unternehmenschef, Terje Haglund und sein Team, würden sich in Kürze in Bergisch Gladbach vorstellen, erklärte der Insolvenzverwalter. Die Übernahme durch einen bereits in der Papierproduktion tätigen Partner sei in jedem Fall die „bestmögliche Lösung für Zanders”. Durch die Expertise auf beiden Seiten seien sehr gute Voraussetzungen geschaffen, dass der Standort Bergisch Gladbach „langfristig gesichert”.

Hintergrund:Terje Haglund und sein Konzept
Die Investorengruppe um Haglund hatte im Sommer in Belgien in der Stadt Virginal-Samme die seit zwölf Monaten still stehende Papierfabrik Idempapers gekauft und im August unter dem Namen „Virginal Paper“ neu gestartet. Die skandinavische Investorengruppe werde vom schwedischen Kapitalgeber Avida Finans unterstützt.

Bei der Sanierung des belgischen Unternehmens war der Mitarbeiterstamm von 360 auf 70 reduziert worden, berichtet das Branchenblatt Printweek – um dann wieder auf 120 Leute aufgebaut zu werden.

Haglund ist bei Virginal Paper Vorstandschef; er hat nach eigenen Angaben mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Branche. Seine Gruppe hatte bereits die schwedischen Papierfabrik Lessebo saniert, zudem war sie in Norwegen und Estland aktiv.

Haglunds Konzept bei Virginal ist es, mit den alten Produktionsanlagen ein völlig neues Unternehmen aufzubauen und sich ganz auf Spezialpapiere zu konzentrieren – wie Zanders auf hochwertige Etiketten und Verpackungen. Idem Papers war 1834 gegründet worden und hatte in Spitzenzeiten eine Kapazität von 200.000 Tonnen Papier pro Jahr.

Ausdrücklich würdigte d’Avoine den Einsatz der Mitarbeiter. Die Trennung von weiteren rund 150 Mitarbeitern sei „zweifelsohne schmerzhaft”. Diese hätten in den vergangenen Jahren und Monaten durch Lohnverzicht und persönlichen Einsatz „einen wichtigen Beitrag zum Fortbestand des Unternehmens” geleistet.

Jetzt werde eine Transfergesellschaft gegründet, die den Betroffenen sieben Monate einen Großteil ihres Lohns sichere und Unterstützung bei der Jobsuche biete. Zudem böten der Betriebsrat und vor allem die Stadt Bergisch Gladbach viel Unterstützung, u. a. durch eine Jobbörse am Montag, 3. Dezember, auf der lokale Unternehmen ihre offenen Stellen präsentieren könne.

Angesichts der sehr schwierigen Vorzeichen müsse die Rettung von 300 Arbeitsplätzen durchaus als Erfolg betrachtet werden, so d’Avoiné.

Über die weiteren Details der Übernahme wurde zunächst Stillschweigen vereinbart.

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Redaktion

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