Kaum zu glauben, welche Nachrichten aus unserer Partnerstadt Herrlisch Raubach zu uns dringen: Auch dort ist Grün (oder bessser: Bunt) die Farbe der Stunde. Doch dort scheinen die Schwarzen einen Weg gegen die Abwahl gefunden zu haben. 

Politischer Ausnahmezustand auch an der sonst traulichen Schlunde. Fast alle plötzlich elektrisierten Protagonisten tanzen den wilden Tango Transversale. Im Zentrum allseitiger Partnerwechsel-Wünsche: Die auch zu Herrlisch Raubach aufgeblüht Grüne Partei. Ob Schwarz, Hellrot oder selbst Gelb: Green is Great!

Die rheinisch-herrlische Metropole am sonst eher beschaulich beschwappten Schlundestrand, gern auch Schlafes Schwester genannt, selbst sie erlebt gegenwärtig heftigste Anflüge politischer Schlafstörung.

Hinweis der Redaktion: Herrlisch Raubach ist eine der vielen Partnerstädte Bergisch Gladbachs. Nach langer Zeit werfen wir mal wieder einen Blick dorthin, denn auch dort tut sich erstaunliches. Alle Beiträge über Herrlisch Raubach finden Sie hier.

Für Gregor Platzdaweg, Gründer und Getriebe der mittlerweile legendären Netzpforte in-HR, bereits Anlass, beinahe rund um die Uhr wach zu bleiben, um Stimmen und Stimmungen, Szenarien und Secrets bis Top Secrets des neuerdings politischen Bienenkorbs Herrlisch Raubach einzufangen.

Denn besonders sensible Hüter des Schlafes der Politik in HR fürchten derzeit schon, es drohe nun aber wirklich politisches Erwachen, also das Chaos und sehen dabei nicht länger und beruhigend sicher Schwarz, sondern vor allem eine kurzschlussbedingt unkontrolliert blinkende Farbverwirrung am Himmel über HR.

Man kenne derlei von defekten Verkehrsampeln, kommentierte kürzlich der ambitionierte Schwarze Stadtrat Gerold Senkel, niemand wisse mehr, wer Vorfahrt habeDoch hier in Herrlisch Raubach könne es nur Einen geben!

Es kann nur Eine geben – Doch wer ist heut´ die Eine, um die sich alles dreht?

Dass diese Eine nur die Schwarze Partei sein könne, schien seit Jahrhunderten ungeschriebenes Gesetz an der Schlunde zumeist stillem Ufer. „Herrlisch Raubach wird seiner wahren Natur nach, seinem innersten Wesen folgend, Schwarz regiert“, hatte es dereinst Fritz-Roderich Mai, weiland langjähriger MdB des Rheinisch Herrlischen Kreises und einstmaliger Bürgermeister seiner großen Kreisstadt, ausgesprochen.

Oder, wie sein kaum weniger legendärer Nachfolger als MdB, Lobsang Vielfach, es formulierte: „Schwarz ist nicht nur an der heimischen Schlunde keine Farbe, sondern ein Zustand. Und zwar der natürliche politische Zustand unseres Herrlischen Raubach!“

Nur zweimal hat der Rat / der Bürger in all der Zeit geklingelt

Eben dieser „natürliche politische Zustand“ erlebte nur zwei Irritationen in all der Zeit:

Einen lange zurückliegenden, aber schon einmal gewagten Ampel-Verrat innerhalb des Rates, unter Führung des ungemein gemeinen und später darüber gestolperten Heiner Feger und der später gefolgt dramatischen Abwahl Pia-Anastasia Rolladens als Schwarzer Kais … Bürgermeisterin Herrlisch Raubachs.

Mit Ausnahme dieser beiden windigen und je schnell bereuten Irritationen aber ruhte das Schiff HR stets fest und sicher vertäut im schwarzen Hafen.

Wahlen in Euronien und klimakterische Konvulsionen machen den Weg frei

– möglicherweise zur zweiten Ampel und zum dritten Klingeln. Diesmal mit so noch nie dagewesener Ansage knapp ein Jahr vor der Wahl. Und vor allem per damit verbunden spektakulärem Abfall der Hellroten Partei aus der am Schlundeufer gerade noch surreal existiert habend Größten Kooperation aller Zeiten (GröKaZ) mit der Schwarzen.

Denn bei den jüngst vergangenen Wahlen zum Euronischen Parlament war ein hintergründiger Sturm nie gekannter Stärke über Herrlisch Raubach aufgezogen: Nur etwa 1% der zur Schlunde abgegebenen Stimmen trennte die Grüne Partei auf Platz Zwei noch vom erstarrenden Nacken der Schwarzen. Der Grüne Drache war also auch hier erwacht.

 Ansichten eines Irrtums

Da habe sich der Herrlisch Raubacher Wähler wohl einfach nur verwählt, kein Wunder sei das auch bei diesen unhandlichen Wahlzetteln, hatte der altgediente Ratsherr Heinz-Johann Holländer eine fernliegende Erklärung versucht. Doch damit niemanden wirklich beruhigen können.

„Da…da…da… Da kommt was auf uns zu“, brachte es hingegen seine gebührend geschockte Kollegin Rike Dreiert auf den Grünen Punkt. – Und wer wisse, wie die ohnehin schon verzweifelten Sozen noch darauf reagierten, erkannte prophetisch da bereits Frank McCoy, einer der besonders  in´s brachiale Bauen verliebten Schwarzen Fraktionäre. Dazu die Furcht: „Schlägt die Grüne Woge in Herrlisch Raubach wirklich zu, haben all uns´re Bauvorhaben hier wohl erstmal Ruh´…“

Der Grüne Bogenschütze zielt ins Schwarze (und Rote, solange es dahinter steht)

Unter der Lupe war´s noch schlimmer geraten: In 54 von 99 stadtherrlischen Wahlbezirken errang Grün die Mehrheit; die Schwarze Partei nur noch in 45! Und auch die Hellrote Partei folgte weiter ihrer ruckelnden Rutschbahn ins Rudimentäre – Deutlich hinter der Grünen und Schwarzen hatte sie sogar so gar keinen Herrlisch Raubacher Wahlbezirk mehr für sich gewinnen können.

Dazu waren weitere Ungeheuerlichkeiten inzwischen zu Herrlisch Raubach geschehen: So hatten die mittlerweile auch hiesig aktiven Wetterretter e.V. und das zusammen mit dem lokalen Ableger der Macht-Klima-prima-Bewegung gut 2000 analoge Follower auf die realen Straßen und den zentralen Platz der Schlundemetropole gebracht, um dort für besseres Wetter und eben prima Klima zu demonstrieren.

Sag´ mir, was der Zeitgeist sagt, was will er uns sagen …?

Dieser plötzlich von allüberall her wehende, schon aufdringlich werdende, unheimlich konvulsierend grüne Poltergeist außerhalb der Flasche, er sollte sich zudem nicht das letzte Mal über der schwarzen Domäne an der Schlunde manifestiert haben.

Denn schon ist der nächste wetternde Klima-Aufstand terminiert. Angesichts dessen auch über den Wassern der Schlunde schwebenden Forderungen selbst der Grünen Partei zuweilen blümerant wird – Denn wie sag´ ich´s (im frappanten Fall der Fälle) meinem Wähler und durch welche Blume …?

Shakespearscher Verrat lässt auch den Schlunder Othello grün werden

Vergeblich zunächst. Denn dem ampelnden Abfall der aus anderweitig begründeter Furcht vor Wählers Strafgericht treulos gewordenen und präventiv in die Grüne Umarmung geflohenen Hellroten, ihm war nach kurzer Schockstarre des schmählich verratenen Schwarzen Ex-Partners eben dessen eigener Liebesgesang unter dem Balkon der Grünen Parteizentrale gefolgt

–  allein die Schwarze Minne für die plötzlich selbst Begehrte Grüne Ver(w)ehrte blieb (eben) ungehört. Stattdessen war auch noch ein trikantater Spottgesang über den zu spät Entflammten hereingebrochen: „Rot-Gelb-Grün, so heißt die Wende – Ihr Schwarzen seid am Ende!“

Dr. Waldemar Wetten, Schwarzer Fraktionschef, hatte das nicht auf sich sitzen lassen: “Am End´ sind wir noch lange nicht – Auf den Verräter wartet nun das Strafgericht!“

Black is the true Green …

Angeblich, so hört man, klingelt in der Grünen Partzeizentrale spätabends zuweilen immer noch das Telefon. Und wenn die Vorsitzende, Genoveva Labambus, dann abhebt, ist ein verhaltenes Atmen am anderen Ende zu hören. „Vergiss es, Waldemar, wir schalten auf Grüne Ampel … Mögen die Hellroten auch noch hoffen, Primärfarbe zu werden  – Schwarz wird auf jeden Fall die Farbe der Opposition …“

Dieweil werden Ausschüsse und Rat aber von einer plötzlich grünen Welle ebenso schnell wie spät erblühter Anträge geflutet – Und das mitten aus der bisherig Schwarzen Herzkammer Herrlisch Raubacher Politik. Es möchte scheinen, als habe die erste und so brüske Zurückweisung nichts an den tiefherbstlich-vorfrühlingshaft ergrünten Gefühlen der bisherigen Schlundeherren geändert:

Da geht es von der Innenraum-Begrünung des Ratssaales, über neue und grünfarbige Bezüge für die ratsherrlische Bestuhlung, bis hin zum Vorschlag der Ausgabe grünschwarz gestreifter Clubkrawatten bzw. Halstücher für die Herrlisch Raubacher Ratsdamen wie -herren.

… und auf die Hellroten wartet Der Schwarze Abt

„Wir müssen, liebe Freunde, unsere bewährte schwarze Magie mit einem grünen Paravent umstellen!“, hatte Godehard Möhring, legendäres Schwergewicht der Herrlisch Raubacher Schwarzen, die neue Strategie umrissen. „Denn wenn wir nun nicht lockend grün schillern, sehe ich für vor allem unsere Baupläne schwarz!” Dr. Waldemar Wetten hatte entschieden dazu genickt:

„Das trifft ins Schwarze, Freund Godehard – Denn Schwarz ist das wahre Grün und Schwarzgrün heißt der neue Gruß! Mit oder ohne unsere Naturfreunde … Das werden die Gelben Schmetterlinge auch noch merken, vor allem, wenn sie die Grüne Kandarre ohne Schwarzen Schutz zu spüren bekommen …” Dann, mit finsterem Blick: Und die Hellroten Verräter – Die wird jetzt der Schwarze Abt holen …!“ (einer düsteren Legende nach ewiger Hüter Schwarzer Schlundemacht).

Greenfee oder Surfing on the green wave

Dass sie „geholt“ werden (und von ihrem bisher Schwarzen Komplizen nicht gerettet würden), hatte die Hellroten seit Langem (zumindest außerhalb des Rates) nicht schlafen lassen. Dafür wurden lange Abende und halbe Nächte in diversen Küchen zugebracht, um in einer Art Kitchen-Dating den gemeinsamen Geschmack für Green Cooking zu entdecken.

Und mit einer Art umgekehrter Greenfee, nämlich dem schließlich ihren Reihen entsprungenen Kandidaten für das vakant werdende Bürgermeister-Amt, dem bisherigen Stadtkämmerer Fips Klein, schmiedeten sie schließlich ihre Rot-Grüne oder Grün-Rote, per Gelb endverlötete Rettungsampel – Auf vermutet Grüner Welle dann vor dem Exil als künftige Kleinopposition, so hofft man dort, geschützt.

And we lived beneath the waves in our yellow submarine …”

Und selbst die Gelbe Partei lässt sich vom mutmaßlich kommend grünen Dominator im Ampeltrio nicht stören. Pit Schnell, Chef der Gelben Fraktion, leidenschaftlicher Hobbyrennfahrer, nimmt es, den Arm lässig aus dem Seitenfenster seines Roadsters hängend, offensiv:

 „Was sollte ich denn gegen eine grüne Welle haben …?!“ Und erinnert sich dafür nicht ohne Ingrimm, wie er immer wieder, gleich einem allzu eifrigen Schülersprecher mit seiner dicken Mappe voller Verbesserungsvorschläge, vor die Schwarze Wand des stadtherrlischen Direktorenzimmers gelaufen war.

Während die Hellroten ungnädig als Verräter betrachtet werden, scheinen die Gelben mit fast beiläufig Schwarzem Kopfschütteln davonzukommen:

„Wenn der schnelle Pit erst im grünen Blühstreifen gelandet ist, wird er noch um unsere Pannenhilfe bitten!“, so das langgedient Schwarze Fraktionsmitglied Hubert-Alwin Schmaus zum Gelben Ampelmove. „Oder in der gesamtstädtischen Tempo 30-Zone mit einem E-Bike um die Wette fahren darf …“, ergänzt seine schmucke Kollegin Paula Putzer zu allseits düsterer Erheiterung ihrer Mitstreiter.

Denn die Schwarze Partei brauchte eine Weile, um sich und angesichts des plötzlich aufbrausenden Ampelsturms wieder Tritt zu fassen.

Der Kongress singt oder Manchem Zauber wohnt auf Zeit ein Anfang inne

Denn da hatte es wahrlich wie Donnerhall geschallt. Klaas Forstschnitt, unter Schwarzem Joche lang gebeutelter Fraktionschef der Hellroten, war nach erfolgtem „Ampli“-Schwur des neuen Herrlich Raubacher Polit-Terzetts wie von Tonnenlasten befreit und ähnlich einer bekannten Märchenfigur mit rätselhaftem Namen durch einen frenetisch jubelnden Saal gesprungen:

„Wir werden nun weiter schwarz regieren, aber spätestens ab 2020 offiziell mit buntem Fahrschein fahren – Wahrlich, die rote … die hellrote Sonne wird an der Schlunde niemals untergeh´n …!“ Und er mochte sich in diesen Sekunden insgeheim wirklich als eine Art „Klaas V.“ gesehen haben.

Auch der hellrote Parteivorsitzende Friedrich Schwebert, die Grüne wie Gelbe Kollegin und seinen hellroten BM-Kandidaten-Genossen Fips Klein am Tisch neben sich, hatte zuvor mit ungemein erleichtert tremolierendem Pathos nicht gespart und, einem großen Vorbild seiner Partei folgend, ausgerufen:

„Ihr Wähler der Stadt, schaut auf diesen Tisch …!“ (oder darunter …)

Und gesungen wurde schließlich auch: „Die Schwarze Knechtschaft ist vorbei, Hellrot wird nun wieder frei – Im Frühtau als Zwerge wir zieh´n, fallera, getragen fortan von Grün und Gelb, haha …“

Hätten die Wähler an diesem Abend auch unter besagten Tisch geschaut, wären sie auf den dort sehr angestrengt lauschenden Gregor Platzdaweg gestoßen, der in trainierter Selbstfaltung mehr über die stillen Hintergründe des gerade schallenden Aufbruchs zu erfahren suchte, um in der allgegenwärtigen Netzpforte in-HR darüber zu berichten. Und er wurde nicht enttäuscht.

Menschen, Bienen, Kollisionen

„Glaubt bloß nicht, dass wir uns nur auf die Schulbank und in die KITAS setzen lassen!“, hatte denn auch zwischendurch Gelben-Chefin Elvira Trick-Strunk lächelnd geflüstert oder: „Neue Arbeiterstadt und mehr Gewerbe?! – Vergesst es, Gärten und Parks werden blüh´n, sonst blüht´s Euch!“, war es leise von der freundlich blickend Grünen First Lady, Genoveva Labambus, gekommen.

„Aber wir werden unseren gestauten Arbeitnehmern eine staufreie Stadtautobahn bauen!“, grummelte schließlich trotzig Friedrich Schwebert  „In Deinem Hobbykeller vielleicht“, hatte Genoveva Labambus sanft entgegnet. „Außerdem: Wozu Stadtautobahn, wenn nur noch Fahrräder in der Stadt fahren …?!“

„Wir werden auf  jeden Fall den Performance-Path realisieren!“, kam es leicht schnippisch wiederum von Elivira Trick-Strunk. „Den … was …?“ Schwebert und Labambus hatten fragend zur ihr gesehen. „Die Leistungsspur für Leistungsträger quer durch die Stadt und natürlich zur Autobahn! Ohne Tempolimit!“ Darauf war den beiden anderen spontan nichts eingefallen.

Bis Genoveva Labambus mit strenger Entschlossenheit entgegnet hatte: „Unsere komplett verkehrsberuhigten Einflugschneisen für Bienen (kvb-EfSfB) haben Vorfahrt, da könnt Ihr Euren Yuppie-Highway eh´ knicken …!“ Schließlich wurden alle drei vom rundum diskret mahnenden Blick Fips Kleins gebannt:„Diese … Details klären wir dann im ambireversen Monitoring unserer trizirkularen Diskursanalyse …! – Und jetzt konzentriert Euch auf Eure Performance hier – Showtime!“   

Die singende Ampel pfeift es in den schwarzen Wald  

Nach dem hellroten Kampfgesang und ihrer kleinen internen Positionsklärung hatten sich in des Saales nach wie vor hörbar ausgelassener Stimmung dann auch Elvira Trick-Strunk und Genoveva Labambus doch nicht lumpen lassen. Die gelbe Diva liebt es zuweilen gewagt und legte zur Instrumentalbegleitung von ihrem Smartphone rauchig los:

„Change ist unser Leben, und ist die Richtung ´mal nicht klaar, dann mach´ ich mir ´nen Schlitz in´s Kleid und find´ es wunderbaar …“ Der Saal tobte.

Ihre grüne Kollegin ließ das nicht stehen und deklamierte nach kurzem Sinnen und Bitte um orchestrale Begleitung durch das Smartphone ihrer Bündnispartnerin:

„Für uns soll´s grüne Stimmen regnen, und Schwarz der Oppositionsbank endlich begegnen, der Rat sollte sich umgestalten und das Schwarze künftig für sich behalten …“ Da gab es dann, über alle heimlichen Kollisionen hinweg, kein Halten mehr.

 Reim, Hype und Gesang. Und das Duell der Köpfe.

Angesichts dieser vordergründig aufbrechend und hochbewegten Sanges- wie Reimeslust im Ampellager, wurde allerdings von Dr. Waldemar Wetten, halb süffisant, halb missgünstig und mit schmalen Augen, angemerkt:

„Bürger, lasst Euch nicht von denen leimen, die allzu vordergründig reimen! Denn in Wahrheit wenden sie sich Euch doch gar nicht zu, sondern wollen singend und reimend nur heimlich ihre Ruh!“

Doch es wird nicht bloß verbal wie vokal gedichtet. Auch grundsatzprogrammatisch-tiefenschichtig bringt der Ampel erste Leuchte, Fips Klein, bislang ungehört anspruchsvolle Noten in die frühzeitig anhebende Sinfonie des Wahlkampfes ein: Denn nur neues Licht könne den „Schwarzen Zustand“an der Schlunde neospektral erhellen, um dann belebend bunte Farben leuchten zu lassen.

„Im Lichte von RotGelbGrün soll Herrlisch Raubach endlich werden, was es bleibt! Im Zustand Schwarzen Dunkels aber wird es bleiben, was es war und niemals sein, was es ist! Das Ist aber entwächst dem Sein, das wurde, und nur was seiend wurde, kann werdend bleiben!“

Dann, in ein momentweise still verblüfftes, im Lauschen gleichsam erstarrtes Auditorium hinein: Dafür lasst mich Euer Matador trikolor nun sein – Rot wie die Leidenschaft, das Gelbe vom Ei, Grün wie des Lebens goldener Baum und in Eurem Lichte wider das Dunkel über der Schlunde…!“ Es folgte hörbar befreit stürmischer Applaus.

Der BienenKorb.inian schlägt zurück

Anscheinend ab jetzt allein zuhaus´,  rief die Schwarze Partei ihrerseits schon ´mal den Kampf der Schlager aus. Parteichef Jonas Zarthahn nutzte dafür die schwarze Proklamation des neuen Bürgermeisters … Also die Proklamation des Nachfolgers von Trutz Altwasser … Will sagen die Kür des Schwarzen Kandidaten zur Nachfolge Trutz Altwassers … für deutliche Worte:

Wer glaubt, er könne an der Schlunde ohne Schwarz regieren, den werden wir durch Bürger´s freie Wahl negieren …!“

Godehard Möhring (den manche schon als Trutz Altwassers erkorenen Nachfolger gewähnt hatten, wobei seine Ziele aber möglicherweise weiter in´s Land reichen), er stärkte dem nun frisch (und der Form halber) zum nächsten Bürgermeister(-Kandidaten) gekürt ratsherrlischen Jungurgestein Korbinian Eichen den Rücken:

 „Wir stellen heut´ und hier die Weichen für unser´n Korbinian Eichen – Denn Fips Klein wird niemals Bürgermeister an uns´rer Schlunde sein!

Und Korbinian Eichen hatte sofort seinerseits grundsatzprogrammatisch auf Fips Klein geantwortet, damit den paradigmatischen Unterschied markiert:

„Nur mit Schwarz wird Herrlisch Raubach wirklich wer … bleiben was es wird! Und wer … werden … nein, bleiben will, muss Schwarz … werden oder … oder es schon sein! Denn es kann kein … Bleiben … kein Werden ohne … Bleiben geben und kein Bleiben ohne … Sein – Und wir Schwarzen sind die Werd … nein, die Bleibenden und werden es blei … es sein, die aus dem … Se … aus dem Bleiben das Werden machen…!“

Nicht weniger erleichtert als das nach fast hörbarem Verdauen in ratlos rustikales Klatschen fliehende Auditorium, hielt er daraufhin ein goldgelbes Gefäß in die Höhe, der Form nach etwa wie eine sehr große Ananas.

Von Brutus Rieder lernen, heisst siegen lernen

Korbinian Eichen, häufiger Tourist in der Bayernmark und Bewunderer ihres jüngst so erfolgreich grünenden (u.a. eben bienenfreundlich gewordenen) Ministerpräsidenten Brutus Rieder, ist sich sicher, aus dem Summen der Bienen ein Brummen der Stimmen für die Schwarze Partei machen zu können:

„Und das wird unsere erste gemeinsame Kampagne, liebe Freunde – Wir verteilen Bienenkörbe zum Aufhängen überall in unserem Herrlischen Raubach!“ Er sah auffordernd in einen Teich voll Fragezeich´…

„Denn wer sich Grün fühlen, aber doch Schwarz bleiben will, hat dafür die EINE Wahl: Macht mit mir gute Miene für die Biene, denn die Insekten sind frei mit der Schwarzen Partei und ohnegleichen besonders mit Eurem wie Ihrem – Korbinian Eichen!

Der unter dem Tisch (oder dem Stuhl) sitzt

„Das war seine Idee“, raunte Dr. Waldemar Wetten Godehard Möhring im sichtlich irritierten, dafür desto verzweifelter heftigen Applaus zu. „Für den Anfang doch nicht schlecht“, raunte der zurück, „auch wenn unsere Black Hawk-Indianer sich noch etwas umgewöhnen müssen …“„Wir müssen ja alle jetzt die Greenhorns spielen“, kam es mit verdrehten Augen von Jonas Zarthahn.

„Aber wer weiß“, ergänzte er, plötzlich mit Hoffnung in der Stimme, „vielleicht können wir uns den ganzen Grünkohl ja doch noch sparen, wenn dieser ominöse Zettel wirklich auftaucht …“ – „Und sich juristisch als belastbar erweist“, betonte Dr. Waldemar Wetten. „Welcher Zettel …? Und wie: juristisch …?“ Godehard Möhring schaute rätselnd. „Sind deshalb unsere Jungschwarzen seit Neustem überall …“ „Ganz geheime Kommandosache, Godehard, eigentlich war´s ein Zufall …“

Getreu der alten Journalistenweisheit, dass auf Parteiversammlungen Manches unter den Tisch (bzw. den Stuhl) fiele, wenn genau dort nicht jemand wäre, der es auffinge, hatte sich Gregor Platzdaweg dieses Mal sogar unter einem und genau dem richtigen Stuhl gefaltet, um da von einer Eventualität zu erfahren, die das gesamte Szenarium der kommenden Wahl noch einmal dramatisch verändern könnte …

Vom Schwarzen Abt zu Zettels Traum

Denn Dr. Zacharias Genfbrauser, altgedient erfahrenes Mitglied der Schwarzen Faktion und Hobbyhistoriker, hatte, durch den jüngst zitierten Schwarzen Abt inspiriert, eine zufällige Entdeckung von potentieller Sprengwirkung gemacht.

Quasi analog zu §79 Abs. 3 GG (sog. Ewigkeitsklausel) solle nämlich eine historisch außerordentliche Ergänzung der späteren Gemeindeordnung (GO) des Landes, speziell für Herrlisch Raubach (das Ius scrofae aeternitas), eine Ewigkeitsgarantie der Schwarzen Regentschaft an der Schlunde auf einem Zettel verbriefen, genauer und im historischen Ursprung: Das Verbot der Schwarzjagd.

Anscheinend war es den (bis heute einflussreichen) Ururvorvätern der Schwarzen Partei HR´s im hohen Mittelalter gelungen, eine ursprünglich im weiland hiesig herzoglichen Jagdrecht verankerte Bestimmung (nur der Landesherr könne die Schwarzjagd ausrufen oder eben verbieten) leicht verändert als politisches Dauerprivilegium und das zu eigenen Gunsten zu destillieren (das Ganze unter reichlich zusprechender Destillation).

Wird das Ius scrofae aeternitas verletzt? Und existiert es überhaupt?

Besagter Zettel wurde seither, so heißt es, an sicherem Orte, irgendwo in gut geschütztem Dunkel und vom Schwarzen Abt geschützt, aufbewahrt. Und war dort in Vergessenheit geraten, musste auch nie wieder an´s Licht geholt werden, weil der Herrlisch Raubacher Bürger in meist weit- bis mindestens zureichender Mehrheit seinem Gebote willfuhr:

Nämlich die Schwarze Regentschaft am Schlundeufer je termingerecht, quasi als eine Art kollektiver Notar, verlässlich zu prolongieren. Und es, bis auf jene beiden kleinen Ausrutscher (und in damaliger Unkenntnis des Zettels), dem herrlischen Erbpächter zu überlassen, wen er, falls ersprießlich, jovial und streng zugleich, für delegierte Hilfsdienste an seine Seite zitiert.

Zwar könnten HR´s Wähler dem auch 2020 wieder angemessen Genüge tun, aber der mit Blasphemie wie Enthusiasmus durchgeladene Jagdaufruf des dreisten Dreifarben-Defilees sorgt nun eben doch für schwarz grünende Nervosität:

Rot und Gelb und Grün, wir steh´n dafür – Die Schwarzen bleiben vor der Tür!        

Jäger des verlorenen Zettels sollen vor elektoralem Blattschuss bewahren

Solch und bereits so zeitig vorgezogener Wahlaufruf, der den eigentlich doch schwarzfriedlich hiesigen Bürger frappant unverhohlen zur gemeinsamen Schwarzjagd  – praktisch als Wahlziel! –  anstiften solle, der verletze, da sind sich fünf von drei Verwaltungsjuristen einig, allein schon ein solcher Wahlaufruf verletze  – falls es denn existiere –  unmehrdeutig und vorsätzlich eben besagt hochprozentig destilliertes Ius scrofae aeternitas – Keine Schwarzjagd am Schlundeufer!

Man stelle sich nun eine erfolgreich verlaufend verwaltungsjuristische Prüfung vor  Dass also die bekannten Umtriebe der RotGelbGrünen Farbenkleckser, so Dr. Waldemar Wetten, nämlich die Schwarzen im Falle eines durchaus befürchtet elektoralen Blattschusses sogar von der Regentschaft auszuschließen, im Ansatz und vom Grunde her unzulässig seien.

Vor einer solchen Prüfung auf wirksame Gültigkeit besagten Privilegiums (in Form jener zettelhaften Ergänzung der GO des Landes für Herrlisch Raubach) aber steht das Auffinden eben seiner schriftlichen Niederlegung, sprich des historischen Exponats.

Und so ist derzeit der Jungschwarzbund, die Jugendorganisation der Partei, in den Gewölben des Rathauses, den Aktenbeständen der Verwaltung, in diversen Kellern altgedienter Parteimitglieder und sämtlichen Archiven der Stadt mit ebenso camouflierter wie emsiger Wühlarbeit befasst …

Und auch Gregor Platzdaweg hat seinerseits im Verborgenen zu recherchieren begonnen – Im zweiten Teil von Herrlisch Rauhbach unter Strom wird er, wieder unter´m Tisch, auf zunächst andere und dann doppelt überraschende Weise fündig …

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H-G. Ullmann

ist gebührend ratloser Bürger, gelegentlicher Zaungast am Spielfeldrand, findet interessante Gespräche ohne Scheuklappen inspirierend und bewahrt sich den Reiz (manchmal auch fassungslosen) Staunens als Mittel geistiger Ausgeglichenheit.

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