Der Frankenforster Hof in einer Darstellung von 1905. Foto: Sammlung Marita und Karl-Josef Metzen

An der Frankenforster Straße kurz vor der Autobahn steht ein auffälliger Gebäudekomplex mit dem Schriftzug „Rowa-Wagner”. Das steht für eine Arzneimittelfabrik, die hier einmal ihren Sitz hat. Eigentlich handelt es sich aber um das „Hotel Frankenforst” – mit einer ebenso bewegten wie schillernden Geschichte. 

Das Gebäude von „ROWA Wagner” heute

„Waldrestauration im Frankenforst“ steht auf einer Werbe-Postkarte von 1900. Sie zeigt das ursprüngliche Gebäude des Komplexes, den einige Bergisch Gladbacher noch als „Hotel Frankenforst“ kennen oder danach eben als Arzneimittelfabrik „Rowa-Wagner“.

Karte von 1900. Foto: Sammlung Marita und Karl-Josef Metzen

Die Karte zeigt auch, dass dieser ehemalige Gutshof an der Allee „Neuer Jagdweg“ lag, den Kurfürst Johann Wilhelm hatte anlegen lassen, um vom neuen Schloss auf direktem Wege in den Königsforst zu kommen. Dieser Jagdweg ist heute die Frankenforster Straße.

Hinweis der Redaktion: Der Gebäudekomplex liegt gegenüber der Fläche an der Autobahn, der aktuell von der Stadt als Standort der neuen Feuerwache Süd geprüft wird. Auch das Rowa-Gelände hatte die Feuerwehr ins Auge genommen. Zwar ist das Grundstück groß genug, die Pläne wurden aber nicht weiter verfolgt,

”Warum
Nach Einschätzung der Feuerwehr ist das Rowa-Gelände aufgrund seiner Lage und Größe zwar für die Feuerwache geeignet. Es wurde nach einer ersten Sichtung aber nicht weiter geprüft, „da es sich um intakte und noch in Nutzung befindliche denkmalgeschütztes Gebäude handelt”, so die Feuerwehr.

Und weiter: „Insbesondere der Umstand, dass der Abriss eines denkmalgeschützten Gebäudekomplex selbst für den Bau einer Feuerwache nahezu ausgeschlossen ist, zumal es an gleicher Stelle bessere und vor allem weniger drastische Alternativen gibt, lässt eine weitere Prüfung für nicht zielführend erscheinen.”

Allerdings ist das Gebäude nicht denkmalgeschützt, wird im Denkmalpflegeplan aber als „erhaltenswürdig” eingestuft. sss

Der Gutshof wurde wahrscheinlich um 1850 erbaut. Schon vor dem 1. Weltkrieg warb ein Mathieu Becker mit der Lage zwischen der „Kleinbahn Köln-Königsforst“ und dem „Staatsbahnhof Bensberg“. Außerdem ist von einer überdeckter Halle, Terrassen, Reitpferden und 200 Fahrrädern die Rede.

Foto: Sammlung Marita und Karl-Josef Metzen

Major mit großen Plänen

1911 erwarb Walter Major das Anwesen. Er legte 1913 den Grundstein des Umbaus zum „Waldhotel Haus Frankenforst“. Damals wurden auch die Säle zur Straße hin gebaut, die als Baukörper heute noch stehen.  Der 1. Weltkrieg stoppte den weiteren Ausbau.

1918 wurde das Hotel beim Rückzug der deutschen Truppen zum Massenquartier. Kurz darauf beschlagnahmte es die englische Besatzungsmacht. Englische und neuseeländische Regimenter waren für etwa ein Jahr die „Gäste“, die im weitläufigen Park das Zeltlager „Camp Frankenforst-Germany“ errichten.

Walter Major beklagte, dass er keine Entschädigung für die Schäden, die die Besatzungstruppen angerichtet hätten, erhalten habe und dadurch die weitere Entwicklung des Waldhotels gehemmt worden sei.

Das Lager der Neuseeländer. Foto: Sammlung Thomas Klostermann

Trotzdem ließ er 1920 große Teiche ausheben. Hier sollte geschwommen und Kahn gefahren werden. Allerdings hatte die Sache einen Haken, denn die Teiche wurden vom Frankenforster Bach gespeist, der kein „klarer Gebirgswasserlauf“ war, wie Major warb, sondern auch von der Lederfabrik Offermann benutzt wurde. Walter Major prozessierte, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Arbeiter beim Aushub der Teiche. Foto: Sammlung Thomas Klostermann

Die Teiche vor der Villa Major, die längst verschwunden ist. Links die Frankenforster Straße. Foto: Sammlung Marita und Karl-Josef Metzen

Zweiter Weltkrieg

In den dreißiger Jahren werden andere Eigentümer genannt. Walter Major hatte sich offenbar mit seinen Plänen übernommen.

Das Hotel Frankenforst in den 30er Jahren. Links der „Neue Jagdweg”, heute die Frankenforster Straße

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde der Hotelbetrieb eingestellt und das Hotel selbst in eine Funkleitstelle für den Feldflugplatz in Merheim umgewandelt. Dort saßen die sogenannten „Blitzmädchen“, junge Militärfunkerinnen, die Verbindungen stöpselten, frei nach dem damals gängige Schlager „Didadidudidipp…“.

Hinter den Gebäuden von RoWa-Wagner liegen heute immer noch die Trümmer eines gesprengten Bunkers, der für die Leitstelle angelegt worden war.

Die Bunkerrest sind noch zu erkennen

Im benachbarten Waldgelände befand sich ein Munitionslager zur Versorgung des Flugplatzes, das bombardiert wurde.

Amerikanische Panzertruppen haben dann im April 1945 etwa acht Wochen lang Quartier im „Hotel“ gemacht. Danach kam eine englische Sanitätskompanie, die auch nur kurz blieb. Sie wiederum wurde von einer belgischen Militärkapelle abgelöst.

Außer einem Offizierskasino unterhielten die Belgier im Seitentrakt zur Brüderstraße hin auch ein Militärgefängnis. Dort sollen einmal ca. zwanzig Häftlinge ausgebrochen sein, worauf die Militärpolizei den Königsforst durchkämmte, um sie wieder einzufangen.

Auf Fotos aus der Nachkriegszeit sind die Teiche bereits wieder verschwunden. Heute stehen dort die Wohngebäude des „Komponistenviertels“ (Schubertstraße usw.).

Anfang der 50er Jahren wurde der gesamte Komplex an Roland Wagner und seine Firma „Rowa – Wagner, Arzneimittel” verkauft. Seit 1959 produzierte die Firma dort Arzneien. Wagner baute eine zweite Produktion im irischen Bantry auf – aus der die ROWA Pharmaceuticals Ltd. wurde, die heute rund hundert Beschäftigte hat.

Roland Wagner starb 1979, seine Frau Brigitte Wagner-Halswick führte die Geschäfte weiter.

Hinweis der Redaktion: Das Unternehmen ROWA WAGNER GmbH & Co KG existiert nach wie vor und wird auf der Website der irischen Firma als „wichtiger Partner in der Entwicklung und beim Technologietransfer” bezeichnet. Allerdings machen die Gebäude an der Frankenforster Straße einen verlassenen Eindruck. Allerdings residiert hier noch das Generalkonsulat der Irischen Republik, Honorargeneralkonsulin ist Brigitte Wagner-Halswick. 

Quellen: Refrath, gestern und heute, Bd.2  und  Wanderführer „Refraths Süden und Frankenforst“, hrsg. BHV, Autor H.P. Müller

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Hans Peter Müller

ist Lehrer im Ruhestand und war lange Jahre Vorsitzender des Bürger- und Heimatvereins Refrath. Als Heimatforscher und Autor arbeitet er die Geschichte des Ortsteils auf.

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4 Kommentare

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  1. Hello Hans Peter Muller, I am Irish and in the 1970’s I worked in Rowa Wagner in Frankenforst Street. I wonder could I email you about it please?
    Marian Ryan
    Dublin

  2. @ Hansjörg Kickuth, sehr interessant.
    Ich bin in Bergisch Gladbach geboren und aufgewachsen und mich würde interessieren, welche „erhaltenswürdige, schöne, alte Häuser“ für die Rhein-Berg-Galerie ohne große Bedenken abgerissen worden sind? Bitte auflisten, angefangen vom Woolworth Einkaufsblock bis hinunter zum ehemaligen Bürotrakt „Zollamt“.

  3. Ich kann die Aufregung über dieses Gebäude nicht so ganz nachvollziehen. Das Gebäude ist erhaltenswürdig aber nicht Denkmalgeschützten. Für die Rhein-Berg- Galerie wurden erhaltenswürdige schöne alte Häuser ohne grosse Bedenken abgerissen.!! Jetzt wird um das Gebäude so ein Theater gemacht. Von der Straße her ist es für mich nicht einmal ein schöner Anblick. Ich denke es wäre nicht so ein starker Einschnitt in die Natur, wie an anderen Standorten. Ich sehe natürlich die Interessenkonflikt mit den wohlhabenden Bürgern in Frankenforst und ihrer attraktiven Wohnungen.