Der Unfalltod eines Radfahrers rückt auf dramatische Weise unhaltbare Zustände in Schildgen ins Licht, urteilt die AG Verkehrswende der Klimafreunde RheinBerg. Die vor Ort geplante Mahnwache wurde abgesagt.

Viele Bergisch Gladbacher sind entsetzt, traurig und wütend über den tragischen Tod eines Radfahrers, der vor knapp zwei Wochen von einem rechts abbiegenden LKW an der Einmündung Altenberger Dom-Straße/Leverkusener Straße in Schildgen überrollt wurde. Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen!

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Hätte der Unfall  durch entsprechende Maßnahmen verhindert werden können!? 

Wie immer wieder bemängelt, befindet sich die Bergisch Gladbacher Fahrradinfrastruktur in einem katastrophal schlechten Zustand. Die meisten Radwege sind viel zu schmal, weisen viele Lücken auf, sind teilweise regelwidrig und an manchen Stellen sogar lebensgefährlich.

Hinweis der Redaktion: Der ADFC hatte für Freitag zu einer Gedenkdemo am Unfallort aufgerufen. Diese Veranstaltung wurde kurzfristig abgesagt, mit Verweis auf Corona.

Die sichere Überführung von Radfahrern an stark befahrenen Kreuzungen und Einmündungen ist kaum bis gar nicht geregelt. Dabei passieren genau an diesen neuralgischen Verkehrsknotenpunkten die meisten Unfälle!

Ein Negativbeispiel

Der Unfallort in Schildgen ist solch ein Verkehrs-Hotspot und negativ-beispielhaft für mangelnde Führung des Rad- und Fußverkehrs. Von Autofahrern oft ignoriert, übersehen oder gar absichtlich abgedrängt stehen oder fahren Radfahrer eingekeilt zwischen Bordstein und Auto/SUV/LKW auf einem zu schmalen Radstreifen.

Die Einhaltung des gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstands von 1,50 m ist so gut wie unmöglich. Die Situation für Fußgänger sieht nicht viel besser aus: Sie drängen sich auf stellenweise viel zu schmalen, vom Schwerlastverkehr abschüssig-maroden Fußwegen.

Autos rasen teilweise ungebremst an den Knotenpunkt heran, um  grüne Ampelphasen noch zu erwischen. Da muss der eine oder andere Raser mit quietschenden Bremsen zum Stillstand kommen, um Fußgänger, die Grün haben, passieren zu lassen.

Dies ist in unhaltbarer Zustand! Um zu verstehen, um was es hier eigentlich geht, wäre es  hilfreich, sich mal eine halbe Stunde an diese Einmündung zu stellen und das Verkehrsgeschehen zu beobachten.

Abbiegeunfälle, bei denen Radfahrer zu Tode kommen, sind sehr häufig. Deshalb wird die Ausstattung mit einem Abbiegeassistenten und blinkenden Seitenmarkierungsleuchten auf deutschen Straßen für neue Lang-LKW ab dem 01.07.2020 zur Pflicht, für Bestandsfahrzeuge aber erst ab dem 01.07.2022. Das sind noch zwei Jahre ohne diese hilfreiche Technik, mit der Unfälle vermieden werden könnten! Das dauert eindeutig zu lange!

Abbiegeassistent reicht nicht 

Absolut notwendig ist es, stark befahrene Kreuzungen für Radfahrer wesentlich sicherer zu gestalten – und da ist die Kommune gefragt! Getrennte Verkehrsführungen und Vorrang-Ampelschaltungen für Radfahrer sind geeignete Maßnahmen und relativ leicht umzusetzen.

Dadurch käme es erst gar nicht zu Raumkonflikten zwischen Autofahrern und Radfahrern. Auch eine guter Blickkontakt  aller Verkehrsteilnehmer wird dadurch ermöglicht.

Wann ist endlich Schluss mit der rückwärtsgewandten autodominierten Verkehrspolitik!?

Dieser tragische Unfall führt dramatisch vor Augen, dass dringender Handlungsbedarf in Bergisch Gladbach besteht. Die Stadtpolitiker müssen zügigst vernünftige Konzepte für eine taugliche Infrastruktur vorlegen und auch umsetzen.  Entsprechende Expertisen gibt es dazu schon lange. Nur so funktioniert Verkehrswende!

Infos zu den Kimafreunden AG Verkehrswende finden Sie unter www.klimafreunde-rheinberg.de

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Klimafreunde RheinBerg

Die Klima Freunde sind ein private Initiative von Bürgern, die in Bergisch Gladbach möglichst viele Leute für den Klimaschutz mobilisieren will. Kontakt: info@klimafreunde-rheinberg.de

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2 Kommentare

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  1. Ich bin Rad, Motorrad ,PKW und Busfahrerin kenne die Problematik also aus allen Sichtwinkeln, auch als Fußgängerin. Aus allen Blickwinkeln ist mir daher auch das Verhalten aller Verkehrsteilnehmer bekannt . Oft muss und musste ich feststellen das gerade auch bei ausgebauten Füssgänger und Radwegen(Niederlande, Dänemark) sich gerade die schwächeren Verkehsteilnehmer (Fussgänger, Radfahrer) nicht an die Regeln halten . Noch schnell auf die Strasse springen, noch schnell hinter dem LKW/Bus vor bei schlängeln während dieser im Abbiegemodus ist. Wen Die dann Glück haben sieht der LKW/Busfahrer Sie noch in letzter Sekunde und bremst ab ohne das etwas passiert. Was für ein Glück für beide. Rad und LKW/Busfahrer. Oft sehe ich auch das Menschen sich zu dicht an den Bordstein stellen obwohl dort ein LKW steht. Der Fahrer kann das nicht erkenn , will abbiegen und reißt den Fussgänger mit. Selbstverständlich müssen unsere Verkehrswege auch sicherer für Fussgänger und Radfahrer ausgebaut werden und vielleicht hilft auch der Abbiege Assistent, dazu müssen aber die Menschen allgemein dafür Sensibilisiert werden Eigenverantwortung für ihre Persönliche Sicherheit zu übernehmen. Eltern Kita und Schule müssen den Kindern schon in frühester Kindheit vernünftiges und Sicheres Verhalten im Strassenverkehr beibringen. Nur wenn alle die Regeln beachten greifen auch die Hilfmittel.

  2. Ich wüsste ja gern genauer was eigentlich passiert ist. Ein LKW ist naturgemäß schwer zu handhaben und als Radler wird man leicht übersehen, was man natürlich auf dem Rad stets wissen sollte. Wo genau lag der Fehler?