So könnte das Straßennetz in einigen Jahren aussehen. Foto: Screenshot Machbarkeitsstudie VIA

Große Bauprojekte in der City werden die Straßen noch weiter belasten. Daher denkt die Stadt jetzt darüber nach, den Verkehr in der westlichen Innenstadt ganz neu zu ordnen. Eine neue Machbarkeitsstudie schlägt eine große Lösung vor.

Über die Überlegungen, die Rampe zwischen Stationsstraße und Paffrather Straße zu sperren und den Busverkehr vom Markt zu nehmen, hatten wir bereits berichtet. Das sind aber nur Bestandteile eines Masterplans für den gesamten Bereich zwischen Bahnhof und Finanzamt.

Diese Grafik zeigt, wie viele Fahrzeuge pro Tag die einzelnen Straßen befahren. Foto: Screenshot Machbarkeitsstudie VIA

Schon lange herrscht hier, auf der Stationsstraße, am Driescher Kreisel und am Refrather Weg ein Verkehrschaos. Zwei absehbare Entwicklungen sorgen jetzt dafür, dass die Stadt handeln muss – und auch kann.

Erstens wird rund um den Bahnhof herum kräftig gebaut: mit dem Stadthaus ein riesiges Verwaltungsgebäude, auf dem Koettgen-Gelände (Jakobstraße) ein Gewerbemischgebiet und auf dem Cox-Areal (Kalkofen) ein Wohngebiet. Und auch auf dem Steinbüchel-Gelände entstehen Wohnungen. Irgendwann wird dann das Zanders-Gelände neu entwickelt. Alles das sorgt für zusätzlichen Verkehr.

Zweitens baut die Bahn (in einigen Jahren) ein zweites S-Bahngleis. Das verkürzt den S-Bahn-Takt auf zehn Minuten, erfordert aber entlang der Bahntrasse umfangreiche Arbeiten, die vor allem die Übergänge Tannenbergstraße und Buchholzstraße betreffen.

Und dann gibt es noch den alten Bahndamm mit dem sogenannten Gleisdreieck, eine kaum genutzte Fläche am Kuhlerbusch.

Das Gleisdreieck Kuhlerbusch ist auf dem Luftbild gut erkennbar, im Süden biegt der alte Bahndamm ab. Foto: Screenshot/Google maps

Alle diese Faktoren sind in eine Machbarkeitsstudie des Planungsbüros VIA eingegangen. Vor knapp zwei Jahren hatten wir zum ersten Mal über diese Überlegungen berichtet, die Pläne waren aber nicht gr0ß beachtet worden.

Jetzt haben die VIA-Experten ihre Studie vorgelegt – und schlagen eine ziemlich große Lösung (Variante 4K) vor. Das Ergebnis in der Kurzfassung:

  • Es wird eine neue Straße von der Tannenbergstraße und der Kalkstraße über das erste Teilstück des alten Bahndamms bis zum Refrather Weg gebaut.
  • Eine weitere Straße soll von der Buchholzstraße ebenfalls am Gleisdreieck entlang zum Refrather Weg führen.
  • Die Buchholzstraße und die Unterführung soll neu und deutlich größer ausgebaut werden.
  • Der Übergang Tannenbergstraße wird für Autos geschlossen und ist nur noch von Radfahrern und Fußgängern passierbar.

S-Bahn (rot) und neue Straßenverbindungen. Foto: Screenshot Machbarkeitsstudie VIA

Durch diese neuen Straßen würde der gesamte Bereich um den Gronauer Kreisel bis hin zur Stadtmitte vom motorisierten Individualverkehr entlastet, sind sich die Verkehrsplaner sicher. Daher befürwortet die Stadtverwaltung den Vorschlag.

Das ganze Verkehrspaket wird am 3. Juli in der öffentlichen Sitzung des Stadtentwicklungs- und Planungsausschusses vorgestellt. Die Ratsmitglieder sind zuvor (unter Ausschluss der Öffentlichkeit) informiert worden.

Die vorgeschlagene Lösung wird die Verkehrsbelastung in der Innenstadt völlig neu verteilen. Neben Gewinnern wird es dabei aber auch Verlierer geben, zum Beispiel im Bereich der Buchholzstraße. Daher ist mit einer längeren und intensiven Debatte zu rechnen.

Die Wirkung: Die Grafik zeigt, welche Straßen zusätzlichen Verkehr aufnehmen (orange) oder mit weniger Autos klar kommen müssen (grün). Foto: Screenshot Machbarkeitsstudie VIA

Und es gibt einige Klippen, die die Stadt noch umschiffen muss. So setzt der Plan den Rückbau des stillgelegten Gütergleises zum Industriegebiet Zinkhütte voraus. Zudem befinden sich einige der benötigten Grundstücke nicht im Besitz der Stadt.

Und dann bleiben da noch die Radfahrer: Die Autoren der Machbarkeitsstudie kommen zwar zum Schluss, dass mit den vorgeschlagenen Maßnahmen eine ausreichende Verkehrsqualität für Autofahrer erreicht werden können, aber nicht für Radler und Fußgänger. Dafür seien zusätzliche Maßnahmen möglich, wie Fahrbahnteiler oder Unterführungen.

Machen Sie sich selbst ein Bild, wir dokumentieren die Machbarkeitsstudie unten. Die Ausschusssitzung findet am 3. Juli um 17 Uhr im Rathaus Bensberg statt. Unsere früheren Beiträge zum Thema finden Sie noch weiter unten.

Dokumentation:

Weitere Beiträge zum Thema:

Eine ganz neue Idee für die Stationsstraße

Neue Pläne für zwei neue Straßen zum Bahndamm

Den Bahndamm ganz neu denken


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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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15 Kommentare

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  1. Hallo Frau Weber,
    es gibt eine Vorschrift, wieviele KFZ-Stellplätze (oder Garagen) bei einem Neubau angelegt werden müssen. Leider werden die meisten Garagen mittlerweile anders genutzt als für ein KFZ. Da stehen dann der Rasenmäher, die Fahrräder, ein Kühlschrank, … Manch eine Garage wird gar als Depot für den Trödelmarkt zweckentfremdet.
    Würde jede Garage zweckgemäß (und damit nach Baugenehmigung) genutzt, sähe es im öffentlichen Raum ganz anders aus. Und wenn die Stadtverwaltung mehr Personal hätte, könnten sicherlich auch Überprüfungen durchgeführt und Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet werden.
    Es gab früher auch mal die Möglichkeit, sich freizukaufen. D.h., man hat Geld gezahlt und damit wurden dann Parkflächen im öffentlichen Raum errichtet. Die liegen dann halt nicht direkt beim Haus/der Wohnung. Z.B. Parkplatz Buchmühle. Aber die Diskussion erfährt man ja jetzt. Die Bewohner der Laurentiusstraße beklagen, dass die Stellplätze vor der Haustür verschwinden sollen im Zuge der Einrichtung als Fahrradstraße.

  2. 1957 gab es ein Wahlplakat mit dem Bildnis Konrad Adenauers und dem Schrieb „Keine Experimente“. Nun so ganz ohne ging es in den vergangenen 70 Jahren nicht. Aber im Großen und Ganzen haben uns die Union und SPD doch, auch in sehr kritischen Jahren, wirtschaftlichem Erfolg und Wohlstand gebracht. Doch die Unzufriedenheit erwächst auch aus einem vollen Bauch. Unzufriedenheit auf allen Ebenen. Ich kann nur hoffen, die Zeit die ich als Kind erleben musste bleibt den kommenden Generationen erspart. Wir haben es am 26.9.21 in der Hand.

  3. ehrlich? es läuft doch alles darauf raus, dass der Bahndamm für den Autoverkehr herhalten soll. Die Planungen der neuen Straßen enden – wie Wunder – direkt am Bahndammaufgang.

    Außerdem: neben dem jetzigen Bahndamm läuft bereits ein Radweg! Warum noch einer 2 Meter höher????

    Die Stadtverwaltung hätte sich vor der Genehmigung so vieler neuer Wohnungen darüber Gedanken machen müssen, wo und wie die Autos unterzubringen sind.
    Mal wieder zu spät

  4. @Mehmet Schreiner, ganz wesentlichen Anregungen von Ihnen möchte ich nochmals Nachdruck verleihen und sie deutlich unterstützen und bin auch auf die Diskussionen am 14. 9. 21. um 17 Uhr im Ausschuss für strategische Stadtentwicklung und Mobilität gespannt.

    Die KVB-Linie vom S-Bahnhof bis zum Technologiepark würde schon reichen in Verbindung mit einem Radweg auf dem Bahndamm, das wäre ein deutlich in die Zukunft gerichtetes Verkehrsprojekt für die Stadt und machen wäre sehr viel besser als immer wieder verwirrende punktuelle Lösungen zu studieren.

    Der Fahrradweg über den Bahndamm würde den modalen Shift unterstützen und die KVB-Linie kann außerdem noch die Verbindung des Netzes der DB/S 11 sicherstellen mit den Vorteilen der innerstädtischen Verbindung Gladbach / Bensberg bis hin zum größten Arbeitgeber der Stadt in Moitzfeld. Zusätzlich wird das stark wachsende Wohnungsangebot in Gladbach mit neuen umweltverträglichen Verkehrsverbindungen im Nahbereich erschlossen, bis hin zum möglichen Anschluss an den Agger/Sülz Radweg.

    Zur besseren Anbindung an das Netz der Deutschen Bahn sollten in jedem Fall die Arbeiten für das 2. Gleis fertiggestellt werden. Die Verlängerung der Linie 18 bis auf das Zanders Gelände, vielleicht ein Verkehrsbauwerk an der Poststraße, das wäre eine zusätzliche Option.

    @Benno Nuding kann ich nur zustimmen in seinem Kommentar, wobei ich seine Frage: „Und das soll funktionieren?“ mit einem klaren „Nein“ beantworten würde. Wenn ich eine „scheinbar“ große Lösung plane die vieles außen vor lässt, dann schaffe ich vielleicht wie dargestellt den „großen Wurf punktuell“, vielleicht bringt der direkt in der Örtlichkeit außer viel Beton sogar einen überschaubaren Nutzen, dem Verkehrskonzept für die Stadt diene ich mit einem solch punktuellen Ansatz eher nicht, außer dass ich großen Erwartungen wecke.

    Den Verkehr verteilt auf viele Straßen und vordringlich überlegte Maßnahmen zur schnellen Unterstützung des modalen Shifts, das sind die angesagten politischen Entscheidungen heute, zumal für die wachsende Innenstadt. Dabei sollte und muss für eine „große Verkehrslösung“ der Stadtteil „Zanders-Gelände“ unbedingt mit einbezogen sein, 37 Hektar Innenstadt.

    Bei allen Planungen sollte unbedingt für die Stadtentwicklung eine erkennbare Leitidee verfolgt werden und das geht nicht ohne Bürgerbeteiligung. Wie wollen wir Leben und Arbeiten in unserer Stadt?

  5. Sehr geehrter Herr Förster, die Kommentarfunktion ist eigentlich dazu gedacht, Themen inhaltlich zu kommentieren und zu diskutieren. Wenn Sie dringende persönliche Fragen haben können Sie sich gerne direkte an die redaktion@in-gl.de wenden. Bitte überlegen Sie vor einer Veröffentlichung, ob es wirklich angebracht ist, damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

    Im konkreten Fall hilft ein Blick auf das Datum des Beitrags. Der ist 30.6.2019 und verweist auf eine Sitzung am 3. Juli 2019.

  6. Würde man mit der Straße über das Gleisdreieck nicht die Möglichkeit der Straßenbahn über den Bahndamm final begraben?

    Eine KVB Linie an vom S-Bahnhof über FHDW, Finanzamt, Nelson Mandela Schule, Industriegebiet, Golfplatz/Lückerath, Mediterana/Saaler Mühle und dann Richtung Köln und langfristig zusätzlich nach Bensberg/Herkenrath für innerstädtischen Verkehr.
    Daneben einen Radweg und gut ist die Sache.
    Alle 20 Min die S-Bahn und alle 20 die straßenbahn, dann hat man einen 10 Min-Takt nach Köln, schließt Brück, Merheim etc. an das Zentrum an und kann sich sogar noch das 2. Gleis sparen.

  7. Mich würde interessieren, Herr Nickel, wem Sie Ihre Überzeugung verdanken. Es muss ein Mensch, sein, dessen Behauptungen Sie aufgesessen sind, Fakten können es nicht sein!

  8. Erklärtes Ziel von Politik und Verwaltung ist es, Radverkehr und ÖPNV zu stärken.

    Und dann wird ein Verkehrskonzept vorgeschlagen, bei dem bereits bei der Planung lange Wartezeiten für Fussgänger und Radfahrer prognostiziert werden (Qualitätsstufe E). So wird man die Bürger nicht dazu bewegen, auf ihren PKW zu verzichten.

    Für den KFZ Verkehr sieht es formal besser aus (Qualitätsstufe D und damit eine Stufe besser). Wenn man in der Machbarkeitsstudie nachliest erfährt man, was das genau heißt: „Die Wartezeiten sind für die betroffenen Verkehrsteilnehmer beträchtlich. Auf dem betrachteten Fahrstreifen tritt im Kfz-Verkehr am Ende der Freigabezeit in den meisten Umläufen ein Rückstau auf.“

    Und diese Prognose berücksichtigt nur den zusätzlichen Verkehr durch die Bebauung in den Bereichen „Jakobstraße“, „Am Kalkofen“, „Steinbüchel Gelände“ und „Neues Stadthaus“. Der zusätzliche Verkehr aus den neuen FNP Gebieten wird noch nicht eingeplant und trotzdem erreicht die Planung schon die Kapazitätsgrenze der Verkehrsknotenpunkte.

    Und das soll funktionieren?

  9. @ Herr Nickel

    Nein, der Bahndamm bietet keine Entlastungsmöglichkeit, sondern eine Lösung nach dem St. Floriansprinzip. Sie wollen andere Menschen in dieser Stadt (zu ihrem Vorteil?) belasten, eine Lösung ist es nicht, maximal ein Nullsummenspiel.

    Vermutlich wird der LKW-Verkehr aber dann noch zunehmen, da es für Krüger und Co noch günstiger wird, zulasten der Anwohner, der Schüler von OHG&OHR und allen, die die Saaler Mühle als Naherholungsgebiet nutzen möchten.

    Es wurden für (Vor-)Planungen dieses Unsinns schon Millionen verschwendet, für eine Lösung, die keine ist!

  10. Das ist ja die Höhe! Erst wird gebaut was das Zeug hergibt und dann wird darüber nachgedacht, wie man den Verkehr in den Griff bekommt! So geht das die ganze Zeit mit unseren „Verwaltern“.

    Erst wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, muss man Lösungen für den Verkehr „entwickeln“ und weiteren wertvollen Boden mit Beton übergießen.

    Es wird sicherlich leider so sein, dass nach den Jahren der Verwüstung keiner mehr von der Verwaltung und der Politiker zur Rechenschaft gezogen und für solche Fehlentscheidungen, die uns alle betreffen verantwortlich und bestraft werden können. Nur weiter so, ihr schneidet Euch selbst den Ast ab, auf dem ihr sitzt!
    Ihr werdet erst Ruhe geben, wenn der letzte Baum gefällt ist.

  11. Es ist unfassbar wie im aktuellen Kontext der Pkw Individualverkehr weiter präferiert wird. Das Ergebnis von dessen Verkehrsflussverbesserung wird wie bei all solchen Projekten sein: Noch mehr Verkehr, Lärm und Umweltbelastung.

  12. Außerhalb der Öffentlichkeit fanden die Erläuterungen zu den Verkehrsplänen im Bereich der City statt. Mal wieder. Die Beschlussvorlage der Verwaltung für den Planungsausschuss am 3.7. sieht bereits vor, dass eine bestimmte Variante der Ausbaupläne zustimmend zur Kenntnis genommen wird. Andere Möglichkeiten scheiden so schon im Vorfeld aus und sind von der Verwaltung ausgefiltert worden. Am Ende ist alles alternativlos. Das betrifft auch die übrigen Pläne zur Innenstadt, die Verlegung der Haltestelle „Markt“, die dadurch bedingte Vernachlässigung der Oberen Hauptstraße, die auch durch die Verlegung der Stadtbücherei geschwächt wird. Wesentlich ist aber, dass nun ein Teil des Bahndammes für den LKW und PKW-Verkehr genutzt werden soll. Will man sich so durch die Hintertür eine aussichtsreiche Position für das Wiederaufleben der alten Autobahnzubringerpläne über den gesamten Bahndamm schaffen?

  13. Lernen von den Niederländern, wie man Radverkehr sinnvoll und sicher integrieren kann, so das dieser flüssig fließen kann. Aber bitte auch mit ausreichendem Platz und nicht die typisch Deutsche Handtuchbreite für Radfahrer, Fußgänger, E Roller, Rollstühle, Rollatoren….