Seit dieser Woche greifen auch die Hausärzte ins Impfgeschehen ein. In der Hausarztpraxis von Adrian Guttmann in Bensberg klingeln entsprechend die Telefone, Emails trudeln ein – viele Menschen wollen die Schutzimpfung. Die Zahl der verfügbaren Impfdosen ist noch begrenzt, aber theoretisch soll jeder Hausarzt impfen. Wir haben uns vor Ort umgehört, wie das in der Praxis geht.

„Ab dem 7. April ist es soweit! Die Covid-Impfung kommt in die Hausarztpraxen! Bitte melden Sie sich zur Impfung gegen Covid-19-Viren an!“ heißt es auf der Webseite der Praxis Frankenforst. Hausarzt Adrian Guttmann (Foto) bietet die Corona-Schutzimpfung an.

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Anders als von der Gesundheitsbürokratie vorgegeben geht der Hausarzt jedoch nicht mit einem Impfangebot auf seine Patienten zu. Wer den begehrten Pieks haben möchte, solle sich selbst melden und komme dann auf die Impfliste seiner Praxis. „Die Anfragen sortieren wir natürlich anhand der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, daran sind wir gebunden“, erklärt der Facharzt für Allgemeinmedizin.

Etwas Flexibilität

Das bedeutet, zunächst sind die Über-80-Jährigen an der Reihe. Wobei: „Sehr viele mit einem Lebensalter von über 80 Jahren melden sich nicht mehr, hier scheint die Durchimpfung wohl weit fortgeschritten zu sein“, meint Guttmann.

Wichtiger ist jedoch: Bei der Auswahl der Impflinge kann er, wie vom Land empfohlen, ein klein wenig flexibel agieren. „Natürlich impfe ich einen Patienten, der über 70 Jahre alt und schwer krank ist eher als einen gesunden Interessenten mit 80 Lebensjahren“, schildert Guttmann sein Vorgehen.

Das bestätigt auch die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein. Im ersten Schritt sollten chronisch Kranke, Angehörige, die bettlägerige Patienten betreuen, und Kontaktpersonen von Schwangeren geimpft werden, heißt es bei der KV. „Dann können je nach Verfügbarkeit von Impfstoffmengen nach und nach die Ärztinnen und Ärzte freier entscheiden, welche Patienten am dringendsten eine Impfung benötigen“, erklärt Sprecher Sven Ludwig.

Noch zu wenig Impfdosen

In der Praxis Frankenforst sei das Vakzin am Dienstag eingetroffen, erklärt Adrian Guttmann. Zunächst gebe es nur den Impfstoff von Biontech. Bestellt habe er 50 Dosen, gemäß der Maximalmenge, welche die Kassenärztliche Vereinigung maximal in Aussicht gestellt habe. Geliefert wurden lediglich 36. „Entsprechend werde ich einige Impftermine verschieben müssen“, berichtet Guttmann.

Kommende Woche solle es mehr Impfstoff geben. Das entscheidet jedoch die Politik: „Wie viel Impfstoff in der nächsten, übernächsten und den Wochen danach für die Praxen freigegeben wird, entscheidet das Land NRW“, heißt es dazu bei der Kassenärztlichen Vereinigung.

Erfassung der Impfungen

Zurück in die Hausarztpraxis: Adrian Guttmann lagert den Impfstoff in speziellen Impfkühlschränken, ausgestattet mit Digitaltermomethern zur Temperaturüberwachung. „Die sollte jeder Arzt haben, aber einige Praxen die sich zur Corona-Impfung gemeldet haben sind wohl jetzt erst damit ausgestattet worden“, wundert sich der Facharzt.

Den Praxisalltag werde die Corona-Impfung nicht belasten. „Wir haben eine offene Sprechstunde sowie eine Terminsprechstunde. An deren Ende legen wir die Impftermine, so dass wir weiter in die sprechstundenfreie Zeit hineinimpfen können.“

Wie viele Impfdosen er verabreicht habe, melde er per Internet an die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein, welche die Zahlen wiederum an das Robert Koch Institut weiterleite. Dabei werde nur die Zahl der Impfungen erfasst. Angaben zum verabreichten Impfstoff, zur Erst- oder Zweitimpfung oder zur Prio-Gruppe würden dabei nicht gemacht.

Hausbesuche statt mobile Impfteams

Adrian Guttman scheint froh zu sein, nun auch seinen Patienten aktiv einen wirksamen Coronaschutz anbieten zu können. Kritik schwingt jedoch an der Organisation der Impfungen mit. Er hätte gerne früher ins Impfgeschehen eingegriffen.

„Wir machen jetzt auch Hausbesuche um zu impfen, hätten dies aber schon wesentlich früher tun können“, sagt er. Die mobilen Impfteams würden sicher ihre Berechtigung haben. Die Hausärzte hätten deren Aufgabe jedoch ebenso schnell und effizient realisieren können.

„Impfen – das gehört zum Tagesgeschäft der Hausärzte“, erklärt auch Monika Baaken vom Hausärzteverband Nordrhein. Mit der Impfung durch die Hausärzte setze die Politik jetzt um, was ihr Verband schon vor Monaten schon gefordert habe.

Welcher Hausarzt impft, scheint in der Gesundheitsbürokratie niemand zu wissen oder sagen zu wollen. Bild von Katja Fuhlert auf Pixabay

Impfen Hausärzte grundsätzlich?

Doch welche Hausärzte impfen überhaupt? „Wir gehen davon aus, dass sich alle Hausärzte am Impfgeschehen beteiligen“, sagt Baaken. Es gehöre zur Verantwortung dieser Ärztegruppe, ihre Patientendaten zu sichten und gemäß der Impfreihenfolge aktiv auf diejenigen Patienten zuzugehen, die für eine Impfung infrage kämen.

Die Kassenärztliche Vereinigung ist in diesem Punkt zurückhaltender: „Die Beteiligung der Arztpraxen am Impfprozess ist freiwillig. Im ersten Schritt sollen vornehmlich Hausärzte impfen, im Laufe des April sollen dann alle weiteren Facharztgruppen hinzukommen.“

Im Klartext: Wer zu den Prioritätsgruppen gehört, sollte im Zweifelsfall auf seinen Hausarzt zugehen und abklären, ob und wann er an der Reihe ist. Und ob der Hausarzt wirklich am Impfgeschehen beteiligt ist. Denn eine verbindliche Übersicht, in welcher Praxis tatsächlich gegen Corona geimpft wird, soll es nicht geben.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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9 Kommentare

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  1. Meine Hausarzt ist für drei Wochen im Urlaub. Ich weiß nicht warum wird nicht die Aufgabe von anderen Ärzten übernehmen.

  2. Da läuft etwas sehr schief. Meine Erwachsenen Kinder sind schon geimpft. Mein Mann mit pflegestufe 2 und ich alter von 62 noch nicht. Meine Tochter ist von dem Kinderarzt ihrer Kinder geimpft worden und wir haben vom Hausarzt noch nicht mal einen Termin

  3. Hallo Zusammen,
    Leider wird immer von einer Priorisierung gesprochen, jedoch bekomme ich aus meinem Umfeld mit, dass Personen unter 70 in Arztpraxen Termine bekommen ohne dort Patient zu sein.
    Es werden Personen geimpft, welche an einer Telefonhotline sitzen!
    Personen im Alter von 39, welche nur im Homeoffice arbeiten!

    Dies waren nur 3 Beispiele und die Liste ist noch länger.
    Nun stellt sich mir die Frage wer die Priorisierungsliste überprüft oder kommt es darauf an, welche Beziehungen man hat.
    Leider spricht unsere Regierung nicht einmal Klartext und sagt dass sie bei der Beschaffung der Impfstoffe einfach versagt hat.
    So erreicht man, dass die Toleranzgrenze der Bevölkerung immer weiter nach unten geht.

  4. [Es schreibt der Mensch, der dieses Pseudonym seit mehreren Jahren nutzt und dessen Name der Redaktion vorliegt…]

    @Franz
    Zu den Regelungen bei Hausärzten kann ich nicht viel sagen, außer, dass sie gehalten sind, sich an die geltende Impfpriorisierung zu halten.

    Ich hätte aber einen Alternativvorschlag: Ab morgen können Termine für Menschen bis zum Jahrgang 1945 gebucht werden. Es wird also voraussichtlich nicht allzulange dauern, bis auch der Ehemann im Impfzentrum einen Termin erhalten kann. Dann wird vermutlich auch weiterhin die Möglichkeit bestehen, einen Partnertermin für die Ehefrau zu buchen.

    Mit etwas Spekulation könnten dann Impftermine für beide Personen in ein bis zwei Wochen gebucht werden. Mit etwas Glück und zeitiger Buchung findet die Impfung dann weitere vier bis zehn Tage später statt (das ist die aktuelle Vorlaufzeit im Impfzentrum Rhein-Berg).

    Die Grundvoraussetzung ist allerdings, dass der Ehemann nicht morgen bereits geimpft wird (weil dann kein Partnertermin mehr gebucht werden kann). Dann müsste die Ehefrau darauf waren, dass ihr Jahrgang im Impfzentrum dran ist.

  5. Frage/Problem: Vergabe von Impftermin(en) bei einem Ehepaar. Alter 70 und 72.
    Das betreffende Ehepaar hat zwei Hausärzte. Er hat einen Routinetermin bei seinem Hausarzt als Gelegenheit genutzt, an die Aufnahme in die praxiseigene Warteliste für einen Impftermin zu erinnern bzw. danach zu fragen. Er bittet darum, seine Ehefrau gemeinsam – obwohl diese ihren eigenen also anderen Hausarzt hat – mit ihm einzutragen und zu gegebener Zeit zu impfen.

    Am selben Tag, vier Stunden nach dem Besuch in der Arztpraxis erreicht den Ehemann per Telefon das Angebot des Hausarztes für einen frühen Impftermin schon in 8 Tagen, welches er freudig überrascht annimmt. Auf Nachfragen hört er dann, seiner Ehefrau bleibe die Impfung dort allerdings verwehrt, nicht nur zum genannten Termin, sondern überhaupt. Sie möge sich doch bitte bei ihrem eigenen Hausarzt oder an sonstiger Stelle um einen Termin bemühen. Gesagt getan. Resultat: Ihr eigener Hausarzt sieht sich vor September 2021 nicht in der Lage, sie zu impfen. Ausrufezeichen! Fragezeichen?

    Impftermin Ehemann 16.04.2021
    Impftermin Ehefrau vielleicht 16.09.2021

    Möglicherweise fünf Monate Differenz – soll der Ehemann seinen Termin wahrnehmen oder verschenken – einem Bedürftigeren? Erkundigungen im Bekannten- und Freundeskreis ergaben, dass die befragten EHEPAARE GEMEINSAM vom HAUSARZT eines EHEPARTNERS registriert und geimpft wurden. Der andere Hausarzt des anderen Ehepartners blieb außen vor.

    Gibt es eine anerkannte passende Regel zu diesem Sachverhalt?

  6. Um eine solche Liste bemühen wir uns seit einer Woche, ohne Erfolg. Zuständig wäre die Kassenärztliche Vereinigung, die hat aber angeblich selbst keinen kompletten Überblick. Tatsächlich ist es so, dass die Ärzte des unterschiedlich handhaben. Aber in der Regel hat man ja nur einen Hausarzt, an den sollte man sich zunächst mal wenden. Das ist ja der Sinn der Sache, dass die Ärzte die Patienten impfen, die sie kennen.

  7. Warum sind die Hausärzte nicht gelistet, die in Bergisch Gladbach die Corona-Impfung durchführen. Werden Die Patienten von den Ärzten zur Impfung aufgefordert oder muss man sich selbst einen Termin geben lassen. Es wäre schön, wenn die Ärzte, die die Impfung durchführen in Bergisch Gladbach gelistet werden. Es ist ziemlich chaotisch.

  8. Offenbar wird man schlecht informiert. Ich habe bisher in den Medien gehört und gelesen, dass man auf keinen Fall beim Hausarzt anrufen solle. Die Hausärzte wären überlastet und würden von sich aus auf die Patienten zugehen. Darauf habe ich mich verlassen und damit gerechnet, dass ich noch lange keine Mitteilung bekommen würde, weil ich nicht zu den Risikopatienten gehöre. Deshalb wollte ich mich sofort beim Impfzentrum anmelden, wenn mein Jahrgang der über 70-Jährigen an der Reihe ist.
    Ganz zufällig erfahre ich nun von meiner viel jüngeren Nachbarin, dass diese auf Nachfrage bei unserem gemeinsamen Hausarzt die Impfung mit Biontech sofort erhalten hat – obwohl sie weder Risikopatientin ist noch das Alter hat. Da hat man scheinbar nur das Nachsehen, wenn man sich an die Vorgaben hält. Das sollte einheitlich vorgegeben sein.

  9. Endlich kommen die HausärzteInnen dazu. Meine rief mich (Impfprio 2) gestern um 18:30 noch an und fragte ob ich innerhalb von 45 Minuten da sein kann. Ich konnte und bin nun geimpft mit BionTech. Ich denke die ÄrztInnen können sehr gut entscheiden in welcher Reihenfolge geimpft werden muss und können flexibel und schnell die Breite der Bevölkerung erreichen. Das sollte das Land eher forcieren als bremsen.