Die Liste der Veranstaltungen zum 100. Todestag von Max Bruch in Bergisch Gladbach umfasst lediglich fünf Termine. Veranstalter sind Vereine und Medien. Kreis und Stadt tragen nichts dazu bei. Bruchs Jubiläum in dieser Weise außer Acht zu lassen, ist nicht nachvollziehbar.

Welchen Impuls brauchen Stadt und Kreis, um solch eine Steilvorlage für den Kulturkalender und das Stadtmarketing aufzugreifen? An Vorschlägen und Ideen hat es sicher nicht gemangelt.

Bezüge zwischen Bergisch Gladbach und Max Bruch gibt es genügend. Sicherlich mehr als zu Beethoven, der vom Kreis mit einem eigenen Programm gewürdigt wird; und mit Böhm auch noch das Highlight des Rheinischen Kalenders bildet. Kann man die Beethoven-Huldigung nicht anderen Metropolen überlassen, die deutlich mehr Bezug zu dem Bonn-Wiener Komponisten haben?

Traut man sich nicht, eigene Themen wie Bruchs Leben und Arbeiten im Bergischen aufzugreifen und zu entwickeln?

Böhm und Beethoven sind große Themen im Kulturjahr 2020. Aber ein offenkundig regionales Thema von Format einfach links liegen zu lassen, das grenzt an Ignoranz. Hat man mit dem Bruch-Festival vor ein paar Jahren so schlechte Erfahrungen gemacht?

Der Kulturkurier des Bürgerportals (siehe Video) und die geplanten, wenigen Veranstaltungen zu Bruchs Jubiläum zeigen, dass man spannende Events auch unter Corona-Bedingungen durchführen kann. Dass Stadt und Kreis zu Bruchs 100. Todestag lautstark schweigen, kann man nur als – verzeihen Sie das Bild – Bruchlandung der Kulturpolitik bezeichnen.

Hinweis der Redaktion: Das sind die Möglichkeiten, sich Max Bruch doch noch ein Stück weit kennen zu lernen:

  • Wandern auf dem Max-Bruch-Weg, detaillierte Beschreibung
  • Vortrag mit Musikbeispielen: 25.9., 19 Uhr, Kirche St. Engelbert
    Referent Siegfried R. Schenke, Thema: Max Bruch und Maria Zanders, Wirken für Bergisch Gladbach. Eintritt 6,- Euro, Anmeldung erforderlich: Kath. Bildungswerk, 02202 / 93639-50, E-Mail: info@bildungswerk-gladbach.de
  • Wandelkonzert: 3.10., mit dem Konzertchor Bergisch Gladbach e.V., Musik und Wanderung auf dem Max-Bruch-Weg, Infos unter www.konzertchor-gl.de
  • Konzert: 4.10., Einlass 16 Uhr, Albertus-Magnus-Gymnasium Bensberg. Mit Sopranistin Silke Weisheit, Geigerin Hannah Müller, Cellist Lev Gordin und Pianist Roman Salyutov, Motto „Widmung an Bergisch Gladbach – unsere Stadt in Bild und Klang“. Eintritt frei, Anmeldung erforderlich unter info@musik-kultur-gl.de oder Tel. 0177 1398 268

Unser Beitrag zum Max-Bruch-Jahr

Hommage an Max Bruch – und an die Kulturstadt Bergisch Gladbach

Zu Ehren von Max Bruch, aber auch als eine Hommage an Bergisch Gladbach, hat Roman Salyutov ein abwechslungsreiches Programm mit weitgehend unbekannten Stücken des am 2. Oktober 1920 gestorbenen Komponisten zusammengestellt und mit Solisten des Sinfonieorchesters Bergisch Gladbach aufgeführt. Wir zeigen das Konzert im Video.

KulturKurier präsentiert selten gehörte Werke von Max Bruch

Er steht im Schatten von Beethoven und Corona, und dennoch gilt es gerade in Bergisch Gladbach, den 100. Todestag von Max Bruch am 2. Oktober zu würdigen. Seine Geschichte und Kompositionen sind eng mit unserer Stadt verbunden. Daher führte jetzt ein mutiges Ensemble für den KulturKurier drei rare Werke des romantischen Meisters im Bergischen Löwen auf. Mit dabei ist der Hymnus op. 13, der eine ganz besondere Beziehung zur Stadt hat.

Ein Chor mit vielen Namen

In den sechsten und letzten Folge der Serie zum 100. Todestag von Max Bruch geht es um das wechselvolle Schicksal des Lieblingsprojektes von Maria Zanders und um den ersten Ehrenbürger der Stadt. Wir schließen die Serie mit einer vorläufigen Antwort auf die Frage, was uns Max Bruch heute und in Zukunft wert ist.

Ein Chor aus der Villa für den Konzertsaal

In der fünften Folge zum 100. Todestag von Max Bruch geht es um wichtige Rolle der Villa Zanders im Leben des Komponisten. Sie diente als Wohnhaus, Gästehaus, Treffpunkt und Mittelpunkt der Stadt. Und hier wurde der Cäcilienchor gegründet, der über eine ungewöhnliche Gründungsgeschichte verfügt und heute immer noch unter dem Namen „Konzertchor” aktiv ist.

Auguste Kolter: Max Bruchs rätselhafte Textdichterin

Knapp 100 Jahre nach seinem Tod bietet Max Bruchs Arbeit in Bergisch Gladbach immer noch Rätsel. Wie die Zusammenarbeit mit Auguste Kolter, die 1859 einen Text für seinen Hymnus Opus 13 verfasste. Ihre Familie hatte hohe Ämter in der Stadt inne, war aber nicht unumstritten. Wir werfen erstmals einen Blick auf die Entstehungsgeschichte des Hymnus.

Ein Odysseus des 19. Jahrhunderts

In der dritten Folge der Serie zum 100. Todestag von Max Bruch muss der Musiker seine erste Bewährungsprobe als Dirigent eines Profi-Orchesters bestehen. Es geht um die seelische Bewältigung von drei Todesfällen, um die Beziehung zu Maria Zanders und um seinen ersten großen Erfolg mit seinem „weltlichen Oratorium“, dem Odysseus.

#Lieblingsorte in GL: Klavierzimmer der Villa Zanders

Wer Spuren von Max Bruch sucht, findet in der Stadt viel bekanntes: Zwei Denkmäler, eine Musikschule, eine Straße. Richtig spannend wird es, wenn man sein Leben im Detail nachzeichnet. Dann trifft man auf unbekannte Orte, die erst auf den zweiten Blick zu Bruch gehören. Wie das Klavierzimmer in der Villa Zanders. Mein #Lieblingsort in GL.

Das Haus Schnabelsmühle und vier Freunde der Musik

In der zweiten Folge der Serie zum 100. Todestag von Max Bruch geht es um Begegnungen, Freundschaften und Liebe – die Bergisch Gladbachs kulturelles Leben in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Gang brachten. Neben dem Komponisten spielten dabei eine wilde Hummel, ein verwunschener Prinz und der Gründer des Liederkranz wichtige Rollen.

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Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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11 Kommentare

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  1. Es ist ganz toll und zeigt die Wichtigkeit des Bürgerportals auf. Nur dieser Institution ist es in Zusammenarbeit mit der Bensberger Bank und natürlich dem Sinfonieorchester Berg. Gladbach gelungen, Max Bruch zu würdigen. Herzlichen Dank.!!

  2. Ich muss fairerweise eingestehen, dass ich mich in meinem ersten Kommentar im Ton unschön vergriffen habe. Ich hatte natürlich nicht die Absicht, jemanden konkret zu verletzen, sondern wollte nur auf einige, die Entwicklung unserer Kulturszene in meinen Augen ausbremsende systemische Faktoren aufmerksam machen, was mir leider in einer etwas zu harten Form passiert ist.

    Der ganze Stress der jetzigen Zeit, dem der Kulturbetrieb ausgesetzt ist – sowohl vom künstlerischen, als auch vom organisatorischen Gesichtspunkt aus – ist einfach dermaßen groß, die Spannungen sind teilweise so schwer erträglich, sodass im Eifer des Gefechts ums Überleben und Erhalten unserer Kultur manchmal die Reaktionen und Emotionen allzu sehr hochkochen und in Formulierungen leider nicht immer ausbalanciert ausfallen – ich bedauere es natürlich und möchte mich bei allen entschuldigen, die sich betroffen gefühlt haben.

    Wir Kulturschaffende in Bergisch Gladbach haben uns immer gesprächsoffen gezeigt, um gemeinsam mit der lokalen Politik einen besseren und zukunftsorientierteren Weg für unsere Kultur herauszuarbeiten. Einiges ist in den letzen Jahren sicher gelungen, aber es bleiben natürlich auch Baustellen, und wir sind natürlich jederzeit gerne bereit, aus spezifisch fachlicher Sicht am Erarbeiten von politischen Entscheidungen teilzunehmen, und würden uns freuen, wenn unsere fachliche Kompetenz und Erfahrung mehr berücksichtigt und einbezogen werden – zugunsten unserer so viel Potential bergenden Kulturszene in Bergisch Gladbach.

  3. Kultur (wie auch Sport) sind zumal in ihrer breit gestreuten Vereins- und Initiativstruktur jenseits der „ganz großen Bühnen“ (bzw. „Plätze“) auf je ihre Weise zwei elementare „Pattex-Spender” unserer Gesellschaft.

    Im Blick auf im Gange befindliche wie noch kommende und m.o.w. absehbare Entwicklungen wird deren Bedeutung für ein essentiell friedliches und zukunftsfähig fruchtbares Miteinander noch einmal exponentiell steigen.

    Klar, beide Sektoren leben per nuce aus und von Engagement, Initiative, Kreativität und Passion derer, die sie betreiben / unterstützen / fördern

    — aber sie sind eben kein „Luxus”, den eine Gesellschaft sich nur im Überfluss rosiger Zeiten leisten sollte bzw. „Ballast”, der in gegenläufigen Phasen beliebig abzuwerfen bliebe,

    sondern sie sind absolut unverzichtbarer Bestandteil gelingender Kommunität, und das desto mehr gerade in Krisenzeiten.

    Ganz abgesehen davon, dass beide auch einen in die Fläche gestaffelten Wirtschaftsfaktor darstellen (und hier ist nicht der den surrealen „Finanzmärkten” gleichgestellte Aberwitz des „Kunst”- oder „Sportmarktes” gemeint).

    Insofern hat Salyutov Recht, wenn er in grundsätzlicher Erwägung die Integration von „Kultur” als nicht nach-, sondern gleichrangig öffentliche Aufgabe einfordert.

    Aber und auch damit hat er Recht:
    Dabei geht es nicht nur um Finanzmittel, sondern um das vorgelagerte Anreichern von Politik mit Geist oder, um ein Wort Robert Musils zu leihen, darum, „Gedanken in Machtsphären zu tragen“ …

    Das würde den „Machtsphären” auch überhaupt keinesfalls schaden …

    Man wird im Übrigen sehen, ob die geäußerten Hoffnungen hinsichtlich der seit dem 13.09. neuen Polit-Konstellationen in GL hier berechtigt sind …

    „(Neue) Gedanken in (alte) Machtsphären …“ Hier am Strundeufer … Das wäre ja fast schon beängstigend …

    Und apropos „beängstigend”:

    Gegenwärtig ist die Breiten- wie Tiefenstruktur gerade eines so vielfältig „kleinen”,
    aber im zusammenwirkenden Gesamtgewebe eben doch großen Kulturlebens noch zusätzlich bedroht
    durch die alles überwölbenden „Corona-Festspiele”,
    deren ebenso unabseh- wie undurchschaubare Dramaturgie gerade wieder anzuziehen scheint,
    als gelte es, kommend neue Höhepunkte kollektiver Ausnahmezustände psychologisch vorzubereiten …

    Man kann nur hoffen, dass sich hier Ludwig Ehrhardts alter Spruch vom „Maß halten” durchsetzt,
    und die in der Sache differenzierten Köpfe wie Stimmen gegen Panikpropheten und Alarmhektiker die Oberhand behalten.

    Nicht nur, aber auch um eines vitalen Kulturlebens willen …

  4. Herr Salyutov,

    man sollte die Finanzen aber nicht vergessen und daran wird es größtenteils scheitern.

    Wenn man sich viele, oft kostenfreie oder sehr günstige Ausstellungen ansieht, so ist doch sehr oft betagtes Publikum zu sehen, welches zeitgleich auch einen recht betuchten Eindruck macht.

    Und hier muss man einen Ansatz finden. 5-6 Tage die Woche hohe Preise und sonst vergünstigt oder kostenfrei. Wer Geld hat, nutzt sicherlich die ruhigeren Tage und finanziert und fördert dadurch das günstigere Angebot.

    “Ein gewisses Image als Kulturort haben wir ausschließlich dank mehreren aktiven ortsansässigen Vereinen. Es ist halt so, dass die Politik verschiedenen Entwicklungen häufig hinterher hinkt.”
    Und genau dafür sind doch die Vereine gut. Es sollte reichen, wenn die Stadt finanzielle und räumliche Unterstützung gibt. Ich glaube kaum, dass ein Verwaltungsapparat so breit aufgestellt sein kann, dass diese Leistung zufriedenstellend erbracht werden kann. Wie viele Spezialisten soll die Verwaltung denn einstellen?

    Ein jährliches Budget, Förderungsantrag der Vereine im Vorjahr und ein Ausschuss/Gremium/Arbeitskreis, der die Mittel frei gibt. Das sollte in der heutigen Zeit in einer schlanken Verwaltung reichen.

  5. Grundsätzlich wird sich das Problem mit der städtischen Kulturpolitik nur dann lösen, wenn unser Kulturleben in den Augen der Stadtverwaltung und des Stadtrates endlich einen anderen Stellenwert als “freiwillige Leistung” haben wird.

    Es fehlt an Fachleuten in entscheidenden Gremien, es fehlt an Wissen, an Visionen, und es mangelt an politischem Willen.

    Für einzele Unterstützungsaktionen muss man natürlich dankbar sein, das verneint auch keiner – aber diese lokalen Wohltaten ersetzen in keiner Weise langjährige und tiefgehende Mängel in der Kulturpolitik in sich.

    Ein gewisses Image als Kulturort haben wir ausschließlich dank mehreren aktiven ortsansässigen Vereinen. Es ist halt so, dass die Politik verschiedenen Entwicklungen häufig hinterher hinkt.

    Wichtig ist, die vorhandenen systemischen Mängel nicht schön zu reden – aus Dankbarkeit für einzelne Wohltaten, sondern gemeinsam und unter Einbeziehung von Fachleuten einen neuen, unserer Stadt würdigen Kurs zu finden und zu verwirklichen. Die Hoffnung ruht jetzt einfach auf dem neuen Bürgermeister und dem neuen Stadtrat.

  6. Es ist seltsam, wenn man die Kuh, die man melken will, schlägt. Aus meiner Wahrnehmung hätte es weder das Max-Bruch-Festival noch manch andere Kulturveranstaltung gegeben, wenn nicht die Stadt im Hintergrund Unterstützung geleistet hätte, mindestens in Form von Manpower, aber auch in finanzieller Hinsicht. Das sollte fairerweise hier nicht ganz unter den Tisch fallen.

  7. Liebe Frau Schlösser, ich mag mich irren, aber schon damals waren Stadt und Kreis eher … schmal …dabei. Der aus der Bürgerschaft heraus gegründete Verein Musik- und KulturFestival GL e.V. führte das Festival mit breiter Unterstützung ortsansässiger Unternehmen, kulturinteressierter Bürger und engagierter Kulturschaffender durch. Also auch hier fühlt sich städtische Kulturpflege als Privatvergnügen an. Ich hoffe, dass nun – auch mit Herrn Stein – solche Initiativen eine neue Wertschätzung und Unterstützung erfahren.

  8. Der Vergleich mit 2013 – Max Bruch Festival – ist nicht relevant, weil auch damals alles auf den Schultern der Vereine u. ä. gestemmt wurde. Die Stadt schmückt(e) sich immer mit allem und betreibt selbst eine völlig profillose und diletantische Kulturpolitik, die man als Kulturpolitik eigentlich überhaupt nicht ernst bezeichnen kann, weil Profis vom Fach gar nicht einbezogen werden. Als mehr als 10 Jahre lang hier vielfältig tätiger Kulturschaffender weiß ich sehr gut, wovon ich rede. Kulturpotilik von Verwaltungsbeamten ohne irgendwelche Vorstellungen von der Materie – absurd. Hoffentlich kommt mit Frank Stein ein frischer Wind in die alten Segel.

  9. Der Kommentar ist tatsächlich nicht ganz fair, da es 2013 zum 175. Geburtstag von Max Bruch ein großes Festival mit vielen Akteuren gab. So etwas kann man nicht ständig wiederholen.

  10. Sehr geehrter Herr Berger, unser Autor ist qualifiziert. Wenn Sie Ihre Kritik etwas qualifizieren, setzen wir uns gerne damit auseinander. Vor allem dann, wenn Sie es unter Ihrem tatsächlichen Namen machen – die von Ihnen hinterlegte Mailadresse existiert leider nicht.