Wie manövrieren Handwerker durch die Corona-Krise? Wie ist die Auftragslage? Wie schützt man sich auf Baustellen? Daniel vom Installationsbetrieb „Meister Olli” erzäht, wie er seinen Betrieb am Laufen hält. Nicht zuletzt mit einer drastischen Schutzmaßnahme.

„Zuerst war es ein Schock“. Daniel Olli und seine Frau Kim sitzen im Büro ihres Installationsbetriebes am Kuhlerbusch und berichten vom Start der Corona-Krise. Daniel ist Meister und Geschäftsführer des Betriebes. Kim stemmt als Angestellte die Buchhaltung.

Zusammen mit einem Gesellen arbeiten sie für Kunden im Rheinisch-Bergischen Kreis, Köln, Leverkusen. Klassische Installation, Heizung, Sanitär, Trocknung und Sanierung. Eben alles was mit Gas und Wasser zu tun hat. Der Betrieb ist seit einigen Jahren am Markt und fest etabliert.

Dann die Corona-Krise: Innerhalb einer Woche stand die Welt auf dem Kopf. Ein Großteil der Kunden aus den Bereichen Hausverwaltung und Fitness-Center war weggebrochen.

Es blieben zunächst nur Notfälle. „Heizung und Sanitär muss ja laufen, auch in Krisenzeiten“, erklärt Daniel Olli. Aber mit Notdienst alleine hält man einen Betrieb nicht über Wasser.

Kurzarbeit, Soforthilfe und selbstgewählte Isolation: Damit halten Kim und Daniel von Meister Olli ihren Betrieb am Laufen

Praktisch alleinerziehend

Zudem fiel Kim zur Hälfte aus. Ohne Schulunterricht waren die Kinder zu Hause und mussten betreut werden. „Ich bin seit der Corona-Krise praktisch alleinerziehend“, meint Kim. Das bedeutet zusätzlichen Stress. Keine gute Ausgangslage für eine Familie, die von ihrem Installationsbetrieb lebt.

Nachdem vor allem Kim den Schock verdaut hatte, schmiedeten sie rasch Pläne, wie die Krise bewältigt werden kann. Erste Maßnahmen: Kurzarbeit und Soforthilfe. „Nach ein paar Tagen bekamen wir regelmäßig Infos: Unser Steuerberater, die Bank und auch die Handwerkskammer hielten uns auf dem Laufenden.“

Eine Unsicherheit blieb dennoch: Wie kann die Soforthilfe verwandt werden? Wie läuft es mit der Rückzahlung?

Selbst gewählte Isolation

Die zweite Maßnahme war ungewöhnlicher. Aus Sorge, dass Daniel sich bei den Kids oder im Bekanntenkreis anstecken könnte, trennte sich die Familie. Daniel schlief fortan im Betrieb und fuhr von dort zu seinen Baustellen. Kim und die Kinder blieben im Wohnhaus. Arbeit und Sozialkontakte organisierten sie über Videokonferenzen.

Während der Corona-Krise gehörten Notdienste zu den Haupteinnahmequellen

Selbst seinen Geburtstag feierte Daniel alleine im Büro. „Die Pizza schmeckte nicht und landete halb im Müll“, erinnert er sich schmunzelnd an die heiße Phase der Krise. Mittlerweile ist man wieder vereint.

Selbst gewählte Isolation? War das nicht etwas übertrieben?

„Keinesfalls: Hätte sich einer von uns infiziert wären wir in Quarantäne gelandet“, erklärt Kim die ungewöhnliche Maßnahme. Ein kompletter Umsatzeinbruch wäre die Folge gewesen. „So steigerten wir die Chance, dass Daniel einsatzbereit bleibt und konnten nur hoffen, dass es gut läuft.“

Schleppende Zahlungsmoral

Die Hoffnung hat sich erfüllt. Und: „Wir waren und sind immer noch in einer privilegierten Situation. Weil wir ein Handwerk betreiben, das nicht geschlossen wurde“, ergänzt Daniel. Andere Betriebe wie Frisöre oder Caterer waren und sind da weitaus schlimmer dran.

Wie geht es weiter? „Die Lieferketten sind speziell bei Produkten aus dem Ausland noch lückenhaft. Es gab extrem lange Wartezeiten, was sich aber langsam bessert“, schildern die beiden die Lage.

Zudem sei die teilweise ohnehin schleppende Zahlungsmoral weiter eingebrochen. Das mache die Bildung von Rücklagen – eine der Lehren aus der Krise – noch schwieriger.

Daniel, der von Beginn an optimistisch gestimmt war, kennt nur einen Weg: „Weitermachen!“

Ihr Geheimrezept: „Wir haben immer Verständnis für die Maßnahmen des anderen. Wer in einem Familienbetrieb arbeitet, muss das auch als Familienprojekt begreifen. Hat man das verstanden, zieht man an einem Strang, dann läuft es“ verrät Kim. Sie gehen beide erkennbar anders mit der Krise um, aber es wird deutlich: Jeder organisiert seinen Bereich, zusammen wird es dann rund.

Betriebshund Loki hält im Lager die Stellung

Ob die selbst gewählte Isolation eine einmalige Sache bleibt? „Nein. Sollten sich zum Beispiel die Kinder infizieren oder eine zweite Welle über das Land schwappen, dann werden wir den Weg wieder einschlagen“, gibt sich Daniel kämpferisch. Man habe schließlich eine Verpflichtung gegenüber den Mitarbeitern, aber auch gegenüber sich selbst.

So schnell lässt sich Meister Olli nicht unterkriegen.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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1 Kommentar

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  1. Das ist mal wieder eine positive Einstellung!! Ein Unternehmer mit Plan, der mit Sinn und Verstand sein Unternehmen führt!! Man wünscht sich mehr davon, denn dann könnte jede Krise auch ohne “Weltuntergang Stimmung” und unnötige und ungerechtfertigte Unterstützungszahlungen, auch an Unbelehrbare! zumindest mit einem blauen Auge gemeistert werden!!!!!