Marcel Böttcher

Die Stadtverwaltung muss in der Digitalisierung voran kommen – weil sie nicht mehr ausreichend Mitarbeiter findet und die Nachfrage größer wird. Daher hat sie jetzt ein Stabsstelle eingerichtet und einen Digitalisierungsbeauftragten ernannt. Der wird viel zu tun bekommen. 

Michael Möller, der früher selbst die IT-Abteilung geleitet hatte und jetzt Fachbereichsleiter Personal ist, hatte den neuen „Chief Digital Officer” bei einem Stammtisch der CDU zum Thema bereits informell vorgestellt, jetzt hatte der CDO im Haupt- und Finanzaussschuss seinen ersten Auftritt.

Dabei handelt es sich um Marcel Böttcher, ein 26-jähriger Wirtschaftsinformatiker aus Rösrath, der schon seit vier Jahren in der IT der Stadtverwaltung arbeitet und parallel dazu seine Masterarbeit an der FHDW geschrieben hat. Auch dabei ging es um die Veränderung der Verwaltungsarbeit durch die Digitalisierung.

Den Master hat Böttcher jetzt in der Tasche, seit dem 1. Oktober leitet er die neue Stabsstelle, ein zweiter  Mitarbeiter wird gesucht.

Für Möller ist es wichtig, dass Böttcher außerhalb der IT-Abteilung arbeitet, nicht mehr ins Tagesgeschäft eingebunden ist und damit als Führungskraft den Kopf frei hat – um ein Konzept und eine Strategie zu entwickeln.

Zunächst soll der neue Mann eine Bestandsaufnahme machen und alle Beteiligten befragen. Nach 100 Tagen, so Böttcher, könne er mehr konkreter werden, sagt Böttcher im Gespräch mit dem Bürgerportal. Danach werde dann ein interfraktioneller Arbeitskreis tagen, der die politischen Prioritäten festlegt.

Böttcher mit seinem Chef Michael Möller

Klar ist, dass es in zunächst darum geht, interne Verwaltungsvorgänge zu digitalisieren, um sie effizienter und mit weniger Personal durchführen können. „Das steht für mich im Vordergrund”, sagt Personalschef Möller. Die Stadt wolle nicht Mitarbeiter abbauen, habe aber immer mehr Probleme, ausreichend Fachkräfte zu finden.

Zweitens sollen die Außenbeziehungen der Verwaltung, zu den Bürgern und den Unternehmen der Stadt, digitalisiert werden, wo immer es möglich ist. E-Government lautet der Fachbegriff, und umfasst zum Beispiel die Beantragung von Ausweisen oder Bauvorhaben über das Internet.

In den vergangenen Jahren hat die Stadt bereits einige Dienstleistungen digitalisiert, zum Beispiel mit dem Ratsinformationssystem, dem Kitaplatz-Anmeldesystem Little Bird oder dem Baustellenmanagement.

Dabei will die Stadtverwaltung auf absehbare Zeit zweigleisig fahren: „Wir müssen alle mitnehmen. Auch diejenigen, die in der digitalen Welt nicht zu Hause sind”, sagt der Fachbereichsleiter.

Drittens sei es aber auch wichtig, ergänzt Böttcher, durch neue digitale Angebote einen Mehrwert für die Bürger, für die lokalen Unternehmen und auch für die städtischen Beschäftigten zu schaffen.

Dieser Bereich soll ausgebaut werden, auch mit dem Einsatz von modernen Techniken wie der Sensorik oder der künstlichen Intelligenz. „Wenn Sensoren den Verkehr zählen, können wir zum Beispiel die Autofahrer sehr viel besser informieren, wo sich Staus bilden oder wo noch Parkplätze frei sind”, sagt Böttcher.

Dabei könnten auch einige der Ergebnisse aus der gescheiterten Bewerbung für die „digitale Stadt” mit einfließen.

Einen Titel hat das Digitalisierungskonzept bereits, „Bergisch Gladbach 2025″. Bis dahin, sollen wichtige Zukunftsaufgaben gemeistert sein, sagt Möller.

Bis dahin muss die Stadt – und ihr neuer CDO – eine gewaltige Hausaufgabe abarbeiten. Mit dem Onlinezugangsgesetz hat die Bundesregierung allen Verwaltungen auferlegt, 575 Dienstleistungen digital anzubieten. Und das bis Ende 2022. Eine Herkulesaufgabe, die nur in enger Kooperation mit anderen Verwaltungen erledigt werden kann, sagt Möller.

Auch bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes soll Böttcher die Rolle des Koodinators und Ansprechpartners spielen, die inhaltlichen Impulse sollen jedoch von unten, aus den Fachabteilungen kommen, betont Möller. Weil die am besten wüssten, welche Aufgaben wie zu lösen seien – und weil der CDO den Kopf frei haben soll, für eine Vision für ein digitales Bergisch Gladbach.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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