Nicole Jordy, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach

Um 21 Prozent ist in RheinBerg die Zahl der Arbeitslosen gestiegen, die Kurzarbeit erreicht ein nie gekanntes Ausmaß, der Ausbildungsmarkt bricht ein. Aber gerade das Ausmaß der Kurzarbeit sei auch ein Zeichen der Hoffnung, sagt Arbeitsagentur-Chefin Nicole Jordy.

Eigentlich sinkt die Arbeitslosigkeit im Frühjahr, doch in diesem Corona-Jahr ist alles anders. Die Zahl der Arbeitslosen im Rheinisch-Bergischen Kreis liegt aktuell bei 24.858. Das sind 2490 mehr als im März. Im Jahresvergleich sind es sogar 4321 Personen und damit 21 Prozent mehr, die offiziell als arbeitslos registriert sind. Und das trotz der hohen Kurzarbeit, die ja Entlassungen vermeiden soll.

Besonders stark betroffen sind jüngere Arbeitnehmer. Die Menschen, die ihren Minijob oder eine andere nicht sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verloren haben, sind dabei noch nicht einmal erfasst. Und auch die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze geht aufgrund der großen Unsicherheiten stark zurück, berichtet Nicole Jordy, Chefin der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach, im Gespräch mit dem Bürgerportal.

Die Arbeitslosenquote, die sich sonst nur um Zehntelpunkte bewegt, sprang im Jahresvergleich von 5,3 auf 6,4 Prozent nach oben – und damit noch etwas stärker als in Deutschland insgesamt.

Fast jedes 3. Unternehmen meldet Kurzarbeit an

Noch massiver ist auch hier vor Ort der Anstieg der Kurzarbeit. Im März und April haben bei der Agentur für Arbeit in Bergisch Gladbach (die für RheinBerg, Oberberg und Leverkusen zuständig ist) 5720 Betriebe Kurzarbeit angemeldet.

Ein Vergleich mit 2009, dem Jahr der globalen Finanzkrise, zeigt das ganze Ausmaß der Folgen von Corona für die Wirtschaft an: damals meldeten im ganzen Jahr nur 1100 Betriebe Kurzarbeit an.

Im Durchschnitt hat jeder Betrieb zwölf Beschäftigte für Kurzarbeit angemeldet – insgesamt 66.661 Personen. Ob und in welchem Umfang die Betriebe von der Möglichkeit der Kurzarbeit tatsächlich Gebrauch machen ist bislang noch nicht klar, das lässt sich erst bei der Abrechnung ein einigen Wochen sagen.

Kurzarbeit als Chance

Jordy, die seit drei Monaten die Agentur in Bergisch Gladbach führt, leitet daraus zwei Erkenntnisse ab: „Es gibt keine Branchen, die nicht betroffen sind.” Und der gewaltige Umfang der Kurzarbeit könne auch positiv gewertet werden.

Tatsächlich haben von den rund 17.000 Unternehmen im Arbeitsamt-Bezirk knapp ein Drittel Kurzarbeit beantragt – ein sehr hoher Anteil. Etwa 15 Prozent davon entfielen auf die Gastronomie, zehn Prozent auf den Einzelhandel. Dicht dahinter folgten das verarbeitende Gewerbe und so gut wie jede andere Branche. Es seien vor allem die kleineren und mittleren Unternehmen mit bis zu 100 Beschäftigten, die jetzt zu kämpfen haben.

Seit Anfang März ließen sich sehr, sehr viele Unternehmen über die Kurzarbeit informieren, berichtet Jordy. Und sie werden von der Arbeitsagentur ermuntert, sie vorsorglich zu beantragen – anstatt ihre Beschäftigten gleich zu entlassen. „Alle Unternehmen, die jetzt Kurzarbeit nutzen, haben eine gute Chance, durch die Krise zu kommen”, urteilt Jordy.

Ob das aber tatsächlich gelinge oder doch die Zahl der Insolvenzen anziehe, das hänge einzig und allein vom Verlauf der Pandemie ab: Zwei oder drei Monaten seien für viele zu überbrücken, bei fünf, sechs oder mehr Monaten sehe das schon ganz anders aus.

Keine Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur

Die Agentur für Arbeit selbst läuft auf Hochtouren, berichtet Jordy. Ein Drittel der Beschäftigten habe sehr schnell nachgeschult werden müssen und arbeite jetzt zusätzlich in der Auszahlung der Geldleistungen.

Um gleichzeitig den hohen Beratungsaufwand stemmen zu können hat die Agentur die Arbeitszeiten ausgeweitet und einige Verfahren vereinfacht, erläutert Jordy: „Wir haben wirklich alle Reserven mobilisiert.”

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Weshalb sich die Gastronomen, Hoteliers, Friseure, Einzelhändler mit 800 qm+so einen Rookie auf der anderen Seite des Tischs gefallen lassen, der sein Einkommen aus den nicht mehr fließenden Steuereinnanahmen bezieht, müssen sie sich irgendwann mal selber erklären. “Jordy, die seit drei Monaten die Agentur in Bergisch Gladbach führt, leitet daraus zwei Erkenntnisse ab: „Es gibt keine Branchen, die nicht betroffen sind.” Und der gewaltige Umfang der Kurzarbeit könne auch positiv gewertet werden.” Positiv ist an der Kurzarbeit gar nichts, solange der Lockdown nicht aufgehoben wird!