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Christian Möbius ist Partner der Sozietät Bietmann mit dem Schwerpunkt Zivil- und Erbrecht

Kaum einem anderen Thema gehen die Bundesbürger lieber aus dem Weg als der Regelung des eigenen Nachlasses. Wer beschäftigt sich schon gerne mit dem eigenen Tod? Dieses Thema ist irgendwie unangenehm, wird gerne verdrängt oder auf die lange Bank geschoben.

Dabei ist es eine oft trügerische Hoffnung des Erblassers, dass die Familie schon zusammenstehen wird und kein Streit aufkommen wird.

Die Realität sieht häufig anders aus: Erbitterte Verteilungskämpfe, sich gegenseitig blockierende Angehörige und kostspielige Rechtsstreitigkeiten lassen Familien dauerhaft entzweien. Hätte der Erblasser über die Folgen seines Nichtstuns bereits zu Lebzeiten nachgedacht, hätte er sicher rechtzeitig für Klarheit gesorgt.

Nur eine Minderheit hat ein Testament

Die Möglichkeit zur Errichtung eines Testaments und damit zur selbstbestimmten Vermögensnachfolge nutzen aber nur rund ein Viertel der Bundesbürger. Die Gestaltung der Vermögensnachfolge mittels klarer Regelungen ermöglicht dem Erblasser eine gezielte Vermögensverteilung und hilft, Streitigkeiten unter den Erben zu vermeiden.

Leider ist aber oftmals festzustellen, dass letztwillige Verfügungen unpräzise, auslegungsbedürftig, steuerlich nachteilig oder gar massiv fehlerhaft sind. Nicht selten muss deshalb die Frage, wer was bekommt, durch Gerichte entschieden werden.

Denn leider ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass Testamente Interpretationsspielraum zulassen. Bei einer solchen Interpretation ist zu ergründen, was der Erblasser tatsächlich wollte.

Vielfach fehlen dem Verfasser eines Testaments grundlegende Kenntnisse über den Unterschied zwischen einzelnen Begrifflichkeiten.

So ist der Unterschied zwischen „Vererben“ und „Vermachen“ einer Vielzahl von Personen unbekannt und wird deshalb oftmals in Testamenten fehlerhaft verwendet. Schon ist der erste Anknüpfungspunkt für möglicherweise nachfolgende Streitigkeiten gefunden.

Grundlegende Kenntnisse – etwa über den Unterschied zwischen Vererben (auf Erben geht nicht nur Vermögen über, sondern auch alle Rechte und Schulden des Verstorbenen) und Vermachen (Übertragung einzelner Vermögensgegenstände) – sind Voraussetzung dafür, Unklarheiten zu vermeiden.

Denn es sind solche Unklarheiten, die zu teilweise erbitterten Auseinandersetzungen unter den Erben führen und in der Folge Gerichte beschäftigen.

Unterschiede bei Verfügungen von Todes wegen

Im Gegensatz zum notariellen Erbvertrag kann ein Testament vom Erblasser jederzeit frei widerrufen werden. Dies gilt auch für gemeinschaftliche Testamente von Ehegatten, allerdings mit der Besonderheit, dass der Widerruf von so genannten wechselbezüglichen Verfügungen grundsätzlich nur bis zum Tod des anderen Ehegatten möglich ist.

Verfügungen sind immer dann wechselbezüglich, wenn anzunehmen ist, dass die Verfügung des einen nicht ohne die Verfügung des anderen Ehegatten getroffen worden wäre.

Die wohl häufigste Form der Testamentserrichtung ist das eigenhändige Testament. Dabei sind  für dessen Wirksamkeit Formvorschriften zu beachten. Hierzu gehört insbesondere die eigene handschriftliche Errichtung nebst Datum und Unterschrift.

Wohin mit dem Testament?

Um sicherzustellen, dass das Testament bei Eintritt des Erbfalls auch aufgefunden wird, sollte es tunlichst nicht in der Schublade der eigenen Wohnung abgelegt werden. Immer wieder kommt es in der Praxis vor, dass Testamente auf wundersame Art und Weise verschwinden.

Beim Verschwindenlassen eines Testaments handelt es sich zwar um eine Straftat. Für den übergangenen Erben, der als erster Zugang zur Wohnung des Verstorbenen hat, scheint die Versuchung aber groß zu sein, dass das Testament nicht aufgefunden wird. Auf der anderen Seite kann der hierdurch Benachteiligte regelmäßig nicht beweisen, dass es ein Testament gab und welchen Inhalt dieses hatte.

In der Praxis hat es sich auch als unvorteilhaft herausgestellt, ein Testament im Bankschließfach zu verwahren. Es kommt immer wieder vor, dass die Erben erst später von der Existenz des Bankschließfachs erfahren oder nicht wissen, dass sich dort ein Testament befindet.

Zudem gestaltet es sich bei Kreditinstituten kompliziert, ohne den Nachweis der Rechtsnachfolge ein Bankschließfach öffnen zu lassen. Dies gilt erst recht, wenn der Erblasser der einzige Zugangsberechtigte zu dem Bankschließfach war.

Empfehlenswert ist dagegen eine relativ kostengünstige Hinterlegung an sicherer Stelle. Hier bietet sich das Nachlassgericht an, wo eine Testamentshinterlegung einmalig 75 Euro kostet. Von dort erfolgt auch die Registrierung im Zentralen Testamentsregister.

Dabei wird nicht der Inhalt des Testaments im Zentralen Testamentsregister vermerkt, sondern nur die Tatsache, dass ein Testament existiert und bei welchem Nachlassgericht es hinterlegt ist.

Selbstverständlich kann der Erblasser das Testament zu einem späteren Zeitpunkt gegen entsprechende Legitimation beim Nachlassgericht wieder herausverlangen und/oder durch ein neues Testament ersetzen.

Digitaler Nachlass

Die digitale Welt ist mittlerweile fester Bestandteil unseres Lebens geworden. Auch beim Thema digitaler Nachlass ist es wichtig, dass Vorsorge getroffen wird.

So sollte man sich frühzeitig Gedanken darüber machen, wer nach dem Tod Zugriff auf welche Online-Dienste erhält. Dazu gehört, dass man sich Klarheit darüber verschafft, ob die Nutzungsbefugnis automatisch im Todesfall erlischt oder eine Kündigung erforderlich ist.

Deshalb ist es ratsam aufzuschreiben, was im Todesfall mit den Online-Aktivitäten geschehen soll. Es ist zu überlegen, wer z.B. Zugang zum E-Mail-Postfach erhalten soll, ob die Profile in sozialen Netzwerken gelöscht werden sollen oder was mit der digitalen Fotosammlung geschehen soll.

Selbstverständlich kann eine Person bestimmt werden, die zu einer Art „digitaler Nachlassverwalter“ bestimmt wird und die sich um die Abwicklung des digitalen Erbes kümmern soll. Für den Zugang zu den Daten werden die vom Erblasser festgelegten Passwörter benötigt. Es ist daher empfehlenswert, die Zugangsdaten und Passwörter zu dokumentieren, in regelmäßigen Abständen zu aktualisieren und so aufzubewahren, dass der Berechtigte sie im Erbfall auch findet.

Eine qualifizierte anwaltliche Beratung hilft, Fehler bei der Abfassung eines Testaments zu vermeiden. Die Kosten für eine solche Beratung stehen in keinem Verhältnis zu den Kosten, die bei einer streitigen Auseinandersetzung drohen. Von den nachhaltigen Zerwürfnissen innerhalb der Familie ganz zu schweigen.

Wir beraten Sie gerne.

Ihr Christian Möbius
Rechtsanwalt


Christian Möbius ist Partner der Sozietät Bietmann. Er ist seit 1999 als Rechtsanwalt zugelassen. Sein Tätigkeitsschwerpunkt ist das Zivil- und Erbrecht, wo er über umfassende Kenntnisse verfügt und Ihnen mit Rat und Tat zur Verfügung steht.

Nehmen Sie Kontakt auf bei Fragen zu Testament, Erbvertrag, Erbschaft, gesetzliche Erbfolge, Enterbung, Pflichtteilsanspruch, Erbscheinserteilungsverfahren, Vermächtnis; Rechte des Erben oder Testamentsvollstreckung.

Anwaltskanzlei Bergisch Gladbach-Bensberg
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Mail: bensberg@bietmann.eu
Website: www.bietmann.eu

Die bundesweit tätige Sozietät Bietmann ist seit Beginn des Jahres 2019 in den ehemaligen Räumen der Deutschen Bank in zentraler Lage in Bensberg, Kölner Str. 2 / Ecke Schlossstr., mit Rechtsanwälten und Steuerberatern für die Menschen in Bergisch Gladbach und im rheinisch-bergischen Raum tätig.

Der Schwerpunkt der Sozietät liegt auf arbeits- und wirtschaftsrechtlichen Themen, insbesondere Themen, die für den Mittelstand, aber auch für den einzelnen Rechtssuchenden bedeutsam sind. Die arbeitsrechtliche und steuerrechtliche Kompetenz sowie die umfassende und persönliche Beratung in allen zivilrechtlichen Angelegenheiten werden von den Mandanten der Sozietät in besonderer Weise geschätzt.

Gegründet wurde die Sozietät vor nunmehr 30 Jahren von dem heutigen Seniorpartner, Prof. Dr. Rolf Bietmann, der als Anwalt und Hochschullehrer sowie als Vorsitzender der Erfurter Gesellschaft zur Pflege des Arbeitsrechts am Sitz des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt bundesweit bekannt ist.

Sein Rat wird gesucht, sei es bei Problemen der Unternehmensnachfolge, bei gesellschaftsrechtlichen Auseinandersetzungen von Familienunternehmen oder bei Führungskräften, wie zuletzt bei der Auseinandersetzung um den langjährigen Geschäftsführer der Flughafen Köln/Bonn GmbH. Als Anwalt und Wirtschaftsmediator ist er in der Kunst der Streitschlichtung ausgebildet und erfolgreich.

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Bietmann Rechtsanwälte Steuerberater

Die bundesweit tätige Sozietät Bietmann ist in zentraler Lage in Bensberg mit Rechtsanwälten und Steuerberatern für die Menschen in Bergisch Gladbach und im rheinisch-bergischen Raum tätig. Der Schwerpunkt liegt auf arbeits- und wirtschaftsrechtlichen Themen.

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