Landrat Stephan Santelmann. Foto: RBK/Joachim Rieger

Ausgerechnet jetzt, wo die Inzidenz für die Bundesnotbremse so wichtig ist, gibt es bei den Corona-Daten in Rhein-Berg Verzögerungen, Widersprüche und Korrekturen. Das gehe auf aufwendige Prozeduren, ein neues Meldeverfahren und technische Probleme zurück, erläutert Landrat Stephan Santelmann. Es zeigt sich: was wie Chaos aussieht, ist oft System, verbunden mit Überlastung. Santelmann räumt ein, dass es bei der Nachverfolgung von Kontakten Tage dauern kann, bis sich das Gesundheitsamt meldet – und appelliert an die eigene Verantwortung.

Seit der Auseinandersetzung innerhalb der Kreisverwaltung über die Notbremse und dem Rückzug von Kreisdirektor Erik Werdel aus der Leitung des Krisenstabs scheint die Pandemiebekämpfung im Rheinisch-Bergischen Kreis aus dem Tritt geraten zu sein. Fallzahlen und Inzidenzwerte werden häufig rückwirkend korrigiert, Todesfälle werden mit großer Verzögerung veröffentlicht – und Personen mit positivem Testergebnis warten viele Tage, bis sich das Gesundheitsamt bei ihnen meldet.

Nun nimmt Landrat Stephan Santelmann auf Anfrage des Bürgerportals zu einer Reihe von Details schriftlich Stellung, womit einige der Informationslücken geschlossen werden. Dabei wird klar, dass die Corona-Statistik selbst dann, wenn alles rund läuft, das tatsächliche Infektionsgeschehen nur mit einigen Tagen Verzögerung anzeigt.

Und das in einer Zeit, in der die Inzidenz in einem Landkreis darüber entscheidet, ob Schulen schließen und eine Ausgangssperre in Kraft tritt.

Hintergrund: Zur angekündigten Neuordnung des Krisenmanagements im Kreishaus, mit der schrittweisen Auflösung des Krisenstabs und der Integration der Corona-Aufgaben in die normalen Strukturen der Kreisverwaltung, äußert sich Landrat Santelmann jetzt nicht. Zuvor müssten noch Gespräche geführt werden, sagte er dem Bürgerportal.

Prüfung der Todesursachen benötigt viel Zeit

Die Tatsache, dass in dieser Woche fünf Todesfälle gemeldet wurden, die sich bereits vor zwei Monaten ereignet hatten, erklärt die Kreisverwaltung mit einer langwierigen Überprüfung der Todesursache: Von der Leichenschau, der Ausstellung des Totenscheins, der Prüfung durch einen Arzt im Gesundheitsamt bis zur Feststellung, ob die Person tatsächlich an Corona gestorben ist, könne es einige Wochen dauern.

Indirekt räumt der Kreis ein, dass sich dabei zuletzt ein Rückstau gebildet hat. An diesem Donnerstag würden noch einmal bereits bekannte Todesfälle gemeldet; danach sollen neue Fälle wieder regelmäßig und wöchentlich gemeldet werden. Bei der notwendigen Zeit für die Überprüfung der Todesursache bleibt es aber.

Neues Meldeverfahren sorgt für Korrekturbedarf

Die zahlreichen Nachmeldungen und Korrekturen der Corona-Daten führt Landrat Santelmann auf eine Umstellung des Meldeverfahrens zurück, kombiniert mit technischen Ausfällen wie zuletzt beim Server des Landeszentrums Gesundheit (LZG).

Derzeit führe die Kreisverwaltung ein neues Verfahrens zur digitalen Verarbeitung der Laborergebnisse (DEMIS – Deutsches Elek­tro­ni­sches Melde- und Infor­ma­tions­system für den Infek­tions­schutz) ein.

Dabei sei auch die zeitliche Zuordnung der Fälle geändert worden: früher gingen alle Fälle einfach mit dem Datum in die Statistik ein, an dem sie im Lagezentrum des Kreises erfasst worden waren. Nun werden sie auf den Tag zurückdatiert, an dem das Labor das positive Ergebnis festgestellt hatte.

Auch im Regelbetrieb werden neue Fälle zurück datiert gemeldet

Das bedeutet, dass die Fallzahlen regelmäßig rückwirkend korrigiert werden. Im Idealfall, wenn die Laborergebnis regelmäßig und ohne Verzug im Lagezentrum erfasst werden, spielt das keine große Rolle.

Nach Angaben der Kreisverwaltung wird ein Fall in der Regel ein bis zwei Tage nach dem Eingang im Lagezentrum an das Landeszentrum Gesundheit weiter gemeldet. Erst dann geht es in die offizielle Statistik ein, die Basis für die Berechnung der Inzidenz auf Kreis-, Landes und Bundesebene ist.

Zum Beispiel: Am Montag stellt das Labor fest, dass die Probe X positiv ist, meldet sie noch am selben Tag an das Gesundheitsamt. Dort wird sie am Dienstag erfasst und am Mittwoch an das LZG gemeldet. Am Donnerstagfrüh erscheint der Fall X in der LZG-Statistik und geht in die Neuberechnung der Inzidenz von Montag (und der Folgetage) ein. Die Öffentlichkeit erfährt von Fall X mit der Pressemitteilung, die der Kreis am Donnerstagnachmittag verschickt. Seit der Infektion können seitdem insgesamt acht, zehn oder mehr Tage vergangen sein.

Sobald sich Fälle vor der Erfassung aufstauen, werden auch der Verzug und die erforderlichen Korrekturen größer. Das sei zuletzt auch wegen der Systemumstellung der Fall gewesen, so der Kreis. Aber auch bei hohen Fallzahlen könne das vorkommen.

Genau das ist in den vergangenen Tagen in Rhein-Berg, aber auch in NRW insgesamt zu beobachten gewesen.

Korrekturen sind also immer erforderlich, starke Veränderungen des Infektionsgeschehens werden erst rückblickend sichtbar.

Grundsätzlich führt das dazu, dass die Grafik mit der Entwicklung der Inzidenz näher am tatsächlichen Laborgeschehen ist. Wenn an einem bestimmten Tag X besonders viele Fälle im Labor bestätigt werden, dann weist das die Statistik auch für den Tag X aus. Aber eben nur rückblickend.

Zwischenfazit: Die Umstellung des Meldeverfahrens macht die Statistik genauer und das Infektionsgeschehen transparenter. Eine sichere Beurteilung ist aber erst mit ein oder zwei Tagen Abstand rückblickend möglich. Und es funktioniert nur, wenn der Kreis die Laborergebnisse innerhalb von ein oder zwei Tagen abarbeitet. Bildet sich ein Rückstau, geht die Transparenz verloren.

Überlastung bei der Kontaktverfolgung

Der Landrat räumt ein, dass es auch bei der so wichtigen Aufgabe der Kontaktnachverfolgung zu Verzögerungen komme. Nur in einem – offenbar kleinen – Teil der Fälle gelinge es dem Lagezentrum des Gesundheitsamtes, einen positiv Getesteten innerhalb von 24 Stunden zu kontaktieren, nach Kontaktpersonen zu befragen und die notwendigen Maßnahmen einzuleiten.

Noch immer nutzt der Kreis für die Kontaktverfolgung ein eigenes IT-System, die Einführung des bundesweites SORMAS Systems war im Februar geplant gewesen, musste dann aber nach einem Coronafall im Lagezentrum mit Quarantäne für einen Großteil der Mitarbeiter aufgeschoben werden.

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Zwar werde eine sofortige Kontaktaufnahme zur Beratung und Aufklärung angestrebt, erklärt Landrat Santelmann, bei den aktuellen Fallzahlen sei jedoch „ein Rückstand von drei bis fünf Tagen realistisch.“ Fallbeispiele, in denen es angeblich bis zu acht Tage gedauert habe, kommentiert er nicht.

Santelmann verweist jedoch auf die bekannte Verfügung vom November 2020: Wer ein positives Testergebnis erhält soll sich eigenständig mit seinen Haushaltsangehörigen in Quarantäne begeben und selbst die engen Kontaktpersonen informieren. Und auf keinen Fall warten, bis sich das Gesundheitsamt meldet.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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23 Kommentare

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  1. Sehr geehrte „Babsy“, natürlich löschen wir Kommentare, die aus der Anonymität heraus verleumden, herabsetzen oder beleidigen. Und wenn jemand acht Kommentare weitgehend gleichen Inhalts postet, dann löschen wir sieben davon. Wenn Sie Missstände aufdecken wollen, dann können Sie sich gerne vertraulich direkt an die Redaktion wenden: redaktion@in-gl.de

  2. Hallo Anton W.,
    das habe ich auch schon erlebt.
    Eine kritische Äußerung (ich habe keine Person direkt genannt und wurde nicht beleidigend oder verletzend) wurde hier gestrichen.
    Die Redaktion streicht hier Kommentare, die ihr oder anderen Personen nicht gefallen da Mißstände aufgedeckt werden.

  3. Sehr geehrte Frau L., hier handelt es sich um ein Kommentarfeld, das für Meinungsäußerungen oder Fragen unserer Leser gedacht ist, die von allgemeinem Interesse sind. Für Anfragen dieser Art können Sie uns gerne eine Mail schicken.

    Natürlich steht der Beitrag in der Ausgabe von heute, wir arbeiten aktuell.

  4. Wo kann man die Begründung zu folgender Information aus Ihrem heutigen Newsletter nachlesen?:

    „Die Nachverfolgung der Kontakte infizierter Personen will der Kreis mit dem Kölner Gesundheitsamt zusammen betreiben, sagte Landrat Stephan Santelmann bei einer Sitzung der Beratenden Versammlung Rhein-Berg der IHK.“

    Im Kölner Stadtanzeiger, den Sie als Quelle nennen, finde ich keine Meldung zur Kooperation des RBK-Gesundheitsamtes mit dem Kölner Gesundheitsamt bei der Kontaktnachverfolgung. In welcher Ausgabe des KStA auf welcher Seite soll das stehen?

  5. Mehr als dringend nötig wäre eine sehr zeitnahe Impfung der Lehrer der weiterführenden Schulen.
    Köln geht mit gutem Beispiel voran.

  6. @Oliver M., Danke , BZgA ist das korrekte Kürzel für Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

  7. @Christian, Missverständnis. Nicht Ihre Rückschlüsse halte ich für falsch sondern die in der BZfA-Erklärung. Ihre Modellrechnung kann ich nachvollziehen, ich bin aber von den hier berichteten realen Ergebnissen ausgegangen.

  8. @Klaus Wagner
    Zum Besseren Verständnis führe ich die Modellrechnung mit absoluten Zahlen aus.
    Angenommen es werden 100.000 Personen getestet.
    Typische Angaben von Schnelltestherstellern sind:
    – 1% der Gesunden werden falsch positiv getestet (Spezifität)
    – 85% der Kranken werden korrekt positiv getestet (Sensitivität)
    Bei der Inzidenz gibt es eine Dunkelziffer, mit der man sich abfinden muss. Man benötigt also eine Annahme. Angenommen, dass von 100.000 Personen 300 infiziert sind (das wäre wohl eine konservative Annahme). Das bedeutet, dass 99.700 Personen gesund sind. Durch 100.000 Tests ergeben sich nun vier Gruppen.
    Kranke, die positiv getestet werden: 300*0,85=255
    Kranke, die negativ getestet werden: 300-255=45
    Gesunde, die positiv getestet werden: 99.700*0,01=997
    Gesunde, die negative getestet werden: 99.700-997=98.703
    Positive Tests insgesamt: 255+997=1252
    Wahrscheinlichkeit für tatsächlich vorliegende Infektion bei positivem Test: 255/(1252)=20,3%
    Wenn nun insgesamt aber nur 0,75 % der Tests positiv sind, müssten die Annahmen zur Spezifität angepasst werden. Wenn hier nun 65% (statt 20,3%) herauskommen sollen (gibt es hier einen Link?), müsste man sehr hohe Inzidenzen und/oder wesentlich geringere Spezifitäten ansetzen.

  9. Der erste Satz dieses Beitrags sagt eigentlich alles.
    Inwieweit unser Landrat hierfür mitverantwortlich ist, kann ich nicht beurteilen. Er aber ist der Verantwortliche, der maßgeblich dazu beitragen könnte, dass hier schnellstens etwas passiert. Stattdessen nur inhaltlose Ausreden, die man glauben kann, oder eben nicht. Aber helfen tut das niemandem.
    Ich bemühe mich nun mehr seit 12 Monaten, um mich und andere zu schützen, doch meine Geduld ist mittlerweile an Ende, Weil man gar nichts mehr glauben kann, nicht aus Berlin, nicht aus Düsseldorf, nicht aus RBK und nicht aus GL.
    Es reicht, und, Herr Santelmann, ein persönliches Wort, stellen Sie den alten Zustand wieder her, testen Sie neue Systeme im Stillen und gehen Sie an die Öffentlichkeit, wenn alles funktioniert. Setzen sie Kreisdirektor Herrn Werdel wieder ein und ziehen stattdessen selber Konsequenzen. Sie machen es nicht einen Deut besser, wie alle Politiker, die uns ein X für ein U vormachen wollen.

  10. Eine wichtige Frage, die wir bislang nicht klären konnte. Da diese Korrekturen nicht nur im Rheinisch-Bergischen Kreis stattfinden, sondern in einem mehr oder größeren Umfang in allen Kommunen in NRW, gehen wir davon aus, dass das zentral geklärt wird. Wir fragen nach.

  11. Wenn jetzt die Zahlen immer nachträglich korrigiert werden, wann und mit welchen Daten werden dann Schulöffnungen / fortführen des Distanzunterrichts für die Woche ab 26. April entschieden und an Schulen und Eltern kommuniziert? Alle brauchen ein bisschen Planungssicherheit.

  12. @Christian,hier die Quelle BZfA ( für eine Bestätigungsrate von 65%) , die entsprechenden Rückschlüsse halte ich für falsch.
    Offizielles Statement des BZfA (Bundesamt für gesundheitliche Aufklärun) vom 31.03.2021 Text: „Es lässt sich bisher keine Verzerrung der Erkrankungszahlen durch eine übergroße oder stark ansteigende Anzahl von positiven Antigen-Tests nachweisen.

    Nach Infektionsschutzgesetz (IfSG) ist ein positives Ergebnis bei einem Antigen-Schnelltest (manchmal auch nur Schnelltest genannt) als Verdacht auf eine COVID-19 Erkrankung meldepflichtig an das Gesundheitsamt.
    Die an die Gesundheitsämter gemeldeten Daten werden an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemäß seiner Definition eines Erkrankungsfalls übermittelt. In den Lageberichten und anderen Veröffentlichungen der Daten (z. B. im Dashboard) des RKI werden jedoch nur die mit einem PCR-Test bestätigten Fälle angegeben.

    Von allen positiven Antigen-Testergebnissen, die an das RKI übermittelt wurden, wurde bei 65 Prozent eine Bestätigung durch einen PCR-Test angegeben.

    Der Anteil von allen Erkrankungsfällen, die durch einen PCR-Test bestätigt wurden und für die ein vorangehender positiver Antigentest vorliegt, ist von Anfang Januar (1 Prozent) bis Anfang Februar (3,5 Prozent) angestiegen. Von Mitte Februar bis Mitte März blieb der Anteil, bei denen vor der PCR-Bestätigung ein positiver Antigennachweis vorgelegen hat, konstant unter 4 Prozent. Seit Mitte März ist dieser Anteil auf 6 Prozent angestiegen. Der Anstieg der positiven Antigennachweise kann jedoch nicht allein den deutlichen Fallzahlanstieg insgesamt begründen. Während die COVID-19-Fallzahlen seit Mitte März um über 20.000 Fälle angestiegen sind, ist die Anzahl der PCR-bestätigten Fälle, bei denen ein Antigennachweis angegeben wurde, nur um jeweils rund 1.800 gestiegen. „Textende

  13. @Klaus Wagner und Redaktion
    Ich halte die Massenschnelltests ebenfalls für sehr wichtig. Die Hinweise und die Diskussion der Schnelltestergebnisse sind sehr wichtig. Die Quelle (BZfA) kenne ich nicht und der Wert von 65% PCR-Positiver bei den Schnelltest-Positiven kommt mir ungewöhnlich hoch vor. Diese Rate würde tatsächlich eine sehr hohe Inzidenz nahelegen. Gerd Gigerenzer (Max Planck Institut für Bildungsforschung) hat in seinen populärwissenschaftlichen Büchern immer auf den Wert des Rechnens mit absoluten Zahlen zur Bewertung binärer Tests in der Medizin hingewiesen. Das RKI legt nun eine solche einfache Betrachtung für Corona-Schnelltests vor: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Infografik_Antigentest_PDF.pdf?__blob=publicationFile
    Typische Herstellerangaben wären 1% „Falsch positiv bei Gesunden“ und 85% „Richtig positiv bei Infizierten“. Der Bericht von in-gl mit 0,75% positiven Schnelltests deutet allerdings an, dass die Tests in der Praxis eher etwas besser sind, d.h. geringere Falsch-positiv-Raten aufweisen. Schätzt man die tatsächliche Inzidenz auf 0,3% (300 pro 100.000), so beträgt die Wahrscheinlichkeit für eine Infektion bei positivem Schnelltest ca. 25 %. Schätzt man die Inzidenz noch konservativer auf 1 % (1000 pro 100.000) so liegt die Wahrscheinlichkeit bei ca. 53 %. Diese Werte würden eine vorläufige Quarantäne für die Getesteten und deren Haushaltsangehörigen rechtfertigen. Ein PCR Test wäre bei einer vorliegenden Infektion im Falle eines positiven Schnelltests dann „fett positiv“ (Podcast-Aussage von Christian Drosten). Für die Akzeptanz der sog. Bürgerschnelltests ist die Option auf PCR-Freitestung extrem wichtig. Ich wünsche mir hierzu eine klare Aussage der Kreisverwaltung.

  14. Betrachtungen zur Test-Situation:
    Für Dienstag den 20.04. wurde berichtet (in-gl), dass in RBK 5267 Schnellteste ausgeführt wurden und es dabei 40 (0,75%) positive Resultate gab. Legt man eine durchschnittliche statistische Bestätigungsrate dieser Treffer bei der vorgeschriebenen Überprüfung mit PCR-Test von 65% (Quelle=BZfA) zu Grunde, müssten also 26 über diese Schnellteste ermittelten Neuinfektionen in die Zahl der Neuinfektionen an diesem Tag einfließen. Für Di 20.04. wurden nach der letztaktualisierten Zahl 64 Neuinfektionen für RBK gemeldet. Darin sollten also 26 Fälle (40%) über Schnellteste und 38 Fälle über „normale“ PCR-Test (Verdachtsfälle/Kontakte usw.) in die Zahl der PCR-bestätigten Neuinfektionen eingegangen sein. => Fazit: Die Zahl der erfassten Neuinfektionen und der daraus abgeleitete Inzidenzwert werden durch die Schnellteste deutlich erhöht. Da man bei den nicht anlassbezogenen Schnelltesten jetzt massiv in das bisherige Dunkelfeld der symptomlosen Infizierten greift ist die Zahl der Neuinfektionen und Inzidenzwerte anders zu bewerten als vor Einführung massenhafter Schnellteste und ist kein sicherer Anhaltspunkt für die Bewertung der Dynamik des Infektionsgeschehens. Die Teststrategie mit massenhaften Schnelltesten ist richtig, weil sie die Möglichkeit zur Unterbrechung von Infektionsketten bietet die bisher nicht erkannt wurden (sofern man sich an die Quarantäne hält). Bei der Tages-Stichprobe von 5267 Schnelltesten (1,86% der RBK-Einwohner) ließen sich also 26 PCR-bestätigte Fälle ermittelt. Auf RBK bezogen (283.271 Einwohner) könnte das bedeuten, dass es an diesem Tag 1.398 Infizierte gegeben hat von denen durch die Stichprobe nur 26 ermittelt wurden. Das ist ein Anhaltspunkt für eine hohe Dunkelziffer die das Infektionsgeschehen befeuern kann. Um so wichtiger sind massenhafte Teste.

  15. @Redaktion: Herzlichen Dank für die schnelle Rückmeldung.
    Zu den Tests: meines Wissens nach werden Abstrich-Aktionen (z.B. in Kitas) häufig vom Gesundheitsamt selbst durchgeführt. In diesen Fällen ist man auf eine schnelle Mitteilung positiver Ergebnisse durch das Gesundheitsamt angewiesen. Aus dem Bekanntenkreis erreichen uns Berichte, dass tatsächlich die Mitteilungen über positive PCR-Befunde durch die Gesundheitsämter direkt erfolgen. Die Bedeutung des Zeitfaktors kann hierbei nicht überbetont werden.
    Zur Quarantäne bei Schnelltests: Allgemeinverfügung (AV) 99 schickt Schnelltest-Positive in Quarantäne. AV 100 schickt die übrigen Personen des Haushalts der Schnelltest-Positiven in Quarantäne. Leider geht aus dem Wortlaut beider AVs meiner Meinung nach nicht hervor, dass die Option auf PCR-Freitestung besteht. Meine diesbezügliche Anfrage an die Kreisverwaltung ist bislang leider unbeantwortet. Sehr hilfreich wären Erläuterungen mit Fallbeispielen oder Flussdiagrammen.

  16. @Christian Das ist in der Tat die nächste spannende Frage. Aber auch hier kann es eigentlich nur um einen Verzug von ein oder zwei Tagen kommen: Das LZG berechnet die Inzidenz auch rückwirkend neu. Das heißt, dass die heute aktuell berechnete Inzidenz nur vorläufig ist, die Inzidenz von gestern oder erst recht vorgestern inzwischen aber erhärtet wurde – mit zum Teil bedeutenden Veränderungen.

    Auch heute hat das LZG die Inzidenz von gestern angepasst: von 150 auf 166. Der Grenzwert für die Schulschließung liegt bei 165.

    Wie das konkret geregelt wird, wenn ab Montag die Bundesnotbremse in Kraft tritt, ist noch offen. Ebenso die Frage, wer das entscheidet: Bund, Land oder Kreis.

    Die grundsätzliche Regel lautet, dass die Inzidenz drei Tage in Folge über dem jeweiligen Grenzwert liegen muss.

    Zu den Tests: in der Regel werden die PCR-Tests bei den Ärzten durchgeführt. Die teilen das Ergebnis dann den Betroffenen direkt mit. Wenn ein Schnelltest vorhergeht gilt auch da die Regel, dass man sich bei einem positiven Resultat in Quarantäne begibt, bis der PCR-Test für Klarheit sorgt.

  17. Sehr geehrter Herr Dietrich, darüber hatten wir bereits berichtet, in diesem Beitrag nur knapp: Sormas wird eingeführt. Nach Angaben der Kreisverwaltung war das im Februar bereits vorbereitet, die Schulungen liefen an. Dann traf ein Corona-Fall das Lagezentrum selbst, ein Großteil der Beschäftigen wurde in Quarantäne geschickte und musste zum Teil kurzfristig ersetzt werden. Damit wurde das Projekt ausgesetzt, dann kam die dritte Welle, usw. …

  18. Es ist mir schlechterdings unerklärlich warum das erprobte SORMAS.SYSTEM ím RBK zur Erfassung der Daten und deren Weiterverabeitug nicht eingeführt wird.

  19. Die zentrale Frage, wie der Meldeverzug sich auf Schutzmaßnahmen (z.B. Schulschließungen) auswirkt, bleibt meiner Meinung nach zunächst unbeantwortet.

    Der Verweis auf die Verfügung aus November 2020 ist meiner Meinung nach ein Widerspruch in sich. In der Praxis erfahren doch die Betroffenen oft erst vom Gesundheitsamt, dass sie PCR-positiv sind.

    Das Engangement von Privatpersonen ist sicherlich zu fördern. Eine wirkliche Quarantäne, die z.B. auch von Arbeitgebern akzeptier wird, kann eine Privatperson sicherlich nicht anordnen.

  20. Zwangsläufig muss ich bei den Einlassungen unseres Landrat an die Fabel unseres Bodo Schäfer denken: Enten finden Ausreden und Adler finden Lösungen. Persönlich wünsche ich mir eher Adler als handelnde Personen und dass diese auch die Verantwortung übernehmen, wie auch jeder von uns die Verantwortung für sein Tun und Handeln übernimmt.
    Klassisches Beispiel: Wenn ich den Müll nicht früh genug an die Straße bringe, dann ist bestimmt die Müllabfuhr schuld, weil sie zu früh dran waren.
    Mehr Verantwortung bitte!
    Für alle Interessierten hier der Link zu der amüsant vorgetragenen Fabel zum Thema Enten und Adler: https://www.youtube.com/watch?v=4upC5NRqTHM