Neue Perspektive für die Stationsstraße

Der Vorschlag der Stadtverwaltung zur Neuordnung des Verkehrs in der westlichen Innenstadt ist im Planungsausschuss auf viele Fragen und Kritik gestoßen. Er wurde vorerst gestoppt. 

Mit der Sperrung der Rampe an der Stationsstraße und dem Bau von zwei neuen Straßen am Gleisdreieck Kuhler Busch wollen die Stadtplaner den Verkehr in der City entzerren und mehr Kapazität für diejenigen Autos schaffen, die künftig die geplanten neuen Verwaltungsgebäude und Wohngebiete in der Innenstadt ansteuern.

Dem Stadtplanungsausschuss lagen am Mittwoch zwei umfangreiche Verkehrsuntersuchungen vor. Und auch schon  Empfehlungen der Verwaltung, die wichtige Vorentscheidungen enthielten:

  • Beim Gleisdreieck sollte der Ausschuss die Variante 4K (Anschluss der Bucholzstraße und der Kalkstraße über zwei neue Straßen und den alten Bahndamm zum Refrather Weg) „zustimmend zur Kenntnis nehmen”.
  • Bei der Stationsstraße sollte der Ausschuss den Empfehlungen des Gutachters zustimmen, der eine Sperrung der Rampe zur Stationsstraße enthält, mit einer Öffnung der Umfahrung der RheinBerg Passage in beiden Richtungen.
  • Teil der Empfehlung war es zudem, die Bushaltestelle „Markt” an die Gohrsmühle zu verlegen.

Gegen alle drei Punkte gab es erheblichen Widerstand in den großen Fraktionen, mit den unterschiedlichsten Argumenten. Am Ende kam die Verwaltung mit keinem Vorschlag durch. (Wir dokumentieren beide Beschlussvorlagen unten.)

In der Debatte meldete sich zuerst Friedhelm Bihn, der den Inklusionsbeirat (und den VCD) vertritt. Die Pläne für das Gleisdreieck stünden im Widerspruch zur bundesweit ausgerufenen Verkehrswende, die nicht aus den Autoverkehr, sondern (auch) auf die Schiene setze. Er kündigte erbitterten Widerstand gegen die Pläne der Stadt an, die Bushaltestelle am Markt zu schließen und mehrere Tausend Passagiere durch den Kreisverkehr zu einer Haltestelle an der Gohrsmühle  zu leiten. Dabei habe er nicht nur den Seniorenbeirat, sondern auch die Händlerschaft und die Marktbeschicker auf seiner Seite.

Harald Henkel (CDU) wandte sich energisch gegen die Aufgabe der Rampe, weil sie für Polizei und Feuerwehr wichtig sei. Zudem bezweifele er, dass so eine Entlastung der Stationsstraße erreicht werden könne.

Andreas Ebert (SPD) kritisierte die einseitige Ausrichtung der Pläne auf den Autoverkehr. Zwar gebe es gute Argumente für die zwei Straßen auf dem Gleisdreieck, aber auch große Nachteile. Zum Beispiel würde eine der Straßen das Gelände der FHDW durchqueren. Klar sei zudem, dass neue Straßen neuen Verkehr anziehen. Eine Sperrung der Rampe würde bedeuten, dass der Verkehr durch Gebiete geleitet werde, die gerade als Wohngebiete ausgebaut werden.

Roland Schundau (Grüne) forderte ein Ende des Auto-Zentrismus. Statt dessen müsse die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt gestärkt werden. Er begründete einen Antrag der Grünen, der eine neue Untersuchung durch ein anderes Planungsbüro fordert. Schwerpunkte müssten die Stärkung de ÖPNV, des Fuß- und Radverkehrs sowie eine bessere Nutzung des vorhandenen Tunnels sein.

Für die Verwaltung betonte Stadtplanerin Wibke Krause, dass die Innenstadt im Gesamtzusammenhang gesehen werden müsse, im Vorgriff auf ein kommendes Integriertes Handlungskonzeptes. Für die Entwicklung des Zandersgeländes würden mehr Verkehrsflächen gebraucht. Aber die Planungen stünden noch ganz am Anfang.

Tatsächlich ist die Stadtverwaltung noch nicht einmal soweit. Der Ausschuss beschloss einstimmig, die Entscheidungen zu vertagen. Zunächst soll ein interfraktioneller Arbeitskreis einberufen werden, der alle offenen Fragen erörtet. Die Forderung von Edeltraut Schundau (Grüne), auch die Bürger zu beteiligen, fiel dabei unter den Tisch.

Dokumentation: Beschlussvorlagen

Alle Dokumente und Untersuchungen zum Gleisdreieck

Alle Dokumente und Untersuchungen zum Verkehr westliche Innenstadt

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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2 Kommentare

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  1. Um an Rolf Havermann anzuknüpfen: Leider fallen in Bergisch Gladbach nicht nur Radfahrer und Fußgänger durch das Sieb, sondern auch Bus und Bahn. Ich kann nur heftigst an die Verantwortlichen in dieser Stadt appellieren, den alten Bahndamm an keiner Stelle für Straßenprojekte zu missbrauchen.

    Auch wenn das die derzeitigen Verwaltungsleute und Kommunalpolitiker nicht sehen (wollen): Der Bahndamm wird noch als solcher gebraucht – für eine dringend notwendige Querverbindung zwischen S-Bahn und KVB Linie 1. Immerhin leben und arbeiten dort genügend Menschen, die eine Bahn-Haltestelle in ihrer Nähe brauchen könnten – als Beispiele seien hier nur Finanzamt, Gewerbegebiet Zinkhütte, Eissportarena, Mediterana und Schulzentrum Saaler Mühle genannt. Am besten wäre es daher auch, den Bahndamm für eine Straßenbahnverbindung zu nutzen – weil hier mehr Haltestellen möglich wären als bei einer Verlängerung der S-Bahn bis Frankenforst.

    Sinnvoll wäre die Bahndamm-Nutzung daher zunächst als Abzweig der Linie 1 von Köln nach Bergisch Gladbach. Richtig prickelnd wird das Ganze aber erst, wenn dereinst die Verlängerung der Linie 1 in Angriff genommen wird – wegen mir gerne bis nach Kürten. Denn dann wäre auch eine eigene Straßenbahnlinie von Bergisch Gladbach ins Bergische möglich.

    Ich wünsche mir sehr, dass die Verantwortlichen dieses Entwicklungspotenzial erkennen und dann auch realisieren. Im Vergleich dazu erscheint das zweite S-Bahn-Gleis von Dellbrück nach Gladbach, das derzeit ja fast als verkehrspolitischer Heilsbringer hochgepusht wird, als ziemliche Nullnummer.

  2. Warum sieht sich die Verwaltung nicht als Verwaltung sondern als Bestimmer? Wie oft muss der Rat noch diesen Bestimmern Planungen um die Ohren hauen, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen? Wer hat die Verwaltung derart im Griff, dass die taub ist für die weltweite Bestrebung, Schadstoffemissionen zu minimieren, wofür auch viel mehr Autos von der Straße müssen.? Warum fallen Radfahrer und Fußgänger immer wieder durch ein Sieb, das in seiner Durchlässigkeit nur den motorisierten Individualverkehr aufhält, um für diese Klientel alles tun zu können? Sind Menschen ohne LKW und Auto dafür ab gerne radfahrend, Kinderwagenführende und ältere Menschen und solche mit Behinderung bis hin zum Rollstuhl nur zu vernachlässigendes Übel?

    Das ist menschenverachtend, diskriminierend und wird keinesfalls den Aufgaben gerecht, die eine Verwaltung zu leisten hat. Wie viel Zeit und wie viel Geld mag schon geopfert worden sein, um immer wieder diese unsinnigen Planungsentwürfe auf den Tisch zu bringen?

    Dass der Schwanz mit dem Hund wedelt, sollte endlich ein Ende haben.