Die Wahl zum Bürgermeister und Stadtrat hat zu einer deutlichen Verschiebung der Stimmanteile und Machtverhältnisse in Bergisch Gladbach geführt. Das zeigt bereits der allgemeine Trend, aber auch der tiefere Blick in die Statistiken. Dabei kommen weitere interessante Details zu Tage, zum Beispiel zum Verhältnis der CDU zu ihrem Spitzenkandidaten.

Diese Grafik macht deutlich, dass der Sieg der Ampel (Grüne, FDP, SPD mit dem gemeinsamen Kandidaten Frank Stein) und die Niederlage der CDU kein plötzlicher Stimmungsumschwung sind, sondern eine langfristige Entwicklung. Die Klima-Debatte hat dieses Trends jedoch dramatisch beschleunigt:

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  • Die CDU, die in den 70er, 80er und 90 Jahren (mit Ausnahme der Wahl 1989) immer eine absolute Mehrheit gewann, ist bereits 2004 um zwei Stufen nach unten gefallen, auf knapp 37 Prozent. 2014 erholte sie sich zwar ein Stück (42 Prozent) und ihr Kandidat Lutz Urbach gewann die Wiederwahl knapp im ersten Wahlgang. Doch in diesem Jahr fällt die CDU noch tiefer als 2004, auf 36,2 Prozent.
  • Der Niedergang der SPD, die vor gut vierzig Jahren in Bergisch Gladbach noch 38 Prozent erreichte, begann spätestens 1984. Und setzt sich nahezu linear fort, mit einer leichten Beschleunigung zum Ende hin: Nach einem erneuten Verlust von fünf Prozentpunkte landete sie am Sonntag unter 20 Prozent.
  • Die Zahlen der FDP sind zwar sehr wechselhaft, aber zugleich sehr stabil in einer Range zwischen elf und fünf Prozent – wobei auch die Liberalen mit dieser Wahl auf ihrem niedrigsten Stand seit vielen Jahrzehnten angelangt sind.
  • Die AfD hat sich bei ihrer inzwischen dritten Wahl in Bergisch Gladbach bei knapp vier Prozent festgesetzt. Das entspricht bei der aktuell niedrigen Wahlbeteiligung gut 2000 Stimmen.
  • Und auch die Bürgerpartei kann – trotz ihrer erstaunlichen Eskapaden – auf eine Zuspruch von mehr als 1000 Wähler:innen verlassen, was für zwei Mandate im Stadtrat reicht.
  • Die Freien Wähler (FWG) traten zum ersten Mal an; ob sie mit den erzielten 3,4 Prozent ihr Potenzial bereits ausgeschöpft haben, ist offen.
  • Die Grünen sind in diesem Bild (die einzigen) eindeutigen Gewinner. Im vergangenen Jahrhundert rangierten sie noch zwischen acht und zwölf Prozent, doch schon 2004 und 2014 machten sie einen Sprung nach oben. Bei der aktuellen Wahl konnten sie von 16 um fast 13 Punkte auf knapp 29 Prozent – und damit weit vor der SPD und relativ nahe an der CDU.

Das zeigt sich auch bei der Sitzverteilung: Die CDU stellt mit 20 Sitzen weiterhin die größte Fraktion. Aber die Grünen kommen auf 16 Sitze und bilden in der Ampelkoalition mit FDP (3 Sitze) und SPD (10) das Schwergewicht.

Wichtiger aber: Insgesamt kommt Grün/Gelb/Rot auf 29 Mandate – und bei einer Gesamtzahl von 56 auf eine absolute Mehrheit. Da auch der Bürgermeister im Rat eine Stimme hat ist das eine deutliche Gestaltungsmehrheit.

Wie die Spitzenvertreter der Parteien das Ergebnis einordnen hatten wir sie noch am Wahlabend gefragt, alle Videos mit den Antworten finden Sie in diesem Beitrag.

Nur jede(r) Zweite wählt

Ein wichtiger Punkt: Nur gut jeder zweite Wahlberechtigte nutzte sein Wahlrecht; trotz der offensiv angebotenen Möglichkeiten der Direkt- und Briefwahl lag die Wahlbeteiligung bei nur 54 Prozent. Damit lag sie auf dem Niveau von 2014, als gleichzeitig die Europawahl stattfand. 2004 und 2009 betrug sie 56,0 bzw. 56,9 Prozent

Christian Buchen gratuliert Frank Stein zum Sieg. Corona-gemäß per Ellbogen.

Stein so stark wie die Ampel, Buchen stärker als die CDU

Ein interessantes Detail: Zusammen kommen die drei Ampel-Parteien auf 25.505 Stimmen oder 52,9 Prozent. Frank Stein gewann bei der Bürgermeisterwahl nahezu die identische Zahl, 25.321 Stimmen bzw. 52,3 Prozent. Offenbar konnten alle drei Bündnisparteien ihre Wähler für den gemeinsamen Kandidaten begeistern.

Anders sieht es bei der CDU aus. Bei der Wahl zum Stadtrat erzielte die Partei 17.463 Stimmen oder 36,2 Prozent. Ihr Kandidat Christian Buchen verlor zwar krachend im direkten Vergleich mit Stein.

Aber Buchen gewann 39,2 Prozent und damit drei Prozentpunkte mehr als die CDU. Mindestens 1500 Wähler:innen stimmten für Buchen, aber nicht für die CDU. Die These, Buchen sei der falsche Kandidat gewesen, lässt sich so nicht begründen.

Sechs Direktmandate für die Grünen

Eine schwere Schlappe erlitt die CDU auch in den Wahlkreisen. 2014 hatte sie noch alle 26 Wahlkreise direkt gewonnen und konnte 26 Direktkandidaten in den Stadtrat schicken. In diesem Jahr jedoch verlor sie jedoch gleich sechs Mandate an die Grünen:

GRÜNEAußendorf, MaikWahlbezirk 6, Hand-West
GRÜNEScheerer, Anna MariaWahlbezirk 7, Hand-Ost
GRÜNECramer, JosefWahlbezirk 11, Stadtmitte-West
GRÜNEGerhardus, EvaWahlbezirk 18, Refrath-Mitte,/Kippekausen
GRÜNESatler, Johanna ElisabethWahlbezirk 19, Refrath-Frankenforst
GRÜNERickes, BeateWahlbezirk 21, Lückerath/Heidkamp-Süd

Hinweis der Redaktion: Alle Gewinner der Direktmandate finden Sie unten.

Zum Teil lagen die Grünen in diesen Wahlbezirken deutlich vor der CDU, etwa in Hand-Ost und Frankenforst. Knapp war es dagegen in Hand-West; in Heidkamp-Süd gewann die Grüne Beate Rickes mit exakt zwei Stimmen vor dem CDU-Kandidaten.

Die Hochburgen der Parteien

Natürlich gibt es Wahlkreise, in denen für die CDU die Welt noch in Ordnung ist: In Bärbroich-Ehrenfeld-Herkenrath-Ost kommt sie auf 48,4 Prozent der Stimmen. Über 40 Prozent liegt sie aber insgesamt nur in vier weiteren Wahlkreisen: Romaney-Ost-Herkenrath-Herrenstrunden, Paffrath-Nord-Nussbaum, Bensberg-Mitte und Sand.

Auf 40 Prozent komme die Grünen nirgendwo, aber in acht Wahlbezirken knapp über 30 Prozent. Neben Kippekausen (33,3 Prozent) auch inder Stadtmitte-West, in Frankenforst, in Hand, Lückerath, Refrath-Nord und Lustheide.

Die SPD kommt in keinem einzigen Wahlkreis auf 30 Prozent; ihr stärkster Bezirk ist Paffrath Süd mit 29,3 Prozent. Am schlechtesten das Resultat in Schildgen: hier erreicht die SPD gerade noch zwölf Prozent.

Die Freien Wähler haben ihr Hochburgen mit mehr als sechs Prozent in Katterbach-Ost/Paffrath-West (8,9 Prozent), Gronau-Ost/Heidkamp-West, Frankenforst, Schildgen und Gronau-West.

Die AfD kommt in fünf Bezirken auf mehr als fünf Prozent, v.a. in der Stadtmitte-West, in Frankenforst, Schildgen und Katterbach-West. Es gibt keinen Wahlbezirk, in dem die AfD weniger als drei Prozent erhält.

Die Bürgerpartei kommt ausgerechnet in Refrath-Mitte/Kippekausen, wo sich der stärkste Widerstand gegen sie regte, mit 4,6 Prozent auf ihr bestes Ergebnis, gefolgt von Hand-Ost, Refrath-Nord und Frankenforst.

Alle Stadtteile in der Übersicht

Sie wollen wissen, wie die Ergebnisse in Ihrem Stadtteil aussehen? In der folgenden Tabelle finden Sie alle Daten, Sie können jede Spalte durch einen Klick sortieren.

Der neue Stadrat

Der Stadtrat besteht aus 56 Mitgliedern; 26 wurden direkt in den Wahlbezirken bestimmt, weitere 30 über die jeweiligen Reservelisten der Parteien. Die Zahl der Sitze wurde aufgestockt, weil die CDU mehr Direktmandate errungen hatte, als ihr nach der Prozentzahl der Stimmen zugestanden hätte. Daher wurden vier weitere Sitze eingerichtet und proportional an die anderen Parteien vergeben.

Das sind die Gewinner:

ParteiKandidatMandat
CDUHenkel, HaraldDirektmandat im Wahlbezirk 001
CDUSchacht, Rolf-DieterDirektmandat im Wahlbezirk 002
CDUFeß, JasminDirektmandat im Wahlbezirk 003
CDUWillnecker, JosefDirektmandat im Wahlbezirk 004
CDUButz, MatthiasDirektmandat im Wahlbezirk 005
CDUDr. Metten, MichaelDirektmandat im Wahlbezirk 008
CDURenneberg, OliverDirektmandat im Wahlbezirk 009
CDUGürster, UlrichDirektmandat im Wahlbezirk 010
CDUHaasbach, Hans JosefDirektmandat im Wahlbezirk 012
CDUHildner, ThomasDirektmandat im Wahlbezirk 013
CDUCasper, ClaudiaDirektmandat im Wahlbezirk 014
CDUWagner, Hermann-JosefDirektmandat im Wahlbezirk 015
CDUOpiela, BrigittaDirektmandat im Wahlbezirk 016
CDUKraus, Robert MartinDirektmandat im Wahlbezirk 017
CDUHeld, ChristianDirektmandat im Wahlbezirk 020
CDUBischoff, BirgitDirektmandat im Wahlbezirk 022
CDUSchade, LutzDirektmandat im Wahlbezirk 023
CDULucke, MartinDirektmandat im Wahlbezirk 024
CDUBuchen, ChristianDirektmandat im Wahlbezirk 025
CDUvon Berg, GabrieleDirektmandat im Wahlbezirk 026
SPDWaldschmidt, Klaus WolfgangReservelistenplatz 1
SPDHolz-Schöttler, BrigitteReservelistenplatz 2
SPDOrth, KlausReservelistenplatz 3
SPDLindberg-Bargsten, MonikaReservelistenplatz 4
SPDEbert, AndreasReservelistenplatz 5
SPDStauer, UteReservelistenplatz 6
SPDKochan, CorvinReservelistenplatz 7
SPDWinkels, BeritReservelistenplatz 8
SPDZalfen, MichaelReservelistenplatz 9
SPDMehls, ChristineReservelistenplatz 10
GRÜNEAußendorf, MaikDirektmandat im Wahlbezirk 006
GRÜNEScheerer, Anna MariaDirektmandat im Wahlbezirk 007
GRÜNEDr. Cramer, JosefDirektmandat im Wahlbezirk 011
GRÜNEGerhardus, Eva Ingrid GerdaDirektmandat im Wahlbezirk 018
GRÜNESatler, Johanna ElisabethDirektmandat im Wahlbezirk 019
GRÜNERickes, BeateDirektmandat im Wahlbezirk 021
GRÜNEMeinhardt, Theresia ElisabethReservelistenplatz 1
GRÜNEDr. Symanzik, TinoReservelistenplatz 4
GRÜNESteinbüchel, DirkReservelistenplatz 6
GRÜNEKirch, DavidReservelistenplatz 8
GRÜNEDr. Steinmetzer, Anna LianeReservelistenplatz 9
GRÜNEBacmeister, ClaudiaReservelistenplatz 11
GRÜNEEschbach, Collin PhilippReservelistenplatz 12
GRÜNEDr. Bacmeister, FriedrichReservelistenplatz 14
GRÜNEKlupp, Edeltraud-MartinaReservelistenplatz 15
GRÜNEGajewski-Schneck, Sascha MichaelReservelistenplatz 16
FDPKrell, JörgReservelistenplatz 1
FDPWasmuth, DorotheeReservelistenplatz 2
FDPEngel, Alexander-SimonReservelistenplatz 3
AfDSchöpf, GüntherReservelistenplatz 1
AfDClemens, CarloReservelistenplatz 2
AfDSchütz, Fabian TheodorReservelistenplatz 3
BGLSamirae, FrankReservelistenplatz 1
BGLHerrmann, IroReservelistenplatz 2
FWGDr. Nuding, BennoReservelistenplatz 1
FWGRöhr, RainerReservelistenplatz 2

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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12 Kommentare

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  1. Richtig Herr Dettmar, das Gremium Rat ist vielfältig besetzt. Einzelne Fraktionen müssen es nicht sein, wo bliebe da der Unterschied. Themenfelder sind nun mal unterschiedlich.

    Es sieht bei der SPD jedenfalls so aus, dass immer abwechselnd M/W gewählt wurde. Wie da wohl das Bild tatsächlich aussehen würde ohne Quote?

    Ich kenne jedenfalls keine erfolgreiche Frau, die sagt, dass Quoten etwas Gutes sind. Eher schmälert das die Leistungen der erfolgreichen Damen, da das Thema Quote im Hinterkopf ist.

    Freu mich jedenfalls auf eine Zukunft ohne Quote, Farben, Geschlechter, wo Leistung zählt, aber die werde ich wohl nicht mehr erleben.

  2. @ Mehmet Schreiner: Zur Ihrer Beruhigung: Ich habe noch niemanden nach Quote eingestellt. Ich weiß aber aus Erfahrung, dass Firmen, Gremien oder Regierungen mit ausgewogenem Männer-Frauen-Verhältnis nicht nur einen besseren Eindruck machen als reine Männertruppen, sondern meist auch einen besseren Job.

  3. Über die Stellungnahme von Herr Schreiner zu meinen Beitrag bin sehr erstaunt. Natürlich hat er Recht, dass von der Oberlehrerpartei keine Verbesserung beim Wohnungsbau zu erwarten ist. Aber es sind jedoch noch andere mit im Spiel und da dürfte man schon eine Bremserfunktion erwarten. Das schließt doch nicht aus dem Sieger einer Wahl eine Gratulation auszusprechen. Wohnungsbau wird mehr denn je gefordert werden. Leider kam dieses Thema beim Wahlkampf viel zu kurz . Ausgrenzen darf in einer demokratischen Gesellschaft einen Halt haben.

  4. Zu Guenthers Beitrag:
    “Vor allem wünschen sich viele Wohnungssuchende und junge Familien ein Ende der Wohnungsbau- Verhinderungspolitik. Es genügt nicht, wenn wir Bienen den Tisch decken, wir müssen auch jungen Familien mit Kindern Platz und Raum geben.”

    Dann ist die Ampel aber die falsche Lösung gewesen, oder? Die gut situierten Wähler in Refrath, GL und Lückerath wollen doch eben keine Neubauten, verbauten Sichten, zusätzlichen Verkehr, Stau für den eigenen SUV etc.
    Da werden die jungen Familien sich noch umschauen, wenn es auf dem Wohnungsmarkt immer enger und der Druck aus Köln immer stärker wird.

    Mit Grün wird das Leben nur für die gut situierten besser, für den Rest nur teurer und unsicherer.

    Ich bin jedenfalls auf die ersten Ausschuss- und Ratssitzungen gespannt. Wird man noch innehalten? Wird die SPD in der Ampel contra geben? Wird die FDP ihr Schauspiel fortsetzen und den liberalen Gedanken final beerdigen?

    Es bleibt spannend, auch wenn es teuer wird.

  5. @Herr Dettmar, stellen Sie in Ihrer Agentur nach Fähigkeiten oder nach Quote ein?

    Dass sich Frauen in der sozialen Wohlfühlwelt besser aufgehoben fühlen, ist doch bekannt.

    Das spiegelt sich natürlich auch in den Strukturen der Parteien wider ;)

  6. Nach dem “Doomsday” geht die CDU also mit guten Gründen auf „Ursachenforschung”…

    Mal sehen, ob und was sie dabei findet
    – denn trotz ihres Status’ als weiterhin stärkste Einzelpartei ist es jetzt allerspätestens höchste Zeit für ein mindestens verschärftes Nachdenken …

    In GL sieht sie sich weit von hiesig einst gewohnten Höchstständen entfernt und hat vor allem sämtliche Machtpartner offenbar so verprellt,
    dass die „Allianz der Rache” ihr nun zur Oppositionsbank hin, nicht ohne gewisse Süffisanz, zulächelt …

    Aber auch der vormalige GroKop-Partner, zwar per abgesandtem Kandidaten und gerade noch rechtzeitig auf Grünen Schwingen in die Ampel gerettet,
    hat nicht minder schweren Anlass zu allerschärstem Nachdenken, bevor es ggf. noch weiter abwärts geht …

    Heute gab es dazu ein kurzes, aber sehr prägnantes Interview mit dem scheidenden SPD-BM von Gelsenkirchen
    – Wer immer ein Herz für diese einst große Partei hat, sollte sich das zu Herzen nehmen:

    https://www.google.com/amp/s/www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-morgenecho-interview/audio-baldiger-spd-ex-buergermeister-ein-rat-fuer-die-partei-100.amp

    Zur Grünen Welle bleibt nicht viel zu sagen, sie zeichnete sich im Trend ab, nicht nur in GL;

    spannend wird, wie sich die ggf. nun praktisch „grüne Wende“ in konkrete Politik hier vor Ort münzt,

    und inwieweit sich der per „greencraft“ in’s BM-Büro gebeamte BM Stein von der Asphalt&Beton AG seiner eigenen Partei souverän emanzipieren kann …

    Die FDP indes konnte sich anscheinend auf das zureichend solide Polster der hier ansässig Privilegierten mit Portfolio verlassen,
    es wird interessant, wie sie künftig ihre Rolle als Appendix der v.a. Grünen Ampel gestaltet …

    Trotz sehr intensivem Strassen-Wahlkampf dürfte die AfD deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben sein.

    Vor frühzeitigen Abgesängen sei aber ebenso deutlich gewarnt:
    Kein einziges „Nährthema“ ist abgeräumt oder auch nur einer intelligenten Behandlung, gar Lösung nahe, im Gegenteil;

    und was bei ggf. durchwirkendem Kippen der wirtschaftlichen Gesamtlage passiert, steht dahin …

    Die Bürgerpartei GL bleibt ein ebenso undurchsichtiges wie praktisch faszinierendes Politphänomen auf lokaler Ebene … Sei‘s wie es ist: Das muss man erst ‘mal hinbekommen …

    Erfreulich das Aufschlagen der FWG aus dem Stand,
    die einzig neue Kraft, im Wahlkampf solitär ohne Plakate und eigenen BM-Kandidaten, immerhin ab jetzt als Kleinfraktion im Rat

    – die vor Ort konkret gelebte Bürgerbeteiligung in Sachen FNP / Stadtentwicklung und -gestaltung hat nun ihren sozusagen „parlamentarischen Arm“, vielversprechender Auftakt zu einem bestenfalls neuen Kapitel der Politik in GL.

    PS: In Havermanns Hoch auf das Bürgerportal sei ausdrücklich eingestimmt!

  7. Herr Klein hat die Wahl gewonnen. Herzlichen Glückwunsch! Es wird nicht leicht werden. Mit einer Ampel gewinnen und mit einer Ampel regieren sind zweierlei Schuhe. Vor allem wünschen sich viele Wohnungssuchende und junge Familien ein Ende der Wohnungsbau- Verhinderungspolitik. Es genügt nicht, wenn wir Bienen den Tisch decken, wir müssen auch jungen Familien mit Kindern Platz und Raum geben.

  8. Was mir auffällt: Steins Ampelbündnis ist fast paritätisch besetzt, die Opposition zu 81 Prozent männlich.

  9. Die Leistung des Bürgerportals gipfelt nun in den Betrachtungen nach der Wahl und schließt damit eine gewaltige Aufgabe mit Bravour ab. Vielen Dank dafür!

    Viele haben’s gewusst, nur die Parteien nicht. Die CDU wähnte sich ob eines stark eingeschätzten Bürgermeister-Kandidaten ebenfalls Richtung absolute Mehrheit unterwegs, was sich nicht nur als falsch erwies, man verlor erneut. Die SPD bekam den verdienten aber nicht befürchteten Rüffel und rutschte stark ab. Die FDP hat ihren Stillstand wohl nur der Koalition zu verdanken, die man früh verkündete. Die freien Wähler haben “ihr Potential”, wie Watzlawek schreibt, sicher nicht ausgeschöpft, müssen aber nun beweisen, was an Mehr in ihnen steckt.

    AFD und Bürgerpartei hätte ich gerne draußen gesehen, was aber bei der Zahl der Anhänger, die beide immer noch haben – man nennt sie auch die Unbelehrbaren – wohl nicht möglich ist.

    Insgesamt mussten die größeren Parteien spüren, wie wohl die Bevölkerung lobt und straft. Einzig die Grünen sind Wahlsieger, auch geschoben vom Bundestrend, aber auch durch die Wähler, die das Engagement für Natur und Umwelt honorieren und schon gegen den FNP-E gekämpft haben.

    CDU-Flügge hatte wohl nicht recht, als er ganz am Anfang seiner Zeit in GL meinte, die Bürgerinitiativen würden den FNP-E ja nicht verstehen und die unwissenden Bürger*Innen würden denen nur alles nachplappern. Der Anfang einer verpassten Chance – für ihn und die Bevölkerung.

  10. Vielen Dank für den ausführlichen Bericht.

    Eine Anmerkung eines Wählers aus dem Wahlbezirk 21: wer nicht wählen geht, weil seine Stimme angeblich nicht zählt, sollte sich diesen Bezirk genau anschauen:

    Zwei Stimmen machen den Ausschlag. Für die Grünen-Kandidatin, die damit ihrem Konkurrenten der CDU jede Chance auf den Sitz im Rat nimmt, weil die CDU-Ratsmitglieder nur über Direktmandate einziehen. Heißt auch weniger Überhang-und Ausgleichsmandate, da bei drei Stimmen mehr für die CDU dort der 21. Ratssitz errungen worden wäre. Spannung pur!