Kulturdebatte im Kulturhaus. Im Hintergrund die Ausstellung Poziuris

Ein Atelierhaus, das auch KünstlerInnen aus Köln anzieht. Eine Halle, in der Autos explodieren können. Der kulturpolitische Stammtisch des Bürgerportals brachte gute Ideen hervor. Was die Umsetzung angeht, wollte man sich aber erst am Ende halbwegs festlegen.

Fotos: Helga Niekammer und Laura Geyer

Die Probleme in der freien Kunstszene in Bergisch Gladbach sind allen Beteiligten gut bekannt: keine Räume zum Arbeiten, Ausstellen und Vernetzen. Das Atelierhaus A24 ist geschlossen, die Zukunft des Kulturhauses Zanders offen. Aber wie soll sich das ändern? Und wer ist dafür zuständig?

Das waren die großen Fragen des kulturpolitischen Stammtischs, zu dem das Bürgerportal am Dienstagabend eingeladen hatte.

So begann Moderator Georg Watzlawek den Abend im Kulturhaus Zanders auch gleich mit einer „Wünsch dir was“-Runde, in der einige interessante Ideen aufkamen:

Vera Heinecke, Stadtverband Kultur: „Wir wünschen uns ein kulturelles Zuhause.“

Gisela Schwarz, Arbeitskreis der Künstler (AdK): „Bergisch Gladbach braucht das Kunstmuseum, aber wir brauchen auch Ausstellungsmöglichkeiten für örtliche Künstler. Ich wünsche mir, dass sich das Museum da ein Stück weiter öffnet.”

Karsten Panzer, A24: „Wir brauchen Arbeitsräume und Ausstellungsräume. Außerdem wünsche ich mir einen starken Stadtverband Kultur – er ist eigentlich die kulturpolitische Instanz, die handeln müsste.“

Helga Mols, Künstlerin: „Es ist wichtig, auch Künstler von außen in die Stadt zu holen, so wie Odenthal das mit der Kunstscheune macht. Ich wünsche mir eine Stadt, die Kunst will, Kultur will, Künstler will.“

Klaus Hansen, Fotograf: „Wir können das Bürgerhaus weiter schonen, dann ist es in 50 Jahren noch schön. Warum wird es nicht genutzt als wirkliches, offenes Haus für alle?“

David Grasekamp, Designer: „Ich wünsche mir eine Stiftung, in die jeder ein bisschen einzahlt, und wenn es nur 1 Cent im Jahr ist. Damit könnte man ganz viel machen. Ich träume zum Beispiel von einer riesigen Halle, in der auch mal ein Auto drin explodieren kann.“

Auch Vertreter des Stadtrats und der Verwaltung beteiligten sich an der Runde.

Birgit Bischoff (Foto, Mitte), kulturpolitische Sprecherin CDU-Fraktion, wünscht sich ein neues A24, genauso wie das alte.

Mirko Komenda (Foto, links), bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, träumt davon, „dass die Kultur einen Platz in der Mitte der Gesellschaft bekommt“ – auf dem Zanders-Gelände. Kunst, Leben, Kinderbetreuung, alles sollte sich dort miteinander mischen.

Das Zanders-Gelände war immer wieder Gegenstand der Diskussion. Das Areal sei ja wirklich das Herz Bergisch Gladbachs, sagte ein Gast. Das müsse die Stadt für sich nutzen. So wie Essen die Zeche Zollverein genutzt habe.

Was die Nutzung des Zanders-Gelände angeht, gelt es jetzt allerdings schnell zu sein – auch darin waren sich alle einig. Hier müsse man sich kundig machen, Konzepte und Anträge für die Regionale 2025 erarbeiten.

Ingrid Koshofer, stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im Stadtrat, wandte kritisch ein: „Das klappt nur, wenn die Stadt das will – und das sehe ich nicht.“

Dettlef Rockenberg, Leiter des Fachbereichs 4 der Stadtverwaltung – und zuständig  für Bildung, Kultur, Schule und Sport – stellte die Frage: „Wer ist denn die Stadt?“, um sich gleich selbst zu antworten: „Wir alle. Man kann viel mehr tun. Aber nur gemeinsam.“

Das klingt zunächst einmal schwammig und ist es auch ein Stück weit. Es spiegelt aber die Realität. Denn: Rockenberg kann nach eigener Aussage nur  drei bis fünf Prozent seiner Tätigkeit für die Kultur aufwenden.

Petra Weymans schmeißt das Kulturbüro seit zehn Jahren alleine (dafür gab es einen großen Applaus). Und, auch das sagte Rockenberg ziemlich deutlich: Kultur steht nicht oben auf der Prioritätenliste der Stadtverwaltung.

Karsten Panzer nickte und meldete sich zu Wort: „Wir können nicht von der Verwaltung fordern, was sie nicht hat – Geld. Aber was wir fordern können, ist Moderation. Die Vermittlung von Sponsoren. Wir kennen diese Leute nicht, die bereit sind sich zu engagieren und zu investieren.“

Er knüpfte damit an eine Idee von Petra Oelschlägel. Die Leiterin des Kunstmuseums Villa Zanders warb dafür, über Bergisch Gladbach hinaus zu denken und ein Künstlerhaus zu schaffen, das auch für KölnerInnen interessant ist. Denn: „Wo Kreative sind, siedelt sich auch Kreativwirtschaft an.“

Die aktuelle Situation ist das genaue Gegenteil: Vor allem nach der Schließung des A24 wandern die freien KünstlerInnen mehr und nach Köln ab.

Petra Oelschlägel, Kunstmuseum Villa Zanders

Panzer schlug vor, mehr Werbung zu machen für „unsere Künste“. Ein echtes Kulturfest zu organisieren. Und die Container zu nutzen, die keiner mehr haben will. Dafür müsse die Stadt nur ein Grundstück bereitstellen.

Die Stadt habe aber keine Grundstücke, entgegnete Rockenberg. Außerdem sei seit Monaten bekannt, dass man die Container nicht loswerde. Der Sportverband habe sich damals sofort gemeldet, entsprechende Anträge gestellt und stehe jetzt auf der Liste. Aus der Kultur habe man nichts erhalten.

„Der Sport ist in einer ähnlichen Lage wie die Kultur“, sagte Rockenberg, „aber er hat eine stärkere Lobby: den Dachverband. Dessen Mitglieder sind sich nicht immer eins, aber er kümmert sich und macht der Politik Druck.“

Ein Dachverband – auch eine Möglichkeit für die Kultur?

Den gibt es bereits, mit dem Stadtverband Kultur. Doch die Vorsitzende Vera Heinecke bremst: „Wir machen das alle ehrenamtlich und haben daneben noch andere Jobs, Familie. Das können wir nicht alles leisten.“

Birgit Bischoff, die Lokalpolitikerin, entgegnete, dass auch das politische Amt ehrenamtlich sei, neben Job, Haus und Kindern: „Wenn man die heiße Kartoffel immer nur von A nach B schiebt, dann wird das nichts.“

Da sprang Gisela Schwarz in die Bresche: Der Arbeitskreis der Künstler (AdK) sei bereits in Gesprächen, könne eine Arbeitsgruppe bilden. „Es gibt unendlich viele Initiativen. Wir sollten uns alle zusammen an einen Tisch setzen, auch mit Politik und Verwaltung und Reimer Molitor von der Regionale 2025, und gemeinsam überlegen.“

Laura Geyer

Journalistin. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg, ein Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro. Jetzt glücklich zurück in Schildgen.

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3 Kommentare

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  1. Auch der Overather Kunst- und Kulturverein „Gruppe Neun e.V. “ ist mittlerweile im Bergischen Land und in Bergisch Gladbach ein Faktor. Wir würden uns gern engagieren und mit einbringen.

  2. Die Diskussion war intensiv, unser Bericht kann nur Ausschnitte davon wiedergeben – aber die Debatte kann hier weitergehen.