Nadine B. arbeitet im Krankenhaus. Auf einer Lungenintensivstation in Köln, wo schwierige Corona-Fälle behandelt werden. Während der Arbeit infiziert sich die Bergisch Gladbacherin mit dem Corona-Virus, es folgt eine Fehldiagnose. Im Gespräch mit dem Bürgerportal erklärt sie, wie Tests, Behandlung und Genesung ablaufen.  

Es geht schnell und unbemerkt. Im Krankenhaus transportiert Nadine B. einen Infizierten. Kittel, Handschuhe und der einfache Mundschutz genügen nicht, um sie vor der Ansteckung zu bewahren. „Verdachtsfälle werden – bis die Diagnose klar ist – nur mit ganz normalem chirurgischem Mundschutz transportiert“, erklärt Nadine.

Einen Vollschutz mit FFP2-Mundschutz, Kopfdeckung, Brille, Kittel und Handschuhen gebe es in der Kölner Klinik, wo sie arbeitet, nur bei bestätigten Corona-Fällen. Die Lage ist wohl nicht zuletzt der Knappheit der Ausrüstung geschuldet.

Über Nacht kommen dann Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und Schüttelfrost, aber nur ein leichter Temperaturanstieg. Beim Erwachen hat Nadine eine leise Ahnung: Das könnte Covid 19 sein.

Aber der Hausarzt, der die Patientin in die Praxis bestellt, verneint. Es sei lediglich eine harmlose Grippe, obwohl Husten und Schnupfen fehlen. Hinzu kommt, dass Nadine weder riechen noch schmecken kann.

Die Mutter von vier Kindern traut der Diagnose ihres Hausarztes nicht. Sie wendet sich an das Gesundheitsamt. Ihr Bauchgefühl soll ihr Recht geben.

Abstrich im Container

Das Gesundheitsamt ordnet umgehend einen Corona-Test an, nicht zuletzt da Nadine in einem systemrelevanten Beruf arbeitet.

Beim DRK in Bergisch Gladbach wird nach dem Virus gefahndet: Zunächst wird ein Anamnese-Bogen ausgefüllt. Gefordert sind Angaben, welche Symptome seit wann vorliegen, ob es Vorerkrankungen gibt usw.

„Die zweite Station ist ein Container. Die Mitarbeiter sind – im Gegensatz zu uns im Krankenhaus – vollverkleidet, da wird der Abstrich im Rachen vorgenommen“, erklärt Nadine das Procedere. Das Resultat liege erst in zwei und sieben Tage vor, heißt es. Prophylaktisch wird Quarantäne angeordnet.

„Es ist nicht die Frage wer es bekommt, sondern wann wir es bekommen, daher war ich entspannt. Meine Sorge drehte sich eher um die Kinder.“ Nadine B., nach rund 11 Tagen von einer Corona-Infektion genesen

Bei Nadine klingelt das Telefon jedoch bereits am Tag darauf, einem Samstag. Das Ergebnis: Positiv. Nadine hat sich infiziert.

Die Quarantäne betrifft jetzt nicht nur sie. Auch die Personen, die sie in den vergangenen Tagen getroffen oder mit denen sie gearbeitet hatte, werden ermittelt, kontaktiert und bis zum Ergebnis ihrer nun zwingend folgenden Tests ebenfalls isoliert. Glück im Unglück: Nadine hat außer Haus niemand weiteren infiziert.

Sechs Personen in Isolation

Jedoch ihren Partner. Damit stehen für Familie B. die Zeichen erst einmal auf Isolation. Eine echte Herausforderung für eine sechsköpfige Familie in einem Haus.

Immerhin: Die Kinder werden gesund bleiben. Sie wird es nicht erwischen. Drei von ihnen bleiben zudem symptomfrei und werden erst gar nicht getestet.  

Androhung von Bußgeld

Zusammen mit der Diagnose gibt es nun Informationen: Per Handreichung und im Internet. Infizierte müssen im Haus bleiben, möglichst keinen Kontakt mit den Familienmitgliedern eingehen, Hygieneregeln einhalten.

Beim Verlassen des Hauses wird ein Bußgeld fällig. Auch der Gang zum Müllcontainer oder Briefkasten ist verboten. Medikamente werden nicht verordnet. Die Familie versorgt sich selbst. Mit Ibuprofen gegen Schmerzen und Fieber.

Bei den Kollegen macht die Diagnose schnell die Runde, mit teilnahmsvollen bis leicht panischen Reaktionen: „Wir haben uns doch gesehen, ich habe auch schon ein Kratzen im Hals“, lautet die verständliche Reaktion.

Freunde, Bekannte und Verwandte sind kurz geschockt, wähnen einen üblen Scherz, aber dann wird umgehend Hilfe angeboten: Einkauf, Dinge des täglichen Bedarfs – Unterstützung gibt es in Hülle und Fülle für die betroffene Familie.

Täglicher Check durch Gesundheitsamt

Eine Krankmeldung bekommt Nadine B. nicht, vielmehr gibt es eine Quarantäne-Anordnung „in einem schönen gelben Briefumschlag, mit Anweisung zur Quarantäne und erneuter Androhung der Bußgelder.“ Das genügt dem Arbeitgeber.

Das Gesundheitsamt meldet sich in den folgenden Tagen täglich aktiv per Telefon und fragt nach den Symptomen. Eine Wohltat für Nadine B.: „So hat man wenigstens einmal am Tag Kontakt zu jemand anderen. Die Gespräche haben gut getan.“  Die Familie führt ein Symptomtagebuch, um genau über den Verlauf der Krankheit Auskunft geben zu können.

„Die Hygieneregeln einzuhalten ist in jedem Fall eine zentrale Sache, bitte haltet Euch daran.“ Nadine B.

Atemnot

Vier Kinder in Quarantäne zu betreuen, unter Schmerzen und Fieber, von zwei infizierten Erwachsenen, das ist nicht einfach. Jedoch ist der Lebensgefährte nur zwei Tage außer Gefecht und hat einen leichteren Krankheitsverlauf, so dass sich das Paar die Betreuung der Kinder gut aufteilen kann.

Ein stationärer Aufenthalt kommt nicht in Frage, auch wenn Nadine B. zwischendurch stark mit Atemnot zu kämpfen hat, speziell beim Treppensteigen.

Die Besserung tritt nach fünf bis sechs Tagen ein, peu à peu. Erst sinkt die Temperatur, dann nehmen die Gliederschmerzen ab. Geschmacks- und Geruchssinn kommen nach rund eineinhalb Wochen wieder, auch die Kurzatmigkeit ist dann endlich vorbei.

Offiziell immun

„Weil ich in einem systemrelevanten Beruf arbeite, muss ich zu diesem Zeitpunkt einen Freigabeabstrich machen lassen, damit ich das Klinikum zur Arbeit wieder betreten darf“, so Nadine. Ihr Lebensgefährte kann sogar ohne Test – nach Ablauf der Quarantäne – wieder arbeiten.

Nun sind sie offiziell immun, agieren jedoch immer noch wie vor der Infektion. So halten sie weiter die gängigen Hygienestandards und Abstandsregeln ein. Bei Einkauf, auf der Arbeit oder während Spaziergängen.

Die kleinen Dinge schätzen

„Nachdem mich mein Hausarzt nicht ernst genommen hat war ich positiv überrascht über die Versorgung durch das Gesundheitsamt im Rheinisch-Bergischen Kreis“, zieht Nadine ein Fazit der Corona-Zeit.

Berufliche Konsequenzen will sie nicht ziehen: „Ich bleibe in meinem Job, die Ansteckung hätte mir ja auch bei meinem Einkauf passieren können.“

Die endlosen Tage in Isolation haben ihr gezeigt: „Man weiß hinterher die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Einfach an die frische Luft gehen können, im Wald spazieren gehen. Selbst auf die lange Schlange beim Supermarkt, die ich hatte meiden müssen, freue ich mich jetzt.“

Ihr Rat nach überstandener Vireninfektion: „Die Infektion verläuft bei jedem Menschen unterschiedlich, ein ernster Verlauf kann auch bei jungen Menschen vorkommen. Die Hygieneregeln einzuhalten ist in jedem Fall eine zentrale Sache, bitte haltet Euch daran.“

Aufmacherbild: Tumisu auf Pixabay

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Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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2 Kommentare

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  1. Es ist schön von einer überstandenen Erkrankung zu hören. In den Medien überwiegen die schweren Fälle und das macht Angst. Natürlich soll das nicht von der Schwere der Krankheit ablenken, aber trotzdem tut so ein Artikel einfach gut! Danke!

  2. Danke für diesen Erfahrungsbericht. Quarantäne und Isolation stell ich mir schrecklich vor, obwohl ich sehr gerne zu Hause und auch sehr gerne allein bin. Das beruht aber auf Freiwilligkeit. Ein angeordnetes Verbot, rauszugehen, ist was ganz anderes. Das hat was von eingesperrt sein. Ich weiß, dass ich dann am Rad dreh.

    Und mit Hund stell ich mir das auch nicht witzig vor. Man braucht jemand, der bereit ist, 3 mal täglich, davon 1 mal früh morgens und 1 mal spät abends mit dem Tier rauszugehen. Und so eine Übergabe an der Wohnungstür ist auch nicht so ganz risikolos, denk ich.

    Ich bilde mir ein, dass ich sehr auf mich acht gebe. Aber weiß mans?