In der Debatte, ob und wie die Mountainbike-Anlage des Vereins Dirt Stylers gerettet werden kann, gibt es eine Wendung: Offenbar existiert für das Waldstück in Nussbaum ein Bebauungsplan, der für eine Legalisierung der Strecke genutzt werden könnte.

Seit Jahren fahren Mountainbiker durch den Nussbaumer Wald. Die massiven Bauten, auf denen einige Mountainbiker halsbrecherische Kunststücke vollführt hatten, wurden Anfang 2017 zurück gebaut. Doch gibt es immer noch Beschwerden, jedenfalls sah sich die Stadt im Frühjahr erneut veranlasst, dem Verein Dirt Stylers eine Untersagung anzukündigen.

+ Anzeige +

Dies gibt Anlass, sich die Gegebenheiten vor Ort und insbesondere die Nutzung des Nussbaumer Waldes seit dem Ende des letzten Krieges etwas genauer anzusehen.

Vermutlich wurde das obere Plateau („Hinter den Stämmen”) während des Zweiten Weltkriegs als Flakstellung genutzt. Ältere erinnern sich, dass dort nach dem Krieg ein FKK-Platz bestanden hat; anschließend wurde das Gelände als Bolzplatz genutzt, teilweise sogar als Sportplatz bezeichnet.

Heute haben dort die Dirt Stylers eine Wellenfahrbahn installiert – da diese freie Fläche versteckt im Wald liegt, sieht das kaum ein Spaziergänger.

Den Hang entlang – auf halber Höhe – zieht sich ein Fußweg, der morgens und abends von Hundebesitzern und deren Vierbeinern gern benutzt wird – diesen queren die Mountainbiker. Es gibt auch einen Querweg den Hügel hinauf, am Ende findet sich eine Anbindung an die Mutzer Straße.

Wer diesen Weg hügelab geht, wird dann rechts abgeleitet entlang des Nutzerbaches bis nach ca. 300 m ein kleiner Holzsteg über den Bach führt; auf Nussbaumer Seite kommt man entweder rechts zum Wende­hammer des Mutzer Felds, halblinks den Hang hoch in Richtung Nussbaum.

Dieser zuletzt beschriebene Weg war vor 20 Jahren ein kleiner Pfad, der sich um die Bäume herumschlängelte; durch vielfache Benutzung sind inzwischen die Wurzeln auf diesem Pfad so zerstört worden, dass die am weitesten hineinstehenden Bäume an den Wurzeln abgebrochen und umgefallen sind. 

Zusammenfassend ergibt sich das Bild, dass die derzeitige Wegestruktur im Wesentlichen durch die Gewohnheiten der Anleger (Spaziergänger, Jogger, Hundebesitzer) im Laufe der Jahre in den Wald „hineingetreten“ wurde.

Bebauungsplan von 1964 gefunden

Als die Diskussion vor dreieinhalb Jahren hochkochte, ging die Verwaltung noch davon aus, dass es sich um einen so genannten unbeplanten Außenbereich handele; es dort also keinen Bebauungsplan gäbe.

Inzwischen (vermutlich im Zuge der neuen Flächennutzungsplanung) hat sich jedoch ein Bebauungsplan aus dem Jahr 1964 gefunden.

Anlass war damals, die Reuterstraße so zu verlängern, dass sie den Ortsteil Nussbaum anschließt. Vorher gab es nur den heute gern als Spazierweg genutzten Feldweg, der am Ortsrand Hebborn genau in der Fluchtlinie der Reuterstraße weiterführt auf die Eselswiese.

Bei der Gelegenheit wurde 1964 auch festgelegt, dass das Gelände rechts der Straße Friedhof sein solle; 40 Jahre ist dort jedoch zunächst nichts passiert, so dass sich zwischenzeitlich ein Waldkindergarten dort angesiedelt hat. Der Friedhof wurde erst vor einigen Jahren aktiviert, als Urnenbestattungen in Mode kamen.

Bebauungsplan ermöglicht Nutzung als Mountainbikestrecke

Die Flächen nördlich des vorgesehenen Friedhofs wurden als „öffentliche Grünfläche“ gekenn­zeichnet. Als Grünflächen nennt § 9 Baugesetzbuch (BauGB) in Nr.15 beispielsweise: Parkanlagen, Dauerkleingärten, Sport-, Spiel-, Zelt- und Badeplätze, Friedhöfe. 

Die Bezeichnung „öffentlich” führt hier in die Irre, da die Fläche des Bolzplatzes und dass davor­liegende Hang-Gelände sich in privater Hand befindet.

Interessanterweise taucht Wald in § 9 BauGB Nr. 15 nicht auf; Wald wird in der Nr. 18 b gesondert genannt. Das spricht schon dafür, dass in den sechziger Jahren nur der Altbestand an Laubbäumen vorhanden war, die Fläche nicht durchgängig bewaldet war. 

Zusammenfassend ergibt sich das Bild, dass die derzeitige Wegestruktur im Wesentlichen durch die Gewohnheiten der Anleger (Spaziergänger, Jogger, Hundebesitzer) im Laufe der Jahre in den Wald „hineingetreten“ wurde.

Der seit 1964 existierende Bebauungsplan ermöglicht jederzeit die Nutzung eines Teils als Mountainbikestrecke, da diese als Sportstätte anzusehen ist. Für jede Sportstätte ist es kennzeichnend, dass dort Veränderungen und auch Aufbauten stattfinden. Solange diese nicht überhandnehmen,  sind solche ebenfalls im Rahmen des existierenden Bebauungsplanes zulässig.

Foto: Sascha Bamberg (Archiv)

Argumente für eine Legalisierung

Der Autor hat sich jüngst einen eigenen Eindruck verschafft. An einem Samstag-Nachmittag fuhren dort etwa sechs Kids im Alter zwischen 12 und 14 Jahren auf den in den Boden gearbeiteten Bahnen; daneben gab es während der gesamten Zeit eine Begleitung durch einen Erwachsenen. Sicherlich fahren gelegentlich auch Ältere, die einer Aufsicht oder Anleitung nicht bedürfen.

Der Verfasser plädiert dafür, dass die Mountainbikestrecke baldmöglichst legalisiert wird. Dies vor dem Hintergrund, dass Kinder und Jugendliche darin unterstützt werden sollten, sich zu bewegen – und insbesondere dann auch in frischer Luft.

Die häufig zu beobachtende Alternative wäre die Nutzung von Computerspielen, in denen sich die Kinder mithilfe von Joysticks in irgendwelchen Fahrzeugen virtuell bewegen. Die reale Bewegung ist für körperliche und geistige Entwicklung viel gesünder.

Was noch zu klären wäre

Es bleibt die Fragestellung, dass offensichtlich einzelne Nutzer des Waldes sich durch die Mountain­biker gestört fühlen. Hier ist meines Erachtens zunächst einmal grundsätzlich an die gegenseitige Rücksicht zu appellieren.

Teils wird auch mit dem Risiko von Unfällen argumentiert. Hier können die Mountainbiker, die sich inzwischen als Verein organisiert haben, durch Abschluss einer Haftpflichtversicherung vorsorgen; da es sich weitgehend um privaten Grund handelt, ist auch das Aufstellen von Schildern mit dem Inhalt: „Privatweg – Benutzung auf eigene Gefahr“ sinnvoll, am besten verbunden mit einem Hinweis auf das Mountainbiking. 

Friedrich Bacmeister

ist Rechtsanwalt und Steuerberater. Er wohnt seit 20 Jahren in Hebborn und ist vor kurzem sachkundiger Bürger geworden. Er tritt für die Grünen in Sand für den neuen Stadtrat an.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

9 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Man haben alle schon vergessen das wir da schon 1970 Cross gefahren sind ?
    Da kannte man noch nicht mal das Wort Mounten bike höchstens Bonazarad
    (das Ding mit Bananensattel ) und da hat sich niemand beschwert.
    Kurzum seit nunmehr als 50 Jahre gibt es diese Fahrrad und im Winter als Schlitten Wege schon und es gab auch eine Abfahrt die wir damals schon
    `Todesstrecke` nannten `. Also was soll der Stress ?

    VG
    A.Thiesmeyer

  2. Ich bin gebeten worden, noch zum Thema Naturschutz Stellung zu beziehen.
    Die Frage kann nach zwei Richtungen verstanden werden: wie ist die rechtliche Situation dort im “Nutbush”? – oder generell: ist Mountainbiking mit Naturschutz vereinbar?
    Ich darf mit der rechtlichen Situation anfangen: ein Naturschutzgebiet ist der “Nutbush” nicht. Das NSG Mutzbach beginnt erst auf der Wiese hinter dem Kombibad und zieht sich durch den Diepeschrather Wald – deshalb haben die Grünen sich auch vor einigen Jahren gegen die Einrichtung eines Klettergartens dort gestellt.
    Zum Verträglichkeit von Mountainbiking mit dem Schutz unserer Umwelt: das sollte sorgfältig abgewogen werden – unter Berücksichtigung der Umstände in diesem Gebiet. Die ist dadurch gekennzeichnet, dass morgens und abends mehr als 50 Hunde dort spazieren geführt werden – in aller Regel ohne Leine: Rehe und anderes Wild findet dort also keinen Rückzugsraum. Dass die Bäume unter den Spaziergängern (& Joggern, die auf die Wurzeln treten) leiden, hatte ich schon angemerkt.
    Auch die Mountainbiker tragen Humus ab – und stören eine Ansiedlung von Pflanzen und Gebüsch – andererseits ist aber zu berücksichtigen, dass derzeit die Attraktivität diese Gebiets für mountainbikende Kids und Andere andere Waldgebiete davor schützt, dass dort (ungeregelt) neue Furchen entstehen.
    Der Leser merkt, in welche Richtung ich tendiere – vielleicht habe ich Aspekte übersehen? – weiterhin können ggfs. durch räumliche Einschränkungen “die Eingriffe in die Natur” verringert werden.
    Der Alpenverein jedenfalls kommt zu dem Schluß: “Mountainbiken und Naturschutz – ein Widerspruch? Keineswegs! Mit dem richtigen Verhalten und guter Technik steht dem Sport in der Natur nichts im Wege” (https://www.alpenverein.de/natur/naturvertraeglicher-bergsport/natuerlich-biken/natuerlich-biken_aid_33483.html).
    Da ich zwischenzeitlich gehört habe, dass die Dirt Stylers und die Stadtverwaltung in konstruktiven Gesprächen sind, beende ich an dieser Stelle die Diskussion und drücke die Daumen, dass die Parteien eine gute Lösung finden. (Sollte es danach erforderlich werden, dass das Projekt politisch begleitet wird, so wird die neu zu wählende Grüne Fraktion darüber beraten) – zunächst wünsche ich uns allen schöne Sommertage – möglichst in freier Natur.

  3. Was noch zu klären wäre: was sagt ein grüner Kandidat zum Thema “Naturschutz”?

  4. Vielen Dank für die sachlich fundierte Darstellung. Ich bin selbst Waldbesitzer im Sauerland, manchmal als Besucher im Nußbaumer Wald und kenne die Nöte, die man hat, wie Waldbesucher mit dem Wald umgehen. Demgegenüber habe ich die Radler auf ihrem Gebiet als sehr ordentlich empfunden, weil man dort z.B. weniger Dreck im Wald herumliegen sieht als an anderen Stellen. Auch den Umgang mit anderen Passanten (rechtzeitig bremsen, Spazierer passieren lassen) würde man sich in vielen Fußgängerzonen wünschen.

    Ich fände es gut, wenn man mit Kritikern und Befürwortern in den Dialog kommen könnte, um zu verstehen, was die kritischen Anwohner verstimmt. Da es für den Verein um den Fortbestand geht und die Vereinsmitglieder sicherlich mitgestalten würden, damit sich die verschiedenen Waldnutzer besser vertragen, muss es möglich sein, Regeln zu vereinbaren, die für ein besseres Miteinander sorgen.

    Könnte so ein Dialog von der Stadt initiiert werden?

  5. Ganz lieben Dank für diese sehr ausführlichen, interessanten und historischen Information zu Nutbush Forrest, Friedrich Bacmeister…auch ich kenne diese Jugendlichen als sehr höflich, zuvorkommend und achtsam….ich bin auf dieser Strecke 5 mal in der Woche als Joggerin unterwegs…seit über 20 Jahren…noch nie gab es ein Problem mit den Radlern, alles stets relaxt und freundlich….
    Diese ewige Nörglei einzelner Personen ist überhaupt nicht nachvollziehbar….sehr schade, das diese Story seit nun 3 Jahren immer wieder auflackert

  6. Nachdem alle Fraktionen des Rates die Weiternutzung durch die Dirt Stylers befürwortet haben, freue ich mich sehr über diese Ermittlungen. Ich bin selber dort Anwohner und Gast und habe in den letzten zehn Jahren nicht einen Konflikt erlebt. Als Bewerber für den Stadtrat aus Hebborn möchte ich dieses Projekt unbedingt an Ort behalten.
    Michael Zalfen
    Stellvertretender. Bürgermeister und verkehrspolitischer Sprecher der SPD Fraktion

  7. Wir, mein Sohn und ich sind zufällig bei einem Spaziergang von Romany nach Schildgen dort entlang gekommen und waren total geflasht, dass es so etwas tolles fast direkt vor unserer Haustüre gibt. Die Stadt Bergisch Gladbach kann doch wirklich stolz sein, dass sie den Kindern und Jugendlichen so etwas bieten kann, toll.

  8. Ich bin sehr dafür, dass die Jugendlichen dort ihre Mountainbike-Strecken behalten und den Wald weiterhin nutzen können. Mit Bambam bin ich, wie viele andere Hundehalter, dort mehr oder weniger regelmäßig unterwegs. Von Unfällen oder Belästigungen war niemals die Rede, wenn ich dort an Gesprächen über das Problem beteiligt war. Es wäre wirklich zu begrüßen, wenn es dort endlich zu einer Entscheidung zugunsten der Jugendlichen käme.