Der Halteplatz in der Straße Kippekausen, gegenüber des Friedhofs, ist besonders umstritten. Fotos: Andreas Weinand

Rechtzeitig zum Schuljahresbeginn hat die Stadt auch in Refrath zahlreiche Elterntaxi-Haltestellen eingerichtet. Auf Wunsch der Schulen und einiger Eltern. Aber bei Anwohnern und Passanten gibt es Unmut, Kritik und Fragen. Wir haben einige Antworten.

Sie sind deutlich mit blauer Farbe abgetrennt und mit einem Parkverbotschild gekennzeichnet: Halteplätze für Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. Die sich aber nicht direkt vor den Schulen befinden. 14 gibt es davon im gesamte Stadtgebiet, neun wurden jetzt in Refrath neu aufgemalt.

Steinbreche, beim Refrather Treff

Bei Anwohnern und Passanten stößt das auf vielstimmige Kritik. So wird angezweifelt, ob die Standorte überhaupt genutzt werden. Auch die Farbe gefällt nicht allen. Auf Unverständnis stößt aber vor allem die Wahl der einzelnen Standorte.

So heißt es, die Stationen vor dem Refrather Treff (Steinbreche) und am Friedhof in Kippekausen machten wenig Sinn, weil die meisten Eltern zunächst an den dortigen Schulen vorbei fahren, die Kinder absetzen und dann auf der Straße wenden müssten.

Der Platz an der Dolman-Straße sei dagegen gut geeignet für Autofahrer, die weiter zur Autobahn wollen.

Auf dem Weg zur Autobahn, nach Köln: Haltepunkt Dolmanstraße

Und dann gibt es noch die grundlegende Kritik: Ermuntert man mit diesen Haltestellen Eltern nicht erst Recht, ihre Kinder mit dem Auto (fast bis) zur Schule zu fahren  – anstatt sie zu Fuß gehen zu lassen?

Debatten zum Thema finden Sie in den Facebook-Gruppen „Politik in GL”  und „Du kommst aus Refrath, wenn …” – und unten im Kommentarfeld.

Genau das ist auch eigentlich das Ziel der Stadtverwaltung. Denn mit vollem Titel nennt sich das Projekt „Gehspaß statt Elterntaxi“, stellt die Stadt auf Anfrage des Bürgerportals klar: Es gehe darum, Aussteigepunkte für die Kinder zu finden, von denen aus sie sicher zur Schule kommen, aber auch noch ein Stück laufen müssen.

Deshalb befinden sich die Haltezonen grundsätzlich und mit Absicht in einiger Entfernung zu den Schulen. Sie werden mit blauer Farbe deutlich markiert und mit einem temporären Parkverbot (7:30 bis 8:30 und 12 bis 15:30 Uhr) versehen.

Die Station in der Steinbreche, beim Refrather Treff

Der Hintergrund ist klar: Bewegung tut den Kindern gut, vor allem aber soll das tägliche Chaos vor den Schulen abgemildert werden. Das sorgt an vielen Orten für große Belästigungen der Anwohner, belastet den Verkehr massiv und ist für die Kinder gefährlich.

Parallel zur Einrichtung der Haltezonen führen die Schulen ein sogenanntes „Verkehrszähmer-Programm“ durch. Und SchülerIinnen, die zu Fuß und mit dem Rad kommen oder an den Elterntaxi-Stationen aussteigen, kommen „Bonussternchen” im Unterricht.

Im Geoportal der Stadt sind alle Haltezonen (auch über Refrath hinaus) verzeichnet, auch die Schulen und Kitas. Foto: Screenshot

In Refrath wurden jetzt drei Schulen mit Elterntaxi-Haltezonen versorgt:

  • KGS In der Auen mit zwei Haltezonen, beide In der Auen
  • KGS Kippekausen mit drei Haltezonen: An der Wallburg, Kippekausen und Burgplatz
  • GGS An der Steinbreche mit vier Haltezonen: Steinbrecher Weg, Bernard-Eyberg-Straße, Dolmanstraße

Darüber hinaus gibt es in Bergisch Gladbach weitere Haltestellen in Hand, Bensberg und Sand:

  • KGS/GGS Hand, drei Haltezonen: Handstraße, Dellbrücker Straße, Peter-Walterscheidt-Straße
  • KGS/EGS Bensberg, eine Haltezone in der Schlossstraße, zwei weitere sind in Vorbereitung (Falltorstraße, Rosenhecke)
  • GGS Sand, eine Haltezone auf dem Dorfplatz an der Herkenrather Straße

Mit drei weiteren Grundschulen ist die Stadt im Gespräch, die Pläne seien aber noch nicht konkret genug, um die Standorte schon zu nennen, berichtet die Verwaltung.

Damit wird auch klar, dass die Elterntaxi-Zonen nicht am Grünen Tisch geplant werden. Sondern dass das Mobilitätsmanagment der Stadt auf Anfragen von Schulen und Eltern reagiert – um dann gemeinsam mit ihnen sowie der Polizei und Ordnungsamt geeignete Plätze festlegen.

Die Anwohner und Eltern, so die Verwaltung, werden vorab informiert. Dazu verteilt die Stadt für jede Schule Flyer, in denen Standorte und mögliche Wege zur Schule aufgezeigt werden.

Dokumentation:

Weitere Beiträge zum Thema:

„Elterntaxi” verletzt Grundschüler

Stadt verteidigt Verkehrsprojekt in der „Rosenhecke”

Positive Zwischenbilanz für „Geh-Spaß statt Elterntaxi“

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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7 Kommentare

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  1. Mit dem Fahrrad schicke ich meine auch nicht. Das kriegen die noch nicht sortiert im Verkehr und die Fahrradprüfung ist erst in der 4.Klasse (m.E. zu spät).
    Tretroller/Scooter (natürlich ohne „e“) sind eine gute Alternative. Der Schulhof an der Concordia in Schildgen ist voll damit.
    Und bei Regen oder Schnee gehen/gingen meine Kinder ganz altmodisch zu Fuß.
    Ich würde nicht im Traum darauf kommen Taxi zu spielen.
    Bei uns gab es auch ein paar Jahre Laufbusse. Leider ist das wieder eingeschlafen, als die Eltern, die das initiiert hatten, keine Kinder mehr an der Schule hatten. War trotzdem eine gute Sache.
    Jährlich werden bei uns auch „Grüne Meilen“ gesammelt. Das ist eine Aktionswoche in der es für jeden Schulweg, der ohne Auto zurückgelegt wird, einen Aufkleber gibt.
    Die Kinder finden es toll und es bleiben immer ein paar neue beim „Fußweg“ hängen.
    Meist ist es nämlich nicht der Wunsch der Kinder gebracht zu werden.

  2. Ich bin in Rath zur Schule gegangen. Von der Göttersiedlung bis zum Stachelsweg waren es jeden Morgen ca. 25 Minuten inkl. Einsammeln aller Freunde auf dem Weg. Bei Regen, Sonne und Wind. Meine Eltern wäre es nicht im Traum eingefallen, mich länger als in den ersten Wochen des ersten Schuljahrs auf diesem Fußweg zu begleiten. Damals wechselten die Mütter sich ab, damit wir lernten, wie wir die Rösrather Strasse selbständig und gefahrlos überqueren können. Nach vier Wochen gingen wir dann alleine und fühlten und dabei wunderbar! Uns hat nichts gefehlt und… ich habe es überlebt ;)

    Nun haben wir hier in Refrath freie Sicht auf den ganzen Wahnsinn, der sich morgens vor unserer Tür abspielt. Parken im Halteverbot, wildes Hupen, Parken bis in die Kreuzung Holunderweg, doppelte Haltereihen vor den Lehrerparkplätzen…. ich würde gerne mal die Feinstaubbelastung an dieser Stelle an einem ganz normalen Morgen messen lassen. Vielleicht würde die Tatsache, dass diese sich in einem gesundheitsgefährdenden Bereich abspielen wird einige Eltern dazu veranlassen, das Auto nicht mehr zu benutzen.

    Ich bin davon überzeugt, dass die einzig sinnvolle Lösung diesem Wahnsinn Einhalt zu gebieten ist, die Eltern wachzurütteln – ggf. auch über konsequentes Verteilen von Knöllchen (denn vor der Schule ist Halteverbot!).

    Oder mal eine ganz verrückte Idee: vielleicht sollten in den ersten vier Wochen die Schulen in einem Umkreis von 50 Metern per Barken gesperrt werden. Einzig für die Anwohner müsste es die Möglichkeit geben, diese Zonen verlassen zu dürfen (um ggf. selbst zur Arbeit zu kommen) Dafür bräuchte es vier Wochen lang ehrenamtliche Helfer, die morgens die Barken aufstellen und diese nach Schulbeginn wieder zur Seite räumen. Die Eltern wären gezwungen, ihre Kinder vom ersten Tag an laufen zu lassen, und wenn dann nach vier Wochen keine Barke mehr da wäre, würde vermutlich auch keiner mehr das Bedürfnis haben, die Kinder bis vor die Schule zu fahren, denn es hätte sich ja gezeigt, dass die Kinder das hinbekommen.

  3. Die Kinder besitzen alle ein Fahrrad, sind aber, da sie kleine Kinder sind, nicht in der Lage, im Straßen Verkehr zurecht zu kommen und schon gar nicht mit einem viel zu schweren Schulrucksack.

  4. Warum kaufen die Eltern ihren Kindern nicht einfach ein Fahrrad und gut is!! Alleine der Begriff “ELTERNTAXI” ist ja schon ein Witz. Bei mir vor der Tür parken die NICHT mehr!!!

  5. uten Tag,
    leider muss ich sagen das hier die Berichterstattung doch etwas einseitig ist.
    Die Anwohner oder besser gesagt die Bewohner der Häuser wurde nicht wirklich vorab informiert, sondern nachdem entschieden wurde wo die Plätze hinkommen. Das nenne ich keine Vorabinformation sondern eine Feststellung. Auch muss ich leider sagen, das z.B. das Schild auf der Steinbreche so schlecht aufgestellt wurde, das wenn zwischen den Zeiten dort Autos parken ein Kinderwagen oder ein Rollstuhl nur sehr schlecht vorbei kommt und auf die Straße ausweichen muss (selber gesehen). Hier sollte über die Platzierung des Schildes nochmal nachgedacht werden, ob man dieses wenn der Halteplatz nun schon mal zum Unmut da ist, auch so hingestellt das es keine Behinderung gibt.
    Ob diese oder die anderen Halteplätze sind machen, die Frage stellt sich doch gar nicht. Es gibt so vieles in BGL was keinen Sinn macht, da kommt es wahrscheinlich auf ein oder zwei Sachen mehr oder weniger nicht mehr an. Die Stellen die zum Teil in Refrath ausgesucht wurden sind für mich leider nicht nachvollziehbar (gegenüber einer Straße mit rechts vor links Verkehr, auf einer Hauptverkehrsstraße die morgens sowie so schon überlastet ist und durch das ein- und ausparken noch mehr Stau verursacht, eine Entlastungsstraße 30 Zone die als Rennstrecke genutzt wird und überlastet ist) dies sind nur einige kleine Beispiele. Leider hat man das Gefühl, das hier nicht zu Ende gedacht wurde…

  6. Darf man auf diesen Parkplaetzen mit Behinderten Parkausweiss parken oder wird man dort jetzt benachteiligt?

    Bei dem Parkplatz vor dem Refrather Treff wurde das Verbotsschild mitten aus dem Buergersteig aufgestellt. Wenn dort ein groesseres Auto steht, muss man als Rollstuhlfahrer auf die Strasse ausweichen. Bravo!!

  7. Was halten Sie von den Elterntaxi-Stationen? Macht das Sinn? Und wenn ja, auch an diesen Orten?